Die Nacht gehört dir – Tatort 1122 #Crimetime Vorschau 01.03.2020 DAS ERSTE 20.15 Uhr #Tatort #Nürnberg #Nuernberg #Franken #Voss #Ringelhahn #BR #Nacht

Crimetime Vorschau - Titelfoto © BR / Hager Moss Film, Hendrik Heiden

„Am Sonntagabend, den 1. März 2020 um 20.15 Uhr, da läuft er endlich, der sechste Fall des Frankener Tatort-Teams Voss (Fabian Hinrichs) und Ringelhahn (Dagmar Manzel). Ein gutes Jahr ist es her, dass der letzte Einsatz „Ein Tag wie jeder andere“ (Tatort-Folge 1085) seine TV-Premiere erlebte.

In „Die Nacht gehört dir“ – Tatort-Episode 1122 – handelt vom Mord an einer erfolgreichen Nürnberger Geschäftsfrau in ihrer Privatwohnung. Eine Tat, die wie aus dem Nichts geschehen sein muss, ohne erkennbares Motiv oder Hinweise auf eine Täterschaft. Auch das berufliche Umfeld des Opfers ist ein einziges Rätsel, denn alle schweigen sich aus“, schreibt die Redaktion von Tatort Fans einleitend und befasst sich dann näher mit dem Fall. Das Fazit ist eher gemischt: Die Beziehungsanbahnung stünde im Vordergrund und die Sackgasse des Films sei zu offensichtlich.

Bei „Quotenmeter“ wird ein Vergleich zum Schwazwald-Tatort der letzten Woche gezogen, den wir noch nicht angeschaut haben, der aber offenbar „senationell auf dem letzten Platz der Tatort-Fundus-Rangliste eingestiegen ist“ und bewiesen habe, dass Programmkinotauglichkeit und Tatort nicht miteinander gehen. Und wie weiter? “ Dieses Wochenende wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach zeigen, dass ein Neunzigminüter auf dem «Tatort»-Programmplatz besser ankommt, wenn er ähnliche Zutaten etwas normierter verkauft. Denn auch «Tatort – Die Nacht gehört dir» ist eine Auseinandersetzung mit einem Geflecht aus Beziehungskisten und Gewalt, und wie schon im Schwarzwald-«Tatort» gibt es auch in diesem Fall blanke Haut zu sehen. Nur, dass dieses Mal nicht nackt geschauspielert und auf trockene, aber detailreiche Art Charakterzeichnung betrieben wird – stattdessen geifert die Kamera sekundenlang in Dessous-Werbespot-Ästhetik einen Frauenhintern an und glaubt, das sei dann schon sinnlich.“

Das klingt ja nun auch nicht überzeugt. Schade, wir hätten gerne mehr über die aktuellen Entwicklungen beim Online-Dating gewusst. Die Bewertung des Portals liegt bei 50 Prozent und man glaubt, der Film werde zumindest nicht so unangenehm aufstoßen wie der direkte Vorgänger. Anders bei Tittelbach.TV: Der Gründer der Seite hat die Kritik selbst verfasst und findet im neuesten Tatort honigsüße Angebote für Arthouse-Liebhaber: „So lädt Voss die nette Frau vom Markt in Rossellinis „Reise in Italien“ ein. „Der hat alles, was heute keiner mehr sehen will.“ Darauf die Honigverkäuferin: „Wie Sie das Sagen.““, steht unter einem Bild, das auf einem Wochenmarkt aufgenommen wurde. Einleitend: „Ein Mord wie aus dem Nichts. Einer Grundstücksmaklerin, die in ihrer Freizeit exzessiv in Dating-Portalen unterwegs war, könnte ihr Lebenswandel zum Verhängnis geworden sein. Statt der Frage wer’s war, dominieren in dem „Tatort – Die Nacht gehört dir“ essentielle Fragestellungen. Max Färberböcks Krimi-Drama folgt eher einem philosophischen als einem psychologischen Erzählansatz.“

Wir mögen allerdings psychologische Erzählansätze, sprich, Figuren, die sich psychologisch nachvollziehbar verhalten – es sei denn, es handelt sich – sic! – tatsächlich um Arthouse-Kino. Beim klassischen Krimi so: Einerseits ist uns, im Gegensatz zu einigen Machern, klar, dass das Tatort-Format Grenzen hat, seine künstlerische Freiheit betreffend, andererseits bewerten wir die „Experimentatltatorte“ in der Regel höher, als die Nutzer der oben erwähnten Fundus-Liste es im Durchschnitt tun. Ach ja: Tittelbach-TV kommt auf sehr gute 5 von 6 Sternen und bezeichnet Regisseur Max Färberböck (sic! zum Zweiten) als Autorenfilmer. 

Die etwas kürzeren Einlassungen des SWR3-Tatortchecks nehmen wir meist auch ins Kritiker-Portfolio auf und gehen sozusagen im Kreis: „Ich weiß, dass der Welt ein bisschen Entschleunigung guttun würde. Und ich mahne mich selbst ständig ein bisschen mehr im Hier und Jetzt geduldig zu verweilen. Aber während der eineinhalb Stunden hatte ich permanent dieses dringende Verlangen, ein bisschen vorzuspulen oder besser, mich zunehmend beschleunigt gen Ende zu klicken. Immer in der Hoffnung, ja eigentlich mit der Gewissheit, dass hier noch etwas Bahnbrechendes, Spannendes passiert.“

Aufgrund des verorteten Mangels an Spannung werden nur zwei von fünf Elchen vergeben. Wir finden die Kritiken des Senders auch deswegen interessant, weil er zum ARD-Imperium gehört, das die Tatorte herstellt – und weil beim Check auch die Produktionen des eigenen Hauses SWR nicht immer gut wegkommen.

