Züri brännt – Tatort 1140 #Crimetime Vorschau 18.10.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Zürich #Grandjean #Ott #SRF #brennen

Crimetime Vorschau - Titelfoto © SRF, Sava Hlavacek

Zwei weitere Ermittlerinnen

Es ist soweit: In der Schweiz werden Reto Flückiger und Liz Ritschard nun von Isabelle Grandjean und Tessa Ott abgelöst. As Chef haben sie aber, ähnlich wie das Frauenteam in Dresden, einen Mann namens Peter Herzog. Ist es der Beginn einer neuen Ära? Ich empfand den reservierten Reto Flückiger immer als sehr angenehm, aber zu den beliebtesten Teams zählten Ritschard und er nie. Die Gründe nachzuzeichnen, ist hier nicht der richtige Moment, immerhin waren sie fast zehn Jahre dabei und wir haben sie mit der „TatortAnthologie“ von Beginn an begleitet – vielmehr widmen wir uns der Gegenwart und, hoffentlich, der Zukunft.

„Züri brännt“ lautet der Titel eines Videos, das 1981 vom Videoladen Zürich herausgegeben wurde. Die Dokumentation zeigt die Jugendunruhen vor dem Züricher Opernhaus 1980 – bekannt als die „Opernhauskrawalle“ – aus Sicht der Aktivisten. Der neue Tatort aus der Schweiz startet mit Auszügen aus jenem Bildmaterial. Die Ermittlungen im ersten Fall des Züricher Tatort-Teams führen also zurück in eine unruhige Zeit: In der SRF-Produktion „Züri brännt“ untersuchen die ungleichen Kommissarinnen Isabelle Grandjean (Anna Piere Zuercher) und Tessa Ott (Carol Schuler) den grausamen Mord an einem zunächst unbekannten Mann. Das Opfer wurde mit einem Schuss in den Hinterkopf hingerichtet und anschließend angezündet“, schreibt die Redaktion von Tatort Fans.

Dem Fall selbst steht man dort distanziert-wohlwollend bis reserviert gegenüber, herauslesen lässt sich, dass auch in diesem Team wieder einmal Spannungen herrschen. Was mich persönlich an solchen Inszenierungen nervt: Der „Zickenkrieg“, sofern es sich dabei um Frauen handelt oder die „Hahnenkämpfe“ resultieren aus meist aus persönlichen Abneigungen und die Art, wie diese ausgetragen werden, wirken alles andere als professionell. Diese Effizienzverluste wäre noch zu akzeptieren, wenn Probleme aus Mängeln in der operativen Zusammenarbeit resultieren würden – nicht aber angängig ist die Variante, in der es durch allzu offensiv gezeigte Aversionen zu massiven Mängeln bei den Ermittlungen kommt und man sich wundert, dass diese Menschen überhaupt in der Lage sind, als Polizist*innen zu arbeiten.

Auch wenn es bei nachträglichem Einstieg kryptisch wirkende Momente geben mag, würde ich empfehlen: Mehr Mut zur horizontalen Erzählweise und zum Teambuildingals Prozess! Die Normalität ist, dass man sich in neuen Teams erst einmal abtastet und beobachtet, nicht gleich aufeinander losgeht. Hoffentlich folgen sie in der Schweiz nicht den schlechten Vorbildern aus Deutschland, in denen immer wieder lächerliche Streitigkeiten aus dem Nichts Sand ins Ermittlungsgetriebe bringen und vom Fall ablenken. In diesen Zeiten brauchen wir Erwachsene, wenn es um so ernste Dinge wie die Aufklärung von Tötungsdelikten geht! Oder halt Komiker wie in Münster, aber bitte dann auch so gute und nicht zu viele.

Mehr Zugang zum Film fand Christian Buß und schrieb im Spiegel:  „8 von 10 Punkten. Kein Grund, den Fernseher abzufackeln: Dieser Gesellschaftskrimi aus der „Wixerstadt“ Zürich verbreitet keine Langeweile. Starker Einstand für das neue Team.“ Ich bin schon gespannt darauf, wie ich den Gesellschaftskrimi finde. „Die Erregten von gestern sind die Etablierten von heute“, scheint ein herausragender Dialogsatz zu sein. Mal sehen, inwieweit der Weg der deutschen Grünen auf die Schweiz übertragbar ist, jedenfalls soll der Muff der Vorgänger raus sein.

Einen grundsoliden Start sehen die SWR3-Checker*innen und greifen zu 3 von 5 Elchen. Besonders mögen sie den Stil des Films. Wie sollte die Schweiz auch keinen Stil haben, schließlich bunkern hier Stilikonen aus aller Welt ihr Geld.

