Das Leben des Brian (Life of Brian, UK 1979) #Filmfest 79

Filmfest 79 A

What Monty Pythons can do for you

„Das Leben des Brian“ zählt gemäß IMDb zu den besten 250 Filmen der Welt – und, soviel vorweg, wir sind auch dieser Ansicht. Unter den Komödien nimmt er bei der größten Kinodatenbank der Welt gegenwärtig Platz 33 (2011) und insgesamt Rang 2018 (2020). Wir wiederveröffentlichen die Rezension als Weihnachtsgabe des Wahlberliners für alle denkenden Menschen jedweder Religion und / oder Weltanschauung.

In der deutschen und in der englischen Wikipedia ist der Film einer der am besten dokumentierten, in der deutschen Version ist sogar eine grafische Sequenzanalyse enthalten. Es gibt Sekundärliteratur in großem Umfang und unzählige Besprechungen.

Macht eine weitere Kritik Sinn? Nur, weil wir gestern, rein zum Vergnügen, den Film noch einmal angesehen und dafür sogar auf einen noch nicht rezensierten Tatort verzichtet hatten?

Aber es war auch eine Premiere. Erstmalig hatten wir mit einem Notizblock vor dem Bildschirm gesessen und auch während der anschließenden Dokumentation zum Film (beides auf ARTE) dies und jenes mitgeschrieben.

Die Früchte dieses Aufwandes aber nicht unseren Lesern zu präsentieren, wäre falsch. Eine Möglichkeit wäre, sich auf bisher weniger beleuchtete Aspekte von „Das Leben des Brian“ zu beschränken und bisherige Analysen noch einmal zu beleuchten. Ersteres tun wir nicht, Letzteres hin und wieder.

Handlung (und weitere Infos: Wikipedia)

Brian, das Ergebnis einer außerehelichen Affäre der Jüdin Mandy Cohen mit einem römischen Soldaten, kommt im Stall neben dem von Jesus zur Welt. Von der herrischen Mutter dominiert, wächst er in Judäazu einem farblosen Mann heran. Er verliebt sich in die idealistische Judith, die sich in der „Volksfront von Judäa“, einer jüdischen Widerstandsgruppe, gegen die römischen Besatzer engagiert. Brian bemüht sich als stolzer Jude erfolgreich um die Aufnahme in diese Gruppe verbohrter Intellektueller und beteiligt sich an deren Einbruch in den Palast von Pontius Pilatus. Dort wollen die Freiheitskämpfer die Frau des Statthalters entführen und so das römische Imperium in wenigen Tagen zu Fall bringen.

Die Entführung scheitert, weil eine verfeindete Widerstandsgruppe zur selben Zeit dasselbe Ziel mit dem gleichen Plan verfolgt. Brian wird im Palast verhaftet und zur Anhörung vor den dekadenten Pontius Pilatus gezerrt. Dank einem Lachanfall der Palastgarde und einem außerirdischen Raumschiff, das zufällig vorbeikommt, gelingt Brian die Flucht aus dem Palast, mit der er der drohenden Verurteilung entkommt. Um am belebten Marktplatz dem römischen Suchtrupp nicht aufzufallen, muss er in die Rolle eines der zahlreichen Propheten schlüpfen. Sein unbeholfenes Gestotter gibt den wenigen Zuhörern Rätsel auf, und tatsächlich hat er bald eine große Gefolgschaft hinter sich, die sich von ihm Antworten auf alle Fragen des Lebens erhofft.

Die stetig wachsende Anhängerschar verfolgt den panisch flüchtenden Brian ins karge Umland, streitet um die Symbolkraft einer von Brian verlorenen Sandale und hält Banalitäten wie die Existenz eines Wacholderbusches für von Brian vollbrachte Wunder. Schließlich wird ein vom hysterischen Auflauf genervter Eremit, bei dem sich der überforderte Brian verstecken wollte, als Ketzer vom religiösen Mobzur Hinrichtung abgeführt. Indessen zeigt sich Judith von der charismatischen Ausstrahlung Brians angetan. Mit ihr verbringt er seine erste Liebesnacht.

