Ritter aus Leidenschaft (A Knight’s Tale, USA 2001) #Filmfest 223

Filmfest 223 A

2020-08-14 Filmfest ARock or not

Wenn man „A Knight’s Tale“ heute anschaut, denkt man unweigerlich an das Schicksal des Hauptdarstellers Heath Ledger, der 2008 an einer Medikamenten-Überdosis starb und posthum den Oscar als bester Nebendarsteller in „The Dark Knight“ erhielt, der wohl besten aller Batman-Adaptionen oder -filme.

Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung der Rezension 2020: So vermutet anlässlich der herausragenden IMDb-Nutzerwertung und vor eigener Sichtung, das Gleiche gilt für „The Dark Knight Rises“.

Obwohl es Ähnlichkeiten zwischen den Originaltiteln gibt, ist „A Knight’s Tale“ ganz anders. Eine der ersten Szenen spielt auf einem Turnierplatz in der Provinz, auf dem die Zuschauer ryhthmisch zu „We Will Rock You“ von Queen klatschen. So ist auch die Musik im Verlauf immer wieder neuzeitlich-rockklassisch. Ebenfalls aus der Queen-Anthology: „We are the Champions“, das in keinem Rockical fehlen darf, des Weiteren unter anderem „The Boys Are Back in Town“ von Thin Lizzy und „You Shook Me All Night Long“ von AC/DC. Haben wir das Sofa gerockt? Mehr dazu in der -> Rezension.

Handlung (1)

Um 1360 in England: Der junge William Thatcher träumt davon, eines Tages ein Ritter zu werden. Sein Vater, ein armer Dachdecker aus London, gibt ihn daher in die Obhut von Sir Hector, einem Turnierkämpfer, um dort Knappe zu werden, und gibt ihm den Rat, immer daran zu glauben, dass ein Mann sein Schicksal verändern könne.

Sir Hector lebt von den Gewinnen aus Wettkämpfen im Tjost. Nur der Adel darf an diesen Ritterspielen teilnehmen. Zwölf Jahre nachdem William bei Hector anheuerte, verstirbt dieser während eines Turniers in Frankreich. William entschließt sich, trotz seiner niederen Herkunft die Rolle des Ritters zu übernehmen und mit Hectors Pferd und Rüstung das Turnier in dessen Namen zu beenden. William gewinnt das Turnier, und mittels dieses Erfolgs kann er Hectors andere Gehilfen – Wat und Roland – überzeugen, auch zukünftig an Wettkämpfen teilzunehmen.

Sich bei weiteren Turnieren als Teilnehmer anzumelden gelingt William aber erst mit Hilfe des mittellosen, noch unbekannten Schriftstellers und Dichters Geoffrey Chaucer, den William, Wat und Roland auf dem Weg zum Turnier in Rouen kennenlernen und der die notwendigen Adelsbriefe fälschen kann. William nimmt die Identität von „Sir Ulrich von Liechtenstein“ aus Gelderland an. Geoffrey übernimmt die Rolle eines Herolds, der seinen Herrn Ulrich vor den Wettkämpfen dem Publikum ankündigt. Wat und Roland treten als Knappen Sir Ulrichs auf.

In Rouen begegnet er der Hofdame Lady Jocelyn und verliebt sich in sie, und auch sie scheint Gefallen an ihm zu finden. Graf Adhemar von Anjou, ebenfalls Turnierteilnehmer und größter Konkurrent Williams, macht Lady Jocelyn jedoch auch den Hof und spottet über Williams Kampfstil und alte Rüstung.

William tritt gegen Sir Colville an, ohne zu wissen, dass es sich dabei um Prinz Edward handelt, der unter dieser Identität jeweils inkognito an Ritterspielen teilnimmt. Colville wird verletzt. William ermöglicht ihm einen ehrenvollen Rückzug vom Turnier und erwirbt sich so Colvilles Anerkennung.

Sir Hectors alte Rüstung wird bei einem Wettkampf stark beschädigt. William lässt sich von der Schmiedin Kate überzeugen, einen von ihr entworfenen, leichteren aber gleichzeitig stabileren Harnisch aus gehärtetem Stahl zu tragen.

Zum Schluss des Turniers in Rouen verliert William gegen Adhemar, der noch nie eine Niederlage erlitten hat.

Schmiedin Kate wird in die Gruppe um William aufgenommen, nachdem sie William für das Turnierbankett das Tanzen beibringt. Auf diesem Bankett versucht Adhemar William bloßzustellen (er scheint zu ahnen, dass William kein Ritter ist), Jocelyn zeigt aber, dass sie auf Williams Seite steht.