Dieser „Tatort“ ist elegant gebaut und mit exquisiter Musik von Bill Evans bis Fever Ray ausgestattet. Aber es stört im Verlauf der Handlung doch, dass die auf Distanz achtende Frau im Zentrum des Geschehens auch immer auf Distanz zum Publikum gehalten wird. Wir werden in Rückblenden zwar an sie herangeführt, doch nicht recht schlau aus ihr. (…) Ungelöst bleibt die Frage, wie es dazu gekommen ist, dass der Mensch des Internetzeitalters dazu neigt, die Erotik zum reinen Verwaltungsakt zu machen“, meint Christian Buß im SPIEGEL unterhalb der Zwischenüberschrift „Love me Tinder“  und kommt auf eher mäßige 6/10, die allerdings anders einzuschätzen sind, als wenn wir sie vergeben, nämlich so, dass er den Film in der Tat leicht über dem Durchschnitt angesiedelt sieht. Gut, dass er  uns daran erinnert hat, die massive Playlist nicht zu vergessen. Wir zeigen sie unterhalb der Handlungsbeschreibung.

Wir haben noch zwei Tatorte dieses Jahres offen, den hervorragend rezipierten „Unklare Lage“ und den letzte Woche gezeigten, offenbar sehr kontrovers diskutierten „Ich hab im Traum geweinet“, dessen Premiere schon in die einwöchige „Lockdown-Zeit“ des Wahlberliners fiel, die heute endete, aber wir werden uns bemühen, so zeitnah wie möglich zu rezensieren.

TH

Handlung

Babs Sprenger, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die in einer großzügigen Wohnung in Fürth allein lebt, war bis vor ein paar Monaten auf verschiedenen Dating-Portalen unter Decknamen aktiv.

Ihren Geburtstag feiert sie allein mit ihrer Kollegin Theresa Hein. Am nächsten Tag ist Babs Sprenger tot. Erstochen mit einem Sushimesser, das die Polizei sauber gereinigt in der Spülmaschine findet. Das Messer war Theresas Geschenk an Babs. Wieso wurde es zur tödlichen Waffe? Was ist an diesem Abend passiert? Auch nach Theresas Geständnis bleibt die Frage nach dem Warum offen. Voss und Ringelhahn ahnen, dass die Wahrheit sehr viel tiefer liegt. Was hat Theresa zu verbergen?

Playlist

Titel Komponist Interpret
She’s Your Mother Ólafur Arnalds Ólafur Arnalds
Broadchurch Main Theme Ólafur Arnalds Ólafur Arnalds
Plaisir D’amour Jean Paul Aegide Martini; Frank Pleyer Orchester Frank Pleyer
Keep the Streets Empty For Me Karin Elisabeth Dreijer Andersson Fever Ray
Angel Jimi Hendrix Charles Lloyd & The Marvels, Lucinda Williams
Don’t Let Me Be Misunderstood Bennie Benjamin; Sol Marcus; Gloria Caldwell; Nicolas Skorsky; Jean-Manuel Mobillion; Raymond Georges Henri Donnez Nina Simone
I Love My Baby Andrew Benjamin Stroud Nina Simone
Says Nils Oliver Frahm NilsFrahm
Le pouvoir Alexandre Michel Gerard Desplat Alexandre Desplat
Peace Piece William John Evans Lukas Amberger
Symphony No. 3, Op. 36: I. Lento – Sostenuto Tranquillo Ma Cantabile Henryk Mikolaj Gorecki Henryk Górecki, Dawn Upshaw, London Sinfonietta, David Zinman
Le respect Alexandre Michel Gerard Desplat Alexandre Desplat
Excavating the Past Ólafur Arnalds Ólafur Arnalds
Debris Marcos Ortega Lorn
Broken Ólafur Arnalds Ólafur Arnalds
Fratres Arvo Pärt Tasmin Little/Martin Roscoe/Bournemouth Sinfonietta/Richard Studt
Spiegel im Spiegel, for Violin & Piano Arvo Pärt Benjamin Hudson, Sebastian Klinger, Jürgen Kruse

  

Kriminalhauptkommissarin Paula RingelhahnDagmar Manzel
Kriminalhauptkommissar Felix VossFabian Hinrichs
Kriminalkommissarin Wanda GoldwasserEli Wasserscheid
Kriminalkommissar Sebastian FleischerAndreas Leopold Schadt
Leiter der Spurensicherung Michael SchatzMatthias Egersdörfer
Babs SprengerAnna Tenta
Theresa HeinAnja Schneider
Anton SteinerLukas B. Amberger
MoritzArne Kertesz
Edith KamannMaryam Zaree
BarthlevyMax Hopp
Dr. FrankGötz Schubert
HonigverkäuferinMaja Beckmann
Kamera:Willy Dettmeyer
Buch:Max Färberböck
Catharina Schuchmann
Regie:Max Färberböck

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