Tod in der Bank – Polizeiruf 110 Episode 284 #Crimetime 852 – #Polizeiruf110 #Polizeiruf #Halle #Schmücke #Schneider #Bank #Tod

Crimetime 852 - Titelfoto © MDR,

Der Tod sorgt dafür, dass Geld Junge kriegt

Banktresorraumtüren anzuschauen, ist doch immer wieder ein erhabenes Erlebnis. Nichts wird auf der Welt so gut gesichert wie Dinge, deren Wert von heute auf morgen futsch sein kann. Die deutsche Geschichte kennt solche Situationen. Und Geld macht nicht glücklich, sondern verursacht Selbstmorde, das erfahren wir am Ende ebenfalls. Und wie war’s sonst, mit dem Polizeiruf Nr. 284? Das steht in der -> Rezension.

Handlung (Wikipedia)

Heinz Markowski wurde im Vorraum einer Bank erstochen aufgefunden. Die Kommissare Schmücke und Schneider werden gerufen. Bankdirektor Walter Conrad kann sich nicht erklären, wie der Mann unbemerkt in die Bank kommen konnte. Schließlich hatte er gerade erst eine neue und moderne Sicherheitsanlage einbauen lassen. Der Tote war allerdings Mitinhaber der Firma, die das System installiert hatte und offensichtlich fiel bei der Zeitumstellung die Sicherheitsanlage für eine Stunde aus, sodass jeder Zutritt zur Bank gehabt haben konnte. Auf den ersten Blick scheint nichts gestohlen worden zu sein, aber Christian Fiedler, ein Mitarbeiter der Bank, stellt entsetzt das Fehlen eines Schließfachinhalts fest. Da er selber dieses Fach unter falschem Namen angemietet hat, schweigt er darüber.

Die Ehefrau des Opfers erklärt den Kommissaren, dass ihr Mann in der letzten Nacht gegen Mitternacht das Haus verlassen hatte, weil er nicht schlafen konnte. Dies passiere öfter und deshalb habe sie sich keine großen Sorgen gemacht. Schmücke und Schneider halten es für möglich, dass Markowski bei seiner Fahrt durch die Nacht zufällig an der Bank vorüber kam, den Einbruch bemerkte und ihn verhindern wollte. Nachdem die Kriminaltechnik Metallspäne findet, sehen sich die Ermittler den Schließfachraum genauer an und können das aufgebohrte Fach entdecken. Besitzer dieses Schließfachs ist eine Familie Wert, die sich sehr erstaunt darüber zeigt, dass sie angeblich ein Bankfach besitzen soll. Damit ist den Ermittlern klar, dass nur jemand innerhalb der Bank dieses Fach angemietet haben kann. Frau Weigand findet darin Faserspuren, die nur von Euroscheinen stammen können.

Für die Kommissare kommt nur Sachbearbeiter Fiedler in Betracht, das Schließfach genutzt zu haben, da nur er laut Schließprotokoll zugegen war, wenn das Fach geöffnet wurde. Zudem war er in den letzten Jahren mit der Bearbeitung und Schließung von Konten verstorbener Bankkunden beauftragt. Die Überprüfung dieser alten Fälle bestätigt die Vermutung, dass Fiedler sich an fremdem Kapital bereichert hatte und diese Gelder in dem Schließfach deponierte. Seine Kollegin Anita Arndt hatte das herausgefunden und wollte die Zeitumstellung nutzen, um unbemerkt an das Geld zu gelangen. Nachdem die Tatwaffe bei einer Hausdurchsuchung in ihrem Keller gefunden wird, springt sie aus Verzweiflung aus dem Fenster.

Auf der Suche nach dem Bargeld werden Schmücke und Schneider in der Bank fündig. Auch Arndt hatte die Scheine sinnigerweise in einem Schließfach deponiert.

Rezension

Die Methode, sich mit dem Geld Verstorbener, die keine Erben haben, zu bereichern, erinnert vom Prinzip ein wenig an jene Methode, mit ganz kleinen Summen, mit Nachkommastellen von Nachkommastellen, die bei jeder Transaktion abgezweigt werden, mit der Zeit ansehnliche Summen zusammenzuraffen. Auch der 284. Tatort ist, wie die Vorgänger, die mit Schmücke und Schneider inszeniert wurden, sehr konventionell, wenn man nur den Plot betrachtet. Und dann diese absolut vorhersehbaren Gags. Dass der Küchen-Oberschrank am Ende wieder fallen wird, war nach den Spezialdübeln so klar, dass man sagen kann, Humor à la Polizeiruf Halle ist so einfältig, dass man darüber schon wieder lachen kann.

