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Die Berliner Zeitung legten gestern zwei Autor*innen ihren Standpunkt zur Maskenpflicht dar, die ab heute in Berlin zu beachten ist. Sie gilt übrigens nur sehr eingeschränkt – außer im ÖPNV darf man überall weiterhin ohne unterwegs sein. Anders als in allen anderen Bundesländern, wo die Tragepflicht auch beim Einkaufen gilt. Wir können also vorab festhalten: In Berlin geht es diesbezüglich lockerer zu als sonstwo in Deutschland.

Vielleicht auch deshalb, weil die Politik genau weiß, dass die Kontrolle unmöglich ist. Besonders in den unzähligen Läden. Aber auch in den Fahrzeugen der BVG wird sicher nicht patroulliert. Die Maskenpflicht ist also in Wahrheit ein Appell. Anhand der beiden gegensätzlichen Artikel in der Berliner Zeitung werden wir unsere eigene Haltung nachvollziehen. Zunächst erschien

Die Stimmung wird kippen – Die Politik hat jedes Maß verloren. Ihre Verordnungen greifen tief in unser Leben ein. Vieles wird zerstört. Die Masken sind erst der Anfang. Es wird keine schöne, neue Welt von Michael Meier.

Weiter heißt es: Die Maskenpflicht bei Bahn und Bus wird die Berliner aus der Illusion reißen, dass jetzt wieder alles gut wird. Man macht sich kaum eine Vorstellung, wie sehr sich unser Lebensgefühl und unser soziales Verhalten ändern werden, wenn wir überall Maskenmännern und Maskenfrauen in die Augen schauen werden.

Der Autor glaubt, die Stimmung werde angesichts dieses Anblicks kippen. Uns hat schon die Begriffswahl „Maskenmänner und Maskenfrauen“ gestört. Sind das die Kopftuchmädchen der Saison? Aus vorsichtigen und anderen zugewandten Menschen, die Masken tragen, werden flugs unheimliche Wesen, die maskiert sind und man sieht nur noch die Augen und wer weiß, was dahinter vorgeht. Der Autor suggeriert außerdem, dass er selbst nicht dazugehört. Diesen Spin unterstützen wir nicht. Einen Gewöhnungseffekt stellt er ebenfalls nicht in Aussicht, dabei haben wir uns doch schon an so vieles gewöhnen müssen. An den sozialen Kahlschlag, an das neue Rechts, daran, dass der BER niemals öffnen wird. Gibt es deshalb einen allgemeinen, über die kleinen Milieus der Engagierten hinausgehenden Aufschrei? Aber klar, wenn es um die vorgebliche persönliche Freiheit geht, könnte das anders sein. Diese Unterstellung mangelnder Solidarität haben wir verstanden.

Aber weiter: Als hätte sich unser Lebensgefühl nicht längst verändert, auch ohne Maske. Zum Beispiel dahingehend, dass wir uns ärgern, wenn indolente Menschen uns beim Einkaufen beinahe umrennen und dabei nicht einmal Masken tragen. So viel Stress hatten wir beim Einkaufen früher nicht. Zum Glück können wir Artikel schreiben und in vielen Corona-Beiträgen unserem Unmut in ein, zwei Sätzen Luft machen, das reicht im Moment noch aus. Noch ist unsere Stimmung nicht gekippt. Außerdem: Wer sich schon zuvor nicht an die Corona-Regeln hielt, der wird es jetzt wohl auch nicht tun, wird doch eh nicht kontrolliert. Die Stimmung der Gefahrleugner wird sich höchstens verfestigen, aber nicht kippen. Und schlimm genug, dass bisher nur zehn Prozent der Fahrägste in den engen BVG-Vehikeln Masken trugen.

Unsinnige & unzulässige Vergleiche

Alkohol tötet mehr Menschen als Corona. Wir merken an: Das wird wohl auch so bleiben. Immerhin bemerkt der Autor selbst, dass eine Seuche etwas anderes ist als Suchtverhalten, auch wenn beides mit demselben Buchstaben beginnt. Nur den entscheidenden Unterschied erkennt er nicht: Nämlich, dass Selbstgefährdung alle möglichen Ursachen haben kann, aber nicht akut andere mit in Gefahr bringt. Es sei denn durch alkoholbedingte Unfälle im Straßenverkehr oder durch alkoholbedingte Gewalt, zur Sanktionierung gibt es aber Rechtsvorschriften. Das müsste im Grunde auch gelten, wenn Menschen die Corona-Regeln bewusst nicht einhalten und damit bewusst andere gefährden. Wie ist es rechtlich zu bewerten, dass ein junger Mensch sich durch Nichteinhaltung der Regeln ansteckt und seinerseits eine Person ansteckt, die einer Risikogruppe angehört – und diese verstirbt an den Folgen dieser Ansteckung? Wir sehen das als fahrlässige Tötung an. Mindestens. Zum großen Glück für die Verursacher wird dieses Verhalten wohl kaum individuell sanktionsfähig werden. Damit rechnen ebenjene Verursacher übrigens auch.