Am nächsten Morgen sind die Straßen der Stadt mit selbst ernannten Jüngern Brians überfüllt, die unter seinem Fenster auf Heilsbotschaften warten. Brian weist erfolglos auf die Unsinnigkeit hin, einem Führer kritiklos zu folgen. Im Hinterhof wird er von den Legionären verhaftet und wieder Pontius Pilatus vorgeführt, der ihn mit über hundert anderen offenbar willkürlich ausgesuchten Delinquenten zum Tode durch Kreuzigung verurteilt. Rettungsversuche schlagen fehl oder werden erst gar nicht erwogen: Sowohl seine Geliebte als auch die Widerstandskämpfer gratulieren Brian am Kreuz zu seinem selbstlosen Martyrium. Seine verhärmte Mutter wirft ihm Selbstsucht vor.

Nur ein fröhlicher Mitgekreuzigter fordert den verzweifelten Brian auf, trotz zermürbender Sinnlosigkeit auf die sonnige Seite des Lebens zu schauen. In dessen Lied „Always Look on the Bright Side of Life“ stimmen schließlich alle zum Tode Verdammten beschwingt ein (Zusammenfassung aus der Wikipedia).

Rezension

Der Humor in „Das Leben des Brian“ als Essenz und als Sophisticatification der Gags „Monty Python’s Flying Circus“

Man kann diesen Film nicht in allen Facetten verstehen – und vor allem kann man ihn nicht so schätzen, wie wir es tun, wenn man keinen Draht zu britischem Humor hat.

Und britischer Humor heutiger Prägung, wie Rowan Atkinson ihn z. B. als Mr. Bean einem größeren Publikum außerhalb der Insel nahebringt, ist nicht zu verstehen ohne das stilbildende Vorbild der sechs Monty Pythons. Vor allem nicht ohne deren Fernsehserie „Monty Pythons Flying Circus“, die von der BBC in den Jahren 1969 bis 1974 ausgestrahlt wurde.

Aus diesem Format, das anfänglich nur ein kleines Publikum hatte, speist sich alles, was in „Das Leben des Brian“ zum Kinoformat kultiviert – aber auch relativiert wurde.

Auf den Zuschauer, der den „Flying Circus“ nicht kennt, wirkt der Humor in „Das Leben des Brian“ subversiv, anarchisch, vielleicht auch extrem schwankend zwischen geradezu poetisch-philosophischen Momenten und Klamauk unteren Niveaus. Jedoch ist er im Vergleich zur Serie, welche die Komikertruppe nach lauem Start dann berühmt gemacht hat, harmonisiert worden. Niemand wollte einen Reinfall und das Vorhaben, die erste Bibelfilm-Komödie der Welt zu schreiben, war eine große Herausforderung an das Gefühl fürs Machbare, um dem Film weltweiten Erfolg zu sichern. Dass Gags mit dem Einsatz eines rohen Huhns als Schlagwaffe beendet werden, wenn sie zu albern werden, wie im „Flying Circus“, erste Serie, zu sehen, das wäre hier nicht denkbar gewesen. Die Gags durften eben nicht zu durchgeknallt sein.

Britischer Humor aber erlaubt mehr als jeder andere, auch in diesem Film, der gegenüber den früheren Sketchen der Monty Pythons ein wenig konventioneller gestaltet wurde. Er ist großzügig, sich selbst und auch allen, die auf die Schippe genommen werden. Er ist zynisch wie kein anderer, das wird im Film aber gar nicht so deutlich. Gleichwohl fanden viele Amerikaner den Film befremdlich, nicht nur wegen des britischen Slangs, sondern auch wegen der satirisch-britischen Auslegung des Humors. Dabei hatten die USA die einzigen standesgemäßen Vorgänger der Monty Pythons hervorgebracht: Die Marx-Brothers. Und die waren seit 1935 immerhin beim größten Mainstream-Studio Hollywoods tätig.

