Maleficius – Tatort 1102 / Crimetime Vorschau Sonntag, 08.09.2019 DAS ERSTE 20:15 Uhr // #Tatort #Ludwigshafen #SWR #Odenthal #Stern #Malefiz

Crimetime Vorschau - Titelbild SWR, Sabine Hackenberg

Im Dienst seit 1989, 69. Mordfall

Kennt jemand noch den geradezu intellektuellen Fluch „Malefiz!“? „Tatort Fans“ schreiben zur Erklärung des Titels:

Maleficium ist die Übeltat, das Verbrechen, formuliert in lateinischer Sprache. Der Maleficius jener, der in bösartiger Absicht handelt (…)“.

Wir wollen nicht unken, aber Tatorte mit sehr exzeptionellen Titeln sind meist nicht die besten. Woran das liegt, können wir nicht erklären, aber eines ist sicher: Wenn Lena Odenthal alias Ulrike Folkerts wirklich weitermachen will, bis sie „nicht mehr laufen und schießen kann“, wie sie in einem Interview vor einiger Zeit erklärt hat, und nicht etwa die Wünsche des Publikums in den Vordergrund stellt, dann sollte der SWR dafür sorgen, dass das Publikum sich daran erfreuen darf, dass Odenthal gute Drehbücher bekommt. Wir freuen uns darüber, dass sie eisern durchhalten will, um auf jeden Fall den ewigen Rekord für die längste Dienstzeit zu behalten. Dafür müssen vor allem die Münchener bald in Rente gehen, die zwei Jahre weniger als sie dabei sind. Rechtfertigen lässt sich alles: Einige Kommissare haben weit über das reale Pensionseintrittsalter hinaus gearbeitet. Gerade haben wir den letzten Polizeiruf mit Kurt Groth rezensiert, sein Darsteller Kurt Böwe war 69, als er aufgehört hat oder aus gesundheitlichen Gründen Schluss machen musste. Ulrike Folkerts ist 1961 geboren. Wenn sie nicht frühpensioniert wird, hat sie auch dann noch sieben Jahre vor sich, wenn sie die „reale“ Ruhestandsgrenze einhält.

Wir haben unsere Arbeit mit den Bewertungsgrafiken wieder aufgenommen, die sich aus Ranglisten des Tatort-Fundus generieren. Für Lena Odenthal haben wir die letzte dieser Grafiken im November 2015 erstellt und zeigen hier nach fast vier Jahren und sechs Tatorten, die inzwischen hinzugekommen sind, eine neue Version:

Die Kurven beginnen bei allen Ermittlern erratisch (linke Seite), weil jeder einzelne Film sich in den Anfangsjahren stark auf das Gesamtergebnis auswirkt. Lena Odenthal musste sich erst etablieren, das sieht man deutlich – und hatte dann ihre beste Zeit etwa ab der Jahrtausendwende mit einer fast ununterbrochenen Aufwärtsbewegung bis Anfang der 2010er Jahre. Seitdem aber geht es rapide bergab. Vor allem kam in den letzten Jahren kein einziger neuer Film mehr mit ihr zur Ausstrahlung, der eine sichtbare Gegenbewegung verursacht hätte. Eine gute Nachricht ist sicher, dass in dem langen Zeitraum zwischen 2015 und 2019 keine Gesamtverschiebung mehr nach unten stattgefunden hat, wie wir sie von 09/2014 bis 11/2015 deutlich erkennen. Die wenig beliebten damals neuen Tatorte wirkten sich offenbar auch auf die Bewertung älterer Filme aus. Dass diese Tendenz fast gestoppt ist, belegt, dass die Fans nicht Odenthal „bashen“, sondern mit ihren neuesten Filmen unzufrieden sind.

Möglicherweise kein Problem für die Darstellerin, wenn man so intrinsisch motiviert ist wie Ulrike Fokerts. Nach unserer Ansicht aber sehr wohl ein Problem für den Sender SWR, der sie betreut, es sei denn, dem SWR ist es egal, wie seine Produktionen im Vergleich dastehen. Auffällig ist aber auch etwas anderes: Nämlich, dass die Stuttgart-Schiene derzeit die angesehenste von allen ist. Sicher sind Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) ein kapables Duo, aber das allein erklärt den Unterschied nicht. Vielmehr scheint es so, dass der SWR alle Top-Drehbücher, die er kauft, für Stuttgart reserviert oder dass gute Drehbuchautor*innen lieber für diese Schiene schreiben.