Vom Autor nicht erwähnt, aber von anderen: Die Verkehrstoten als Vergleich. Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr Corona-Tote in 2020, als es Tote im Straßenverkehr geben wird. Zumal der Verkehr nun etwas nachgelassen hat. Anfang der 1970er erreichten die Todeszahlen mit ca. 20.000 pro Jahr ihren Höhepunkt. Wenn man so argumentieren würde wie die Coronagefahr-Leugner, hätte man niemals die Sicherheitsstandards von Autos anheben müssen, denn, so what, an den Folgen des Alkoholmissbrauchs starben auch damals mehr Menschen. Bei heutiger Verkehrsdichte und gestiegener Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit der Autos wären es dann ohne Veränderungen an der Sicherheitarchitektur wohl über 60.000. Aber der Alkohol rafft natürlich noch etwas mehr Menschen dahin.

Dies alles sind Whataboutismen mit Todesfällen und wer ein bisschen ethisch denkt, kann das nicht gutheißen, denn es ließe sich auch auf alle Kriege und Gewalttaten der Welt anwenden. Was bedeutet schon das heutige tägliche, leise Sterben in in unzähligen Konflikten gegen 60 Millionen Tote des Zweiten Weltkriegs? Es geht dann nur noch um Größenordnungen, nicht mehr um Schicksale. Nicht mehr um Vermeidbarkeit, Rücksicht und Solidarität, sondern um achselzuckende Gleichgültigkeit dem Einzelnen gegneüber, der ohne Corona jetzt nicht verstorben wäre, den es aber leider erwischt hat, weil andere keinen Anlass sahen, Rücksicht zu nehmen.

Solche Argumentationen sind außerdem ein Schlag ins Gesicht alle jener, die tagtäglich versuchen, einzelne Menschenleben zu retten. An Unfallstätten, in Kliniken, Junge und Alte gleichermaßen, Gesunde oder solche mit Vorerkrankungen.

Die „Expertokratie“

Der Autor stößt auch in das Horn jener, die gegenwärtig eine Expertokratie bemängeln. Stört er sich auch daran, dass wir ansonsten tagein, tagaus, eine Lobbykratie haben? Oder wenn Politik immer mehr durch externe Berater für alles Mögliche bestimmt wird? Gerne auch durch neoliberale Thinktanks.

Wenigstens tragen die gegenwärtig so gefragten Experten ihre Ansichten öffentlich vor, das kann man von den Dauereinflüsterern der Politik nicht gerade sagen; sie müssen mühsam recherchiert und transparent gemacht werden und vieles bleibt im Dunkeln. Die gegenwärtig gefragten Experten sind nicht immer einer Meinung, das ist vielleicht das wirkliche Problem, aber es ist normal, es ist natürlich und wenn es so ist, muss die Politik Entscheidungen treffen und das tut sie. Nicht alle sind richtig, aber man bewegt sich dieses Mal tatsächlich auf Neuland. Die Besserwisserei einiger Diskussionsteilnehmer, die in Wirklichkeit auch nicht mehr wissen als andere, geht auch uns allmählich auf den Zeiger, obwohl wir bestimmt keine Fans der aktuellen Bundesregierung sind. Deswegen bewerten wir das Geschehen auch weitgehend ethisch-rechtlich-wirtschaftlich  und sozial, nicht medizinisch, und beschreiben ansonsten die Lage, wie wir sie aus den besten erhältlichen Datenquellen herauslesen – und liefern Service-Artikel.

