#KeinHausWeniger – ein großes Bündnis gegen Verdrängung in Berlin! @keinhausweniger Erste Pressekonferenz am 20. Januar 2020. Bericht des @Syndikat44 und weitere Infos. #Mietenwahnsinn #WohnenistMenschenrecht

Wir waren gestern leider nicht dabei, als ein großes Ereignis der Berliner Mieter*innen-Bewegung stattfand. Die erste Pressekonferenz des neuen Bündnisses „Kein Haus weniger“. Neben dem „Bündnis Mietenwahnsinn“ dürfte dies der größte bisherige Zusammenschluss von Initiativen gegen Verdrängung in Berlin sein.

Das Kernanliegen von „Kein Haus weniger“ ist der Erhalt bedrängter Kulturprojekte und Kiezinstitutionen in Berlin und dafür hat es von Beginn an eine beachtliche, um nicht zu schreiben eindrucksvolle Reihe von Unterstützer*innen gefunden. Mit der Aufmerksamkeit, die diese Menschen erzielen können, so hofft man, wird es gelingen, die bedrohte Kiezkultur in Berlin vor der vollständigen Vernichtung durch Profitinteressen zu bewahren.

Wir starten mit der Darstellung der Neuköllner Kiezkneipe Syndikat zum gestrigen Ereignis, hier der Link zum Thread. Damit gehen auch wir vom Vertrauten hin zu etwas Neuem, denn über das Syndikat haben wir vielfach geschrieben und wir mögen die sprachlich und inhaltlich präzisen Darstellungen des Betreiberkollektivs. Deshalb haben wir diesen Bericht ausgesucht, um Eindrücke von der gestrigen Pressekonferenz zu vermitteln. Im Anschluss weitere Informationen zum Bündnis:

Die weiteren Infos, die wir hier kurz zusammenfassen, entstammen der Webseite von „Kein Haus weniger“, dort finden sich auch die langen Listen der beteiligten Organisationen und Initiativen und die angesprochenen Unterstützer*innen:

Ohne seine alternativen Haus- und Kulturprojekte wäre Berlin lediglich die Stadt, in der mal die Mauer stand. Sie wäre sozial, politisch und kulturell um Vieles ärmer.

Tausende Menschen finden in Hausprojekten bezahlbaren Wohnraum ohne Angst vor Verdrängung haben zu müssen; Menschen, die anderswo diskriminiert werden, finden hier ein sicheres Zuhause. Die Häuser und Projekte bieten zudem eine elementar wichtige Infrastruktur für ihre Nachbarschaften. Hier finden sich Räume für Mietberatungen, politische Vernetzung, kulturelle Veranstaltungen und Orte zum Verweilen ohne Konsumzwang.

So der Einstieg der Infoseite von „Kein Haus weniger„. Im Anschluss wird die Erfolgsgeschichte der Berliner Besetzungskultur nachgezeichnet, die unter anderem 100 „legalisierte“ Häuser und den Erhalt vieler Kieznischen in den 1980ern hervorbrachte. „Kein Haus weniger“ sieht sich deutlich in der Tradition dieser Berliner Geschichte, die zum politisch-kulturellen Vermächtnis des „alten Westteils“ der Stadt zählt und aus der die heutige Mieter*innen-Bewegung immer wieder Mut schöpft. Ab 1990 veränderte sich die Geografie der Besetzungen, über 100 Häuser in den Innenstadtteilen des Ostens wurden durch Besetzung bewohnt.

Stadtmarketing, Ferienwohnungsplattformen und Immobilienkonzerne bedienen sich der Berliner Subkultur des widerständigen und alternativen Lebens für den Verkauf eines rebellischen Images. Dem widersprechen wir entschieden: Wir sind nicht die Fassade eures Verwertungsmarktes. Wir sind der lebendige Beweis dafür, dass sich selbstbestimmtes Leben und soziale Räume nicht mit, sondern nur gegen Profitinteressen durchsetzen lassen. Wir sind die Vorboten einer besseren Zukunft als solidarische Stadt. Dass nun immer mehr Projekte auf die Straße gesetzt werden sollen, werden wir nicht akzeptieren.

Es hat einen dystopischen Einschlag, dass die Vermarktung der Besonderheiten von Berlin jene Besonderheiten zerstört, aber die Touristifizierung hat das auch in anderen Städten schon geschafft und in manchen wehrt man sich mittlerweile aktiv gegen den immer stärkeren Massenandrang, der den typischen Bewohner*innen dieser Städte weniger an Wohlstand einbringt, als er an substanzieller Identität kostet. Wir lernen auch jeden Tag neue Aspekte der Gentrifizierung kennen und die Zusammenhänge besser zu verstehen. Wir können die Finanzialisierung eines jeden Lebensbereichs nicht geiseln, ohne unsere Stimme auch gegen die beschriebene Form von Verdrängung zu erheben.

Es ist so viel schwieriger geworden in den letzten Jahren. Die Stadt steht unter Hochwasser, weil mehr Kapital hineinflutet, als sinnvoll investiert werden kann, also werden Häuser verkauft,, weiterverkauft, umgewandelt, „aufgewertet“, werden Mieter*innen mit rüdesten Methoden rausgedrückt. Kulturprojekte und Gastronomie haben dabei ein besonderes Problem. Sie mieten in der Regel gewerblich an und genießen daher nicht den Milieuschutz, der auf dem Wohnungsmarkt immerhin manchmal für Dämpfung sorgt. In Bezirken, die eine aktive Wohnungspolitik betreiben, wenigstens. Deswegen wendet sich „Kein Haus weniger“ auch an den Senat und fordert ein Schutzprogramm zugunsten bedrohter Kultur- und anderer Kiezinstitutionen.

Wer in Zeiten grassierender Mieten und niedriger Löhne untätig bleibt oder glaubt, sich angesichts eines zeitlich befristeten Mietendeckels nun zurücklehnen zu können, wenn soziale Institutionen oder Einzelpersonen ihr Zuhause verlieren, macht sich mitschuldig!

Das nehmen wir mittlerweile sehr ernst und wollen uns nicht mitschuldig machen, auch nicht in dem Sinn, dass wir zu jenen zählen, die Verdrängung nicht verhindert haben, die meinungslos blieben und damit der seelenlosen kapitalistischen Verwertung in die Hände spielten. Deswegen schreiben wir über den #Mietenwahnsinn. Seit Juli 2019 besuchen wir Veranstaltungen gegen Verdrängung und berichten von dort. Dieses Engagement werden wir im laufenden Jahr ausbauen. Einige uns bekannte Initiativen, zu denen wir persönliche Kontakte aufgebaut haben, zählen zu den beteiligten Organisationen. Vielleicht kommen wir in nächster Zeit auch mit „Kein Haus weniger“ in Kontakt. Auf jeden Fall werden wir weiter berichten.

TH

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