Tod einer Toten – Polizeiruf 110 Episode 387 #Crimetime Vorschau DAS ERSTE 20.09.2020, 20:15 Uhr #Polizeiruf #Polizeiruf110 #Magdeburg #Brasch #MDR #Tod #Tote

Crimetime Vorschau - Titelfoto MDR / Filmpool Fiction, Stefan Erhard

13 und allein

Doreen Brasch ermittelt in ihrem 13. Fall und nachdem sie endlich alle Ermittlungspartner weggebissen hat, darf sie allein voranschreiten. Die Redaktion von Tatort-Fans ist gespalten: Sie kommt allein besser oder es fehlen die Sichtweisen anderer und es läuft zu glatt – und es wird über die Zukunft des Magdeburg-Polizeirufs nachgedacht.

Diese Gedanken mache ich mir ebenfalls nicht erst seit heute und finde, bei der Magdeburg-Schiene hat man es nach dem gewollten Stilwechsel von den knuffigen Schmücke und Schneider (und der hübschen Nora Lindner, zum Ende hin, die gut geeignet zum Aufbau eines neuen Teams gewesen wäre) zu sehr übertrieben. Brasch = harsch, habe ich jetzt durch die Redaktion der Tatort-Fans gelernt.

Und mit ihr haben wir uns als Zuschauer nun durch diese Fälle zu kämpfen. Als man 2013 den Teamwechsel arrangierte, waren die Zeiten zwar auch schon hart, der Krisenmodus, wirtschaftlich Wissende wissen es, ist bis heute nie beendet worden, aber gerade im Moment, wo die Menschen so gereizt und angespannt und von der Pandemie geschlaucht sind, ist Brasch eher etwas für Beamt*innen, deren persönliche Existenz nie gefährdet ist. Diese sind mental auch am besten in der Lage, sich schwieriges Kunstkino reinzuziehen.

Auf viele andere lauert die Gefahr, dass Brasch zur Projektionsfläche für ihre Ängste und Sorgen wird und ihre weniger netten Eigenschaften spiegelt. Sie fordert zwar Distanz von ihrer Person, weil sie so herb wirkt, aber unterschwellig oder, wenn man länger darüber nachdenkt, auch recht offensichtlich, spricht sie unsere Tendenzen zum Tunneldenken und zur sozialen Abgeschiedenheit an. Kein Wunder, dass viele Menschen bei den Magdeburg-Krimis ein unangenehmes Gefühl haben, das sie bei viel brutaleren US-Filmen oder bei schwermütigen Nordkrimis nicht in dem Maße ereilt. Der Trick dieser Filme ist, dass diejenigen, die in ihnen als Ermittler tätig sind, ernst, aber auch sympathisch und jederzeit mit dem richtigen Maß messend wirken. So etwas kann uns Brasch nicht bieten, die in jedem ihrer Fälle Menschen vor den Kopf stößt. Klar wird damit auch, dass sie eine Kunstfigur ist, die im wahren Leben unmöglich eine „Leitende“ sein könnte, die ein Team führen muss – aber es wird keine launige und immer mal bewusst übertreibende Verfremdung inszeniert, wie sie in München und in Rostock gelingt, ebenso in Tatortschienen wie Dortmund oder Münster, dort jedoch, ohne dass wir die Möglichkeit verlieren, uns auf die schrägen Typen und / oder Situationen einzulassen.

Christian Buß erläuterte im Spiegel zum Brasch-Vorgänger „Totes Rennen“: Die Schauspieler Sylvester Groth, Matthias Matschke und Steven Scharf kamen und gingen, Brasch-Darstellerin Claudia Michelsen blieb. Hinter den Kulissen soll es oft Ärger gegeben haben, vor der Kamera suchte man Harmonie ebenfalls vergeblich. In der Rolle von Brasch trat Michelsen zunehmend verhaltensauffällig, absturzgefährdet und misanthrop auf.

Den Polizeipsychologen, an den sich Brasch ja immerhin etwas mehr annäherte, habe ich vergessen zu erwähnen. Aber schon interessant, dass das, was man vor der Kamera sieht, dem entsprechen soll, was dahinter los war. Verwunderlich ist es jedoch nicht, denn auch gute Darsteller schmeißen Premium-Aufträge wie die Hauptrollen in den Tatorten und Polizeirufen nicht einfach so hin. Dafür gibt es meist Gründe, die mit der Auslegung der Rollen zu tun haben.