Der Film und seine Zeit

Immer wieder unterläuft uns der Fehler, dass wir den Film mit dem Jahr 1975 in Verbindung bringen. Offenbar hat dies einen psychologischen Hintergrund. 1974 endete die reguläre TV-Zusammenarbeit der Monty Pythons und die Zeit ihrer Kinofilme begann. Und 1975 war eine Zeit, in der im Wesentlichen alles gesagt werden durfte, was heute auch gesagt werden darf. Damals war eine weitgehende Enttabuisierung beinahe aller streitigen Themen erreicht, auch wenn die Durchdringung der Gesellschaft im Ganzen mit heutigen Auffassungen gerade erst begann. 1979 hingegen, als der Film gedreht wurde, war die große Zeit der subversiven Komik beinahe schon vorbei.

Es folgten die 80er, in denen zwar alles ökonomisch beinahe alles machbar schien, aber sie waren auch eine Epoche der konservativen Erneuerung, die sich im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends wiederholte. Es ist für uns nicht ausgemacht, ob ein Film wie „Das Leben des Brian“ heute denkbar wäre. Der Geist der bunten, bewegten, offensiven – eigentlich der frühen – 70er Jahre spielt unsichtbar, aber unverkennbar, eine Hauptrolle in „Das Leben des Brian“.

Jesus und Brian

Unverkennbar ist Brians Leben dem von Jesus nachgebildet, was Beginn und Ende angeht (Krippe, Stall, Kreuzigung). Aber genauso unverkennbar ist Brian keine Jesus-Karikatur. Wir halten es für etwas doppelbödig, wenn die Monty Pythons selbst in Intervies darauf verwiesen, dass Jesus ja als Figur nur in der Bergpredigt vorkommt und dort sehr respektvoll gezeigt wird. Dass lediglich die Bürger, die ihm zuhören, alles missverstehen und selbst die Botschaft des Friedens noch zu einem Streit über Rübennasen nutzen, der von den Besatzern, den anwesenden römischen Legionären, geschlichtet werden muss.

Dass hingegen die Szene, in denen ein geheilter Leprakranker sauer ist, weil er nun keine Arbeit mehr als Bettler hat, als Beleg dafür genommen wird, dass man Jesus eben keineswegs angreifen wollte. Er konnte wirklich Wunder vollbringen, so die Botschaft, man herauslesen kann. Wir konzentrieren uns auf die Tatsache, dass dem Mann mit seiner Heilung nicht geholfen, sondern eher geschadet wurde. Zumindest sieht er das so. Dass diese Haltung irrational ist und dumm, das ist nun einmal eine eigene Sache: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Trotzdem und offenbar gegen dessen Willen hat Jesus den Mann geheilt. Wir fassen dies durchaus als eine Botschaft auf, die den Sinn der Wunder infrage stellt und letztlich damit auch die Wunder selbst. Das ist aber so geschickt angelegt, dass es nicht eindeutig ist und aus dem übrigen Film heraus, in dem Jesus nicht in Person gezeigt wird, auch nicht belegt werden kann. Einen Hinweis gibt aber auch der Messias-Wahn, der hier gezeigt wird. Den gab es damals, nach Aussage der Monty Pythons, wirklich.

Diesen Tatbestand haben sie recherchiert, als das Filmprojekt begann. Vermutlich speist sich der Messias-Wahn aus der übermächtigen römischen Besatzung und dem Wunsch, über eine erleuchtete Person eine Gegenmacht aufbauen zu können. Man sieht also verschiedene verrückte Figuren an der Tempelmauer stehen und zu Menschen sprechen, alle diese wären gerne der Messias. Und an einer Stelle im Interview zum Film sagt Terry Jones auch: Wir fanden das witzig, diese ganzen Leute und die Idee, dass nur einer von ihnen (Jesus) die richtigen Sprüche drauf hatte“. Sinngemäß wiedergegeben und das Interview stammt aus 2009.

