Freies Land (DE 2019) | 5 Empfehlungen | #Filmfest 241

Filmfest 241 B

2020-10-08 Filmfest BFreies Land ist ein deutscher Thriller von Regisseur Christian Alvart aus dem Jahr 2019. Das Drehbuch basiert auf dem spanischen Thriller La isla mínima – Mörderland von 2014.[1]

Handlung (1)

1992 in Ostdeutschland: die beiden Kommissare Stein und Bach untersuchen das Verschwinden zweier Schwestern in einem abgelegenen Dorf.

Kritiken (1)

Freies Land hält sich eng an die Vorlage, ist aber ausladender erzählt, der Film dauert fast eine halbe Stunde länger als das spanische Vorbild. Er nimmt sich Zeit und gibt seinen Charakteren Raum, gerät in Sachen Logik und Spannung zwischendrin aber etwas ins Schlingern.“ – Josef Grübl: Sueddeutsche[1]

„Christian Alvarts ‚Freies Land‘ ist ein atmosphärischer Thriller – und mehr: die Seelenbeschreibung einer zerrissenen Gesellschaft.“ – Peter Zander: Berliner Morgenpost[2]

„‚Freies Land‘ ist ein nach Mecklenburg-Vorpommern versetztes Remake des spanischen Thrillers ‚La Isla Minima – Mörderland‘ (2014) und erweist sich unter der Regie von Christian Alvart (‚Abgeschnitten‘, Serie ‚Dogs of Berlin‘) als atmosphärisch ebenso dichter Genrefilm wie das Vorbild und dessen politischer Subtext.“ – Westfälische Nachrichten[3]

„Spannender Thriller: Alvart überträgt den Plot geschickt auf die Nachwende-Zeit, in der das Alte noch nicht vergangen ist und das Neue noch nicht begonnen hat – ein unheimliches, gesetzloses Zwischenreich. Auf ein paar Ossi-Klischees hätte man dabei durchaus verzichten können… Aber Alvart, der auch die hervorragende Kamera führte, hält in dem düsteren Film – mit seinen sehr guten Schauspielern – durchgehend die Spannung. Er verweist mit den Mitteln des gelungenen Thrillers klug auf das gesellschaftlich Unerledigte, das noch lange nachwirken wird.“ Knut Elstermann | MDR Kultur / Radio Eins[4]

Zu dem Film gibt es offenbar inhaltlich wenig zu sagen, zumindest suggeriert die kurze Wiki-Handlungsbeschreibung dies. Nun wurden schon so viele Movies über die Nachwendejahre gemacht, die aus logischen Gründen viel dichter dran waren und es daher leichter hatten, die Stimmung einzufangen, dass man sich fragt, was Filmemacher immer wieder dazu verführt, diese Zeit zu beleuchten, selbst dann, wenn sich ein Plot eher so liest, als handele es sich um einen Thriller, der nicht an eine Epoche gebunden scheint und heute im beinahe menschenleeren Hinterland ebenso funktionieren würde.

Allerdings ist das spanische Vorbild bereits eine Art „Period Piece“, der Film entstand im Jahr 2016 und spielt 1980, also kurz nach dem Wandel Spaniens von der Diktatur zur konstitutionellen Monarchie, wie sie noch heute besteht. Und Südspanien und der deutsche Osten, die haben ja auch eines gemeinsam: Sie sind vergleichsweise arm. So weit, so schlecht. Ich gebe zu, dass ich ein wenig von etwas beeinflusst bin, was mir vor der Recherche nicht mehr bewusst war:

