Und Tschüss – Tatort 689 #Crimetime Vorschau 09.07.2020 NDR 23:35 Uhr #Tatort #Hamburg #Casstorff #Holicek #NDR #Tschüss

Crimetime Vorschau - Titelfoto © NDR, Maria Krumwiede

Adieu, Bulle!

Vielleicht haben wir es dem Tod von Thilo Prückner zu verdanken, der Anfang Juni  2020 starb, dass der NDR wieder Tatorte mit Holicek (Prückner) und Casstorff (Robert Atzorn) auspackt. In den letzten Jahren ist man mit Wiederholungen dieser Fälle aus den Jahren 2002 bis 2008 recht sparsam umgegangen. Vielleicht Zeit für einen kleinen historischen Abriss.

Casstorff und Holicek hatten nie die Beliebtheit der Vorgänger Stoever und Brockmöller erreicht, auch das Konzept war nicht gerade vorwärtsgerichtet.

Von einem am Ende fast gleichberechtigten Duo zurück in die deutlich erkennbare Hierarchie. Dann der Wechsel zu einem wirklich außergewöhnlichen Konzept, dem Einsatz des verdeckten Ermittlers Cenk Batu – das allerdings eine Tücke hatte: Man kann einen türkischstämmigen Polizisten nicht in derselben Stadt unzählige Male in migrantischen OK-Milieus ermitteln lassen, irgendwann werden die Fälle einander zu ähnlich und der Mann wird zu bekannt in der Szene. Okay, bei anderen Unglaubwürdigkeiten hat man weniger Probleme, aber der Mangel an Handlungsalternativen ist konzeptionell bedingt.

Man hätte ihn also „normalisieren“ und offen als Kommissar auftreten lassen müssen – beispielsweise – und das hätte Darsteller Mehmet Kurtulus auch verdient gehabt. Stattdessen begeht der NDR den bisher in etwa größten Tatort-Quatsch aller Zeiten und setzt Till Schweiger für vermutlich die höchste Gage aller Tatort-Ermittler*innen als norddeutschen Westentaschenrambo ein. Und das, wo Schweiger aus dem Alemannischen stammt. Damit hat sich der NDR aus der Spitze der deutschen Krimisender verabschiedet, auch wenn er mit Borowski in Kiel, dem Rostock-Polizeiruf und dem Bundespolizei-Duo Falke und Grosz noch drei gute bis sehr gute Schienen hat. Dass Hamburg, der Stamm-Standort, dermaßen verhunzt wurde, wiegt zu schwer und muss endlich korrigiert werden.

Angefangen hatte alles ganz anders. Die Trimmel-Tatorte der ersten Stunde zählten zu den längsten und experimentellsten, die bis heute im Rahmen der Reihe entstanden sind und waren für ihre Zeit teilweise herausragend modern und interessant gestaltet und in Kiel hatte man mit Kommissar Finke einen Ermittler etabliert, dessen Fälle bis heute als die besten gelten – überschlägig und nach Meinung der Fans auf der Plattofrm „Tatort-Fundus“ Bewertungen schreiben. Für mich persönlich ist der Kiel-Tatort „Reifeprüfung“aus dem Jahr 1977 bis heute mit der beste Film aus mittlerweile 1.135 Produktionen, die innerhalb von 50 Jahren entstanden sind.

Unter den Casstorff-Filmen erhält „Und Tschüss“ von den erwähnten Tatort-Fundus-Nutzern nur Rang 13 unter 15 Produktionen zugesprochen, die insgesamt entstanden sind.

Man hat den ziemlich miesepetrig wirkenden Casstorff versucht mit einem Sohn zu „liften“ und dann mit der Staatsanwältin Wanda Wilhelimi, die im Tatort 689 offenbar entführt wird. Die Szenen mit dem Sohn und jene, die sich auf ihn beziehen, wirken oft sehr hölzern und dogmatisch, die Staatsanwältin konnte schon eher dazu beitragen, das Ganze ein wenig aufzulockern, obwohl sie eine recht dezente Figur ist. Aber komplett unglaubwürdig wirkt dieses etwas ungleiche Paar nicht.

Nach dem, was ich vorab gelesen habe, wurde in den letzten Castorff-Tatort eine Menge reingepackt, nach Ansicht einiger Kommentatoren zu viel. Wir werden sehen – denn die Abfassung einer Vorschau resultiert, wie üblich, daraus, dass wir anlässlich der heutigen Wiederausstrahlung keine Rezension anbieten können, weil ich diesen Tatort noch nicht gesehen habe. Er läuft am 09.07.2020 um 23:35 im Dritten des NDR. So spät am Abend wirkt auch ein wenig, als würde man hier eher eine Pflichtübung abhalten, als einen beliebten Film in den Vordergrund rücken.

Handlung

Arno Dahm soll entführt werden. Doch bei dem Versuch ihn zu entführen, kommt er ums Leben. Die Täter können fliehen – nur die 13-jährige Doro wird Zeugin der Tat – offenbart sich aber niemandem.

Die Ermittlungsarbeit beginnt: Casstorff ist irritiert über das Ausbleiben seiner Freundin Wanda Wilhelmi. Die Staatsanwältin wollte sich – als sie am Telefon den Namen des Toten hört – sofort auf den Weg zum Tatort machen.

Holicek durchleuchtet derweil das berufliche Umfeld des Getöteten und trifft als erstes auf den Exportsverbandsvorsitzenden Karl Dursthoff, der von Streitigkeiten zwischen dem Toten und seinem Kompagnon Müller zu berichten weiß. In der Tat lässt Jannik Müller, Mitinhaber der Firma „Fair Global“, durchblicken, dass es mit Dahm nicht eben einfach war – standen ihnen doch Dahms hohe moralische Ansätze bei den alltäglichen Geschäften im Wege.

Wanda Wilhelmi taucht weiterhin nicht auf und nicht nur Casstorff ist alarmiert: Das LKA richtet die Sonderkommission „Wanda“ ein – davon ausgehend, dass es sich um eine gezielte Entführung der Staatsanwältin handelt. Mit von der Partie ist Jenny Graf – Casstorffs ehemalige Mitarbeiterin, die jetzt für das LKA arbeitet.

Zusammen durchleuchten beide die Fälle, an denen Wilhelmi vor ihrem Verschwinden gearbeitet hatte und versuchen herauszufinden, was der Zusammenhang zwischen dem Tod von Dahm und der Entführung einer Staatsanwältin sein könnte.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Jan Casstorff – Robert Atzorn
Wanda Wilhelmi – Ursula Karven
Jochen Kesseling – Frank Röth
Eduard Holicek – Tilo Prückner
Jenny Graf – Julia Schmidt
u.a.

Regie – Thomas Bohn
Buch – Thomas Bohn

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s