Kein Entkommen – Tatort 827 #Crimetime 504 #Tatort #Wien #Eisner #Fellner #ORF #Entkommen

 Crimetime 504 - Titelfoto © ORF, Petro Domenigg

Kein Entkommen, kein Ende, keine PC

Hass macht Spaß, so das Motto des Tatorts – und welche zivilisatorische Mühe macht es, diesem über Generationen hinweg den Nährboden zu entziehen. Die serbischen Extremisten stehen im Grunde für alle Extremisten, so kann man es sich zurechtlegen, wenn man die mangelnde politische Korrektheit dieses Tatorts als hintergründigen Wiener Schmäh auslegen will. Aber dass die Österreicher mit den Serben nicht besonders können, ist wohl auch kein Geheimnis. Im Film ist davon die Rede, dass serbische Nationalisten ihr Land als den Stein ansehen, an dem Weltordnungen zerschellen. Es ist klar, was gemeint ist: Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand durch einen serbischen Nationalisten in Sarajewo. Man schrieb das Jahr 1914. Beinahe 100 Jahre später ist der Balkan auch wieder so ein Pulverfass.* Ist das so? Und wie war der Film? Darüber steht alles in der -> Rezension. 

Handlung

Als zwei Killer einen Studenten, der einen Putztrupp abholen soll, auf dem Parkdeck eines Einkaufszentrums erschießen, liegt Major Moritz Eisner schweißgebadet, grippekrank und griesgrämig zu Hause. So blafft er seine Tochter Claudia und seine neue Assistentin Bibi Fellner an: „Ich bin im Krankenstand. Ich brauche Ruhe und keine hysterischen Weiber um mein Bett.“ Doch der Mordfall und Bibis gespielte Gelassenheit: „Na ja, jetzt muss ich halt allein dahin“, lassen ihn schlagartig gesunden.

Schnell finden beide Ermittler heraus, dass dieser Anschlag ein Versehen war und einem anderen Fahrer galt – Josef Müller, der in Wahrheit Mirko Gradic heißt. Umgehend versuchen die Auftragsmörder, ihren „Fehler“ zu korrigieren. Doch Mirko kann fliehen und stellt sich mit seinen geheimen Aufzeichnungen der Polizei. Er schwebt in akuter Lebensgefahr, weil er im Balkankrieg von der paramilitärischen Einheit „Sveti Tigar“ desertiert ist und eine große Bedrohung für eine Gruppe serbisch-nationaler Kriegsverbrecher darstellt, die offenbar in Wien untergetaucht ist. Denn er hat über sogenannte ethnische Säuberungen und Gräueltaten seiner Einheit genau Buch geführt und kennt die Namen sowie Gesichter der Verantwortlichen. Damit wird das Ganze plötzlich auch zu einem Fall für Interpol und den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Josef Müller alias Mirko sowie seine Frau Elisabeth und ihr Sohn Max werden sofort unter Polizeischutz gestellt, umquartiert und in einer Villa streng abgeschirmt. Doch die Verfolger sind ihnen offensichtlich dicht auf den Fersen geblieben – nachts dringen sie gewaltsam in das Haus ein, und es kommt zu einem Blutbad. Als Moritz Eisner und Bibi Fellner eintreffen, sieht es aus wie auf einem Kriegsschauplatz. Eisners Chef Ernst Rauter ist fassungslos: „13 Leichen in weniger als einer Stunde“.

Der Kopf der „Sveti Tigar“ heißt Mladen Ivesevic, der in Deutschland Medizin studiert hat, von seinen Anhängern als „Der Heilige“ verehrt wird und untergetaucht ist. Seine rechte Hand ist Radovan Jurkic, der „Schlächter„. Nach einer wilden Schießerei im Keller eines Cafés, wobei Moritz Eisner einen der Auftragskiller tödlich trifft, entschließt er sich, dieser kriminellen Organisation, die vor nichts zurückschreckt, eine Falle zu stellen. Mit Mirkos Sohn Max, der an Grippe erkrankt im Krankenhaus liegt, als Lockvogel. Der riskante Plan geht auf – der völlig überraschte Radovan Jurkic wird als Arzt verkleidet im Krankenhaus überwältigt.