Wir meinen, die Pythons wollten Jesus zwar nicht offen karikieren, um dem Film nicht den Zugang zu den wichtigsten Märkten zu versperren, aber dass sie, bibelgemäß, Jesus für Gottes wiedergeborenen Sohn halten, darf stark bezweifelt werden. Auch die Szene, die eröffnet, Brian könnte möglicherweise „römischer Bastard“ sein, weist auf eine Unterstellung hin, die auch Jesus zuteilwurde. Die Szene macht nur Sinn, wenn man damit versteckt andeuten will, dass alle Menschen rein menschlicher Abkunft sind und keine Empfängnis unbefleckt ist.

Es ist aber legitim, nicht religiös zu sein und nicht an die Wahrheit der Bibel zu glauben. Es ist nicht so, dass Jesus hier gar nicht in Bezug genommen wird, mindestens aber wird die Bibel in einigen ihrer Aussagen infrage gestellt. Aber auch das ist legitim in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft. Dass Christen sich durch den Film herausgefordert fühlten, ist aber nicht nur Ausdruck eines dumpfen Triebes. Mancher von ihnen wird diese Teilbotschaft, die man immer negieren konnte, wenn man wollte, weil sie relativ subtil und nicht eindeutig wahrnehmbar eingewebt ist, schon verstanden haben – und hatte den Nachteil, die Pythons nicht darauf festlegen zu können. Das haben sie wirklich genial gemacht. Und nach unserer Auffassung so, dass der Film nicht Jesus oder den christlichen Glauben so stark ins Visier nimmt, dass wir ihn als Verletzung religiöser Empfindungen allgemein ansehen würden.

Konformismus vs. Individualismus

Hingegen ist klar ersichtlich, dass „Das Leben des Brian“ sich gegen unreflektiertes Mitläufertum wendet. Diesbezüglich ist er wahrhaft überzeitlich angelegt, von biblischer Weisheit und zeigt seine großen Stärken. In einer Szene wird das so deutlich wie sonst nirgends bei den Monty Pythons. Als Brian schon eine ungewollte Anhängerschaft hat und zu dieser von einer über engen Gassen liegenden Wohnung aus spricht. Wo er sagt, die Leute sollten nicht einfach folgen, wem auch immer, sagt: Ihr seid alle Individuen! Es bleibt still, die Botschaft unverstanden, Brian wendet die typische Verführungsmethode des gemeinsamen Skandierene an und fordert alle auf, das zu wiederholen. Und die Menge skandiert: Wir sind alle Individuen! Nur einer sagt: Ich nicht. Das ist der einzige Individualist in dieser Gefolgschaft. Vielleicht die beste Verballhornung von Herdentrieb aller Zeiten, die in dieser Szene gezeigt wird.

Und wieder typisch britisch. Die Briten halten sich viel auf ihren Individualismus zugute und grenzen sich dadurch gerne von anderen ab, besonders von den Deutschen. Es stimmt ja auch. In Großbritannien gab es während der 30er Jahre auch eine Nazi-Bewegung, die blieb aber eine Randerscheinung. Die Briten werden auch nie mehr als drei Parteien brauchen, weil sie sich nicht so sehr ideologisch und verbissen wegen Kleinigkeiten separieren. Das ist die andere Seite des britischen Humors. Massenbewegungen misstrauen die Leute dort, auch wenn sie für eine königliche Hochzeit auf die Straße gehen. Aber sie sind auch keine spalterisch veranlagten Ideologen. Und damit zum nächsten Punkt.

