SPD unter Einfluss? „Der schummrig schildkrötige Strippenzieher“ (Tim Wolff, nd)

Nachdem wir heute den ganzen Tag geradezu gezwungen wurden, die Anhörung zum Berliner Mietendeckel zu verfolgen, müssen wir uns noch ein bisschen mit der SPD erholen. Mit der Bundes-SPD, wohlgemerkt. Satire war nämlich im Berliner Parlament heute weniger angesagt, auch wenn die Tweets, die wir weitergeleitet und gelikt haben, das Gegenteil vermuten lassen.

Wir wollten uns schon lange mit dem neuen Führungsudo der SPD befassen und was deren Wahl bewirkt (zumindest nach Civey, dass die SPD in Umfragen verliert und die Union gewinnt). Unsere Berichterstattungen zu den Windungen der SPD endete im Wesentlichen mit der Kandidat*innenvorstellung, die von der ZEIT aber später noch einmal aktualisiert wurde.

Seit der Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans ist ein seltsamer Spin im Gange und wir waren uns in den letzten Wochen nicht sicher, ob wir außerhalb der Welt stehen oder ob die Medien, die sich mit den neuen SPD-Vorsitzenden befassen, gaga sind. Da wir aber schon beim schnell in sich zusammenbrechenden Schulz-Hype im Frühjahr 2017 Recht behielten, nämlich dass keine Substanz dahintersteckt, und weil die Wähler*innen das vor der Wahl auch noch gemerkt hatten – deswegen gibt es jetzt Eskens und NoWaBo. Alles, was ist, ist ja immer die Spätfolge von irgendwas anderem. Wir werden demnächst hier mal unsere alten Beiträge aus der Schulz-Zeit, die noch ins Vorgängerblog eingespeist wurden, wiederveröffentlichen.

Allerdings: Schulz wurde von den Medien hochgeschrieben, obwohl man ihm ein größeres soziales Herz zutraute als Strategen wie Sigmar Gabriel oder Olaf Scholz oder Andrea Nahles – erinnert sich noch jemand an sie? Fing ähnlich an wie … genau, wie der Schildkrötige, von dem im nd-Artikel, den Tim Hoff geschrieben hat, so viel die Rede ist. Und was wurde aus ihr? Damit, könnte man sagen, ist schon alles gesagt. Ist es aber nicht, deswegen hier endlich der Link zum Text von Tim Hoff. Man merkt ihm an, dass er mal für das Satiremagazin „Titanic“ geschrieben hat. Was uns zu der Aussage verleitet, dass das nd dringend solche Impulse braucht. Autor*innen, die noch etwas wie eine Außensicht mitbringen. Auch gerne von der Jungen Welt. Aber bitte nicht von den vielen Uralten, die für die Junge Welt schreiben und ein Weltbild haben, das jedem echten Sozialismus schon deswegen schadet, weil heute noch versucht wird, die alten Fehler revisionistisch so umzudeuten, dass alle Fehler gemacht haben, auch im Wiedervereingiungsprozess, nur nicht die, die zum Beispiel zuvor die DDR lenkten und dadurch für diesen höchst asymmetrischen Prozess sorgten.

Sind wir jetzt abgekommen? Nicht, wenn es nach den Medien geht, deren Reaktionen Tim Hoff beschreibt. Der eigentliche Feind sind nicht Eskens und Walter-Borjans. Dass diese keine political Animals darstellen, ist auch dem Medien-Mainstream klar. Also muss eine böse Figur im Hintergrund aufgebaut werden – und das ist der KühniKev, wie er sich auf Twitter selbst nennt. Nun haben wir das Glück, dass der KühniKev bisher im selben Bezirk von Berlin, in dem wir auch wohnen, Politik gemacht hat, als Bezirksverordneter. Und da wir einen Draht in die BVV haben, nehmen wir alles, was man ihm zurechnet, nicht so tragisch. Er kann schon ganz gut reden, aber ansonsten ist er ganz normal.

Und wendig. Schon im oben verlinkten ZEIT-Artikel zu den Kandidaten war Walter-Borjans nicht als dezidierter GroKo-Gegner aufgelistet und Saskia Esken hat sich mittlerweile auch recht staatstragend geäußert. Der Staat, das ist die CDU, im Wesentlichen. Und die SPD trägt sie, solange es die SPD noch gibt. Das wird sich allem Anschein nach unter NoWaBo und Eskens nicht ändern. Und – psst, nicht weitersagen: Es wird sich auch unter Kühnert nicht ändern, wenn man ihm dafür ein hübsches Amt verspricht. Was die Wähler noch alles ändern werden, sehen wir dann, derzeit hätte die GroKo ja keine Mehrheit mehr.

Warum sich die Medien auf die neue SPD-Spitze und den Vize so einschießen, kann man nur vermuten.

Und er will noch mehr, wie, »Welt«? »Nach dem SPD-Parteitag steht er auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere. Und der 30-jährige hat längst klar gemacht, dass sein Machthunger noch nicht gestillt ist.«“, schreibt Hoff.

Wir lassen mal weg, dass das, was oben steht, komplett unlogisch ist, aber was treibt die Medien an? Sie sind der Spiegel einer hoffnungslos lächerlichen und gleichzeitig gefährlichen Gesellschaft sind, meint Hoff. Und er muss es wissen, weil er als Titanic-Redakteur viele Jahre lang gezwungen war, all diese Medien zu lesen.

Der letzte Absatz seines Artikels, der aus den Erkenntnissen dieses Lesens resultiert, ist auch super auf den Punkt.

TH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s