In Lagny-sur-Marne treffen William, Jocelyn und Adhemar wieder zusammen. Adhemar muss im Tjost gegen Sir Colville antreten und zieht zurück, als er erkennt, dass Colville Königssohn Edward ist. William dagegen tritt trotz des Wissens um dessen wahre Identität gegen Edward an, und dieser rechnet es William hoch an, nicht einfach zurückgezogen zu haben. William gewinnt das Tjost-Turnier, ist aber frustriert, dass er Adhemar nicht gegenüberstehen konnte und streitet sich aus Frust mit Jocelyn.

Die Gruppe zieht weiter nach Bordeaux. Jocelyn ist nicht mehr unter den Zuschauern. Auch Adhemar fehlt, da er von Prinz Edward an die Front des Hundertjährigen Kriegs gerufen wurde. William gewinnt das Turnier in Bordeaux und die Turniere des folgenden Monats und wird zum erfolgreichsten Turnierkämpfer der Saison.

Schließlich lädt er Jocelyn brieflich zum Turnier in Paris ein. Jocelyn verlangt von William, er solle das Turnier verlieren, um ihr seine Liebe zu beweisen. William verliert daraufhin die ersten Tjost-Partien. Jocelyn erkennt seine Gefühle an und gibt William den Auftrag, das Turnier für sie zu gewinnen. William siegt, Jocelyn und er sind nun ein Paar. Auch Jocelyn ahnt, dass William kein Ritter ist, was für sie jedoch nicht von Belang ist.

An der Weltmeisterschaft in London ist auch Adhemar wieder dabei. Noch vor dem Turnierstart beobachtet er, wie William im Armenviertel seinen (inzwischen erblindeten) Vater besucht, und verrät Williams Herkunft an die Turnierleitung. Jocelyn und Williams Freunde wollen mit William fliehen, doch dieser weigert sich – Ritter würden nicht weglaufen. So wird er verhaftet und an den Pranger gestellt, da er als Nichtadliger an den dem Adel vorbehaltenen Turnieren teilgenommen hat.

Prinz Edward taucht auf, befreit William aus dem Schandpranger. Beeindruckt davon, dass William nicht vor der drohenden Verhaftung geflohen ist, und in Anerkennung des ritterlichen Verhaltens Williams während der Turniere, schlägt Edward William zum Ritter. Daraufhin nimmt William am Turnier teil und trifft auf Adhemar. Dieser verwendet unerlaubterweise angespitzte Lanzen beim Tjost und verletzt William. Doch beflügelt davon, zum ersten Mal als Ritter unter seinem eigenen Namen zu reiten, und mit der Unterstützung Jocelyns, seiner Freunde und seines Vaters kann William Adhemar trotz seiner Verletzung vom Pferd stoßen und wird Weltmeister. William hat es somit schließlich geschafft, sein Schicksal zu verändern und sich den ersehnten gesellschaftlichen Aufstieg und ein ungestörtes Leben mit Jocelyn zu sichern.

Rezension

Wer in den 70ern aufgewachsen ist, kann also mit der Musik etwas anfangen, sie einem Film überzsustülpen, der im 14. Jahrhundert spielt, ist skurril, trägt aber zum Showwert bei. Überhaupt ist der Film irgendwo zwischen den Monthy Pythons, Mel Brooks und den ernst gemeinten Ritterfilmen der 50er angesiedelt, zu jeweils etwa gleichen Anteilen. Der Plot ist klassisch – ein armer Junge will unbedingt Turnierkämpfer werden und da läuft ihm doch zufällig ein nackter Schriftkundiger über den Weg, der ihm eine verdammt echt aussehende Urkunde ausstellt, dass sein Name nicht William Thatcher, sondern Ulrich von Geldern sei, adelig seit sechs Generationen (notwendig für die Turnierzulassung sind vier Generationen).

Er besiegt alle Gegner bis auf einen, den bösen Adhemar, gewinnt eine schöne Frau, besucht am Ende seinen alten, blinden Vater, was ihm beinahe zum Verhängnis wird, aber es geht gut aus, weil der königsblütige Colville, dem er einst Gnade bei einem Turnier erwies, ihn adelt. Die vier Generationen sind damit nicht eingehalten, aber bei einer Tjost-WM, wie sie gerade in London ansteht, gelten vielleicht großzügigere Regeln. Am Ende wird dann natürlich auch Adhemar vom Pferd gestoßen, wie sich’s gehört.

Der Film ist vergnügliches, schön bebildertes Popcorn-Kino, profitiert natürlich von den technischen Möglichkeiten der Kino-Neuzeit. Ohne die intensiv gefilmten Panzerkracher durch Lanzenstöße wäre der Spaß nur halb so groß, Blechschäden ziehen immer – und schön, dass es mittlerweile so gute Zeitlupen gibt, dass man denkt, die kleinen Turnierplätze hätten Fußballstadionausmaß. So lange dauert es, bis die Kontrahenten zu Pferd aufeinandertreffen. In Wirklichkeit dürfte der Platz gerade ausreichen, um ein Pferd auf einigermaßen auf Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen.

