Mad Max (AU 1979) #Filmfest 262

Filmfest 262 A

2020-08-14 Filmfest AAus dem Guiness-Buch der Rekorde

Bei Kosten von (umgerechnet) 400.000 US-$ für den gesamten Film und einem Einspielergebnis von etwa 100.000.000 US-$ weltweit kommt ein Verhältnis von ziemlich genau 250:1 zustande – bis zum „Blair Witch Project“ unübertroffen. Mel Gibson, als rächender Highway-Cop Max Rockatansky zumindest im letzten Drittel des Films unterwegs, das ist eine der Halb-Ikonen der Kinogeschichte geworden.

Handlung

Der Film spielt in Australien in einer nicht näher datierten nahen Zukunft. Motorisierte Banden beherrschen die Straßen, Morde und Überfälle auf offener Straße sind an der Tagesordnung. Die Polizei (MFP – Main Force Patrol), nicht minder brutal, führt einen beinahe aussichtslosen Krieg gegen Marodeure und Rockerbanden. Als Nightrider, das berüchtigte Oberhaupt der Höllenjockeys, aus dem Gefängnis ausbricht und auf seiner Flucht mit einem entwendeten V8-Polizeieinsatzfahrzeug eine Spur der Verwüstung hinterlässt, macht sich der Polizist Max Rockatansky an die Verfolgung. Schließlich stirbt Nightrider in der Verfolgungsjagd mit Rockatansky.

Mitglieder der Höllenjockeys wollen den vermeintlichen Mörder des Bandenchefs stellen. Angeführt werden sie vom brutalen Toecutter. Sie holen zunächst Nightriders Leiche vom Bahnhof einer Kleinstadt ab, anschließend ziehen sie marodierend durch die Stadt. Nachdem sie ein Pärchen überfallen und deren Auto zerstört haben, ziehen sie ab, wobei das Bandenmitglied Johnny, Spross einer gutbürgerlichen Familie, in einem Drogenrausch zurückbleibt und von Max und Goose verhaftet wird. Nach einem Gerichtsprozess wird dieser jedoch freigesprochen und schwört Rache.

Toecutter verlangt von seinem Gefolgsmann Johnny, Max’ Freund Goose nach einem provozierten Unfall zu verbrennen. Johnny lehnt dies ab, wird von Toecutter aber so unter Druck gesetzt, bis ihm schließlich ein brennendes Streichholz aus der Hand fällt und durch das ausgelaufene Benzin der Unfallwagen mit dem darin eingeklemmten Goose in Brand gerät. Als Max im Krankenhaus den grausam entstellten Goose sieht, will er seinen Dienst quittieren. Polizeichef Fifi Macaffee versucht Max zu überreden, bei der Polizei zu bleiben. Max lässt sich auf einen längeren Urlaub ein und verlässt mit seiner Frau Jessie und seinem Sohn die Stadt. Durch Zufall trifft Jessie bei einem Werkstattstop auf die Höllenjockeys, die sie belästigen und, nachdem sie dem Anführer einen Tritt in die Hoden versetzt, sie verfolgen. Bei der Flucht verliert Bandenmitglied Cundalini zudem seine Hand. Die Rocker überfallen die Familie auf der Farm, auf der Max und seine Familie Urlaub machen wollen, und nehmen den Sohn in ihre Gewalt, während Max die Angreifer im nahegelegenen Wald sucht. Mit Hilfe der Bäuerin gelingt es Jessie, den Sohn zu befreien und mit dem Auto zu fliehen. Nachdem das Fahrzeug jedoch mit einem Motorschaden stehenbleibt und Jessie mit dem Sohn auf dem Arm zu Fuß vor den herankommenden Rockern flieht, wird sie überfahren und der Sohn getötet, die Frau überlebt schwerst verletzt. Weiter zur Handlung in der Wikipedia.

