Finderlohn – Tatort 74 #Crimetime Vorschau #Tatort #BadenBaden #Gerber #SWF #Finderlohn #Lohn

Crimetime Vorschau - Titelfoto © Südwestfunk Baden-Baden / SWR, Castagne

Raritäten: Der Lohn liegt im Auffinden

So ist das zum Beispiel mit Filmen von Kommissar Gerber, dem ersten Kommissar des damaligen Südwestfunks Baden-Baden, der 1973 ins Rennen ging und bis 1977 ermittelte. Bisher habe ich es gerade mal zu einer Sichtung gebracht: „Tod eines Einbrechers„. Fünf Fälle hat er aber gelöst. Mit einigermaßen vertretbarem Aufwand (ARD-Mediathek, Wiederholungen) ist Gerber nicht zu komplettieren, die Uploads auf Youtube sind oft von zu schlechter Qualität.

Der SWF, der Südwestfunk Baden-Baden, und auch der damalige Südfunk Stuttgart, die sich später zum SWR zusammenschlossen, sind Mediathek-Muffel, aber der Südfunk Stuttgart hatte vor einigen Jahren wenigstens seinen Starter-Kommissar Lutz mit einer Retrospektive bedacht. Gerber hörte also 1977 auf und – war der letzte Kommissar des Südwestfunks! In der Folge tat sich der Sender nämlich mit der Frauenförderung hervor, installierte zunächst Marianne Buchmüller, dann Hanne Wiegand – und ihr folgte Lena Odenthal nach, mit der bis heute und vermutlich für immer längsten Dienstzeit aller Tatort-Ermittler*innen.

„Finderlohn“ gilt gemäß Bewertungen der Nutzer*innen des Tatort-Fundus zwar nur als drittbester der fünf Gerber-Tatorte, liegt aber von der Punktzahl (6,46/10) wesentlich näher an den beiden besten („Kassensturz“ und „Tod eines Einbrechers“) als an den beiden nachfolgenden. Aber wenn der SWR vor einiger Zeit sogar „Der gelbe Unterrock“ mit Marianne Buchmüller gezeigt hat, der als einer der schlechtesten Tatorte aller bisherigen Zeiten gilt, wär’s doch schön … nun ja. Mal sehen, ob ich’s noch erlebe.

Am Mittwoch den 19. August 2020 wiederholt der SWR erst einmal „Finderlohn“ – um 23:30 Uhr, nach dem „SWR-Sommer-Wunschtatort“.

Dieser letzte Gerber-Film wurde von Peter Schulze-Rohr inszeniert, der auch die teilweise herausragenden ersten Trimmel-Tatorte des NDR gedreht und ihn einen eigenen, sehr zeitgeistigen und heute faszinierend wirkenden Stil gegeben hat. Ob der Stil auch im Südwesten und mit einem ganz anderen Ermittlertyp (und mit einem anderen Drehbuchautor) funktioniert, werden wir sehen, wenn der Film in einer Woche ausgestrahlt wird.

Aus dem erwähnten Tatort-Fundus habe ich auch die relevanten Infos zu einem Ermittler entnommen, den heute kaum noch jemand kennt:

Kriminalhauptkommissar Gerber

arbeitet in der Mordkommission der Kriminalpolizei in Baden-Baden. Ein väterlicher Typ und vertrauter Kriminalist, der ruhig und unaufgeregt seine Fälle bearbeitet. In Rage gerät er eigentlich nur, wenn sein Vorgesetzter, Hauptkommissar Huck, in die Ermittlungen eingreift und meint, kluge Tipps geben zu müssen. Ihn hält Gerber für völlig fehlbesetzt als Dienststellenleiter.

Die Zusammenarbeit mit seinem Assistenten Wolfgang Ihle gestaltet sich dagegen ganz unproblematisch. Er spricht französisch, schwimmt mit Gerber auf einer Wellenlänge. Sein Chef duzt ihn, während Ihle das respektvolle ‚Sie‘ beibehält. Die Aufträge, die ihm gegeben werden, führt Ihle gewissenhaft aus. Mit ihm trifft sich Gerber sogar noch nach Feierabend zum Kegeln; und gemeinsam feiern sie, als Ihle seinen Lehrgang zum Kriminalobermeister erfolgreich abgeschlossen hat.

Gerber ist etwa Mitte 50 und lange Jahre mit Else verheiratet, die er zu Hause „Mutti“ nennt. Die beiden haben eine verheiratete Tochter, Hanni, die aber nicht in Baden-Baden wohnt. Während Frau Gerber, die unter Rheuma leidet, manchmal auch für mehrere Tage dorthin zu Besuch fährt, ordnet ihr Ehemann das Familienleben den dienstlichen Verpflichtungen unter. Sie schmiert ihm jeden Morgen die Brote und füllt ihm den Kaffee in die Thermoskanne; die in einer Aktentasche mit zur Arbeit nimmt.

Engagiert und zielstrebig löst Gerber seine Fälle. Auch wenn es der Raucher mit einer ganzen Busladung von Verdächtigen zu tun hat, behält er die Übersicht. Er nimmt sich selbst nicht wichtig und kann es überhaupt nicht verstehen, warum er, der erfahrene Aufklärer, zum Personenschutz für eine Künstlerin abgestellt werden soll – da schickt er dann Ihle hin. Seine eigentliche Stärke ist seine Nähe zu den Menschen; er ist einer, dem man sich gerne anvertraut. Gerber hat für vieles Verständnis, überkommene Moralvorstellungen abgelegt und ist im Rahmen seiner Möglichkeiten – immerhin hat er seinen Dienst 1957 angetreten – ein durchaus moderner Ermittler.