Als alle akute Gefahr gebannt und Mirko in Sicherheit zu sein scheint, greift plötzlich der „Heilige“ selbst in das Geschehen ein und lässt seine teuflische Maskerade fallen, hinter der er sich die ganze Zeit versteckt hat. Doch Moritz Eisner stellt sich diesem ebenso brutalen wie eiskalten Anführer in den Weg und zwingt ihn so zu einer Entscheidung. Niemand kann ihm bei diesem Poker auf Leben und Tod helfen. 

Rezension

Keine Gnade mit den Gutmenschen-Piefkes. Dieses Attentat hat tatsächlich alle nationalistischen Gespenster des frühen 20. Jahrhunderts aus der Flasche gelassen und nicht nur das heute als irgendwie gemütlich-imperial verklärte Vielvölkerstaatswesen Österreich-Ungarn zerstört, zu dem auch Serbien zählte. Wenn man es so linear sehen will, verknüpfen sich alle weiteren Großverbrechen, die auf deutschem und österreichischem Boden und darüber hinaus in der  Folge entstanden sind, mit diesem ohrenbetäubenden politischen Knall und den daraus entstandenen Traumata.

Deswegen ist es nicht leicht, zum einen die Linie des Films zu bewerten und zum anderen noch seine Qualität als Krimi. Wir haben uns jedoch früh entschieden, den Daumen zu heben. Und wenn man das bei einem Werk wie diesem tut, dann wackelt man sich nicht vor bis auf zehn vor elf, sondern bleibt allenfalls kurz vor Mittag stehen, wegen einiger Kleinigkeiten wie zum Beispiel der etwas zu lustvoll ausgespielten Tendenz, es ganz schlimm mit dem Leichen sammeln und auch bezüglich der Fremdenfeindlichkeit auf Kante zu fahren. Denn auch so kann man den Tatort „Kein Entkommen“ lesen: Dass die Serben nur pars pro toto gestellt werden für alle wüsten Einwanderer, die sprachlich und auch sonst ihr eigenes Süppchen in ihren eigenen Lokalitäten mitten in Wien und anderen friedlichen mitteleuropäischen Städten kochen – was dann irgendwann die friedlichen Ureinwohner und im Grunde gutmütigen Polizisten zum Überkochen bringt.

Ob die vielen Toten als Ausdruck einer eskalierenden Lage realistisch sind, ob dramaturgisch notwendig oder nicht, ob die Art, wie sie geradezu trocken per schallgedämmter Schusswaffen erzeugt werden, etwas ganz subtil Parodistisches hat, man kann auf jeden Fall sagen, dieser Tatort ist auf die etwas irre Art gut gespielt und er wäre es auch mit ein paar Leichen weniger gewesen. Der Schockeffekt ist zwar moderat, die Verwirrung ob der Gewaltexzesse trotzdem vorhanden. Und dann dieses Ende. Nein, kein Entkommen. So etwas haben wir bisher noch nicht in einem Tatort gesehen. Das ist mutig und ganz schön böse. So, wie wir uns die Wiener irgendwann mal gewünscht haben. Dieses coming out kann man nicht niederschreiben, auch wenn man angesichts der Tendenz des Films das Magengrummeln noch nicht ganz losgeworden ist.  

Man hat das Gefühl, da hat sich über viele Jahre hinweg ein Hass angestaut. Nicht nur bei den Serben und anderen, die auf dem Balkan nach dem Tod der jugoslawischen Klammerfigur Josip Tito in einem mörderischen Krieg versackt sind. 