Allerdings müssen wir eine weitere Ebene betrachten: Unsere Bewertung der Odenthal-Tatorte, gerade jener, die in den letzten Jahren bei vielen Zuschauern eine wenig erfreute Rezeption fanden, liegen oft höher, als der Durchschnitt der Fundus-Nutzer punktet. Sehr auffällig war dieser Unterschied zuletzt beim Tatort „Waldlust“ (Nr. 1050), der von den Fundus-Nutzern geradezu verrissen wurde (Wertung 4,74/10), das war ein Love-it-or-leave-it-Film – und wir mochten ihn recht gerne (7,5/10). Langfristig möchten wir unsere eigenen Bewertungen daher mit denen beim Fundus abgleichen, aber erstens fehlen uns noch einige Odenthal-Tatorte, zweitens ist dazu eine Form der Beitragsstatistik notwendig, die wir aus Zeitgründen im Moment nicht in Angriff nehmen können.

Man kann aber unabhängig von der eigenen Meinung die Tatsache nicht beiseite schieben, dass Lena Odenthal derzeit im Ermittlerranking nur auf Platz 15 von 22 liegt und damit unter den arrivierten Kommissar*innen das Schlusslicht bildet. Alle, die dahinter liegen, sind nicht oder noch nicht so recht in den Herzen der Fans angekommen. Wenn Odenthal wirklich bis 65 oder sogar darüber hinaus weitermacht, muss sich der SWR nach unserer Ansicht dringend etwas einfallen lassen, was über die Ablösung von Kopper durch Stern als Ermittlungspartner*in hinausgeht. Stern als „nächste Generation“ finden wir stimmig und freuen uns auch darüber, dass der Zickenkrieg mittlerweile beendet wurde, denn eigentlich ist dieser doch sehr unfeministisch und bestätigt bloß Klischees.

Nur, was kommt, um innere Spannung aufzubauen, die über den Einzelfall hinausweist? Oder muss das gar nicht, wie etwa bei den Münchenern, die meist sehr harmonisch miteinander arbeiten oder eben den Kollegen aus Stuttgart? Es gäbe eine Möglichkeit, etwas Neues zu machen und einen Schritt weiterzugehen. Odenthal und Stern ein Verhältnis miteinander haben zu lassen. Der SWR hatte 1978 mit Marianne Buchmüller die erste Frau als leitende Ermittlerin, so konservativ ist man im Südwesten also nicht. Aber würde man sich das Zeigen einer lesbischen Beziehung trauen und würden die Darstellerinnen mitmachen? Das ist nur eine Idee. Super Drehbücher mit tollen Kriminalfällen drin wären auch nicht schlecht. Vielleicht schon morgen Abend mit „Maleficius“? Wir werden unsere Eindrücke in einer Rezension aufschreiben.

TH

Handlung

Ein Rollstuhl steht am Ufer des Rheins. Sein Besitzer ist verschwunden, nur eine Brieftasche ist zurückgeblieben. Ein Suizid? Ein tragischer Unfall? Oder doch ein Verbrechen? Lena Odenthal und Johanna Stern recherchieren die Krankengeschichte des Verschwundenen und stellen fest: Alles spricht für Suizid. Doch dann wird die Leiche einer Ärztin gefunden. Sie arbeitete in der Hirnforschung, wo Menschen mit Handicap mit Hilfe von Gehirnstimulation Bewegungsfähigkeit zurückgewinnen sollen und auch der verschwundene Rollstuhlfahrer Hilfe gesucht hatte.

Lena und Johanna fragen sich, ob der selbstbewusste, nobelpreisverdächtige Chef der Assistenzärztin in ihren Fall verwickelt ist. Der behandelt nicht nur Lähmungen, sondern hegt hochfliegende Pläne von der Verschmelzung des menschlichen Gehirns mit künstlicher Intelligenz. Bei Lena Odenthal aber wachsen die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. 

Die Möglichkeiten der Gehirnstimulation und der Ehrgeiz neuronaler Forschung beschäftigen Autor und Regisseur Tom Bohn in seinem „Tatort: Maleficius“. Sebastian Bezzel spielt darin einen Forscher, für den in seiner eindrucksvollen klinischen Welt alles möglich scheint.

Besetzung und Stab

Lena OdenthalUlrike Folkerts
Johanna SternLisa Bitter
Prof. BordauerSebastian Bezzel
Ali KaymazGregor Bloéb
Jacqueline MalinaDominique Chiout
WolfiTim Ricke
Pfarrer ElligHeinz Hoenig
Fritz MarquardtMax Tidof
Dr. Marie AnzellJana Voosen
Lukas PirchnerIgor Tjumenzev
Frau KellerAnnalena Schmidt
Peter BeckerPeter Espeloer
Dr. ÖzcanKailas Mahadevan
Musik:Hans Franek
Kamera:Cornelia Janssen
Buch:Tom Bohn
Regie:Tom Bohn

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