Undine (DE 2020) | 5 Empfehlungen | #Filmfest 218

Filmfest 218 B

Undine ist ein deutsch-französischer Spielfilm von Christian Petzold aus dem Jahr 2020. Das Liebesdrama mit Paula Beer und Franz Rogowski in den Hauptrollen orientiert sich an dem Undine-Mythos. Regisseur Petzold, der auch das Drehbuch schrieb, verlegte die Sage um die unheilvolle Wasserfrau ins Berlin der Gegenwart. Es handelt sich um den ersten Teil einer geplanten Filmtrilogie über Figuren der deutschen Romantik.

Die Uraufführung fand am 23. Februar 2020 im Wettbewerb der 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin statt,[1] wo Paula Beer den Silbernen Bären als beste Darstellerin gewann. Der reguläre deutsche Kinostart musste aufgrund der COVID-19-Pandemie mehrfach verschoben werden und wurde auf den 2. Juli 2020 festgesetzt.

Allzu viele Kinozuschauer werden es nicht geworden sein, wie bei allen Filmen in diesem Jahr bisher. Von Christian Petzold kenne ich Arbeiten wie „Barbara“ mit Nina Hoss, aber nicht seine neuesten Werke – von seinen in letzter Zeit häufigeren Ausflügen in die Reihe „Polizeiruf 110“ abgesehen, die ich seit März 2019 bespreche. Vor allem seinen München-Polizeiruf „Kreise“ finde ich herausragend. Aber es ist schon beeindruckend, wie viele Ehrungen Paula Beer, welche die Titelrolle spielt, mit 25 Jahren bereits gewonnen hat und für welche sie nominiert war. Der silberne Bär ist das Höchste, was man in Deutschland erreichen kann, weil die Berlinale ein internationales Festival mit starken Mitbewerber*innen aus aller Welt ist. Seit 1956 wird er vergeben und wurde bereits etlichen Superstars zugesprochen, so etwa Nicole Kidman, Julianne Moore und Meryl Streep im Jahr 2003 für ihre Rollen in „The Hours“. Was sagen die Kritiker*innen über „Undine?“

Nach seiner Premiere auf der Berlinale erhielt der Film überwiegend positive Kritiken. Im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International erhielt Undine 3,1 von vier möglichen Sternen. Damit belegte der Film hinter dem US-amerikanischen Beitrag Niemals Selten Manchmal Immer (3,4 Sterne) und Rizi (3,3) aus Taiwan einen 3. Platz unter allen 18 Berlinale-Wettbewerbsfilmen.[10]

Wenke Husmann sieht in Petzolds Bearbeitung eine „moderne Erzählung“. In ihrer Kritik für Die Zeit schreibt sie, Petzold strebe weniger eine romantische Aufheizung wie bei Ludwig Tieck oder Friedrich de la Motte Fouqué an, sondern einen Perspektivwechsel, wie ihn schon Ingeborg Bachmann in ihrer Erzählung Undine geht vollzog: „Seine Undine will den Fluch brechen, ihr Schicksal selbst bestimmen, nicht mehr morden müssen, sondern gehen können und neu lieben. Sie will nicht mehr länger Phantasma, also Objekt sein, sondern endlich Subjekt werden. ( … ) Dass, wer will, den Plot auch gesellschaftspolitisch lesen kann, entspricht Petzolds filmischem Realismus und seinem Faible für Erzählungen über Frauen.“[11] Kursiv: Zitiert nach der Wikipedia.

Undine ist eher ein Film über die Trauer und das Abschied­nehmen. Tode und Wieder­be­le­bungen über­la­gern die Verbin­dung zwischen den Figuren, Liebes­tode und die Trauer um den oder die Verflos­sene(n). Petzold ist roman­tisch, aber nicht restau­rativ, er will nicht zum Alten zurück wie die Rekon­struk­teure des Berliner Stadt­schlosses. Anstatt im trocken­ge­legten Sumpf des Alltags zu bleiben, so scheint er uns von der Leinwand zuzurufen, solle man lieber in tiefe Gewässer abtauchen und wieder einmal träumen, um lebendig zu bleiben, schreibt Dunja Bals in „Artechock“ und wer könnte dagegen etwas einwenden, speziell in diesen Zeiten, in der auch die Filme, die uns gezeigt werden sollen, Opfer ebenjener Zeiten werden und erst ein halbes Jahr nach der Festivalpremiere in die Kinos kommen.

Bereits in „Transit“ ließ Christian Petzold Paula Beer („Frantz“) und Franz Rogowski („In den Gängen“) aufeinandertreffen. Ausgerechnet in der Stadt der Liebe Paris umkreisen sie sich dort aber nur – die Umstände verhindern, dass sie wirklich zueinanderfinden. „Undine“ wirkt nun bisweilen, als wolle Petzold nachholen, was Beer und Rogowski in „Transit“ noch verwehrt geblieben ist. Getragen von zwei der besten deutschen Schauspieler der Gegenwart entstehen so intensive und unglaublich romantische Szenen – bis hin zu einer berührenden Pointe, die wir hier aber natürlich nicht vorwegnehmen wollen, heißt es bei „Filmstarts“, aber auch, der Film erreiche nicht Tiefe und Mehrbödigkeit von Petzolds besten Werken und man kommt auf 3,5/5, was für deutsche Produktionen bei „Filmstarts“ aber kein schlechter Wert ist.

Epd-Film befindet: Die gesellschaftspolitische Brisanz der letzten drei historischen Filme fehlt hier. Dennoch schlägt auch »UNDINE« eine Brücke zwischen Historie und Gegenwart, mit ihren betörend sinnlichen Vorträgen zur Stadtentwicklung vor den historischen Modellen Berlins. Also ist der Film wohl auch für Berlin-Fans und Fans von Berlin-Filmen mindestens interessant, was bedeutet, ich werde ihn mir sicher anschauen und eine eigene Kritik nachreichen.

TH

IMDb-Nutzerwertung: 6,4/10
US-Metascore: 70/100
Moviepilot-Nutzerwertung: 6,7/10

Regie Christian Petzold
Drehbuch Christian Petzold
Produktion Florian Koerner von GustorfMichael Weber
Kamera Hans Fromm
Schnitt Bettina Böhler
Besetzung

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