Sollte allerdings die Kälte, die man in diesen Filmen spürt, tatsächlich auch durch eine schlechte Teamstimmung erzeugt und glaubhaft gemacht worden sein, ist es tatsächlich besser, wenn Brasch solo ermittelt. Die Zuschauer dürfen dann beurteilen, wie sie dieses Ergebnis jahrelangen Mobbings gegen Kollegen wahrnehmen. Immerhin ist Kriminalrat Lemp noch da, der bzw. dessen Darsteller Felix Vörtler offenbar eine gewisse Unverwüstlichkeit mitbringt. Hingegen: Physiognomien täuschen selten komplett und die oft verkniffen wirkende Mimik von Brasch wäre nicht möglich, wenn ihre Darstellerin nicht die Voraussetzungen dazu mitbrächte.

Die Suche nach Vorab-Kritiken nach dem üblichen Muster brachte dieses Mal erstaunlicherweise so gut wie keine Ergebnisse, allerdings sind wir heute mit dieser Vorschau auch relativ früh dran. Eine nicht sehr gewagte Prognose: In Magdeburg wird es wieder düster werden, am Sonntagabend. Zwei Tage später beginnt der Herbst.

Handlung

Am Waldrand außerhalb von Magdeburg wird eine junge Frau, Jessica Mannfeld, tot aufgefunden. Der Schuss in den Hinterkopf deutet auf eine Hinrichtung. In einem Auto in der Nähe des Fundorts findet Hauptkommissarin Doreen Brasch ein kleines Mädchen. Es spricht kein Wort. Brasch vermutet, dass es die Tochter des Opfers ist.

Der Vater der Toten wird als Angehöriger ausfindig gemacht. Werner Mannfeld ist irritiert über die Nachricht. Seine Tochter wurde bereits vor Jahren nach einem Autounfall für tot erklärt, zusammen mit ihrem Freund Alex Zapf. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter war zerrüttet, denn Jessica war drogenabhängig. Werner Mannfeld wusste nicht mal von seiner Enkeltochter. Brasch steht vor einem Rätsel: Warum hat Jessica damals ihren Tod vorgetäuscht? Musste sie untertauchen, weil sie schon damals in Gefahr war? Wo ist Alex Zapf, der Vater des Kindes?

Die Kollegen des Rauschgiftdezernats können bei der Suche weiterhelfen. Und Kriminalrat Lemp rückt mit einem entscheidenden Hinweis heraus, der ihn den Führerschein kostet: Er war in der Nacht in der Nähe des Tatorts. Auf seinem Heimweg von einer Feier hat er einen Mann angefahren. Als er Hilfe holen wollte, lief der Mann davon. Lemp ließ es auf sich beruhen: Er hatte getrunken. Der Mann war Alex Zapf. Hat Lemp den Mörder von Jessica angefahren oder war Alex Zapf selbst in Todesangst auf der Flucht?

Hauptkommissarin Doreen Brasch – Claudia Michelsen
Kriminalrat Uwe Lemp – Felix Vörtler
Kriminalobermeister Günther Márquez – Pablo Grant
Rechtsmediziner Manfred Muser – Henning Peker
Hauptkommissar Anton Lobrecht – Steffen C. Jürgens
Kommissarin Pia Sommer – Luisa-Céline Gaffron
Kriminaloberkommissar Kollitsch – Simon Werner
Jessica Mannfeld – Johanna Polley
Alex Zapf – Ben Münchow
seine Tochter Marie – Madeleine Tanfal
Werner Mannfeld, Maries Opa – Christian Kuchenbuch
Drogenboss Marko Gerster – Beat Marti
seine Ehefrau Kamilla Gerster – Deborah Kaufmann
Drogendealer Edgar Schmelzer – Christian Ehrich
Keitsch – Orce Feldschau
Jugendamtmitarbeiterin Heide Zaree – Miriam Abbas
Kriminalbeamtin Rauchgiftdezernat – Luise Lähnemann
Kollege von der Polizeiwache – Matthias Hörnke
u.a.

Drehbuch – Michael Gantenberg, David Nawrath, Paul Salisbury
Regie – David Nawrath
Kamera – Tobias von dem Borne
Schnitt – Dagmar Lichius
Szenenbild – Uwe Berthold
Ton – Marcus Vetter
Musik – Matthias Weber

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