Volker Bergmeister von Tittelbach.TV vergibt die dort wohl häufigste Wertung von 4,5/6 und findet, es sei nun viel Frauenpower am Start. „Zwei neue Ermittlerinnen, die sich fetzen, eine neue Staatsanwältin, die karrieregeil ist, und mit Viviane Andereggen eine Regisseurin, die bereits mit dem preisgekrönten Krimidrama „Rufmord“ bewiesen hat, dass sie das Genre beherrscht. Dazu kommt ein Autoren-Duo, das auch schon für ein Highlight der Reihe verantwortlich war.“  Diese beiden Autoren sind allerdings sternderlfrei.

Wir werden den neuen Tatort wohl eher aufzeichnen als direkt anschauen, aber in den nächsten Tagen kommt eine Rezension dazu.

Handlung

An ihrem ersten Arbeitstag wird die Profilerin Tessa Ott gleich ins kalte Wasser geworfen: Beim Zürichsee wurde eine Brandleiche mit Kopfschusswunde gefunden. Am Tatort wird Ott von ihrer neuen Kollegin Isabelle Grandjean frostig begrüßt – die welsche Polizistin ist sich sicher, dass die unerfahrene Ott die Stelle nur dank Vitamin B bekommen hat. Denn die junge Kollegin stammt aus einer alteingesessenen Züricher Familie und scheint jeden zu kennen. Widerwillig bezieht Grandjean die Profilerin in die Ermittlungen ein. Sie merkt aber bald, dass Ott zwar wenig Praxiserfahrung hat, dies aber durch Hartnäckigkeit und analytischen Verstand wettmacht. Und so unterschiedlich die beiden Frauen sind, so ideal ergänzen sie sich in den Mordermittlungen. Die sind hochkomplex.

So scheint es fast unmöglich zu sein, die Identität der Brandleiche herauszufinden. Deren buddhistisches Rückentattoo und das Kärtchen einer Psychotherapie in der Tasche bringen die Ermittlerinnen doch einen Schritt weiter und führen sie zurück in das bewegte Zürich der 1980er Jahre. In die Zeit der Opernhauskrawalle, als es harte Fronten zwischen Polizei und der Jugendbewegung gab. Und was vor 40 Jahren geschah, hatte jetzt mörderische Konsequenzen.

So besteht die Schar der Verdächtigen fast ausschließlich aus ExponentInnen der Bewegung, die jetzt bereits im Pensionsalter sind. Darunter eine engagierte Punkmusikerin, ein kaltschnäuziger Journalist, ein Eigenbrötler, der nie über tragische Ereignisse von damals hinwegkam. Auch ein drogenabhängiger Freund von Teresa Ott gerät in die Schar der Verdächtigen und verdeutlicht vor allem eines: Zürich mag zwar die größte Stadt der Schweiz sein, ist aber auch ein Dorf.

Akribisch fügen Grandjean und Ott ihr Ermittlungspuzzle zusammen, bekommen so ein genaueres Bild. Doch als beim Abschiedsapéro für den scheidenden Polizeikommandanten schaurige Kurirerpost eintrifft, wird der Fall in eine neue Dimension katapultiert. Und statt einem, sind die Kommissarinnen plötzlich mit mehreren Mordopfern konfrontiert.

Besetzung und Stab 

Hauptkommissarin Isabelle Grandjean – Anna Pieri Zuercher
Profilerin Tessa Ott – Carol Schuler
Kriminalpolizeichef Peter Herzog – Roland Koch
Staatsanwältin Anita Wegenast – Rachel Braunschweig
Regierungsrat – Peter „Peach“ Hottinger
Kriminaltechniker Noah Löwenherz – Aaron Arens
Charlie Locher, Freund von Ott – Peter Jecklin
Sängerin Barbara Dietschi – Karin Pfammatter
Max Alpiger, Ex-Kommandant Abteilung KK3 – Hans Hollmann
Leiter des Selbsthilfezentrums – Christof Oswald
Ruth, Mitglied der Selbsthilfegruppe – Tiziana Jelmini
Chefredakteur Simon Untersander – Michael Goldberg
Polizeischülerin Eva Baumann / Punkerin Ava Koch – Julia Buchmann
Milan Mandic, Lebensgefährte von Grandjean – Igor Kovač
Thomas Zimmermann – Matthias Fankhauser
u.a.

Drehbuch – Lorenz Langenegger, Stefan Brunner
Regie – Viviane Andereggen
Kamera – Martin Langer
Szenenbild – Monica Rottmeyer
Schnitt – Constantin von Seld
Ton – Marco Teufen
Musik – Fabian Römer

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