Im Alter von … – Polizeiruf 110 Fall 319a / Crimetime 486 // #Polizeiruf 110 #Polizeiruf #DDR #Fuchs #Hübner #Arndt #Sexualmord #Verbot

Crimetime 486 - Titelfoto © Fernsehen der DDR / MDR 

Verboten, Vernichtung geplant. Gefunden. Erneuert.

Für „Im Alter von …“ sind wir gestern Abend vom Schema abgewichen, das einen Wechsel zwischen dem Anschauen älterer und neuerer Polizeirufe vorsieht. Nicht. Gestern wäre ein neuerer dran gewesen. Nicht = nicht abgewichen, denn der Film datiert jetzt in der Liste der Filme mit dem Premierendatum 2011. Vorgesehen war die Ausstrahlung für das Jahr 1975, dann sollte das Werk vernichtet werden, wurde aber 2009 in falsch beschrifteten Filmdosen gefunden, 2010 restauriert und mit neuer Tonspur versehen – und fand 2011, anlässlich des 40. Geburtstags der Reihe „Polizeiruf 110“ auf den Bildschirm. Der MDR hat sich der Sache angenommen. Warum wurde der Film verboten und wie schaut er sich heute? Darüber schreiben wir in der -> Rezension.

Handlung (Wikipedia)

Mit einem kaputten Keilriemen bleibt Jenny Gerlachs Trabant an der Autobahn stehen. Vergeblich versucht die Frau, die mit ihrem Sohn Ben, genannt Bennie, unterwegs ist, den Wagen zu reparieren. Bennie spricht einen älteren Mann an, der unweit Rast macht: Es handelt sich um Oberleutnant Peter Fuchs. Die Überraschung ist groß, als sich herausstellt, dass sich Peter Fuchs und Jenny Gerlach von früher kennen. Peter Fuchs war ein guter Freund ihres verstorbenen Mannes Werner, verlor die Familie jedoch nach seiner Versetzung nach Berlin aus den Augen. Die nächsten Tage verbringen die drei gemeinsam und Peter Fuchs und Bennie schließen Freundschaft, zumal der Junge seinen Vater nie bewusst kennengelernt hat. Er starb bei einem Unfall, als Bennie drei Jahre alt war. Eines Tages gehen Peter Fuchs und Jenny essen, während sich Bennie mit seinem besten Freund Till am Tonsee zum Schwimmen treffen will. Als Till zum See kommt, findet er zwar Bennies Fahrrad und seine Kleider vor, Bennie jedoch ist verschwunden. Nach einer langen Suche wendet sich Till an Peter Fuchs und Jenny. Sofort beginnt eine großangelegte Suche. Kurz darauf wird Bennies Leiche gefunden.

Peter Fuchs wird aufgrund seiner persönlichen Bekanntschaft mit Jenny und Bennie vom Fall abgezogen. Stattdessen übernehmen Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt die Ermittlungen. Bei der Suche im Gebiet werden zahlreiche weggeworfene Gegenstände gefunden, darunter eine Colaflasche und ein Taschentuch mit den Initialen „P. T.“. Auf der knapp außerhalb des Suchradius um den Tatort aufgefundenen Flasche lassen sich die Fingerabdrücke von Horst Reisenweber nachweisen. Er musste am Tattag zwar arbeiten, machte jedoch bereits mittags Schluss und fuhr nach eigener Aussage in den Folgestunden in der Gegend umher. Er war mit Bennie bekannt, brachte er ihm doch das Tennisspiel bei. Ein Mann sah ihn am Tattag im Wald. Auch ein zweiter Mann gerät unter Verdacht: Karl Fischer kannte die beiden Jungen schon lange und besitzt unweit des Tonsees eine kleine Werkstatt, in der er für die Kinder der Gegend Reparaturen vornimmt. In seiner Werkstatt entdeckt Jürgen Hübner zwar versteckt das Foto eines von hinten nackt aufgenommenen Kindes, doch gilt Karl Fischer als unverdächtig: Er ist verheiratet und hat vier kleine Töchter.