Sondern auch in Österreich, speziell in Wien, das immer schon eine Drehscheibe osteuropäisch-mitteleuropäischer Ereignisse war. Dass sich Menschen in Städten und Kulturen niederlassen, welche sie zutiefst verabscheuen und die Hass im Herzen tragen, das gibt es überall. Dass man sich so offen dagegen positioniert wie in diesem Tatort, dagegen selten.

Die Österreicher haben uns damit eine harte Nuss zum Knacken gegeben. Zum einen kann man natürlich sagen: Es ist doch wahr! Zum anderen ist es mit Sicherheit übertrieben. 13 Tote innerhalb einer Stunde, wie Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) gegen Ende für diejenigen nochmal nachzählt, die den Überblick verloren haben. Die Spielzeit, in der diese Toten entstanden sind, war ja noch wesentlich geringer. Innerhalb der Reihe ist das ein neuer Rekord.** Dennoch hat man nicht das Gefühl, es ist die grausamste aller bisherigen Tatorte. Vermutlich, weil man primetimegerecht die einzelnen Todesfälle nicht zu blutig dargestellt hat, gewinnt das Gefühl die Oberhand, dass die Zahl nur ein Symbol ist. Es hätten auch zwei oder fünfzig Tote sein können, es geht um die Zustände.

Andererseits – die Mechanismen von Hass und Ausgrenzung, die führen ja letztlich dazu, dass auch Polizisten hassen und durch tiefedunkle Gesinnungstäler wandern. Aktion, Reaktion, aber schön langsam aufgebaut. Die Dramaturgie dieses Tatortes ist eine der besten, die wir bisher gesehen haben. Der Wechsel von Gewalt und ruhigen, beinahe lyrischen Momenten, in denen zum Beispiel ein früherer Massenmörder seinem Kind symbolträchtige Geschichten vorliest oder in denen verschiedene Mittel gegen die grassierende Grippewelle durchprobiert werden, untermalt von Schumann-Musik, die immer mehr ansteigende Wut der Polizisten Eisner und Bibi Fellner (Adele Neuhauser), das ist jenseits aller Tendenzen Actionkino mit glaubwürdigem Verhalten der handelnden Charaktere.

Der Schnupfen ist ein Kulturprodukt. Dann die Brüche. Es ist hochinteressant, wie alle Menschen, die ein Herz haben, dem Schnupfen anheim fallen, im Verlauf dieses Krimis. Das gilt auch für den ausgestiegenen Familienvater, das gilt für die Polizei und deren Angehörige. Es gilt nicht für die serbischen Killer. Und natürlich nicht für den Heiligen, der sich unter der Maske eines Kinderarztes verbirgt. Wir ahnten es recht schnell, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt. Der kleine Max erzählt in seinem Behandlungszimmer, dass man umgezogen ist und Polizisten dabei eine Rolle spielen. Dann werden seine Mutter und er von diesen Typen verfolgt. Wäre es nicht der Arzt gewesen, wäre die undichte Stelle ja bei der Polizei anzusiedeln, und selbst den Interpol-Vertretern hätten wir das nicht zugetraut. Oder? Einen Moment lang hatten wir den Interpolizisten mit serbischem Hintergrund auch im Verdacht.

Was wir ebenfalls klasse fanden – wie Eisner rücksichtslos auf den enttarnten Heiligen zugeht und tatsächlich das Leben des Kindes riskiert, das dieser in seiner Gewalt hat. Es wird in einem Krimi endlich einmal hinterfragt, ob so ein Scheinheiliger tatsächlich sein Leben opfert, indem er diesem Kind etwas zuleide tut. Es geht nicht um seine Moral, sondern um seine Chuzpe.  Und die ist gerade bei den Drahtziehern, die sich nicht selbst die Hände dreckig machen, nicht immer so riesig. Wir haben uns schön öfter gefragt, ob Geiselnahmen nicht doch sehr stumpfe Waffen sind, eine Art Restverstand, eine rationale Grundeinstellung bei den Geiselnehmern vorausgesetzt.*** Wer hingegen ausgetickt oder komplett ruchlos veranlagt ist, der könnte seine Geiseln auch töten, nachdem man alle seine Forderungen erfüllt hat. Eisner tut im Grunde das, was die deutsche Regierung im deutschen Herbst von 1977 getan hat: Er lässt sich von Terroristen nicht nötigen. So sehr das auch in dem Moment durch überschießendes Adrenalin bestimmt gewesen sein mag, anders als in jenen Jahren, in denen politisch abgewogen werden und nicht in Sekunden entschieden werden musste, so sehr war es richtig, die Spirale zu durchbrechen.

