Ausgerechnet Wolkenkratzer (Safety Last, USA 1923) #Filmfest 169

Filmfest 169 A "Concept IMDb Top 250 History" (4)

 

Die berühmteste Szene der Stummfilmgeschichte?

Ob das so stimmt, steht nicht zur Debatte, denn auf jeden Fall ist der Moment ikonisch: Harold Lloyd hängt am großen Zeiger einer Uhr an einem Wolkenkratzer. Etwas später wird sich das Zifferblatt von oben her ablösen und man muss befürchten, dass es mit dem Mann, der daran hängt, in die Tiefe stürzt.

Allein diese Szene könnte ausreichen, um einem Film einen ewigen Platz unter den besten aller Zeiten zu sichern. Trotzdem ist „Safety Last“ derzeit nicht unter den Top 250 platziert.

Er ist also einer von jenen Filmen, die einmal in der Liste erhalten waren, aber herausfielen und es war der einzige von Harold Lloyd, der es so weit gebracht hatte, während Charles Chaplin immer noch mehrere Werke dort vorweisen kann und Buster Keaton immer noch mit „The General“ vertreten ist. Insofern erhält die Mehrzahl der Kritiker heute auch vom Publikum recht, die sagen, zwischen Chaplin und Keaton einerseits und Lloyd andererseits bestünde ein gewisser Abstand, die künstlerische Höhe betreffend. Da es keine deutsche Rezension zu „Safety Last“ gibt, die in der IMDb gelistet wird,ist es mir eine Ehre, erstmals auf eine Kritik von Roger Ebert zu verweisen, der die Ansicht teilt, es gebe Abstufungen zwischen diesen drei erfolgreichsten Komikern der 1920er, aber gleichwohl „Safety Last“ als „Great Movie“ bewertet und mit einem Lorbeer bekränzt.

Ich habe mir den Film heruntergeladen, das heißt, es wird eine eigene Rezension im Wahlberliner geben, aber das Resümee von Roger Ebert möchte ich hier wiedergeben:

„I didn’t find myself laughing, but I watched in fascination. I don’t love the Glasses character with the intensity I reserve for Buster and the Little Tramp. But I was there with him every inch of the way up that building, and I shared the physical joy of his triumph at the top. I could understand why Lloyd outgrossed Chaplin and Keaton in the 1920s: Not because he was funnier or more poignant, but because he was merely mortal and their characters were from another plane of existence. Lloyd is a real man climbing a building; Keaton, as he stands just exactly where a building will not crush him, is an instrument of cosmic fate. And Chaplin is a visitor to our universe from the one that exists in his mind.“

Ich glaube, die Szene mit der Uhr ist nicht zum Lachen gedacht, das belegen witzige Anmerkungen zu Aufführungen des Films wie etwa jene, dass manche Kinobesitzer Krankenschwestern vorhielten für Menschen, denen beim Anschauen der Bilder allzu schwindelig wurde. Außerdem wird das Genre auch als „Thrill Comedy“ bezeichnet – hin und wieder nicht lachen, sondern den Atem anhalten und danach laut und erleichtert aufatmen und sich mit Sitznachbar*innen über den Hype austauschen, ist demnach erwünscht. Insofern sind solche Filme auch sehr geeignet, um soziale Kontakte zu knüpfen, während dieses Schweben zwischen Lachen und Weinen bei Chaplin doch auch etwas sehr Innerliches ist.

Ich kann den Thrill schon beim Anschauen des Titelbildes gut nachvollziehen – Vertigo ist gar nicht so witzig, deshalb sehe ich mag ich Szenen nicht besonders, in denen die Kamera von einem Dach, hoch gelegenen Fenster oder Turm aus in die Tiefe hält. Im Flug gefertigte Bilder lösen diesen Effekt bei mir interessanterweise nicht aus. Es gibt aber genügend andere Momente, über die man eben auch lachen kann, vermute ich. Bisher bin ich absolut kein Lloyd-Spezialist, während Specials zu Charles Chaplin und Buster Keaton sicher ihren Weg in den Wahlberliner finden werden. Aber wenn nicht mit diesem Film in die Betrachtung seiner Filmpersona einsteigen, mit welchem sonst?

Anders als Keaton und Chaplin, aber wie Stan Laurel und Oliver Hardy, hat Harold Lloyd bei Filmen wie „Safety Last“ nicht selbst Regie geführt und seine Werke auch nicht selbst produziert, sondern war bei Hal Roach unter Vertrag, wie Laurel und Hardy. Die beiden gelten allerdings überwiegend als Komiker der Tonfilmära.

IMDb-Wertung: 8,1/10
Platzierung in der Liste IMDb Top 250: Aktuell keine
Kritiker-Bewertung: 4/4 und „Great Movie“
Moviepilot-Publikumsbewertung: 7,2/10

Regie Fred C. Newmeyer
Sam Taylor
Drehbuch Hal Roach
Sam Taylor
Tim Whelan
Produktion Hal Roach
Kamera Walter Lundin
Schnitt Thomas J. Crizer
Besetzung

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