Es wird deutlich, dass der Täter möglicherweise sexuelle Motive hatte. Mehrere Kinder berichten, dass sie von einem Mann belästigt wurden. Das Phantombild bringt jedoch keine genaue optische Übereinstimmung mit einem der bekannten Männer. Die Ermittler erfahren, dass in der Gegend des Fundortes ein besonderes Erdfarbgemisch vorherrscht: Raseneisenerz ist typisch für die Gegend. Jürgen Hübner nimmt heimlich Erdspuren an den Reifen von Karl Fischers Motorrad ab. Bei einer Befragung von Fischers Frau erfährt er, dass nicht Fischer der Vater der vier Mädchen ist, sondern sie aus erster Ehe stammen. Frau Fischer war mit einem gewissen Peter Teurich verheiratet – die gesuchten Initialen auf dem Taschentuch. Als die Ermittler Karl Fischer festnehmen wollen, hat der bereits Selbstmord begangen. In seinem Abschiedsbrief gesteht er den Mord an Bennie Gerlach im Detail. Jürgen Hübner äußert die Hoffnung, dass es sich um einen Einzelfall handelte.

Sonderinfos zum Film (ausführlich auch dazu die Wikipedia-Seite zu „Im Alter von …“)

Schon die Polizeirufe Nr. 2 und 3 sind heute nicht mehr bzw. nur noch fragmentarisch vorhanden, werden aber in der Liste geführt – nicht jedoch „Im Alter von …“, dem wir daher die Nummer 319a verpasst haben, weil seine Uraufführung „außerregulär“ zwischen zwei tatsächlich neuen Filmen des Jahres 2011 stattfand. Der offizielle Jubiläumfilm zu „40 Jahre Polzeiruf 110“ war die Nr. 320 vom RBB, der erste Fall mit Olga Lenski (Maria Simon).

Einige weitere Krimis aus der DDR-Zeit waren als Polizeirufe geplant, wurden aber als Einzelfernsehfilme gesendet.

„Der eigentliche Krimi findet sich nicht auf der Mattscheibe, sondern in der Entstehungsgeschichte“, heißt es unter anderem von Seiten der Kritik und in der Tat ist die Geschichte von „Im Alter von …“ eine besondere. Die Handlung wurde gegenüber der Realvorlage bereits abgeschwächt, denn in ihr ging es um drei Morde. Am Ende sagt Oberleutnant Fuchs „Hoffentlich bleibt es bei dem einen Fall“, was ja nach der Ergreifung des Täters so sein müsste und – wie ironisch das klingt, wenn man um die Realität weiß.

Der wirkliche Täter Erwin Hagedorn, der drei Sexualmorde an Jungen beging, war eine von 35 Personen, die zwischen 1959 und 1981 in der DDR wegen Tötungsdelikten hingerichtet wurden (nicht wegen politischer Verbrechen).

Ob man nun den Hintergrund oder die Art, wie der Film gemacht ist, als Grund des Verbots ansieht, der Vorgang wirkt undurchsichtig, auch wenn die Wikipedia ihn ausführlich darstellt. Durfte es in der DDR keine solchen Mehrfachmörder geben, war das im Sozialismus undenkbar, oder warum legte man so viel Wert auf die Reaktion im Westen, die man nach diesem Film befürchtete? Verschweigen konnte man Hagedorns Taten doch ohnehin nicht mehr, nachdem in der BRD schon ein Buch darüber veröffentlicht wurde.

Es wird von einer internen Sichtung erzählt, die stattfand, als der Film unter offenbar erheblichen Änderungen dann doch fertiggestellt war. Und erst daraufhin erfolgt das Verbot – also ging es vielleicht doch auch um die Machart. Da wird nicht nachvollziehen können, welche externen, nicht im Film selbst begründeten Motive es fürs Verbot und die Vernichtungsanordnung gegeben haben könnte, konzentrieren wir uns auf den Film selbst – und das können wir, weil jemand ihn offenbar unbedingt erhalten wollte und ihn in falsch beschrifteten Rollendosen versteckte.

Rezension

Dass „Im Alter von …“ bei heutigen Kritikern so abwertend als langweilig oder betulich beschrieben wird, ist leider unsachgemäß. In nur 71 Minuten tut sich genug, um 71 Minuten mit einem Thrill zu füllen, der sich nicht in riesiger Action manifestiert, sondern in einer Situation, die in der Tat sehr langsam aufgebaut wird. Sicher, die Exposition ist nicht tatortgemäß, fast die Hälfte der Spielzeit ist verstrichen, als Bennie getötet wird. Aber es ist ein Merkmal der DDR-Polizeirufe, dass Figuren erst entwickelt werden, bevor es zum Verbrechen kommt, umgekehrt wie bei den meisten Tatorten. Dadurch hat man die Gelegenheit, Bennie kennenzulernen und seinen Tod viel persönlicher zu empfinden, als wenn man nichts über ihn gewusst hätte.

