Das schwarze Grab – Tatort 704 #Crimetime 765 #Tatort #Saabrücken #Saarbruecken #Kappl #Deininger #SR #Grab #schwarz

Crimetime 765 - Titeltfoto © SR, Manuela Meyer

Vorwort 2020. Heute zeigen wir wieder eine Rezension im „Originalkleid“, in der Optik, wie sie ursprünglich für den „ersten“ Wahlberliner erstellt wurde, hier Ende August 2011. Damals trug sie die Nr. 82 der TatortAnthologie und zeigt gerade einen Übergang: hin zu individuellen Überschriften für die gesamt Rezension. Etwas später fielen die Gliederungspunkte weg, die an einem bestimmten Kommentierschema orientiert sind, das für die Kritiken zu Fernsehfilmen und Krimis aber immer weniger eine Rolle spielte und ein wenig als Gerüst für die Strukturierung unser relativ langen Beiträge gedacht war.

Der Steinkohlebergbau in Deutschland, dem „Schwarzes Grab“ noch einmal die Reverenz erweist, ist mittlerweile Geschichte, darüber haben wir im politischen Teil des „neuen“ Wahlberliners geschrieben. Für uns ist damit auch ein Stück persönlicher Geschichte zu Ende gegangen, wie das so ist, wenn man aus einem Stahl- und  Kohle-Revier stammt. Wir wissen alle, dass die Kohleverstromung ökologisch nicht haltbar ist, aber wenn man dank der Bildungsoffensive der 1970er Jahre selbst nicht mehr vom Ende dieses großen und schwierigen Kapitels der Wirtschaft betroffen ist, sagt sich sowas relativ leicht.

In der Rezension finden sich weitere Anmerkungen zur Sache und im Film wird der Strukturwandel thematisiert. Unseres Wissens ist „Schwarzes Grab“ der einzige Bergbau-Tatort, der tatsächlich eine Situation unter Tage behandelt, die Ehre, die Kumpels bei der Arbeit gezeigt zu haben, gebührt also dem Saarländischen Rundfunk. Erstaunlicherweise ist eine Untertage-Handlung nie für einen Tatort aus dem Ruhrgebiet geschrieben worden, in dem es dann um Zechen, nicht um Gruben gegangen wäre.

I. Schicht im Schacht macht Stress im Schacht?

Der Bergbau im Saarland geht zu Ende. Der passende Abgesang-Tatort dazu ist die Folge 704. Auf jeden Fall ein ungewöhnlicher Fall mit großem Schauwert. Andererseits: Wir können die Kritik saarländischer Imagepfleger an Tatorten wie diesem verstehen – da hat man wirklich die abgewracktesten noch erhältlichen Wohngegenden ausgesucht und die auch noch mit künstlichen Rissen in Armdicke, hilflos grau überspachtelt, versehen.

Nicht, dass es die Grubenschäden nicht gäbe, die bis zur Herabstufung eines wirtschaftlichen Gebäudewertes auf Null führen können, aber es ist halt schon wirklich düster, das alles in einem Tatort so ausschließlich zu zeigen. Okay, Palü hat ja vor dem Ermittlerwechsel viel für den ebenfalls nicht falschen Eindruck vom bonvivanten Saarbrücken, mit Baguette und Fahrrad, getan. Die neueren Filme haben, die Settings betreffend, mehr Schärfe, laufen aber dadurch, wenn sich das immer wiederholt, Gefahr, ein Land zu zeigen, das es in der Form nicht mehr gibt.

Trotzem war es gut und richtig, dem Publikum in ganz Deutschland das Ende einer großen Industrie nahezubringen. Das Saarland, das wird in „Das schwarze Grab“ deutlich, hatte dem Bergbau einst eine sehr demokratische Form von Wohlstand zu verdanken, weil beinahe jeder daran teilhatte. Dass die Jobs unter Tage gefährlich und ungesund waren, ist eine andere Geschichte. Noch heute ist deshalb das durchschnittliche Lebensalter, das im Saarland erreicht wird, trotz vergleichsweise gesunder Lebensweise seiner Bevölkerung, für deutsche Verhältnisse relativ gering. Der hart erkämpfte Wohlstand, an den die Leute sich begreiflicherweise geklammert haben, als es abwärts ging mit den alten Industrien, wirkt verschiedentlich nach, auch in der Mentalität, die wenig von der angeborenen, vertüftelten Selbstständigkeit etwa der Schwaben hat.

