Lindenberg! Mach dein Ding | 3 Kritiken | #Filmfest 204

Filmfest 204 B

2020-10-08 Filmfest BAlles im Griff

Wir wollen nun auch damit beginnen, einige Produktionen aus dem Jahr 2020 vorzustellen, das – leider – ein besonderes auch für die Welt des Kinos ist.

Die Besucherzahlen werden wohl die schwächsten seit vermutlich über 100 Jahren werden, denn ob Krieg oder Krise, ob Boom oder Rückgang durch das Fernsehen, ob Kaufvideos oder Streamingdienste aufkamen, ins Kino ging doch immer ein „harter Kern“, sodass in Deutschland zu über 100 Millionen verkaufter Kinokarten pro Jahr kam. Viel ist das nicht, im Vergleich zu den amerikanischen Zahlen, die, auf die größere Bevölkerungszahl umgerechnet, 2,5 mal höher liegen. Aber immerhin.

Zwischendurch durften sie nicht mehr und es könnte durchaus wieder so kommen, wenn die Corona-Zahlen erneut steigen. Wie sang Udo Lindenberg: „Ich hab alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“ (aus dem Gedächtnis wiedergegeben, war da nicht auch was mit „Keine Panik auf der Titanic“?). Es ist lange her, dass ich Lindenberg live gehört habe, aber in diesen Zeiten hat er uns sicher etwas zu sagen.

Was passt also gerade besser als der Film „Lindenberg! Mach dein Ding“, der im Januar 2020 Premiere hatte? Da ich das Werk noch nicht angeschaut habe, kommt es zur Abwechslung wieder einmal zu einer Empfehlung („Filmfest B“). Ich orientiere mich dabei am Wikipedia-Eintrag – bis eines Tages eine Originalrezension auf dem Filmfest vorgestellt werden wird.  Im weiteren Sinne passt dieser Eintrag zur vorherigen Rezension des (auch) Musikfilms „8 Frauen„.

Handlung (1)

Udo begeistert sich schon als Kind fürs Trommeln. Die Familie leidet unter der Alkoholsucht des Vaters. Udo macht eine Lehre als Kellner, um hinterher auf See fahren zu können. Mit seinem Kumpel, dem Bassisten Steffi Stephan, vergnügt er sich in Hamburg. Er hat Engagements als Schlagzeuger bei diversen Jazzbands und einige Studiojobs. Ein Musikerkollege vermittelt ihm einen Job in einer Band zur US-Truppenunterhaltung in Libyen.

Zurück in Hamburg, spielt Udo in einer Rockband in der Musikkneipe „Onkel Pö“. Als deren Leader das Angebot eines Plattenvertrages ablehnt, sieht Udo seine Chance und empfiehlt sich selbst dem Teldec-Talentsucher Mattheisen. Schon als Jugendlicher hatte er das Ziel, einmal seine eigene Band zu haben, das er nie aus den Augen verlor. Mattheisen ist der Meinung, dass man nur mit englischsprachigen Rocksongs Erfolg haben könne. Das erste englischsprachige Album floppt jedoch. Schließlich nimmt Udo einen Schlager auf mit dem Lied Hoch im Norden als B-Seite.

Dieses wird zur Überraschung und großen Freude der Band im Radio gespielt. Lindenberg handelt bei Mattheisen einen hohen Vorschuss aus. Als Steffi nach einem Konflikt mit Udo vorübergehend aussteigt, ist die weitere Karriere aber gefährdet. In der Kneipe rät ihm der Transvestit Butterfly, er solle er selbst sein und seine Gefühle zeigen. Lindenberg singt daraufhin solo den Song Mädchen aus Ost-Berlin, was wiederum den Talentsucher Mattheisen zu spontanem Applaus veranlasst. Er schreibt weitere Songs in deutscher Sprache wie Cello und den Rocksong Alles klar auf der Andrea Doria. Zum für die Karriere wichtigen Konzert in Hamburg erscheint Steffi im letzten Moment, und trotz eines alkoholbedingten Sturzes Lindenbergs zu Beginn wird das Konzert zum Triumph.

Notizen (1)

Lindenberg! Mach dein Ding ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2020 über Kindheit, Jugend und Beginn der Musikkarriere von Udo Lindenberg. Regie führte Hermine Huntgeburth, Hauptdarsteller ist Jan Bülow. Premiere feierte der Film am 7. Januar 2020 in Hamburg,[1] Kinostart war am 16. Januar 2020.

Kritikenspiegel (1)

Britta Schmeis von epd Film lobt die „detailverliebte“ Ausstattung. Jan Bülow spiele Lindenberg mit „linkischer Scheu, jugendlicher Verletzlichkeit und schnoddriger Großmäuligkeit“. Seinen größten Charme entwickle der Film in den Rückblenden in Udos Kindheit.[3]

Jörg Brandes von Filmstarts findet es „schön, wie ganz nebenbei auf spätere Lindenberg-Charakteristika hingewiesen wird“ (z. B. Wohnen im Hotel, Eierlikör). Das Milieu von St. Pauli wirke echt, und das „musikalische Beiprogramm außerhalb von Lindenbergs Output“ sei stimmig. Insgesamt sei es ein „schmissiges, toll gespieltes und schön ausgestattetes Lindenberg-Biopic mit nur kleinen Schönheitsfehlern“.[4]

Zu einem negativen Urteil kommt Matthias Dell bei Spiegel Online, der den Film ein „reichlich schematische[s] und ziemlich lasche[s] Unterfangen“ nennt. Dies liege daran, dass „der Künstler kaum Probleme zu haben scheint“ und das Gezeigte von „Exzessen, Abstürzen und Verzweiflung […] weit entfernt“ sei. „Lindenberg! Mach dein Ding“ sei letztlich „[n]üchtern betrachtet […] nichts anderes als eine edel aufpolierte Super-Jubiläums-Spezial-Edition-CD – ein Versuch, die Popularität von Udo Lindenberg durch ein Biopic mit Retro-Anmutung und gern gehörten Musikstücken ins Kino hinein zu kalkulieren“, so Dell.[5]

IMDb-Durchschnittswertung: 6,4/10
Moviepilot-Durchschnittswertung: 6,2/10

(1) Quelle: Wikipedia

Regie Hermine Huntgeburth
Drehbuch Alexander M. Rümelin,
Christian Lyra,
Sebastian Wehlings
Produktion Michael Lehmann,
Johannes Pollmann,
Günther Russ
Musik Oli Biehler
Kamera Sebastian Edschmid
Schnitt Ueli Christen,
Eva Schnare
Besetzung

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