Das Ende ist gerade wegen des sehr hohen Einsatz aller Beteiligten derb. Wie diese beiden Vollstreckerfiguren durchs Krankenhaus marschieren und vermutlich den Verräter, der ein Buch über die serbischen Tiger schreiben will, doch noch zur Strecke bringen und vielleicht sogar sein Kind ermorden werden, das ist nicht nur gegen die Tradition, dass das Gute siegt. Es ist auch ein Kommentar zur Lage der Dinge – es wird nicht einfach enden. Der Kampf ist nicht dadurch gewonnen, dass man einer Schlange den Kopf abschlägt, solange deren Herz kräftig schlägt und voller Hass ist, solange also diese Hydra neue Köpfe und neue Gewalt hervorbringen kann. Und wenn es nicht diese Schlange, diese Nationalistengruppe ist, dann eben eine andere. Insofern gibt es tatsächlich kein Entkommen und die Lage bleibt kritisch.

Mit unseren Ängsten, Aversionen und Sorgen um die Freiheit und Gemütlichkeit unseres Daseins, mit den daraus resultierenden Verdachtsmomenten undurchschaubaren, sich uns sprachlich entziehenden Fremden gegenüber wird in „Kein Entkommen“ derart virtuos gespielt, dass man sich alles Mögliche ins Gedächtnis rufen kann und doch zu keinem schlüssigen Ergebnis kommt, zumindest nicht so schnell. Einerseits sind Mordserien wie die hier gezeigte nicht sehr realistisch. Andererseits gab es schon Anschläge mit mehr Toten und Terroristen jeder Couleur, die über Jahre vor sich hin morden können, mehr oder weniger unbehelligt. Wir haben das gerade gesehen. Im Film wird ja auch von terroristischen Zellen gesprochen, und solche Zellen können ganz verschiedene ideologische Erzählungen pflegen.

Der Durchbruch nach längerer Zeit. Eines ist sicher – wer bisher kein Fan von Eisner und Fellner war, der muss die Leistung der Schauspieler Krassnitzer und Neuhauser hier vorbehaltlos würdigen. Sie schenken sich auch nichts. Seine Intensität und das innere Feuer stehen ihrer offen ausgelebten Emotionalität nicht nach. Die beiden Figuren haben in diesem Tatort eine Menge an Dialogfreiheiten, das kommt ihnen natürlich zugute. Sie dürfen Ohnmacht und Macht, Verzweiflung und Mut zeigen, da wird nichts raus- oder zurückgenommen. Aber sie können das auch darstellen, und es ist nicht selbstverständlich, dass man im vergleichsweise beschaulich wirkenden Österreich ein Drehbuch durchwinkt, das so provozierend in mehrfacher Hinsicht gestaltet ist und so viel großes Theater erlaubt. Bei Standard & Poor’s hat Österreich gerade das AAA verloren, als Tatortstandort für uns eines gewonnen.