Und hier setzt auch ein Kritikpunkt an dem Film an, den man nur hat, wenn man die Lage ein wenig kennt. Die Bergmannstypen sind ziemlich unsaarländisch. Sie sind sicher nicht einmal ruhrpottmäßig, aber speziell im Vergleich mit den echten Leuten im Land fällt auf, dass sie zu rabiat und körperlich hyperaktiv sind. Diese Hektik unter Tage ist psychologisch, gerade angesichts einer Landesmentalität, die auch von einem gewissen Stoizismus angesichts wechselvoller Geschichte geprägt ist, überzeichnet.

Dass die Leute auch kein Saarländisch sprechen, was aber 99 % aller Bergleute getan haben, verstärkt den befremdlichen Eindruck, obwohl der Hintergrund klar ist: Die Verständlichkeit derDialoge für den Zuschauer außerhalb der engen Grenzen des kleinsten Flächenlandes muss gewahrt bleiben. So sorgen nur Frau Braun und Stefan Deininger, gespielt von Alice Hoffmann und Gregor Weber, die beide echte Saarländer sind, mit gemäßigtem Dialekt für sprachliches Lokalkolorit.

Logischer und psychologisch weitaus stimmiger wäre es gewesen, wenn unter Tage die Ermittlungen in den Hintergrund getreten wären, dafür das Gemeinsame, die Kooperation unter den Eingeschlossenen, überwogen hätte. Auch der Mord unter Tage an sich ist fragwürdig, auch wenn er wohl kurz vor der Sprengung stattgefunden hat, welche die Menschen in beinahe 1200 m Tiefe eingeschlossen hat. Vielleicht wäre angesichts der gemeinsamen Lebensbedrohung sogar die eine oder andere alte Feindschaft begraben worden. Hier hat man eher den Eindruck, alle drehen am Rad. Aber nicht im Sinn einer Massenpanik, sondern indem sich alle gegenseitig angiften. In Berlin könnten wir uns das hier gezeigte Szenario eher vorstellen, weil die Hektik und das sinnlos-destruktive Aufeinander-Losgehen zu den Grundtatbeständen der inneren Verfassung gehören –  im Saarland nicht.

Das ist schade, denn der Tatort 704 bietet viel Info für Nicht-Bergleute über das Grubenwesen (nicht etwa das Zechenwesen, wie Deininger betont, um den Bayern Kappl mal wieder hinsichtlich des korrekten saarländischen Sprachgebrauchs einzunorden) und viel, woraus man hätte ein wuchtiges Drama machen können. Aber auch dieser Tatort hat das häufige problem: Zu viel gewollt und zu viel auf billige Effekte gesetzt, anstatt Wert auf Detailtreue, Stimmigkeit und Top-Figuren zu legen.

II. Handlung, Besetzung, Stab

Ein Mann nimmt Abschied von seinem Haus; Grubensenkungen haben es unbewohnbar gemacht. Währenddessen rückt das Saarbrücker Kripo-Team um Kriminalhauptkommissar Franz Kappl zu einer neuen Mordermittlung aus. Im Kopf der tot aufgefundenen jungen Bergmannsfrau Wiebke Steinmetz steckt ein Eisen – Teil des traditionellen Bergmannswerkzeugs. Sehr passend in dieser Umgebung, einer von vielen Bergarbeitersiedlungen im Saarland, wo gedrückte Stimmung herrscht. Das Ende des Bergbaues ist gekommen, die Schließung der letzten Grube steht an.

Mit einem Event unter Tage soll die Karlsgrube den symbolischen letzten Wagen Kohle ausfahren und dann dichtmachen. Streichertrio, Festreden und kaltes Büffet auf Sohle acht – ein Witz, denken die Bergleute. Drei Kreuze, Hauptsache die Grube macht dicht, denken die Bergbaugeschädigten, deren Häuser der Berg aus dem Lot bringt.