Der Trick, wie das funktioniert, wird auch sehr deutlich offengelegt. „Im Alter von …“ dürfte einer der ersten Filme beider Premiumreihen aus Ost und West gewesen sein, in dem ein Ermittler so in den Fall involviert wird, dass er die Ermittlungen gar nicht leiten darf. Der Unterschied: Oberleutnant Fuchs schickt sich nach einem für seine Verhältnisse bemerkenswerten Ausbruch, in dem er sich über die Dienstvorschriften aufregt, in dieses Schicksal und leistet nur noch der Mutter des getöteten Jungen Beistand. Dadurch wird Raum für Hübner und Arndt frei, aber auch der Major, der Chef von Fuchs, geht selbst in den Wald, schlägt das Hauptquartier der SoKo im Forsthaus auf und koordiniert von dort aus den Einsatz. Im Westen, unrealistisch: Die eigentlich vom Fall abgezogenen Cops machen einfach weiter und riskieren dabei den Job und natürlich Kopf und Kragen.

Es ist frappierend, wie das Muster, das in diesem Film verwendet wird, um den Zuschauer einzubinden, ihn aber auch zu stützen, sich später in den Tatorten festgesetzt hat. „Im Alter von …“ kann dabei keine Vorbildrolle gespielt haben, denn der Film wurde nicht offiziell gezeigt.

Ein zweites Problem neben der durchaus überdehnten Exposition stellt das abrupte Ende dar, das uns darüber rätseln ließ, ob nicht doch entweder Material gefehlt hat oder der Dreh eben nicht abgeschlossen werden konnte. Wir sehen in der Tat, dass der Mörder einen Brief geschrieben hat, nicht, dass er sich selbst getötet hat, wovon wir aber angesichts der Schlussszene auszugehen haben. Damit spart man sich dann auch einen strafrechtlichen Exkurs und dem Publikum die Überlegung, welche Strafe Karl Fischer zu gewärtigen hat.

Und direkt nach dieser Feststellung und dem oben zitierten Satz von Leutnant Fuchs ist Schluss. So abrupt enden auch ältere Polizeirufe in der Regel nicht. Wir hatten mindestens noch eine Szene mit Fuchs und der Mutter erwartet, damit der Film zum Ausgangspunkt zurückkehren kann.

Diejenigen, die den Film drehten, waren sich dessen wohl bewusst, dass sie an einem besonders heiklen Stoff arbeiteten, vermutlich nicht erst, seit die Dreharbeiten behindert wurden – immerhin konnte man eine Hundertschaft einsetzen, um Bennie suchen zu lassen, das haben wir bisher nur einmal, in „Ein Fall ohne Zeugen“ gesehen, der etwas zur selben Zeit gedreht wurde wie „Im Alter von …“ An einer Stelle wird erwähnt, der Täter habe die (seltene) Bluttgruppe AB, man hätte Fischer also vermutlich bald überführt, wenn er sich nicht selbst umgebracht hätte. Es gab ja im Wesentlichen nur zwei Verdächtige.

„Blutgruppe AB“ ist eine Anspielung auf den 9. Polizeiruf, der diesen Titel trug und erstmals ein Sexualdelikt zum Thema hatte. Damals führte Jürgen Hübner die Ermittlungen und er wirkt auch in „Im Alter von …“ sehr präsent und findig. Wir schrieben kürzlich, wenn er mit Fuchs zusammenarbeitet, hat diese nicht nur formal, sondern auch bezüglich der Präsenz die Nase vorn. Das trifft natürlich hier auch zu, weil mit ihm der Film beginnt und die anderen Ermittler erst später, als das Verbrechen geschehen ist, hinzukommen, aber sowohl Hübner als auch Arndt spielen sehr gut und engagiert. Das Team stand offensichtlich – überwiegend – hinter diesem besonderen Stoff, der eine andere Brisanz hat als die üblichen Diebstahlsfälle, bei denen manchmal eher zufällig Menschen zu Schaden kamen.

