„Das Märchen vom grünen Wachstum“ – Di. 15. Oktober 2019, 19 Uhr in der Roten Insel, Bezirksgeschäftsstelle DIE LINKE Tempelhof-Schöneberg, Feurigstraße 68, 10827 Berlin. #HWO #DerWahlberliner #Klimaschutz #Ökosozialismus #climatechange #DIELINKE #greenwashing

Vorhin hatten wir unsere Herbst-Winter-Offensive angekündigt, nun ein Beitrag für Schnellentschlossene, der auch eine wichtige Richtung anzeigt. Wir wollen mehr über nachhaltiges Wirtschaften reden und welche solidarischen Formen der Zusammenarbeit dafür notwendig sind.

Dass grünes Wachstum ein Märchen ist, wird auch in der LINKEn bei Weitem nicht von allen so gesehen, daher erwarten wir heute Abend eine kontroverse und interessante Diskussion zu diesem Thema:

Der Arbeitskreis „Rote Beete“ der LINKEn in unserem Bezirk widmet sich Umweltthemen und wird von sehr engagierten jungen Menschen in der Partei betrieben – so etwas können nicht alle Bezirksverbände vorweisen und wir freuen uns, aus Überzeugung heute mal wieder eine Veranstaltung aus unserem Bezirk weiterleiten zu können. Später als geplant, wieder mal, aber wer echte Arbeit ausübt, dem kommt auch mal was dazwischen.

Wichtig ist uns aber auch, dass wir damit in die Herbst-Winter-Offensive starten weil sie mitgeprägt sein wird von der Frage, wie Ökologie und Ökonomie in Einklang gebracht werden können. Das Klimapaket der Bundesregierung wird dafür ganz gewiss nicht sorgen.

Dass das grüne Wachstum ein Märchen sein könnte, soll sicher nicht bedeuten, dass wir auf ökologisches Denken verzichten müssen, sondern dass angesichts der überragenden Bedeutung der Erhaltung der Umwelt und des Klimaschutzes andere Ziele wie ewiges Wachstum endlich in Frage gestellt werden müssen. Das Wort Ökosozialismus mag bei manchen wieder einen Schreck auslösen. Bei uns nicht. Wir lassen das DDR-Framing schon deshalb nicht zu, weil nach unserer Auffassung die dortige Wirtschaft im Wesentlichen eine gelenkte staatskapitalistische und damit nicht originär sozialistische war. Genossenschaften von heute kommen dem Bild einer vergesellschafteten Wirtschaft demgemäß näher als die zu starre Planwirtschaft der DDR, in der außerdem der Staat als größter, in vielen Bereichen monopolistischer Kapitalist aufgetreten ist, der lediglich für sich in Anspruch nehmen konnte, nicht imperialistisch zu sein. Ob Letzteres so stimmt, ist übrigens auch eine interessante Frage.

Der Diskurs in der Öffentlichkeit über das Wirtschaften der Zukunft wird erst dann richtig spannend werden, wenn mehr Menschen sich trauen, die neoliberale Fehlentwicklung der letzten 30, 40 Jahre klar zu benennen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Diese unabdingbare Erkenntnis ist der erste Schritt, um überhaupt weiterdenken zu können, um nicht ungebremst in die nächste Wirtschaftskrise zu rennen und erneut nur mit Notbehelfen und mit dem weiteren Abbau der Rechte der Mehrheit auf das sichtbare Wanken des Gierkapitalismus reagieren zu können.

Selbstredend besteht die Gefahr, dass durch Greenwashing dieses System vorerst gerettet werden kann, weil der zunehmende Vertrieb von Produkten mit Bio-Anstrich die Margen etwas erhöhen wird – für eine gewisse Zeit und auch dann nur unter der Voraussetzung, dass nicht immer größere Teile der Bevölkerung sich diese Produkte nicht leisten können. Ein fundamentaler Ansatz ist es jedoch nicht, alle Strukturen, insbesondere die Macht- und Eigentumsstrukturen sowie die aggressive geostrategische Politik der Großmächte zu belassen, wie sie sind, aber ernsthaft an eine grüne Hoffnung zu glauben.

Wir werden heute Abend nicht zur oben beworbenen Veranstaltung gehen können, aber wir schicken einen Gruß an alle, die sich dafür einsetzen, ökonomische Märchen aller Art als solche zu enttarnen und damit eine Ordnung zu hinterfragen, die auf jenen fiktionalen Erzählungen aufgebaut ist. Dies zu tun, heißt immer auch, sich selbst zu hinterfragen – und das ist bekanntlich eine anspruchsvolle Aufgabe.

TH

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