Die „Tatort“-Kommissare Franz Kappl und Stefan Deininger halten sich aus dem Konflikt heraus, der Väter und Söhne, Töchter und Mütter gegeneinander aufbringt. Sie ermitteln in alle Richtungen. Dabei erlebt Franz Kappl zum ersten Mal hautnah das Bergbaumilieu. Begriffe wie Berg oder Wetter weckten in dem jungen Mann aus Bayern bisher eher touristische Assoziationen. Nun erfährt er am eigenen Leibe, dass sie tödliche Gefahr bedeuten können.

Als während des Festakts unter Tage eine Explosion alle Zu- und Ausgänge verschüttet, ist Kappl mitten drin und lernt die Diskussion über Strukturwandel und Bergbauschäden aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Und muss doch kaltes Blut bewahren, als in 1200 Meter Tiefe ebenfalls ein Mörder umgeht. Während seine Kollegen über Tage dem Mann nachjagen, der sich des Mordes an Wiebke Steinmetz verdächtig gemacht hat, zieht sich der Einsatz zur Rettung der unter Tage verschütteten Festversammlung länger hin als geplant. Die Luft, die im Bergmannsjargon Wetter heißt, wird knapp – ein Kampf gegen die Uhr beginnt.

Kriminalhauptkommissar Franz Kappl – Maximilian Brückner
Kriminalhauptkommissar Stefan Deininger – 
Gregor Weber
Ben Müller – Urs-Fabian Winiger
Gerichtsmedizinerin Dr. Rhea Singh – 
Lale Yavas
Gerda Braun – 
Alice Hoffmann
Spu-Si-Chef Horst Jordan – 
Hartmut Volle
Edgar Simmerling – Dirk Borchardt
Walter Gruhl – Bruno F. Apitz
Heinz Barenz – Thomas Bestvater
David Steinmetz – Adrian Topol
Fred Kolbe – Holger Hauer
Mark Steinmetz – Tobias Oertel
Rüdiger Conradi – Christian Körner
Claude Werner – Lutz Blochberger
Heiner Dietz – Rainer Reiners

Regie: Gregor Schnitzler
Drehbuch: Thomas Kirchner

(Handlung: DAS ERSTE, Besetzung und Stab: TATORT-FUNDUS)

III. Rezension

1. Noch mehr zum Saarland und seiner alten Industrie

Die Handlung und die Motive sind zu verworren und zu wenig glaubwürdig – das nimmt einem sehr dramatischen Szenario viel von seiner Wirkung und dem Tatort viel von dem, was er hätte sein können: Die ultimative kriminalistische Ausgestaltung des Bergarbeiter-Milieus.

Man hat einfach zu viel hineingepackt. Die privaten Verstrickungen der Bergleute untereinander, die Aversionen, die während der Phase des Verschüttet-Seins aufbrechen, dazu die politische Dimension, auch die Medien bekommen noch etwas ab, an Letzterem sieht man, dass Ironie den Saarländern und dem SR nicht fremd scheint.

Natürlich ist der Tatort im tradtionell sozialdemokratischen und damit dem SR gemäßen Sinn politisch korrekt. Die Grubenschließungen werden als soziale Katastrophe dargestellt, der Betrieb hingegen als Katastrophe für manchen Hausbesitzer – manche Leute stehen sogar auf beiden Seiten (die hohe Eigenstumsquote an Immobilien im Saarland und die damit verbundene Mentalität, dass jeder mindestens ein eigenes Haus haben muss, gleich, ob das irgendwann und angesichts sinkender Bevölkerungszahlen im Saarland zu einem Übergangebot und damit zu eklatant geringen Immobilienpreisen führt, rührt ja nicht zuletzt aus der sozialen Idee der Bergmannsdörfer in der Hand der Werktätigen, sie waren ein Teil der Altersvorsorge – und die Bergleute und Stahlkocher waren verdienstmäßig tatsächlich so etwas wie Arbeiter-Adel).

