„Liebe zu Zahlen & Zahlen zur Liebe“ (Überläuferin, Blog) #Liebe #Zahl #Statistik #Dating

Der Wahlberliner wird ganz gewiss kein Blog fürs Alltagsgedöns und Selbstreflexion, aber wir haben eine große Auswahl von Medien im Reader, im RSS oder wo immer, die wir durchsehen und seit einigigen Wochen fällt uns ein neues WordPress-Blog auf, das sich „Überläuferin“ nennt und sich mit politischen ebenso wie – jetzt – psychologischen Themen befasst. Heute wollen wir einen Artikel empfehlen, der sich „Liebe zu Zahlen & Zahlen zur Liebe“ nennt.

In dem Beitrag befasst sich die Autorin mit zwei Studien zur Partnerschaftsanbahnung aus statistischer Sicht. Wir machen es anekdotisch und fragen uns und unsere Leser*innen – spiegeln die wiedergegebenen Zahlen und Rückschlüsse unsere Erfahrungen? In einer Angelegenheit ganz sicher: Gleich und gleich funktioniert besser als allzu unterschiedlich. Was wir bei anderen tolerieren, hängt nach unserer Ansicht auch vom Näheverhältnis ab.

Es ist uns relativ egal, welche Angewohnheiten und Auffassungen und Weltanschauungen andere im Kiez haben (solange sie nicht politisch rechts stehen, darauf reagieren wir, wenn es offen zur Schau getragen wird, empfindlich), aber in einer Partnerschaft wird’s etwas enger. Tag für Tag große Differenzen auszuhalten und sich doch einander stark verbunden zu fühlen, eine belastbare Partnerschaft führen, ist nicht so einfach, vor allem für Menschen, die keine allzu großen Freiräume genießen und sich daher nicht nach Bedarf abschotten können. Privilegiert sein hat auch in diesem Zusammenhang Vorteile und es ist leichter, tolerant zu sein, wenn man große Ressourcen zur Verfügung hat. Manchmal steckt aber auch Indolenz hinter dem, was als Toleranz daherkommt.

Studien sind für uns immer ein Nährboden für kritisches Hinterfragen, weil allein das Setting einer Studie Verhaltensweisen beeinflusst, gerade, wenn es um etwas so Emotionales geht wie die Spontanentscheidung, ob uns jemand gefällt oder nicht. Zum Beispiel: Wenn der Proband weiß, dass er an einer Studie teilnimmt, nicht am Echtleben, verhält er sich dann wirklich genauso wie da draußen?

Wir wollten ja anekdotisch: Speeddating haben wir nie gemacht, aber nach unserem Umzug nach Berlin geparshipt. Dabei lag die Gefallen-Quote eindeutig höher als die erwähnten 11,5 Prozent. Doch Speeddating hat andere Kautelen als die Anbahnung per Mail und dann mal telefonieren und sich treffen.

Im Artikel steht, dass sich finanziell gut aufgestellte und physisch attraktive Menschen höhere Chancen ausrechnen dürfen.

Wenn du jetzt meinst, dass du besonders attraktiv bist und besonders hohes Einkommen hast, also populäre Merkmale mitbringst, dann muss ich dir sagen, dass du eben dir deines Marktwertes bewusst bist und somit wählerischer wirst.

Das ist auch unsere Beobachtung, wenngleich wir es aus linker Sicht nicht so gerne verabsolutieren möchten und uns politisch deswegen für mehr Chancengleichheit einsetzen und dafür, dass humanistische Werte auch zählen: Aber gleich und gleich gesellt sich eben gerne, diese Grundvoraussetzung halten wir für evident.

Jene, die alles oder viel haben, sind demnach wählerischer, daher liegen ihre Chancen auf ein Match gar nicht (so viel) höher. Möglich, aber die Auswahl ist größer, das macht es leichter und führt zu weniger Frustration.