Rezension

Unterwegs ist Rockatansky zuvor auch, aber ohne die Motivation, Rache für das Schicksal seiner Familie nehmen zu wollen. Gibson wird mit diesem kurzen, durchaus prototypischen Actionmovie auf einen Schlag berühmt und dass er Starpotenzial hat, bestätigte sich im Verlauf seiner Karriere. Seine beiden Oscars für „Braveheart“ (1996) bekam er zwar nicht als Schauspieler, sondern als Regisseur, aber er gehört zu den  Topstars in Hollywood. Auf dem Gipfel seines Ruhmes zu Beginn der 2000er Jahre galt er als einer der einflussreichsten Männer im Film.

Ehrlich geschrieben, in „Mad Max“ deutet für uns nicht viel auf den Superstar hin, dazu ist seine Cop-Figur zu wenig prägnant. Fairerweise muss man sagen, dass der Actionheld als solcher erst in den 80ern in rascher Folge immer neue Erweiterungen und Ausprägungen fand, die Gibsons Vorstellung aus heutiger Sicht eher zahm, seine Reaktionen verständlich, hin und wieder sogar ängstlich erscheinen lässt. Das gilt alerdings nicht für die allerletzte Szene mit ihrem sadistischen Einschlag, die den Titel des Films dann knapp rechtfertigt. Ende der 70er mag diese Performance von Gibson und mag diese Szene einiges Aufsehen erregt haben. Vieles muss zur rechten Zeit passieren, damit Ruhm daraus erwachsen kann, jedenfalls würde es heute keinen gestandenen Actionfan mehr vom Hocker reißen.

Im Grunde ist „Mad Max“ ein Western auf Rädern. Ein Mann des Gesetzes verfolgt Banditen, erst wird ein Freund von ihm ermordet. Er will in den Ruhestand gehen, sich um seine Familie kümmern, die Frau, den kleinen Sohn. Dann lässt er sich breitschlagen, doch noch einmal gegen die Outlaws loszuziehen. Diese ermorden seinen Sohn, die Frau wird zumindest lebensgefährlich verletzt. Mad Max hat jetzt auch ein persönliches Motiv, das stark genug ist – das Schicksal des Freundes hat nicht ausgereicht, ihn zur Rachehandlung zu treiben, sondern ihn eher zum Aussteigen animiert. Jetzt aber zieht er los. Jedes einzelne Handlungselement und die Motive sind von amerikanischen Vorbildern abgeschaut, die meist um ein Vielfaches teurer in der Herstellung waren. Ergänzend fanden wir in einer Kritik das Wort „Punk Western“, der sich aufs Outfit der Rocker und auch der Cops in ihren Lederuniformen bezieht.

Die Verfolgung der Bösen trägt sich nicht im 19. Jahrhundert zu, sondern zu einem unbestimmten Zeitpunkt in naher Zukunft, einer Zukunft, in der sich technisch wenig, sozial aber eine Menge verändert hat. Die Gesellschaft ist im Niedergang begriffen, Rockerbanden terrorisieren das flache Land und Highway-Polizisten, die in einer Dienststelle hausen, welche im Wesentlichen  eine Garage mit ein paar runtergekommen Büroräumen obenauf darstellt, versuchen in aufgerüsteten Streifenwagen, die Lage halbwegs im Griff zu behalten.

Dass der Film als die Mutter aller modernen Actionstreifen anzusehen ist, halten wir für etwas zu hoch gegriffen. Die Reduktion auf die Action ist zwar fortgeschritten, außerdem ist der Film bezüglich seiner Botschaften und Dialoge genau so simpel, wie er wirkt, man sollte nicht nach Hintergründigem suchen. Dafür gibt es aber einen beinahe langsamen Mittelteil, in dem Max mit seiner Familie gezeigt wird und der dramaturgisch den Film splittet, nicht klammert. „Mad Max“ ist unharmonisch und rudimentär inszeniert, die Bildsprache variiert ebenso, wie das Timing nicht optimal ist – aber die Handlung lädt natürlich zu Fortsetzungen ein, weil einerseits sehr abrupt die letzten bösen Rocker sterben, andererseits das Gefühl bleibt: Wie, das war’s jetzt? Unter der Sonne Australiens muss es noch mehr böse Buben auf heißen Öfen geben.