Eigenständiges Denken gegen religiöse Ideologie

Ein fanatisch ausgelebter Glauben, das kommt in „Das Leben des Brian“ gut zum Ausdruck, ist eine Ideologie, die Menschen des unabhängigen Denkens beraubt. Es gibt diese Sequenz, in der die Anhängerschaft des Brian ihm bis zu dem Erdloch folgt, in das er unversehens gestolpert ist, in der jedes seiner Worte zum Beleg, jede seiner Handlungen zum Symbol für seine Stellung als Messias wird. Sie ist ein weiterer grandioser Höhepunkt dieses an Höhepunkten reichen Filmes. Er kann sich gar nicht dagegen wehren und die Menschen wollen eine Führerfigur, wie lächerlich und ungeeignet diese auch erscheint. Man muss Brite sein oder Individualist, um den Wunsch nach Einheit und Glauben generell so lächerlich zu finden und alles intellektueller Autarkie zuführen zu können. Die Wahrheit, die am glücklichsten macht, ist vermutlich eine Balance zwischen Individualität und einer gewissen Spiritualität, die nicht alles grundsätzlich hinterfragt. Menschen sind in der Regel Gemeinschaftswesen. Gleich, ob sie einer Partei angehören, einem Fußballverein die Treue halten oder sich der Gemeinschaft der Individualisten zurechnen und sich auch unter diesem Label wieder Gleichgesinnte. Jeder, der sich zur Außenwelt hin öffnet, der zum Beispiel in Wort und Schrift Anerkennung finden möchte, ist auf der Suche nach Gemeinsamkeit und der Zustimmung seitens Dritter.

Allerdings, wenn man es weiter denkt, erzeugt der Wunsch derer, die sich nicht als Nonkformisten formieren, nach Führung und Symbolen die Notwendigkeit, dass Führer verantwortlich handeln. Eine Masse, die sich selbst immer weiter verselbstständigt und nur noch als Masse handelt, ist aber nicht in der Lage zu erkennen, ob dies der Fall ist. Das wird in vorbeschriebener Szene wunderbar gezeigt. Hier geht es nur darum, dass alle von Brian auf die Füße getreten werden wollen, weil Brian versehentlich dem Eremiten im Erdloch auf den Fuß getreten ist, als er dort hineinstolperte. Aber die Idee dahinter ist klar. Sie würden auch töten, wenn Brian ihnen dies befehlen würde.

Das ist die Berechtigung des individuellen Nachdenkens in einer Welt, die auf Gemeinsinn durchaus angewiesen ist: Sich eine soweit unabhängig zu stellen, dass man erkennt, wo es aus dem Ruder läuft. Und das ist für uns eine der Kernaussagen des Films. Es geht um Aufklärung. Wo es diese nicht gibt, ist niemand vor der Masse sicher.

Dass „Das Leben des Brian“ nicht nur Glaubensfundamentalismus aufs Korn nimmt, sondern viel allgemeiner gehalten ist, wird nicht so stark thematisiert wie das religiöse Moment. Eine seltsame Verengung, wo doch ganz klar in den Revolutionsgruppen kommunistische und sogar feministische Stereotypen zu erkennen sind. Es mag die Sondersituation gegeben haben, über welche die Pythons in Interviews referiert haben. Dass Ende der 70er Jahre in Großbritannien ein paar linke Splittergruppen sich gegenseitig angefeindet haben und damit die Verhältnisse mehr zementiert haben, als sie zu verändern. Das tun auch die sich in den Katakomben gegenseitig umbringenden Leute von den verschiedenen judäischen Volksfronten im Film aufs Trefflichste. Sie wollen Pilatus Frau entführen und zerstreiten sich darüber, wer zuerst die Idee dazu hatte. Dass die Revolutionäre sonst eher Dampfplauderer und Manifeste-Verfasser sind als Handelnde, verstärkt diesen Eindruck.

Aber man darf den Monty Pythons nicht zu wenig zutrauen. Schließlich war der Film ganz eindeutig nicht vorrangig als Kommentar der britischen Verhältnisse von 1979 anzusehen, dem Jahr, in dem Margaret Thatcher die Regierung übernahm und es dabei angesichts der Zerstrittenheit ihrer politischen Gegner leicht hatte.