Gerade die Leugner, die jetzt schon „Diktatur“ schreien, sorgen mit dafür, dass die Vernünftigen sich hinter einer Klasse von politisch Verantwortlichen versammeln, die sie ansonsten häufig kritisieren. Weil die Vernünftigen wissen, der Tag wird kommen, an dem nachgeschaut wird, was war wirklich gut oder nicht so schlecht und welche Langzeitfolgen, sozial, wirtschaftlich, hat Corona? Aber jetzt wegen berechtigter Befürchtungen, die Falschen könnten die Krise ausnutzen, unschuldige Menschen in Gefahr bringen, kann wohl kaum eine angemessene Reaktion derjenigen sein, die sich eine Welt mit mehr Solidarität wünschen. Dies an die Adresse der Aluhüte, die sich wöchentlich in Berlin versammeln und von bestimmten Alternativmedien befeuert werden, die immer schon sehr steil gingen, aber jetzt vollkommen freidrehen. Wir bedauern und betrauern dies, weil es eine Spaltung der Systemkritiker vertieft, die wir schon länger sehen – aber wir halten Maß und finden es richtig, dass in dieser Ausnahmelage Experten mitreden, die sich auf dem nun relevanten Fachgebiet weitaus besser auskennen als wir und besser als die Politiker, die von ihnen beraten werden. Wo sonst als bei Experten soll die Politik sich Expertise holen?

Die Wirte und die Wirtschaft

Wir verstehen die Argumente der kleinen Selbstständigen, die sich Sorgen um ihre Existenz machen. Wir interpretieren aber die Ausfallfinanzierung nicht als zeitlich so eng begrenzt, wie der Autor sie darstellt. Es wird Anschlusshilfen geben müssen, zumindest zur Sicherung der Existenz der Betroffenen. Ob dies auch alle Betriebe umfassen kann, ist eine andere Frage. Dazu wollen wir abwarten, ob nicht weitere Pakete geschnürt werden. Wir meinen, es wird so kommen. Man wird nicht weite Teile der Dienstleistungslandschaft der Zerstörung überantworten. Dass hingegen der Verzicht auf Kneipe gehen Stress verursacht, der schlimmer ist, als der Stress, sich und andere möglicherweise anzustecken, ist schon wieder eine Sichtweise, die nicht nur dem Egoismus, der bei manchen Menschen ohnehin das Denken prägt, sehr entgegenkommt – sie berücksichtigt auch folgenden Gegeneffekt: Wie hoch wäre der Stress an einem gastronomischen Ort, wenn man ständig befürchten müsste, sich anzustecken? Man kann das Nicht-Kneipe-Gehen in diesen Zeiten nicht mit dem Kneipe-Gehen in normalen Zeiten vergleichen, sondern muss es zum Kneipe-Gehen unter gegenwärtigen Umständen in Bezug setzen, wenn es denn erlaubt wäre. Nur dann hat man einen realistischen Blick auf die psychischen Auswirkungen.

Wir glauben, dass wir nicht die einzigen sind, die ihre Ausgänge freiwillig reduzieren würden. Das müssten wir sogar über einen sehr langen Zeitraum hinweg tun, wenn die ergriffenen Maßnahmen allgemein nicht zu einem Rückgang der Infektionszahlen führten. Der Zwang, zu Hause zu bleiben, wäre noch einmal stärker, wenn wir Angehörige einer Risikogruppe wären und uns nicht in erhebliche Gefahr bringen wollten.

Womit auch gesagt ist: Was hier vertreten wird, fördert die soziale Segregation zwischen denen, die sich ausrechnen, dass Corona ihnen persönlich nicht viel schaden wird und jenen, bei denen diese gefühlte Sicherheit nicht gegeben ist und die tatsächlich mehr gefärdet sind.

Wer, was, welche Zahlen?

Am Schluss wird es richtig krude. Wenn alles andere als Argumentationslinie etwas dünn erscheint, werden gleich mal alle Zahlen und die Redlichkeit von deren Erstellern angezweifelt. Spin: Sie werden aufgebauscht. Wir stellen uns einfach mal hin und sagen: Falsch, sie werden runtergerechnet. Und jetzt? Für diese Variante gibt es nämlich einige gute Argumente. Wir stellen sie aber nicht in den Vordergrund, sondern halten uns an das, was allgemein zugänglich ist. Und an das, was man in Ländern sieht, in denen die Politik (noch) weniger konsequent auf die Krise reagiert hat: Wer gerne viele Särge auf der Straße stehen hätte, vor Überlastung rotierendes und heulendes Klinikpersonal, Menschen, die einfach sterbend allein gelassen werden, Massengräber wie in New York, wo man sehen kann, welche Folgen Gefahrleugnung in einer Großstadt haben kann, der soll das offen kundtun und nicht auf eine so wenig elaborierte, durch nichts unterlegte Weise wie in diesem Artikel so tun, als seien die allgemein erhältlichen Zahlen aus der Luft gegriffen. Dabei weiß sicher auch der Autor, dass die absolute Überprüfbarkeit in dieser Neuland-Lage gar nicht gegeben sein kann. Es gibt derzeit nicht die perfekte Handhabe, weder fürs Zählen, noch fürs Maßnahmen treffen, aber die Art der Kritik an dem, was zur Verfügung steht, ist in diesem Beitrag allzu wohlfeil.