Man traute sich sogar, einen weiteren Aspekt einzubinden: Pädophilie, dazu noch in der Form, dass sie Homosexuellen zugerechnet wird, wie hier dem Tennisspieler und Wirt der Sportanlage. Und, ganz politisch korrekt nach heutigen Maßstäben: Dieser zweite Verdächtige war es nicht. Das ahnte man aber bereits. Sicher kann man die Vorhersehbarkeit dem Film ebenfalls als Mangel ankreiden, denn außer dem schicken Tenniswirt und dem kleinen, zurückgezogenen Herrn Fischer bot sich niemand an. Man hätte einen weiteren Verdächtigen wie den Radfahrer in Bahner-Uniform, geradezu aus dem Hut zaubern müssen, denn für die sachgemäße Einführung einer weiteren Figur dieser Art war keine Zeit mehr.

Psychologisch hat „Im Alter von …“ wirklich sehr gute Momente. Vom Wiedersehen der Königskinder, wobei sich ja nur eine Seite wirklich so fühlt über die Reaktion der Mutter nach dem Verbrechen und zugewandte, aber auch etwas linkische und schematische Art von Fuchs, damit umzugehen, passt alles recht gut. Dass er nicht anfängt, wie ein ausgebildeter Traumatherapeut zu reden, ist authentisch und spiegelt die Hilflosigkeit angesichts des Schocks und des Grauens über diesen Mord. Bezüglich der Einfühlung vor allem in den Täter ist Hübner dann derjenige, der hervortritt und man merkt, der eher zurückhaltende „Zweite Mann“ im DDR-Polizeiruf wäre der Mann für die großen, schrecklichen Fälle gewesen, in denen der Ermittler mittendrin steht und nicht souverän drüber – wenn es von diesen gewagten, riskanten Fällen mehr gegeben hätte. Nach dem Schicksal von „Im Alter von …“ wird man aufgepasst haben, dass dergleichen erst einmal nicht wieder vorkommt – und damit hat man eine Chance verpasst, etwas zu machen, was der Tatort damals noch nicht konnte: Verbrechen, bei denen es um das Furchtbare geht, das wir seit „M“ kennen, ganz hintergrundfrei zu zeigen: Es sind ja im Sozialismus nicht die Verhältnisse, die solche Persönlichkeiten hervorbringen.

Dass es sie aber dennoch gibt, das war wohl der tiefere Grund, warum der Film nicht gezeigt werden durfte. Nicht, dass der Sozialismus versagt, sondern dass Planbarkeit und Erziehung Grenzen haben, ist die eigentlich schockierende Tatsache, die aus Verbrechen hervortreten, die nicht aus dem in Polizeirufen aus der DDR-Zeit auffällig häufig thematisierten Motiv Habgier heraus begangen werden, sondern als Mordlust, gepaart mit sexueller Befriedigung. In einer anderen Zeit, 2013, wurden die Verbrechen des Erwin Hagedorn unter dem Titel „Mord in Eberswalde“ neu verfilmt – vielleicht inspiriert durch die späte Premiere des Polizeirufs „Im Alter von …“.

Uneingeschränktes Lob von uns dafür, wie man zwei Jahre zuvor mit dem Originalmaterial aus 1974/75 umging. Natürlich, der Film ist jetzt in Stereo, bei der Musik hat man keine Anpassung an die gängigen Melodien der Entstehungszeit erlaubt, sondern lässt sie mehr Einfluss auf die Atmosphäre nehmen, aber wie die Synchronisation gestaltet wurde, ist sehr beachtlich. Das Who’s Who der damaligen Polizeiruf-Szene spricht die Rollen der beliebten Vorgänger. Oliver Stritzel vom mittlerweile eingestellten Hessen-Polizeiruf spricht den sonoren Ton Hauptmann Fuchs, Andreas Schmidt-Schaller, der als Leutnant Grawe in den 1980ern in die Reihe einstieg, leiht dem damaligen Vorgesetzten Hübner die Stimme, sie ist etwas weniger rau, Jaecki Schwarz alias Kommissar Schmücke aus Halle spricht den Major, da haben wir leider keinen Vergleich – aber den Vogel schießt Anneke Kim Sarnau als Leutnant Vera Arndt ab. Sie nimmt ihre in den eigenen Rostock-Polizeirufen so markant wirkende, ruckig-impulsive Sprechweise komplett zurück und klingt tatsächlich wie Sigrid Göhler, die einen ganz anderen Typ verkörpert hat.

