Unce Upon a Time in Hollywood (USA 2019) #Filmfest 131

Filmfest 131 B

2020-10-08 Filmfest B„Es war einmal in Hollywood“ ist einer der einflussreichsten Filme des Jahres 2019 gewesen, schon deswegen, weil er von Quentin Tarantino stammt. Der Titel erinnert wiederum an Sergio Leones Meisterwerke „Unce Upon a Time in the West“ (1968) und „Unce Upon a Time in Amercia“ (1983), die zu meinen Lieblingsfilmen zählen.

Bei Tarantino bin ich immer einen Tick distanzierter oder zumindest aus der Sicht eines Beobachters, keines dezidierten Fans. Aber mittlerweile mag ich sogar Brad Pitt einigermaßen und gegen Leo DiCaprio hatte ich noch nie eine Aversion. Die Durabilität der beiden, ihre nunmehr Jahrzehnte andauernde Spitzenstellung unter den Stars in Hollywood erinnern an die „Goldene Zeit“, in der einige Stars Karrieren von 30, 40 Jahren Zeitspanne vorweisen konnten – und der Film heißt ja schließlich „Es war einmal in Hollywood“. Freilich geht es nicht um den Glanz jener Epoche der 1930er bis 1960er, sondern um das Ende der 1960er und ein traumatisches Erlebnis – das Quentin Tarantino aber auf seine eigene Weise interpretiert und die historische Realität abwandelt. DiCaprio hat für den Einsatz in einem Werk von Tarantino auf einen Teil seiner üblichen Gage verzichtet, auch der gesamte Cast wirkt imposant und der Film ist auch beinahe so lang wie die „Vorbilder“ von Sergio Leone.

Gerade wegen der Suche nach Rezensionen für das im Februar 2020 eingeführte „Filmfest B“ fällt mir wohl auf, dass Rezensent*innen, die bei deutschen Filmen gerne sehr kritisch sind, viele Hollywoodprodukte, Tarantino schon gar, auch wenn er von einigen als „Indie“ angesehen wird, gerne mit maximalen Bewertungen durchwinken. Das Publikum der IMDb sieht „Unce Upon a Time mit 7,6/10 als einen guten Film an, aber nicht als besten von Tarantino – das ist gemäß deren Ansicht nach wie vor „Pulp Fiction“ (1994), den ich kürzlich für den Wahlberliner rezensiert habe.

Innerhalb des Filmfests B gibt es aber  heute eine Neuigkeit: Ich empfehle nicht eine einzelne Kritik, sondern bilde den Kritikerspiegel in der deutschen Wikipedia ab. Bei Filmen wie diesem empfiehlt es sich tatsächlich, mehrere Meinungen zu vergleichen.

Der deutsche Kritikerspiegel

Der Film konnte 85 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 7,84 der möglichen 10 Punkte.[48]

Pascal Blum meint in seiner Kritik in der Süddeutschen Zeitung, für Tarantino könne das „Gewicht der Realität fast zu schwer werden“, jedoch spiele er das Thema von Nähe und Distanz hübsch durch. „So wie Daltons Rollen ambitionierter werden, so variiert Quentin Tarantino souverän die Genres und Kamerabewegungen und behält dabei einen entspannten Rhythmus bei, als wolle sich der Film am liebsten selbst zuschauen.“ Blum erkennt in dem Film auch eine Nähe zu Inglourious Basterds, da es Tarantino „auf die explosive Vermischung von Fernsehcowboy und echten Outlaws abgesehen“ habe. Er antworte mit den Waffen der Unterhaltung, in der Gewaltszene zum Schluss überschreibe er, „ähnlich wie in Inglourious Basterds, die Geschichte des echten Grauens mit einem Popkultur-Skript“, in dem sich „die Darsteller ihre Figuren wieder zu eigen machen.“[49]

In ihrer Kritik bei Spiegel Online sieht Hannah Pilarczyk in dem Film einen „großen, sinnentleerten Spaß“, da sie meint, dass der Film so pointenarm sei, merke man aber die längste Zeit nicht, weil er so pointenreich daherkäme. In der Zielgeraden schwinge sich der Film zu einer Heldentat auf, die ganz und gar anmaßend sei – fast so anmaßend wie sein Umschreiben des Holocausts in Inglourious Basterds oder die Geschichte der Sklavenbefreiung in Django Unchained. Tarantino wolle sie einfach alle retten – Juden, Schwarze, Frauen.[50]

Thomas Assheuer bezeichnet den Film in der Zeit als „Meisterwerk“: Er halte dem aktuellen Amerika den Spiegel vor und zeige die Spaltung zwischen der Kulturindustrie und ihren sinnlosen Gewaltbildern und der Realität, die das Kino verleugne. Diese Spaltung spiegele sich in den beiden Protagonisten: dem Schauspieler, der auf dem Bildschirm und der Leinwand sichtbar sei und Unsinnstexte spreche, und dem unsichtbaren Stuntman, der ruhmlos seinen Körper dafür hinhalte. Warum Tarantino in der Klimax des Films „die rächende Gewalt in einem spektakulären Exzess sadistisch überschießen lässt“, bleibe aber unverständlich. Der Schluss des Films sei aber zutiefst menschlich und übe „eine Gerechtigkeit, die nicht von dieser Welt ist […] reine Kino-Metaphysik und eine großartige Anmaßung dazu“.[51]

In der taz lobt Fabian Tietke den Film als „Abgesang auf die goldene Zeit des Hollywood-Western“, den Tarantino ausgerechnet mit den Mitteln des New Hollywood anstimme. Der Film habe zwar Längen, da die Handlung recht spärlich sei, insgesamt sei er aber immer dann am besten, wenn er sich gar nicht um sie schere. Der Film schwanke zwischen dieser „schönen Freiheit“ und dem Bombast seiner Ausstattung. Als Autorenfilm wirke Once Upon a Time in Hollywood im „Superheldeneinheitsbrei der aktuellen Produktionslandschaft […] gerade in seiner Unausgewogenheit befreiend“.[52]

IMDb-Wertung: 7,6/10
Platzierung Kinocharts Deutschland 2019: Platz 13
US-Kritik-Metascore: 83/100
Einflussreichste Filme des Jahres (IMDb): Platz 3, meiste Bewertungen (IMDb) für Filme aus dem Jahr 2019: Platz 3

Regie Quentin Tarantino
Drehbuch Quentin Tarantino
Produktion Quentin Tarantino
David Heyman
Shannon McIntosh
Kamera Robert Richardson
Schnitt Fred Raskin
Besetzung

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