Der dünne Mann / Der Unauffindbare / Mordsac „dünner Mann“ (The Thin Man, USA 1934) | 4 Empfehlungen | #Filmfest 245 #Top250

Filmfest 245 A "Concept IMDb Top 250 of All Time" (23)

Der dünne Mann (Originaltitel: The Thin Man; alternative Titel auch: Der Unauffindbare und Mordsache „dünner Mann“) ist eine US-amerikanische Kriminalkomödie aus dem Jahr 1934 nach dem gleichnamigen Roman von Dashiell Hammett. Der Film war so erfolgreich, dass bis 1947 fünf Fortsetzungen folgten.

Von 1936 bis 1947 wurden insgesamt fünf Fortsetzungen mit derselben Besetzung der Hauptfiguren gedreht, welche die Klasse und den Charme des Originalfilms zumindest teilweise reproduzierten:

Da haben wir ja noch einiges vor uns. Aber ganz gewiss gehört „Der dünne Mann“ zu den Essentials, die man gesehen haben muss, um die Entwicklung des amerikanischen Films und des Genres Krimi zu verstehen. Augenfällig ist, dass der Film im selben Jahr entstand wie die Komödie „Es geschah in einer Nacht“, von der es heißt, sie habe das Screwball-Genre gestartet. Es zeichnete sich auf jeden Fall ab, dass man der Depression nach der Wahl von Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten mit einem optimistischen Ton begegnen, aus der Schockstarre herauskommen wollte. Auch während der Depression Era gab es Filme, die in den „besseren Kreisen“ spielten und Komödien, man denke an den einen oder anderen Lubitsch-Film. Anders als in „Es geschah in einer Nacht“, der offenbar auch etwas Erdiges hat, ist in „Der dünne Mann“ gemäß Einlassung von Kritikern gewährleistet, dass man von den Problemen der Depressionszeit überhaupt nichts sieht.

Aber es zusammen zu wuppen, Rollenbilder neu zu definieren und Frauen dabei nicht nur als Vamps dominante Figuren sein zu lassen oder als Flapper herauszuheben, wie in den 1920ern, sondern auch als schlagfertige Alltagsheldinnen zu etablieren, danach bestand offenbar ein Bedürfnis – und die Technik war auch soweit, das zuzulassen. Im Stummfilm hätte man derart wortreiche Filme nicht umsetzen können, sonst hätten sie überwiegend aus Zwischentiteln bestanden und es gab in den ersten Jahren auch Kritik an der exzessiven Auslegung des Wortes „Talkie“, nachdem der Tonfilm erst einmal etabliert war.

Also musste es darum gehen, den Dialog zurückzunehmen oder ihn so zu gestalten, dass daraus ein Mehrwert fürs Publikum und eine gewisse Literarizität entstand. Außerdem war die Technik nach ein paar Jahren so weit, dass der Ton den Figuren mühelos überall hin folgen oder nachträglich eingespielt werden konnte. Deswegen habe ich das Jahr 1935 kürzlich als dasjenige bezeichnet, in dem der Tonfilm erwachsen wurde – mit groß angelegten Werken, unter anderem Literaturverfilmungen. Aber auf dem Weg dorthin ist jedes Jahr wichtig und es ist kein Zufall, dass zwei Filme aus dem Jahr 1934 in den Top 250 der IMDb standen oder stehen, in denen moderne Fraueniguren gezeigt werden. „Es geschah in einer Nacht“ ist immer noch platziert, „Der dünne Mann“ mit 8/10 knapp draußen; 8,1/10 sind aktuell die Mindestvoraussetzung). Die Fortsetzungen erreichen zwischen 7,7 und 7/10.

In der Wikipedia sind folgende Stimmen nachzulesen:

Der film-dienst bezeichnete den Film als „eine intelligente Kombination aus erfrischend-frivoler Salon-Komödie und spannend-temporeichem Kriminalfilm, hervorragend gespielt, angereichert mit beschwingt-amüsanten Dialogen“.[3] Eine gute Meinung von dem Streifen hat auch der Evangelische Film-Beobachter: „Kriminalkomödie aus dem Jahr 1934, die vorzügliche, spannende Unterhaltung liefert.“[4]  (1)

Daran sieht man, dass die kirchlichen Rezensent*innen offenbar keine moralisch anstößigen Elemente in diesem Film vorfanden. Alkoholismus gilt in der westlichen Kultur nicht als Problem. Auch Roger Ebert greift unter anderem auf diesen Tatbestand zu:

„William Powell ist bezüglich des Dialogs wie Fred Astaire in Bezug auf das Tanzen. Seine Darbietung ist so lustig und unterstellend, so wissend und unschuldig zugleich, dass es kaum darauf ankommt, was er sagt. Dies ist sicherlich der Fall in „The Thin Man“ (1934), einem Krimi, in dem Mord und Mysterium im Vergleich zu den persönlichen Stilen der Schauspieler unbedeutend sind. Powell und Myrna Loy spielen die Hauptrolle als Nick und Nora Charles, ein Detektiv im Ruhestand und seine reiche Frau, spielerisch verliebt und beide immer ein wenig betrunken (…). Obwohl Dashiell Hammett [nach dessen letztem Roman der Film entstanden ist, Anm. TH] für hartgesottene Fiktion bekannt war und John Hustons Film über Hammetts „The Maltese Falcon“ von 1941 eines der ersten Beispiele für einen Film Noir war, ist „The Thin Man“ im Wesentlichen eine Salonkomödie mit Leichen. Die Handlung ist so absurd, dass kein vernünftiger Zuschauer ihr folgen kann (…). (2)

Klingt, den Plot betreffend, ein wenig nach modernem Tatort (die 50-Jahr-Feier wirft ihre Schatten voraus) und möglicherweise muss man unvernünftig sein, um folgen zu können, also à la Mode, aufs Jahr 2020 bezogen – und vielleicht besonders als Fan der Münster-Schiene.

Sicherlich ist „Der dünne Mann“ in erster Linie ein Krimi und hat hier auch viele Stärken. Die verworrene Geschichte um später sogar drei Morde kann den Zuschauer alleine schon fesseln und das Finale, in dem Charles alle Verdächtigen in guter alter Krimimanier in einem Raum versammelt und mit seinen Ausführungen nach und nach den Mörder entlarvt, treibt diese Spannung noch einmal auf die Spitze. Doch es gibt mehr, was diesen Film auszeichnet, ihn von der Genrekonkurrenz abhebt und zu einem der ganz großen Genre-Klassiker macht, schreibt hingegen Björn Becher bei Filmstarts.de. (3)

Es gibt also ein Agatha-Christie-Ending, wie wir es z. B. von Hercule Poirot kennen, aber auch Becher meint, man habe sich bei der Auflösung – ausnahmsweise – ein paar Sätze zu knapp gehalten. Wer weiß, was die Veränderung der Medienrezeption mittlerweile alles ermöglicht.

IMDb-Wertung: 8/10
Roger Ebert: 4/4 + „Great Movie“
Filmstarts.de 4,5/5

(1) Wikipedia
(2) Roger Ebert
(3) Filmstarts

Regie W. S. Van Dyke
Drehbuch Albert Hackett,
Frances Goodrich
Produktion Hunt Stromberg
Musik William Axt
Kamera James Wong Howe
Schnitt Robert Kern
Besetzung

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