In dem Moment, als Hübner über die Ermittlungsschiene „pädophiler Homosexueller“ redet, hatten wir uns gefragt, ob man bei der Gestaltung der Dialoge nicht doch stellenweise vom Originaldrehbuch abgewichen ist, um Fallstricke diskriminierender Wortwahl zu umgehen, aber sonst klingt alles nicht nur von den verwendeten Begriffen und der Art, wie in den frühen 1970ern in den Polizeirufen gesprochen wurde, authentisch, bis hin zum Genossen Oberleutnant, es wird auch dem Duktus angepasst, den die einzelnen Figuren der Polizeirufe von 1974 tatsächlich zeigten. An dieser hoch veranlagten Synchronisierung könnte sich manches Team, das Spielfilme, besonders ältere, ins Deutsche übersetzt, ein Beispiel nehmen.

Finale

Auch die Tatsache, dass man mit Fuchs, Arndt und Hübner die drei „Köpfe“ unter den Ermittlerpersonen der 1970er eingesetzt hat und die kinohafte Farbgebung lassen darauf schließen, dass man hier einen „großen“ Polizeiruf drehen wollte und wir meinen doch, er wäre auch ein paar Minuten länger geworden, wenn man ihn wirklich zu Ende gebracht hätte, dann wären auch einige Unebenheiten vielleicht nicht mehr drin gewesen. Oder es lag an den offenbar massiven Änderungen, die man noch einmal für die Sichtung durch die Zensur vorgenommen hat, dass der Film nicht perfekt austariert ist. Aber stammt alles Material, das 2011 verwendet wurde, aus dieser Version? So häufig kommt es nicht vor, dass wir bei Fernsehfilmen das Bedürfnis nach der Recherche über die Hintergründe entwickeln.

Häufiger konstatieren wir, dass Tatorte, nun auch Polizeirufe, gute Zeitdokumente sind – aber um „Im Alter von …“ in diesem Sinne ganz zu verstehen, müsste man auch seine Geschichte genauer kennen. Was wir sehen, ist allerdings einer der schwierigsten Stoffe, die damals verfilmt wurden, uns fällt im Moment aus diesen Jahren kein Tatort-Pendant ein, das ebenso in dieses Thema eingestiegen ist. Sicherlich hätte man bei einer anderen Spielzeitaufteilung einen oder zwei Tatverdächtige mehr präsentieren können und den Hintergrund von Karl Fischer mehr ausleuchten können, die Beschränkung darauf, dass ein Vater von vier Töchtern unmöglich Kinder töten kann, ist zwar die Regel, aber wie die Familie Fischer – nicht – funktioniert, das wäre noch einige Szenen mehr wert gewesen. Wieder einmal entpuppt sich übrigens eine Familie, eine Ehe, als Setting mit mehr Fallstricken als positiven Aspekten und wäre nicht auch hier wieder eine geschiedene Person mit einem Mann in zweiter Ehe zusammen, den sie offenbar nicht entschlüsseln kann – ja, wir sind auf den ersten DDR-Polizeiruf gespannt, in dem eine intakte erste Ehe dargestellt wird. Gab es das überhaupt? Es muss doch!

8/10

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Heinz H. Seibert (1974), Hans Werner (2011)
Drehbuch Dorothea Kleine, Heinz H. Seibert
Produktion Anita Schulz, Heinz Beier für Fernsehen der DDR;
Telepool, Leipzig für MDR
Musik, Rainer Oleak
Kamera, Tilmann Dähn
Schnitt Gerti Gruner (1975), Stefan Urlaß (2011)

Peter Borgelt: Oberleutnant Peter Fuchs
Jürgen Frohriep: Oberleutnant Jürgen Hübner
Sigrid Göhler: Leutnant Vera Arndt
Stanislaw Zaczyk: Major Wegener
Wieslawa Niemyska: Jenny Gerlach
Klaus Richter: Ben „Bennie“ Gerlach
Fred Österreich: Till Hochstetter
Walter Lendrich: Karl Fischer
Teresa Lipowska: Frau Fischer
Heinz Behrens: Horst Reisenweber
Werner Kamenik: Herr Zander
Anneliese Müller: Wirtin

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