Es wird aber nicht erwähnt, dass jeder Arbeitsplatz im saarländischen Kohlebergbau Anfang des Jahrtausends mit ca. 100.000 DM im Jahr subventioniert werden musste.  Das Land konnte sich den Bergbau nicht mehr leisten, deshalb ist es auch fragwürdig, die Politiker auf der Feier im Schacht, die dann in der Verschüttung endet, so hohl und phrasenhaft rüberkommen zu lassen, anstatt dass sie die simple Wahrheit gelassen aussprechen durften. Das war den Machern wohl auch bewusst, im Hintergrund lauert allerdings auch die Haltung, dass es uns noch einmal leid tun wird, dass wir die heimischen, fossilen Energiequellen zugunsten billiger Importware preisgeben.

Dass die Kohleverfeuerung aber auch einen enormen CO2-Aussoß verursacht, darf keine Rolle spielen. Im Saarland scheint auch für deutsche Verhältnisse häufig die Sonne und die Solarenergie ist schon auf vielen Dächern vorhanden. Es geht seinen Gang und, im Gegensatz zu den Aussagen im Film, halten wir es durchaus für möglich, sollte es wieder absolut notwendig sein, weil es keine andere Energie-Option mehr gibt oder dass sich die Kohleverflüssigung lohnt, dass man den Bergbau wieder aufnimmt. Nur ist es gegenwärtig nicht vorstellbar, der Trend geht in eine ganz andere Richtung.

Heute ist dort übrigens die Autoindustrie die größte Branche im kleinen Land. Ford (Saarlouis) und ZF (Saarbrücken) haben große Werke im Saarland, im Umfeld viele Zulieferer. Damit zeichnet sich die nächste Strukturkrise ab, sollte der Individualverkehr neue Wege gehen oder Europa dem asiatischen Ansturm von Autoanbietern als Produktionsstandort nicht mehr Paroli bieten können.

2. Über Tage, unter Tage

Die Handlung und die Motive von „Das schwarze Grab“ sind zu verworren und zu wenig glaubwürdig – das nimmt einem sehr dramatischen Szenario viel von seiner Wirkung und dem Tatort viel von dem, was er hätte sein können: Die ultimative kriminalistische Ausgestaltung des Bergarbeiter-Milieus und ein großartiges Zeitdokument am Ende einer großen, alten Industrie, ja eines ganzen Industriezeitalters – denn auch die Stahlindustrie, wenngleich noch nicht vollständig aus dem Saarland verschwunden, geht ja einen ähnliche Weg der Minimierung.

Man hat einfach zu viel hineingepackt. Die privaten Verstrickungen der Bergleute untereinander, die Aversionen, die während der Phase des Verschüttet-Seins aufbrechen, dazu die politische Dimension, auch die Medien bekommen noch etwas ab, an Letzterem sieht man, dass Ironie den Saarländern und dem SR nicht fremd scheint.

Das sieht man auch an der Figur Stefan Deininger. Zusammen mit Frau Braun bildet er das saarländische Doppelherz der heutigen Tatortfolgen. Beide sind von Palü übernommen und haben einen Teil ihrer Fernsehbiografie durch die Serie „Heinz Becker“ gemeinsam. Bei Palü war die Frau Braun auf defensive Art resistent, aber ihren „Stefansche“ liebt sie und wird dadurch zu einer guten Arbeitskraft. Es menschelt eben und ob Leute etwas taugen, hängt sehr davon ab, wie sie sich behandelt fühlen. Das trifft auch auf Deininger zu und ist nach unseren Beobachtungen sehr präzise der wirklichen Mentalität abgeschaut. Die Menschen sind einfach und mental immer noch von der Großindustrie geprägt, die in „Das schwarze Grab“ behandelt wird. Weil aber die Jobs so schwer waren, hat man ansonsten versucht, sich das Leben einfach zu machen und daraus ist die heute beachtliche Mischkultur eines grenznahen Standortes entstanden, der sehr viel Lebensqualität aufweist, vor allem relativ zu seinen begrenzten Möglichkeiten.