Vor seiner Arbeit im Filmgeschäft war Christian Alvart in verschiedenen Positionen, zuletzt als Chefredakteur, beim Filmmagazin X-TRO tätig.[1] 1999 gab er sein Debüt als Filmregisseur mit dem Thriller Curiosity & the Cat, zu dem er auch das Drehbuch verfasste. Einen weiteren Thriller inszenierte Alvart 2005 mit Antikörper. 2009 kam Case 39 in die US-Kinos, der Alvarts erste Hollywood-Produktion ist und in der Renée Zellweger die Hauptrolle spielt. Der Film startete in den deutschen Kinos am 11. März 2010 unter dem Titel Fall 39.[2] Ebenfalls 2009 kam Alvarts Science-Fiction-Thriller Pandorum in die Kinos. Seit 2011 tritt Alvart als Tatort-Regisseur in Erscheinung und inszenierte von 2013 bis 2018 alle Filme um das Kommissarduo Tschiller und Gümer, darunter auch den Kinofilm Tschiller: Off Duty (2016).

„Antikörper“ erhält von den IMDb-Nutzer*innen 7,0/10, das ist für einen deutschen Thriller beachtlich. Aber leider ist Christian Alvart auch für das größte Serienverbrechen der bisherigen Tatortgeschichte verantwortlich, nämlich die Hamburger Tschiller-Filme. Sehr wahrscheinlich, dass Till Schweiger zu viel Einfluss auf die Gestaltung seiner Filme genommen hatte, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass erst „Chill out“, der dann nicht mehr von Alvart inszeniert wurde – als man nach fünf oder sechs Jahren endlich merkte, dass man sich komplett vergaloppiert hatte – ein passabler Tatort werden durfte.

„Chill out“ musste vom Spezialisten fürs Drücken des Reset-Knopfes, Eion Moore (der u. a. die Rostocker Cops König und Bukow für den NDR „erfand“ und damit bei den Ost-Krimis eine Zeitenwende einläutete) übernommen und in jene ruhigere Gangart überführt werden, die der Titel andeutet, um beim Publikum einigermaßen anzukommen.

Aber vielleicht muss man ja bei einem Provinzkrimi, der fast 30 Jahre rückwärts angelegt wurde, nicht so auf den Putz hauen wie in den Minirambo-Tatorten aus Hamburg und kann alles viel atmosphärischer gestalten. Ich habe mal nachgeschaut und empfehle eine weitere Kritik neben dem Einlesen in die von der Wikipedia gelisteten Texte. Rouven Linnarz schreibt in „Filmrezensionen.de„:

„Während sich das Jahr 2019 in die letzten Wochen geht, endet auch das Jubiläum des Mauerfalls. Die teils eher routinierte Bilderflut der ersten Stunden nach der Öffnung der Grenzen und die Euphorie am Brandenburger Tor zeichnen ein harmonisches Bild dieses Ereignisses, doch 30 Jahre danach zeigt sich nach wie vor eine weite Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland, die oftmals wenig oder gar nicht diskutiert wird in den vielen Jubiläumssendungen. Mit „wachsender Deutlichkeit“, so Regisseur Christian Alvart (Steig. Nicht. Aus! Abgeschnitten) zeigen sich in der aktuellen sozialen Landkarte Deutschland Brüche in jenem „Wunder-Narrativ“ des Mauerfalls, welches von Politik und Medien propagiert wird.“

Das klingt ja schon mal recht interessant – für alle, die vom ewigen Durchdiskutieren der Ost-West-Brüche nicht doch eher genervt sind, als dass sie noch nichts davon wissen. Politisch Interessierten ist dies alles nicht verborgen geblieben. Linnarz bewertet den Film mit für mich durchaus überraschenden 9/10. Warum, sollte sich aus seinem Text ergeben.

IMDb-Rating: 6,8/10
Moviepilot-Rating: 6,4/10

(1) und alle kursiven Textteile: Wikipedia

Regie Christian Alvart
Drehbuch Christian Alvart,
Siegfried Kamml
Produktion Christian Alvart,
Siegfried Kamml,
Timm Oberwelland
Musik Christoph Schauer
Kamera Christian Alvart
Schnitt Marc Hofmeister
Besetzung

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