Finale

Filmisch ist „Kein Entkommen“ vielleicht der beste Tatort, der je in Österreich gedreht wurde und das erste Highlight des Tatortjahres 2012. So einfach ist das aber nicht, rabiat zu sein, nicht für diejenigen, die es zu verantworten haben, nicht für den Zuschauer, auch nicht für die ARD, die mit im Boot sitzt und für gewöhnlich in Sorge hat, jenes Boot, mit dem ja auch die politische Bildung des Zuschauers in so viele Haushalte schippert wie mit keinem anderen Format, könne in politische Schieflage geraten. Die Oberen in Deutschland waren sicher froh, dass der Krimi nicht hierzulande entstanden ist, denn es hätte  im Anschluss wieder eine erhebliche Diskussion über die sachgerechte Darstellung ethnischer Gruppierungen gegeben.**** So kann man sich damit herausreden, dass andere Länder andere Sitten beim Umgang mit heiklen Themen haben. Und das ist ja dann auch wieder politisch korrekt, sich genau auf diesen Standpunkt zu stellen.

Das Problem ist aber leider, dass die Welt nicht so ist, wie wir sie gerne hätten. Wir ärgern uns manchmal, hassen aber niemanden. Dafür sind die Antriebsmomente nicht stark genug, dafür ist unsere Biografie nicht geeignet, unsere Welt nicht dämonisch genug.***** 

Außerdem rechnen wir uns zu, aus der deutschen Geschichte gelernt zu haben. Wer aber meint, dem Hass darf man sich nicht erwehren, der setzt durchaus die Freiheit aufs Spiel, die es erst zulässt, dass Menschen ihre Aggressionen so ausleben können, wie sie es in diesem Film tun. Aus dem Dilemma, wie mit dem ewigen Hass derer umzugehen ist, die nicht gelernt haben oder lernen konnten, Konflikte friedlich zu lösen, gibt es kein Entkommen und man muss sich in jedem einzelnen Fall dazu neu aufstellen.

Aus „Kein Entkommen“ kann man sich quasi jede Lehre ableiten, das ist die Crux an diesem Ding. Und dieses Doppelbödige ist wieder typisch österreichisch – finden wir zumindest. Da gibt es keine Apostel, die den ethischen Weg weisen, wie man sie insbesondere in lutherisch-norddeutschen Tatorten häufig antrifft, sondern nur Menschen oder kaum noch als Menschen wahrnehmbare Mordmaschinen, die uns illustrieren, wie wenig die gesetzmäßige Ordnung der Dinge und die humanistischen Weltanschauungen feste Burgen sind, in die wir uns flüchten können, wenn der Sturm heraufzieht. Der offene Schluss unterstreicht dies für alle, die es noch nicht verstanden hatten.

Jeder kann also diesen Film deuten, wie er möchte. Wir nehmen ihn als Plädoyer, trotz der Unmöglichkeit, eine vollständig friedliche und tolerante Welt zu erreichen, für die Freiheit notfalls einzustehen und nicht wegzuschauen und aus  ideologischen Gründen Dinge nicht in uns aufnehmen zu dürfen, die sich nicht nur in Wien, sondern auch in Berlin ziemlich deutlich zeigen. Toleranz heißt nicht unbedingt, blauäugig und tolerant gegenüber der Intoleranz zu sein.

Wir hoffen, der Film soll kein Testfall sein, wie weit man bei der Darstellung von ethnischen Minderheiten gehen kann (einmal ist auch von Schuschen die Rede; eine abfällige österreichische Bezeichung für Türken – zur Korrektur und unterschiedlichen Verwendung siehe die Kommentare zum Artikel, A. d. Verf.) und aufgrund der doch etwas rabulistischen Art, wie hier die Serben gezeigt werden. Nur der Vater eines erschossenen Extremisten wirkt wie ein nachdenklicher Mann und natürlich ist auch der Aussteiger eine differenzierte Figur. Auch, weil wir uns auch ein wenig manipulationskritisch zeigen wollen, werten wir nicht ganz hoch und stellen den drei Neunern, die wir bisher vergeben haben, keinen vierten bei. So bleibt es derzeit bei 8,5/10 Punkten, eine Neubewertung mit einigem Abstand schließen wir nicht aus.******