Das, was ihn in seinem Dienst ärgert, das posaunt er nicht in der Öffentlichkeit heraus, auch wenn sich bis nach Saarbrücken herumgesprochen hat, dass sich die Zusammenarbeit mit seinem Chef nicht einfach gestaltet; Huck „hat eben manchmal so seine Tage.“ (Text: Achim Neubauer)

Handlung (Wikipedia)

Bei einem Autounfall auf einer Rheinuferstraße in der Nähe von Baden-Baden wird die Pariserin Sonja Goday getötet. Ein havarierter Lastkahn liegt in der Nähe im Rhein vor Anker und Magda, die Tochter des Kapitäns, und ihre Freundin Anette eilen zu dem Autowrack. Sie sehen, dass die Frau tot ist, und Magda steckt deren Kosmetiktäschchen ein. Kommissar Gerber erkennt in der Toten die seit zwei Jahren totgeglaubte Gattin des Ex-Bankiers Dr. Martin Schmetz, der damals 8 Millionen Mark unterschlug. Das Ehepaar Schmetz war angeblich bei einem Jacht-Urlaub auf den Bahamas ertrunken, jedoch wurden die Leichen nie gefunden. Die Polizei glaubt zunächst an einen Mordanschlag, kommt dann aber zu dem Schluss, dass die Frau die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hatte, nachdem ihr der Zigarettenanzünder heruntergefallen war. Kommissar Gerber glaubt nun aber, dass er dem Bankier Schmetz und dem unterschlagenen Geld auf die Spur kommen kann. Am nächsten Tag steht die ganze Geschichte in der Zeitung, mit einem Foto von dem flüchtigen Schmetz.

Im Kosmetiktäschchen findet Magda das Notizbuch der Toten und sieht, dass diese sich am nächsten Tag mit „M.“ im Majestic Hotel in Straßburg verabredet hatte. Sie ist sicher, dass „M.“ für Martin steht, und überredet Anette nach Straßburg zu fahren, um den 8-Millionen-schweren Bankier ausfindig zu machen. Beide Frauen träumen vom großen Reichtum und sagen der Polizei nichts davon. Anette findet Schmetz, der sich als Gaston Boudin aus Luxemburg ausgibt, und bandelt mit ihm an. Sie versichert ihm, dass sie ihn nicht verraten oder erpressen will, sondern dass sie ältere Männer mag und sich auf den ersten Blick in ihn verliebt habe. Schmetz akzeptiert Anettes Erklärung und verspricht, falsche Papiere zu besorgen, sodass sich beide unerkannt ins Ausland absetzen können. Er lässt Anette einen Brief an Magda schreiben, in dem sie behauptet, den Mann ihres Lebens gefunden zu haben und dass sie nicht mehr auf den Lastkahn zurückkäme, dass es sich bei „M.“ aber nicht um Schmetz gehandelt haben kann, da dieser nicht erschienen sei.

Nach dem Erhalt des Briefes wird Magda misstrauisch. Sie fährt nach Straßburg, wobei sie der Polizist Eckerle, der sie beschatten soll, im Auto mitnimmt, und sieht Schmetz und Anette beim Essen im Majestic. Anette kommt das plötzliche Auftauchen von Magda sehr ungelegen und sie verspricht Magda, später alles zu erklären. Am Nachmittag geht Schmetz aus, um die falschen Papiere abzuholen. Magda kommt ins Hotelzimmer, während Anette ein Bad nimmt. Magda beklagt sich, dass Anette das ganze Geld für sich haben wolle. Anette hingegen behauptet, dass es ihr gar nicht ums Geld ginge und dass sie wirklich verliebt sei. Sie könne schließlich nichts dafür, dass die Männer ihr nachliefen und sich vor Magda ekelten. Da dreht Magda durch und ertränkt Anette in der Badewanne. Kurz darauf kommt Schmetz zurück.

Eckerle hat inzwischen Gerber informiert, dass Schmetz im Majestic in Straßburg ist, und Gerber kommt mit der französischen Polizei ins Hotel. Magda beschuldigt Schmetz, Anette umgebracht zu haben. Schmetz wird verhaftet, aber dann merkt Gerber, dass Magdas Ärmel nass sind, und die von Schmetz trocken. So ist auch für Magda der Traum vom großen Geld vorbei.

Besetzung und Stab

Kriminalhauptkommissar Gerber – Heinz Schimmelpfenning
Kriminalobermeister Ihle – Peter Bongartz
Kriminalmeister Eckerle – Michael Rasmussen
Dr. Martin Schmetz – Peter Pasetti
Sonja Goday – Sonja Pflüger
Jean-Luc Hasslacher – Dan Mastacan
Siegfried Dörrenberg – Claus Jurichs
Magda – Lisi Mangold
Anette – Constanze Franz-Engelbrecht
Kriminalhauptkommissar Huck – Werner Feisst
u.a.

Drehbuch – Henry Kolarz
Regie – Peter Schulze-Rohr

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