Prinzipiell ist das auch bei jedem Krimi so, aber das Ende wirkt abgehackt und ein Stück entfernt von Hollywoodkonventionen, die für open endings auch ihre speziellen Verfahren und Cliffhanger aufweisen. Zudem ist das Ende des Bandenchefs Toecutter (Hugh Keays-Byrne), der ja alles initiiert hat, eher unspektakulär, er rast in einen Lastwagen. Erst die Rache an dem eher zweitrangigen Johnny the Boy (Tim Burns) hat etwas Aufgeladenes und Sadistisches, das die Gefühlen von Max spiegelt – den wir deswegen aber nocht nicht als verrückt ansehen würden, wie der Name des Films suggeriert. Eigentlich ist dieser Mann, auch im Vergleich zu seinen Polizistenkumpels, ein netter, mittelgroßer Kerl mit ruhigen, klaren Gesichtszügen und einem sehr unspektakulären Privatleben – kein Actionheld à la Stallone oder Schwarzenegger.

Im Ganzen sind die Proportionen des Films nicht optimal – die beiden ersten Akte, wenn man die Szenen bis zum Anfang und bis zum Ende des Familienidylls so bezeichnen will, hätten etwas kürzer sein müssen, damit die Verfolgung der Rocker aufwendiger und länger werden und mit einer veritablen Klimax versehen werden kann. Man merkt schon, dass in den späten 70ern die Erfahrung mit der epischen Ausdehnung von Verfolgung und Rache in reiner Actionmanier, nicht etwa als psychologisches Duell, noch in den Kinderschuhen steckte.

Wie’s bei vollkommener Reduktion aufs Notwendige, nämlich das Duell selbst, geht, hat aber Steven Spielberg in „Duel“ (1971) exemplarisch gezeigt, woran an man auch die Meisterschaft dieses Regisseurs im Vergleich etwa mit George Miller sehen kann, der „Mad Max“ inszeniert hat und der zuvor und seitdem wieder vor allem fürs Fernsehen tätig war bzw. ist. Dass George Miller den Film „Duel“ kannte, sieht man an einer Szene: Wo der Lastwagenfahrer, den Max überholen will, diesem erst ein Handzeichen gibt, dass der Cop warten soll, wegen Gegenverkehr – und ihn dann vorbeiwinkt. Das war eine Anspielung auf die heimtückische Art, wie der Trucker in“Duel“ dem Pkw-Führer ein Zeichen gibt, dass die Straße frei ist – und damit einem Frontalzusammenstoß provozieren will.

Finale

Die Bildsprache von „Mad Max“ mit den Weitwinkelaufnahmen einerseits und den konzentrierten Fahrtszenen auf der anderen Seite, wo die Kamera sich in der Nähe von Reifen, Helmen, Autofenstern etc. befindet und die auch durch ihre Perspektive sehr rasant anmuten, ist schon vergleichsweise modern und hat sicher etwas Stilprägendes. Auch die Landschaft wird gut einbezogen. Auffällig, dass es nur einmal ein schönes, fast romantisches Wechselspiel von Sonne und Schatten auf der Straße gibt – als Max mit seiner Familie ins Grüne unterwegs ist. Ansonsten wird die Straße immer einheitlich beleuchtet gefilmt, die Dynamik zum Horizont hin, die gefühlte Geschwindigkeit, wird auf diese Weise maximiert. Manchmal dräuen dunkle Wolken über der rötlichen Natur.

63/100

Der Film in der deutschen Wikipedia und der amerikanischen IMDb.

© 2020, 2015, 2012 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie George Miller
Drehbuch James McCausland,
George Miller
Produktion Byron Kennedy
Musik Brian May
Kamera David Eggby
Schnitt Tony Paterson,
Cliff Hayes
Besetzung

 

 

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