Aber im Vergleich zu einigen anderen Filme aus diesen 2000ern mit den beiden hat „Tod in der Bank“ mehr innere Spannung, die aus den Figuren resultiert. Da ist die neue Staatsanwältin, mit der vor allem der etwas eitle Schmücke gar nicht klarkommt und die selbst eitel ist, sowas sorgt immer für Konfliktstoff. Es ist im Grunde einer jener künstlichen Konflikte, die häufig aufgebaut werden, um dem Polizeialltag mehr Würze zu geben, das Verhältnis Odenthal / Stern im Tatort Ludwigshafen war zunächst auch auf eine recht artifizielle Weise konfrontativ, nach dem Abgang von Kopper verstehen sich beide aber prächtig.

Ein weiteres Plus, dieser Teil der Handlung wird in der obigen Inhaltsangabe komplett ausgelassen, ist das wenig erfreuliche Verhältnis des Filialleiters zu seiner Tochter, das recht authentisch wirkt und in dem Luise Helm als die Aufmüpfige und Ziellose einen guten Part spielt. Wir hätten ihr zugetraut, dass sie am Schmu in der Bank beteiligt ist – und fanden den Schmuckverkauf, um sie und ihren Freund aus dem Kreis der Verdächtigen rauszunehmen, ziemlich behelfsmäßig. Aber sei’s drum, war doch schön, dass Kommissar Schneider sie hat in die Freiheit ziehen lassen. Was ist eine Banklehre gegen das Dasein der Bohème in Spanien. Vielleicht ist es auch nur ein leicht punkig wirkender Kitsch, aber es war doch nett anzuschauen.

Krass finden wir mittlerweile auch, wie im Zeitlupentempo die Initiation des Kommissar Schmücke eisern durchgezogen wird. Jetzt hat er tatsächlich eine eigene Wohnung, nach Jahren mit Edith, die ihn rauswarf, und einer Dauerbelästigung seines Co-Ermittlers und Freundes Schneider. Aber so ist das, wenn man ganz neue, mutvolle Weg geht – es kann zu kleineren oder größeren Kalamitäten kommen. Jede, die halbwegs im Rahmen des Wahrscheinlichen liegt, wird vermutlich in den kommenden Filmen noch ausgespielt werden.

Es ist wohl eher die Regie, die den Unterschied macht, denn das Drehbuch zu „Tod in der Bank“ stammt, wie viele zuvor auch, von Hans-Werner Honert, der als Produzent der Saxonia Media, die alle Polizeirufe aus Halle und die Leipzig-Dresden-Tatorte ausführt, sich selbst hoffentlich ein besseres Honorar gezahlt hat, als die meisten Drehbuchautoren bekommen, obwohl sie einen Film beeinflussen wie sonst niemand. Ein guter Regisseur kann ein schlechtes Buch noch einigermaßen retten, schon klar, aber ein gutes Skript macht eine stimmige Inszenierung doch viel einfacher.

Die Sache mit dem Ausfall der hochmodernen Sicherungsanlage der Bank wegen Zeitumstellung haben wir nicht recherchiert. Mag sein, dass so etwas passieren kann, bei einem ganz neuen System, das noch nicht besonders praxiserprobt ist. Schade ist, dass die Täterin anfangs so wenig in Erscheinung tritt, aber sie kommt noch rechtzeitig aus dem Urlaub, um am Ende, auch als Typ, eine plausible Tatausführende zu sein.

Finale

„Tod in der Bank“ verlässt zwar nicht den bei den Schmücke-Schneider-Filmen jener Phase üblichen Rahmen, aber er nutzt den Rahmen inszenierungsseitig etwas mehr aus als die Vorgänger. Für Schmücke und Schneider ging es damit ins letzte Drittel ihrer Karriere (es war der 33. von 50 Fällen für beide), aber wir wissen aus Produktionen, die wir schon kennen und die nicht im Rahmen der ansonsten erkennbaren Chronologie gezeigt werden – der MDR zeigt derzeit nach Jahrgängen die von ihm verantworteten Polizeirufe der 2000er und darüber hinaus alte Jahrgänge aus der DDR-Zeit, aktuell sind wir beim Jahr 1979 angelangt. Wir finden das durchaus sinnvoll und besser als die Kraut-und-Rüben-Wiederholungen von Tatorten, die keinem erkennbaren Muster folgen.

7/10

© 2020 (Entwurf 2019) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Dirk Regel
Drehbuch Hans-Werner Honert
Produktion Susanne Wolfram
Musik Florian Appl
Kamera Stephan Wagner
Schnitt Claudia Fröhlich
Besetzung

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