Nebenbei ist eine Skurrilität entstanden, die  seit „Heinz Becker“ bundesweit bekannt ist und die sein Filmsohn Deininger als Tatortkommissar weiter auslebt. Die Krankenhauszenen in „Das schwarze Grab“ sind schon beinahe surrealistisch, aber sie spiegeln den Hang der Grenzländer, alles zu imitieren und zu ironisieren – auch die Gefahren des Lebens selbst, die Vernehmungsmethoden, die eigenen Krankheiten („Kopp uff“). Auch das Geschrei in der verrückten Szene zwischen Deininger und Dietz, kongenial und bezüglich der inneren Logik gut an die etwas dammische Waldverfolgung angeschlossen, muss so interpretiert werden. Der komische Part des Films ist für uns gelungen, auch wenn er ermittlungstechnisch den Verdacht nahelegt, dass die saarländische Polizei nicht unbedingt mit normalen Maßstäben zu messen ist und genauso amateurhaft  agiert, wie die vielen selbst und durch Nachbarschaftshilfe erstellten Anbauten an saarländischen Häusern in landeseigener Diktion gerne als „geknaubt“ bezeichnet werden und alles andere als fachliche und ästhetische Meisterwerke darstellen.

Deininger ist als Ermittler in dieser Folge also ein „Knauber“, einer, der von Einzelaktionen lebt und diese auch noch so bringt,  dass sie eher witzig als kompetent wirken. Kappl hingegen ist unter Tage viel zu präsent, als Polizist. Mag schon sein, dass so ein bayerischer Sturkopf das wirklich bringt, den Fall in eingeschlossenem Zustand aufklären zu wollen, aber es eignet seiner Filmfigur nicht wirklich, und in der Realität hätte ihn wohl irgendwann jemand gestoppt oder wenigstens eingebremst. Überhaupt denkt da unten jeder mehr oder weniger an sich selbst, und das ist doch etwas zu negativ rübergebracht – man vergleiche das realistischere Verhalten der Menschen in „Das Wunder von Lengede“.

IV. Fazit

Es erweist sich als eine gute Idee, Tatorte mit etwas Abstand nach dem Anschauen zu rezensieren – ein Tag kann viel ausmachen. Die Emotionen, die man angesichts  der Eingeschlossenen unter Tage empfindet, weichen einer kritischeren Betrachtung des Plots. Es gibt zwar keine Unmöglichkeiten oder sofort entdeckbare Sachfehler, aber die Menschen und ihre Motive sind zu austauschbar, gesteigert wird das noch dadurch, dass sie unter Tage alle die gleiche Kluft tragen, im Verlauf zunehmend verschmutzt daherkommen und dadurch auch optisch nicht mehr leicht auseinander zu halten sind. Das hätte man prima nutzen können. Symbolisch, als Ausdruck einer  zunehmenden Vergemeinschaftung der Angst im Angesicht des möglichen Todes. Doch das Gegenteil passiert.

Dass dies nicht stimmig ist, lässt sich auch anhand vieler guter  Filme belegen, die folgendes Grundmuster haben: In der Gefahr halten Gruppen zusammen, wachsen manchmal sogar erst zu Einheiten mit einem gemeinsamen Ziel – erst, wenn die Gefahr beendet ist, die Situation gemeinsam überstanden, und jeder seiner Wege geht, brechen die Gegensätze wieder auf, führen zu Konflikten und damit zu oft mörderisch spannenden Handlungen. Hier läuft es genau umgekehrt und damit nicht nur der saarländischen Mentalität, sondern allgemeinen menschlichen Verhaltensmustern zuwider. Es ist einfach schade, dass Regisseure und Drehbuchautoren als die Individualisten, die sie sind, manchmal so wenig von Menschen und Massen, dazu noch von einfachen Milieus wie dem der Bergleute, verstehen und dadurch die Chancen, die ein so aufwändiger Tatort geboten hätte, nur bedingt zu einem ansehnlichen Film machen können. Die Darstellung der Politiker wirkt in diesem Zusammenhang so kleinlich und oberflächlich, wie diese selbst als Figuren angelegt sind.

Trotzden hat „Das schwarze Grab“ einige gute Momente und ist der bisher einzige nennenswerte Bergarbeiter-Krimi, der viele interessante Sachinformationen beinhaltet – dafür geben wir noch 7/10 Punkten.


© 2020, 2011 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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