Gegen die Ansicht des Autors wandte sich denn auch die Kollegin bei der BZ Annika Leister in dem Beitrag: Unsere Vernunft ist jetzt systemrelevant. Die Maske wird mich nerven. Aber ich weiß, dass ich damit anderen helfen kann. Daher ist es jetzt meine Pflicht. Es geht um mehr.

Schon der Untertitel sagt, worum es geht. Und wir müssen einen Einschub machen. Es sind gegenwärtig noch mehr als sonst Frauen, die verstehen, worum es geht, weil sie mehr Empathie haben und in Krisen vielleicht auch nicht so panisch auszucken.

Wir beoachten auch, dass Frauen derzeit in den Medien, die sich jetzt mit Gefahrleugnung hervortun und in denen sie bei anderen Themen durchaus vertreten sind, im Moment merklich Zurückhaltung üben. Frauen wollen nicht mit dafür verantwortlich sein, dass Idioten auf die Straße gehen, angestachelt durch die übelsten Verschwörungtheorien, und dadurch den gesellschaftlichen Stress weiter erhöhen, unter dem wir alle stehen. Klar wollen die Manipulatoren genau das, doch Frauen sind in der Hinsicht offenbar nicht so leicht ins ethische Versagen zu steuern. Selbstverständlich kann man das nicht anhand dieser beiden Artikel festmachen, nur, weil Mr. Sorglos ein Mann und Mrs. Vernünftig eine Frau ist. Im Alltag beobachten wir auch Frauen, die nicht viel von Vernunft und Solidarität halten, aber auch dort treten sie selten so aggressiv-offensiv auf wie Männer, die sich dabei anscheinend mutig und – sic! – männlich finden und natürlich auch immer Recht haben wollen. Annika Leister schreibt weiter:

Die Politik erlässt zurzeit Verordnungen, die unsere Rechte tief beschneiden. Und sie macht dabei Fehler, ohne Frage. Ihre Maßnahmen aber sollen Leben retten. Sie sollen schwerste gesellschaftliche Traumata wie in Italien verhindern, wo Ärzte weinend vor Kameras zusammenbrechen, weil ihnen die Patienten unter den Händen wegsterben. Corona ist eben nicht wie Krebs oder Alkoholismus. Corona greift das System Mensch in neuer perfider Weise auf allen Ebenen an.

Wir haben oben bereits die Zustände in anderen Ländern erwähnt. Was in Spanien, Italien oder New York geschah und geschieht, hat uns zutiefst schockiert und betroffen gemacht. Die Coronagefahr-Leugner, die diese Bilder sehen, haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Sie argumentieren so formalstatistisch wie Herr Maier oder, sehr beliebt unter Leugnern aller Art und bei fast jedem Thema, die Berichte seien allesamt Fakes. Wirklich? Wer das in dieser Angelegenheit vertritt, dem vertrauen wir auch bezüglich seiner Urteilskraft, respektive seiner Ehrlichkeit, bei anderen Themen nicht. Diese Menschen werden auch erhöhte Sterblichkeitsraten noch als Teil einer Verschwörung, die alle Zahlen fälscht, ansehen. Aber diesen Menschen darf man keinen Einfluss auf die Gestaltung der Wirklichkeit einräumen, sonst werden wir alle tatsächlich schwerste, dystopische Zeiten erleben.

Unfassbarerweise kommt nun auch der Herr Schäuble um die Ecke und schließt die Querfront zwischen Neoliberalen und denen, die sich sonst für ultrapgrosssiv und absolut weltdurchschauend halten und die Verschwörung der Reichen natürlich auch bezüglich des Corona-Virus propagieren.

Schäuble meint u. a.: Menschenleben sind doch irgendwie ein relatives Schutzgut und gestorben wird sowieso. Wenn man die falschen Verbündeten  für den Marsch in die immer stärkere Relativierung gewinnt, könnte man dann vielleicht doch mal nachdenken, ob man auf dem Holzweg ist? Wenn man genauso argumentiert wie die Lindners und Laschets dieser Welt, obwohl man links zu sein vorgibt?