Das aktuelle Mindset und die Selbstdarstellung spielen nach unserer Auffassung jedoch ebenso eine Rolle und da kann man sich auf dem mittlerweile klassischen Internet-Weg gut vorbereiten. In unserer ersten Berlin-Phase waren wir sehr offen und ein wenig abenteuerlustig, das hat sich gewiss positiv auf die Erfolgsquote ausgewirkt. Wir hatten unsere Profile außerdem dergestalt verfasst, dass ebenso orientierte Menschen eher mit uns in Kontakt traten als defensivere, die sich vor allem nach Ruhe und Ankommen sehnen – und dann gab es noch den psychologischen Test, eine Spezialität dieser Agentur, der jene Tendenz noch einmal verfestigt hat, weil das System die Partnervorschläge anhand dieses Tests ausgewählt hat. Wie wir den Test so beantworten, dass er das ausdrückt, was wir darstellen wollten, mehr vielleicht als das, was uns wirklich ausmacht, hatten wir relativ schnell raus.

Trotzdem war manche Begegnung von ziemlichen Überraschungen geprägt, die daraus hervorgehenden Erlebnisse würden sich gut für eine humoristische Ausarbeitung anbieten, im einen oder anderen fiktionalen Text haben wir darauf auch schon Bezug genommen

Von etwas, das man aus Repräsentativität, dem Ideal einer wissenschaftlichen Studie mit Probanden oder Interviewten, hätte ableiten können, war aber bereits im Vorfeld eines Dates keine Rede. Das ist das Schöne am Anekdotischen: Man kann nicken, was allgemeine Erkenntnisse angeht, aber: Man selbst ist ja immer noch ein Individuum und keine verkörperte Regel. Zudem sind die meisten von uns in diesen neoliberalen Zeiten so erzogen worden, dass sie sich als die große, natürlich positive, Ausnahme betrachten. Bei den allermeisten Menschen bedeutet das, sie machen sich etwas vor, wenn sie daraus eine Wertung ableiten und sich eine Exklusivstellung zurechnen.

Wir teilen mit der Autorin die Liebe zu den Zahlen und lesen auch deswegen gerne Statistiken, weil wir uns damit auch einfangen und einordnen, das Gemeinsame und Typische suchen und generell gerne vergleichen und daraus auch politische Schlüsse ziehen.

Und wieso gerade heute? Naja, wegen des bezogenen Artikels und wegen einer privaten Sache, die uns im Moment doch recht gut beschäftigt. Vielleicht schreiben wir auch mal nieder, worum es dabei geht. Im Moment sind die Eindrücke aber noch zu frisch, obwohl alles „Out of the deep Past“ kommt (nicht „Out of Deep State“). Weil wir ja auch im Netz nicht so schwierig zu finden sind. Wir sind gespannt, ob sich daraus ein länger anhaltender Kontakt, sogar eine Freundschaft, ergeben könnte. Dann würden wir sicher auch noch ein paar Artikel schreiben, die sich mit Berlin und unserem Stadtleben befassen, um unsere Wahlstadt und unser Dasein darin zu vermitteln – es gibt aus dem „ersten“ Wahlberliner dazu auch einige Vorlagen, die wir gerade archivieren.

Außerdem haben wir uns mit diesem Artikel einigermaßen locker in fünfte Woche im Zeichen von Corona hineingeschrieben. Das Schwierige kommt noch früh genug.

TH

6 Kommentare

  1. Vielen Dank für deine Empfehlung. Nach dem Lesen der Studien habe ich auch gedacht, dass ich es sonst immer abgelehnt habe bei so etas mitzumachen, aber das ist glaube ich falscher Stolz. Aus beruflichen Gründen bin ich umgezogen und mein soziales Netz ist verdammt weitmaschig, obwohl ich ein Mensch bin, der eigentlich nur glücklich ist,wenn ich Nähe spüre. Wenn also Corona vorbei ist, werde ich mich dann auch versuchen um mein privates Glück zu kümmern.

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    1. Jetzt würde mich natürlich interessieren, wohin du umgezogen bist, aber das wirst du sicher nicht hier aufschreiben. Und das mit der Nähe ist – ja, nennen wir’s „normal“, geht den meisten Menschen so – und ich freue mich darüber, dass du auf andere zugehen möchtest!

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