Es ist für uns eindeutig, dass die allgemeine Ablehnung des Unhinterfragt-Ideologischen, des Übertrieben-Kleingeistigen im Gewand paramilitärisch strukturierter Kleingruppen auch die linken Ideologien umfasst. Zumindest ihre praktische Ausformung. Wie sie sich untereinander verhalten, dies erinnert doch sehr stark an die stalinistischen Säuberungen und an die chinesische Kulturrevolution, die beide Verrat an jeder humanistischer Theorie waren. In denen wieder einmal die Massen und die Massenmörder bewegt wurden, um Millionen von Menschen zu töten oder in Zwangslager zu stecken. Die jeweils dominierende Gruppe innerhalb einer gesellschaftlichen, ideologischen Strömung entledigt sich nicht nur der ganz anders denkenden Gegner, sondern auch der Abweichler, der „Spalter“. Ein weiteres Highlight, die Szene im Kolosseum von Jerusalem, in dem ein einzelner, ergrauter Mann von den den Leuten der Volksfront von Judäa als Spalter beschimpft wird – dieses armselige Überbleibsel einer revolutionären Konkurrenzgruppe.

Klar, dass der Film auch gegen den Faschismus gerichtet ist. Das wird aus allen seinen Grundaussagen deutlich. Der Faschismus ist als Ideologie selbst bereits totalitär, das lässt sich von vom Kommunismus und auch vom  Christentum natürlich nicht sagen, obwohl beide auf Gemeinsinn und Solidarität Wert legen. Sie sind einander bezüglich der präferierten Gesellschaftsordnung nicht so fremd, wie neoliberale Egomanen, die sonntags in die Kirche gehen, es gerne hätten. Einige Szenen, die aus dem Film entfernt wurden, zeigen eine Figur namens Otto und seine Gruppe, die alle mit Hitlerbärtchen ausgestattet sind und die – so die offizielle Begründung – aus dramaturgischen Gründen entfernt wurden. In der Kreuzigungssequenz tritt diese Gruppe noch einmal auf, vertreibt sogar die anwesenden römischen Bewacher – und bringt sich dann geschlossen um. Offenbar musste man diesen Part, der keinen Bezug zur vorherigen Handlung aufweist, belassen, weil die reglosen Körper in anschließenden, unabdingbaren Szenen zu sehen waren.

Humanism at last

Der Film wäre nicht denkbar und hätte nicht diese Stellung bei Kritikern und Publikum erreicht, gäbe es nicht das legendäre Ende. Die Kreuzigungszene, in der alle „Always Look on the Bright Side of Life“ singen. Das Lied ist unverkennbar der Botschaft des Films zugeordnet und macht ihn zu einem humanistischen Werk:

“For life is quite absurd
And death’s the final word
You must always face the curtain with a bow.
Forget about your sin – give the audience a grin
Enjoy it – it is your last chance anyhow.”

„Das Leben ist absurd
Der Tod das letzte Wort
Mach einen Knicks, wenn einst der Vorhang fällt
Vergiss die Last der Sünden – schenk dem Publikum ein Grinsen
Genieß die letzte Chance auf dieser Welt.“

Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine Aufforderung, das Leben zu leben und dessen schöne Momente zu genießen, solange es währt.

Finale

Die vorliegende Rezension ist eine erste Version. Wir werden Ergänzungen einarbeiten und in größeren Abständen neue Versionen vorstellen. Wir haben uns jetzt entschieden, das bei umfangreicheren Rezensionen, in denen dennoch bisher nicht alles gesagt ist, so zu handhaben.

Wir schließen uns denen an, die den Film für eine der größten Komödien oder auch Filmsatiren halten und bewerten ihn mit 88/100.

© 2020, 2019, 2011 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

egie Terry Jones
Drehbuch Monty Python
Produktion John Goldstone
Musik Geoffrey Burgon,
Eric Idle
Kamera Peter Biziou
Schnitt Julian Doyle
Besetzung

 

 

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