Der Elefant im Raum – Tatort 1106 #Crimetime Vorschau 27.10.2019 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Luzern #Flückiger #Ritschard #SRF #Elefant #Raum

Crimetime Vorschau - Titelfoto © SRF, Daniel Winkler

Fast ein Jahrzehnt in Luzern

Neun Jahre lang haben wir Reto Flückiger alias Stefan Gubser nun begleitet. Im ersten Fall „Wunschdenken“ ermittelte noch Sofia Milos als Abigail Lanning an seiner Seite, ab dem nächsten Fall „Skalpell“ dann Delia Mayer als Liz Ritschard. Bis auf „Skalpell“ haben wir alle 17 Filme mit Flückiger nach der Premiere rezensiert und merken nun, dass auch wir schon lange Zeit mit der Reihe „Tatort“ befasst sind. Wir konnten noch nicht alle Filme sichten und darüber schreiben, aber es sind gegenwärtig über 700 von 1106, rund die Hälfte dieser Kritiken wurde im Rahmen von „Crimetime“ veröffentlicht oder wiederveröffentlicht. Dadurch, dass wir im März 2019 noch einmal ein neues Kapitel aufgeschlagen haben, indem wir nun auch die Parallelreihe „Polizeiruf 110“ bearbeiten, hat sich unser Blick sicher geweitet.

Flückiger bzw. Flückiger-Ritschard waren die zweite neue Schiene nach dem Wechsel in Frankfurt von Sänger und Dellwo auf Steier und Mey, die wir von Beginn an besprochen haben und wir haben das, was die Schweizer gemacht haben, häufig besser bewertet, als der Durchschnitt der Tatort-Fans. Die Drehbücher waren von unterschiedlicher Qualität, aber das gilt für die meisten anderen Tatortteams und ihre Fälle ebenso. Uns hat die ruhige, unprätentiöse Art von Reto Flückiger umso besser gefallen, je mehr Freaks am Tatort tätig wurden. Nicht, weil wir etwas gegen Exzentriker hätten, aber der Ausgleich von Zeit zu Zeit ist eben auch wichtig. Das Durchatmen und das Gefühl, dass Ermittler mit der gebotenen Ernsthaftigkeit an schwierige Fälle und die Macher der Filme an schwierige Themen herangehen, von denen wir einige gesehen haben. Neben Politikrimis, die sich in der Schweiz anbieten, zum Beispiel zum Thema Sterbehilfe und zu den Geflüchteten-Dramen der letzten Jahre. Beide Gegenstände hat man in Luzern überdurchschnittlich gut mit einer Krimihandlung verknüpft.

Ein großes Problem war immer, dass man die Filme synchronisieren musste und dadurch die Sprache farblos wirkte. Wir sind gespannt, ob man das beim neuen, weiblichen Zürich-Team nun anders handhaben wird. Wir wär’s denn mit einem Kompromiss, wie in den Wien-Krimis, bei denen der Dialekt ja auch etwas zurückgenommen wird, damit man hierzulande mit den Dialogen klarkommt? Das Gleiche gilt für Filme, die in Bayern oder in Norddeutschland spielen, wo man bei vollem Dialekteinsatz Probleme bekommen würde, wenn man die jeweilige Regionalsprache nicht beherrscht. In den von 3Sat ausgestrahlten Nachrichten aus der Schweiz kann man beispielhaft sehen, wie es laufen könnte: Die Moderatoren sprechen zwar deutlich eingefärbt, aber so, dass es hier auch verstanden wird und Politiker-Interviews werden untertitelt. 

Über „Der Elefant im Raum“ haben wir vom Verriss bis zum fast uneingeschränkten Lob einiges an unterschiedlichen Vorab-Kritiken angeschaut. Es geht dabei so weit auseinander, dass wir hier keine Meinung als exemplarisch zitieren wollen und wir meinen auch, zumindest ein Vorab-Bashing wird dem Team nicht gerecht. Wir finden es schade, dass der sympathische Typ Flückiger geht, weil Umstände, die nicht in seiner Person liegen, den Luzern-Tatort nie zu einem Liebling der Fangemeinde haben werden lassen.

Auch wenn es ein bisschen krass wirkt und Reto Flückiger nicht in maximal würdevoller Pose zeigt, das Titelfot haben wir ausgesucht, weil wir meinen, der Knebel passt gut zu dem Dauerproblem, dass er sich sprachlich nie richtig an uns vermitteln durfte. Nächste Woche wird es ja dann dialogmäßig zur Sache gehen – denn ein neuer Münster-Tatort namens „Lakritz“ steht an.

TH

Handlung

Ein gediegenes Dinner auf dem Vierwaldstättersee: Luzerns Elite aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – und mitten drin Reto Flückiger, der seine Freundin Eveline widerwillig zu diesem illustren Anlass begleitet. Als Flückiger bemerkt, dass etwas auf dem Dampfer nicht stimmt, ist es bereits zu spät: Lichtblitze, Rauch, zerbrochene Scheiben, ein toter Kapitän – an Bord bricht Panik aus.

Alles deutet auf einen Anschlag hin. Flückiger und Liz Ritschard verfolgen die Spur des Passagiers Bernhard Ineichen, der offenbar kurz vor dem Anschlag von Bord gegangen ist. Bei dem Verschwundenen handelt es sich um einen stadtbekannten Kantonsrat. Ist der Mann Täter oder wurde er selbst Opfer des Anschlages? Und warum wird Flückiger das Gefühl nicht los, ständig beobachtet zu werden?

Während Corinna Haas Handybilder der Passagiere analysiert, macht der Polizei zunehmend auch das alternative Newsportal „Veritas News“ zu schaffen. Dessen zwielichtiger Betreiber hat offenbar mehr Informationen zu den Geschehnissen an Bord, als er zugeben will. Geschickt treibt er die Ermittler vor sich her und ergeht sich in wilden Spekulationen zum Tathergang. Oder ist das Portal tatsächlich dabei, eine abgebrühte Verschwörung um Rüstungsgeschäfte aufzudecken, die das Luzerner Establishment um jeden Preis verheimlichen will? Und hat am Ende gar Eugen Mattmann, Flückigers Chef, etwas damit zu tun?

In ihrem letzten Fall geraten die beiden Luzerner Ermittler in ein scheinbar undurchdringliches Dickicht aus einem Mord, Fehlinformationen und Intrigen bis in die höchsten Ebenen.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Reto Flückiger – Stefan Gubser
Hauptkommissarin Liz Ritschard – Delia Mayer
Polizeichef Eugen Mattmann – Jean-Pierre Cornu
Kriminaltechnikerin Corinna Haas – Fabienne Hadorn
Journalistin Sonja Christen der „Luzerner Zeitung“ – Mona Petri
Journalist Frédéric Roux von „Veritas News” – Fabian Krüger
Redakteurin von “Veritas News” – Linda Gunst
Industrieller Planker Senior – Andrea Zogg
sein Sohn, Planker Junior – Manuel Löwensberg
Bernhard Ineichen – Martin Hug
Kapitän Iten – Christoph Künzler
Kellner Christian Streuli – Aaron Hitz
Flückigers Freundin Eveline Gasser – Brigitte Beyeler
u.a. 

Drehbuch – Felix Benesch, Mats Frey
Regie – Tom Gerber
Kamera – Jan Mettler
Szenenbild – Reto Trösch
Schnitt – Isabel Meier
Musik – Adrian Frutiger

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