Frau Leister sieht, wie wir, die gegenwärtigen Vorschriften eher nicht als Gebote, sondern als Appelle, da sie in Berlin unmöglich durchgesetzt werden können. Schon in Normalzeiten werden viel weniger aufwendig zu kontrollierende Tatbestände wie das massenhafte Falschparken nicht gerade mit Verve verfolgt. Warum uns gerade dies einfällt? Weil es demselben Ungeist entspringt wie die Ignoranz gegenüber den Belangen anderer in Zeiten der Corona-Krise. Nach Auffassung von Frau Leister zählt die Maskenpflicht zu den

„(…) flehentliche(n) Bitten, sich jetzt von allen Gewohnheiten, Eitelkeiten und vielen Freiheiten zu lösen, über die unsere Gesellschaft sich bisher definiert.“

Den Satz halten wir für wichtig. Was manche als „Freiheit“ definieren, ihren hirnlosen Konsumismus und einen Hedonismus, den man auch mal für ein paar Monate einschränken kann, wenn man nicht süchtig danach ist: Dies ist es nicht, was Freiheit im Kern meinen sollte. Freiheit des Wortes, der Gedanken, der langfristigen Lebensentscheidungen und das, was wir als demokratische Freiheiten bezeichnen. Dies alles wird eher gestärkt dadurch, dass wir jetzt in der Lage sind, auf die Bremse zu treten und die anderen zugewandten Anteile in uns zu pflegen.

Deshalb schränken wir bezüglich unserer Ansicht zu den Corona-Regeln ein, dass wir sehr wohl Probleme bezüglich der politischen Partizipation sehen. Aber dann muss es uns doch lieber sein, dass kleine Versammlungen mit Masken erlaubt sind, als wenn wieder alles Streben nach „Freiheit“ im beinahe kompletten Lockdown endet, weil die Infektionszahlen erneut ansteigen.

Viele Menschen können keine Zahlen, das kommt leider hinzu. Selbst einfachste statistische Darstellungen werden nicht verstanden, das erschwert die Kommuniktion. Diejenigen, die nicht verstehen, wie rasch eine pandemische Lage außer Kontrolle geraten kann, können sich dann wirklich nur noch darauf zurückziehen: Nee, dit gloobik allet nicht.

Auch in diesem Punkt geben wir Frau Leister Recht: Wir alle sind als Verantwortliche für das Gelingen der Krisenbewältigung systemrelevant. Normalerweise sind wir dagegen, wenn staatliche Aufgaben individualisiert oder ausgelagert werden, wenn sich der Staat auf die Zivilgesellschaft velässt und damit seinen ureigenen Aufaben nicht nachkommt – und so getan wird, als könne jeder alles, was ihn betrifft, selbst bestimmen und als gäbe es keine staatliche Pflicht, diejenigen zu schützen, die sich nicht selbst schützen können. Aber darum geht es nun gerade: Dass der Staat nach Anlaufschwierigkeiten ersichtlich tut, was er kann und wir unseren Teil beitragen müssen, weil er’s nicht alleine kann, sonderm auf unsere Mitwirkung angewiesen ist. Wenn man so will, die Umkehrung der Normalsituation.

Eines sollten wir aber schon, das ist nun auch unsere Aufgabe beim Wahlberliner: Danach für unser friedliches und vernünftiges Mitmachen auch etwas forden und vor allem genau hinschauen, wo Systemfehler für Leid gesorgt haben – solche, die nicht auf der Corona-Pandemie als einem Novum in moderner Zeit gründen, sondern auf Ausprägungen unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die schon länger für große Schäden sorgen und in der Krise lediglich noch mehr hervortreten.

Ja, diese neue Welt ist nicht schön. Denn ab heute wird sich im Berliner ÖPNV zeigen, wer Respekt vor anderen und Gemeinsinn besitzt und wer nicht. So einfach konnte man das selten zuvor unterscheiden und dies ist unangnehm für jene, die ihre persönliche Eitelkeit als Freiheit für alle verkaufen wollen. Aber auch für jene Zeitgenoss*innen haben wir noch was mitgebracht: Dass Masken schützen, dürfte wohl mittlerweile keine Frage mehr sein (war es eigentlich nie, aber es gibt immer Versprengte, zu denen auch der Gesundheitsminister dieses Landes zählt, der mit daran schuld ist, dass es mit der Akzeptanz von Maßnahmen manchmal hapert, die er dann doch unterstützen musste). Wir haben oben schon behandelt, worum es geht und fassen es nochmal zusammen:

Wenn möglichst viele jetzt Menschen Masken tragen und die Infektionsrate dadurch sinkt – dann wären doch auch die Biergärten schneller wieder zu öffnen. Da schau her. Zum Wohl aller!

Gefahrleugner und Vernünftige gleichermaßen können hier Einfluss auf das Bild der öffentlichen Meinung nehmen:

FireShot Capture 069 - Compass - compass.pressekompass.net

TH

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