Die beste Performance liefert für uns nicht Heath Ledger als Ulrich / William ab, sondern Paul Bettany als der Dichter, Urkundenfälscher und höchst wortgewandte Herold Geoffrey Caucer, zu dem ihn Ulrich macht. Die Herolde sind so etwas wie heutige Boxkampf-Ansager, aber Geoffrey ist eindeutig der Kultigste unter ihnen. Paul Bettany, sein Darsteller hingegen, ist Brite. Beim Anschauen des Films wussten wir das noch nicht, aber das hohe Maß an Humor in der Rolle hat er konsequent herausgearbeitet. Am wenigsten prägnant sind leider die Frauenrollen, was daran liegt, dass diese nicht einmal  klassisch nach dem Rollenmuster, sondern eher nachrangig sind. Da haben Schauspielerinnen wie Elizabeth Taylor in den frühen 50ern schon mehr Eingriff ins Geschehen gehabt und waren nicht im Wesentlichen Zankapfel zweier höchst ungleicher echter und falscher Rittersleut wie Adhemar und William.

So hat hier die schöne Jocelyn (Shannyn Sossamon) eher dekorativen Charakter und darf sogar neuzeitlich verfremdete Kleidung tragen und hat eh einen klischeehaften Klamottenfimmel – während die Ritterrüstungen immerhin durch die stille Schmiedin Kate (Laura Fraser) eine Evolution erfahren, hin zu mehr Leichtigkeit und Eleganz, und Ulrich/William ist der Tester für diese verbesserte Technik. Immerhin eine Figur, die gegen den Strich inszeniert ist, als Frau in einer Männerwelt. Dass gerade diese zarte Person als Waffenschmied kaum denkbar ist, geben wir für gut, wegen der Rollenklischee-Brechung. Aparter als die sehr auffällige Schönheit Jocelyn fanden wir ihre Zofe Christiana, dargestellt von Bérénice Bejo, die mittlerweile eine gefragte Schauspielerin ist.

Witzig in dem Zusammenhang Kates Idee mit dem Markenzeichen, das bei Erfolg von Ulrich weitere Ritter anlocken soll, damit sie sich eine Rüstung bei ihr bestellen. Solch nette Anspielungen auf das heutige Marken-Marketing hätten wir gerne häufiger gesehen, denn die Gagebene ist doch in der Regel recht simpel, man hat das alles schon einmal gesehen, natürlich ist immer wieder die Kombination neu und die Burschen (es sind insgesamt vier, William bringt noch zwei Bauernjungs mit zu den Turnieren) sind sympathisch und lebendig.

„Ritter aus Leidenschaft“ öffnet mit einer Szene, in der ein Ritter verwundet an einem Baum sitzt und stirbt. Wir erfahren später, wie William und seine beiden Buddys zu diesem Ritter gelangt sind – sein Vater hat ihn schon als Jungen in dessen Obhut gegeben, weil der Junge so ein großer Fan von Ritterspektakeln war und außerdem mit ca. 11 Jahren schon wusste, dass ein Mann seiner Sterne richten kann. Und welche amerikanische Legende, in welcher  Zeit sie auch spielt, kommt ohne diese Botschaft aus? Auch wenn sie nicht immer explizit dargeboten wird, wie in der hier besprochenen Story von einem Aufsteiger, der zu einer Größe seiner Zunft wird, und, sehr wichtig in den USA und dort in heutiger Zeit auch nicht mehr so realistisch wie in den Pionierjahren, alle Klassenschranken brechen kann. Im Verlauf spaltet sich die Handlung von dieser Eröffnungszene an in die fortschreitende Ritterwerdung Williams und zwei Rückblenden, die ihn als kleinen Jungen zeigen, an zwei markanten Stellen eingebaut, also keine ganz lineare Erzählstruktur, aber fürs breite Publikum noch sehr verständlich.

Finale

Es scheppert etwas in „A Knight’s Tale“, außerdem gibt es manchmal derbe Worte, daher ist der Film nicht uneingeschränkt kleinkindertauglich, aber ansonsten ein Nachmittagsspaß für die ganze Familie, mit schönen Bildern, unkomplizierter Handlung, eindeutiger Ansage und ohne Zwang zu geistigen Klimmzügen bei der Ermittlung des Gehalts. Wir fanden ihn mittelplusgut, jedenfalls sympathisch – aber dass er wirklich rockt, würden wir trotz der vielfachen Verwendung von weltbekannter Rockmusik nicht ohne Einschränkungen bejahen wollen. Jedenfalls steht das Sofa noch an seinem Platz.

6,5/10

(1) Angaben zu „Ritter aus Leidenschaft“ in der deutschen Wikipedia und in der amerikanischen IMDb.

Regie Brian Helgeland
Drehbuch Brian Helgeland
Produktion Todd Black,
Brian Helgeland,
Tim Van Rellim
Musik Carter Burwell
Kamera Richard Greatrex
Schnitt Kevin Stitt
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s