* Die Rezension entstand ursprünglich anlässlich der Premiere von „Kein Entkommen“ im Februar 2012. Noch heute gilt gemäß Nutzwertungen auf „Tatort-Fundus“ dieser Tatort Nr. 827 als bester Eisner-Fellner-Krimi (und damit auch als bester Eisner). Der Fall steht in der Fundus-Rangliste auf Platz 15 und zählt damit zu den Alltime-Highs aus inzwischen mehr als 1000 Filmen der Reihe. Die Wiederveröffentlichung 2019 im „Zweiten Wahlberliner“ enthält keine textlichen Änderungen, lediglich geringe Anpassungen an die aktuelle Struktur und Optik der Beitragsrubrik „Crimetime“. Alle folgenden beigefügten Bemerkungen beziehen sich auf den Stand 2017.

** Der mittlerweile sowohl von Hamburg-Tatorten und vor allem von „Im Schmerz geboren“  nicht nur überboten, sondern geradezu pulverisiert wurde.

*** Angesichts der religiös fundierten Anschläge seit 9/11 ist diese Sicht freilich zu hinterfragen.

****Heute kann man sagen, dass „Kein Entkommen“ stilbildend war: Auch hierzulande wird mittlerweile zum Beispiel die OK filmisch nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst und ihre ethnische Zuordnung wird nicht verschwiegen. Realistisch ist dies immer, denn natürlich gehören das Milieu und der Herkunfts-Hintergrund zu einem Verbrecherclan dazu und es gibt mittlerweile eine Art von Action-Tatort, in dem die Täterschaft von Migranten nicht mehr, wie in den herkömmlichen Sozialtaten, ausgeschlossen ist. Auch der offene Schluss, der darauf hindeutet, dass am Ende einer einzelnen Falllösung nicht die Wiederherstellung der Ordnung stattfindet, ist mittlerweile ein gerne eingesetztes Stilmittel, mit dem demonstriert wird, dass der Kampf immer weitergeht. Mehr Realismus hat nach unseren bisherigen Beobachtungen einerseits etwas Klärendes, Beruhigendes und Faires, andererseits muss man, und die Frage haben wir ja in der vorliegenden Rezension bereits gestellt, darauf achten, Klischees und Ressentiments nicht  zur Geschäftsgrundlage für die Darstellung von Angehörigen ethnischer Gruppen zu machen. Gerade in Österreich, wo neulich beinahe ein rechtsnationaler FPÖ-Kandidat Bundespräsident geworden wäre, ist das besonders zu beachten.

*****Zwar wurde das vor den jüngeren terroristischen Anschlägen in Mitteleuropa seit 2015, seit Ende 2016 auch in Deutschland, geschrieben, grundsätzlich gilt das aber nach wie vor.

******Filmisch ist „Kein Entkommen“ sicher nicht schlechter als der aktuelle Wien-Tatort „Wehrlos“ (1020), aber auch nach fünf Jahren erscheint uns die vergebene Punktzahl für „Kein Entkommen“, die politische Aspekte mit einer gewissen Dämpfungswirkung einschließt, nicht grundsätzlich falsch. 

© 2019, 2017, 2012 Rote Sonne 17, Thomas Hocke

Inspektor Moritz Eisner – Harald Krassnitzer
Majorin Bibi Fellner – Adele Neuhauser
Karl Bindmayer – Johannes Silberschneider
Tomalek Stefan Puntigam
Franz Rinner – Alexander Strömer
Andrea Schiemer – Therese Affolter
Conni Seidl – Julia Kronenberg
Mirko Gradic – Christoph Bach
Salic – Michael König
Radovan Jurkic – Gennadi Vengerov
Ante Stelic – Giorgi Gvinadze
Cornelius Langhammer – Serge Falck
Zeljko Jovanovic – Marco Pustisek
Elisabeth Müller – Monika Reyes
Strasser David – Oberkogler
Claudia Eisner – Tanja Raunig
Ernst Rauter – Hubert Kramar
u.a.

Drehbuch – Lukas Sturm, Fabian Eder
Regie – abian Eder
Kamera – Fabian Eder
Musik – Roman Karolou

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