Limbus – Tatort 1143 #Crimetime Vorschau 08.11.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Münster #Boerne #Thiel #WDR #Limbus

Crimetime Vorschau - Titelfoto WDR / Bavaria Filmpool Fiction, Valentin Menke

Heute Abend steht das größte denkbare Tatort-Event an. Ein neuer Münster-Fall wird vor den Augen des stets geneigten Publikums enthüllt. Es sind ohnehin besonders viele Menschen, die einschalten, wenn Thiel und Boerne und die übrige Crew in die Manege schreiten, um den größten Tatort-Zirkus der Welt mit Leben zu füllen. Aber der heutige Film ist gleich in zwei Kategorien noch einmal etwas Besonderes. Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) verlässt nach diesem Film das Team und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) beinahe diese Welt. Da aber Axel Prahl (Frank Thiel) und Liefers ihre Verträge gerade bis 2024 verlängert haben, dürfte klar sein – dieser Gerichtsmediziner wird nicht in der Hölle schmoren, jedenfalls nicht für lange.

Dies bedeutet auch, dass wir den beiden Helden des deutschen Primetime-Krimi-Humors in zwei Jahren zum 20-jährigen Jubiläum gratulieren werden. Dass sich ein Konzept, das bezüglich der Witze, die man in solchen Filmen machen kann, doch irgendwie begrenzt ist, so lange halten kann, ist vor allem der genialen Teamzusammensetzung zu verdanken. Für mich ist nicht jeder Tatort deshalb ein guter Tatort, weil er aus Münster kommt und ich hatte einige Filme zu überstehen, in denen man sich allzu sehr auf die Wirkung von Liefers & Co. verlassen hatte, anstatt einen guten Plot zu konstruieren, aber in den letzten Jahren ist es tendenziell wieder besser geworden – ohne m. E. ganz oder durchgängig die Höhe zu erreichen, die Mitte der 2000er die Münster-Schiene zu Recht ganz nach vorne gebracht hatte.

Die Synthese aus Spannung, einigermaßen stimmiger Konstruktion und Humor war damals in einigen Filmen nahezu perfekt – aber selbst, wenn man die besten Handlungen ever für das WDR-Team Nr. 2 (nach Dienstjahren) schreibt, bei den Witzen wird es immer schwieriger, Bahnbrechendes zu erfinden. Deshalb hatte ich vor längerer Zeit schon vorgeschlagen, die Gags mehr handlungsorientiert und etwas sparsamer, mithin pointierter bezüglich der Verbalkomik zu gestalten und vor allem die arme Alberich etwas mehr außen vor zu lassen (die Witze betreffend), um ein weiteres Panorama für Boerne zu eröffnen. Manchmal sieht man derlei Ansätze auch. Vielleicht sogar heute Abend, denn mit der Hölle ist nicht zu scherzen.

Und was sagen die anderen zum 37. Münster-Tatort?

Lim-was? Was zur Hölle …?! Der Limbus, lateinisch für Umgrenzung oder Rand, ist wohl eher bekannt unter dem Begriff „Vorhölle“ oder „Vorhof zur Hölle“. In der katholischen Kirche beschreibt er einen Ort, an dem sich die Seelen ungetaufter Verstorbener aufhalten, die zu Lebzeiten jedoch keine Sünden begangen haben (von der Erbsünde ab Geburt einmal abgesehen). Obwohl die Nähe zur Hölle die Vorstellung von Qualen und Bestrafung nahelegt, ist der Limbus ein friedlicher Platz.“

So klärt uns die Redaktion von Tatort Fans erst einmal über den Titel auf und vergibt drei flüchtige bzw. vier ziemlich begeisterte Sterne für den Film, in dem Boerne einen schweren Autounfall hat und in ebenjener Vorhölle landet. Auf der ARD-Seite zum Film erhält „Limbus“ bereits vorab 4,8 von 5 Sternen, generiert aus 19 Stimmen – sind das alles Profis, die den Film vorab gesehen haben oder Fans, die auch einen Boerne-Thiel-Film mit fünf Sternen bewerten würden, der einfach nur die Hölle ist?

„Der Münster-Tatort ist häufig für eine Überraschung gut, aber dieses Mal haben sich die Verantwortlichen selbst übertroffen“, schreibt Tilman P. Gangloff in Tittelbach.TV und vergibt 5 von 6 Sternen. Eine der drei häufigsten Bewertungen jenes TV-Magazins für Tatorte, aber am oberen Rand jener drei gehäuft zu beobachtenden „Zensuren“. Wie immer hat Tittelbach-TV viele Sachinformationen für uns:

Max Zähle hat nach seinem Regiedebüt mit der originellen Kinokomödie „Schrotten“ (2016) ausschließlich sehenswerte Fernsehfilme gedreht, darunter die dritte und erste wirklich gute „Wolfsland“-Episode „Der steinerne Gast“ (2018) und das vorzüglich gespielte und geschickt konzipierte Beziehungsdrama „Bist du glücklich?“ (2019). „Limbus“ ist sein Meisterstück, zumal er mit Frank Küpper einen der renommiertesten deutschen Bildgestalter an seiner Seite hatte; die beiden haben bereits „Der steinerne Gast“ zusammen gedreht.

Der SWR-Tatort-Check mit Stefan Scheurer sorgt dafür, dass an der Wand kaum noch Platz ist und hängt fünf von fünf möglichen Elchen auf, außerdem teilt er gegen Netflix aus: „Tatort Münster gewinnt deutlich gegen Netflix. Ich geb’s zu, es klingt alles kitschig. Ist es aber nicht. Die Geschichte hat Überraschungen und Witz, und ist oft auch sehr bemerkenswert inszeniert und gedreht. Schon allein die Vorstellung vom Tatort, wie der Weg in die Hölle wohl aussehen könnte, ist das Einschalten wert. Der Tatort bleibt trotzdem Krimi, ist aber wieder Mal außergewöhnlich und kann mit jeder Streamingplattform mithalten. Nimm das, Netflix!

„Nichts geht über eine schöne Nahtoderfahrung. Im Stil großer Taschentuch-Dramen erwacht im Münster-‚Tatortbei Professor Boerne die Liebe zu seinen Mitmenschen. Und das fast ironiefrei.“, schreibt Christian Buß im Spiegel und vergibt recht stolze 8/10.

Bei Prisma heißt es: „Konnte sich der Münster-Fan in die erwartbaren Gag-Kanonaden bislang hineinlegen wie in ein Entspannungsbad, gleicht das Filmerlebnis diesmal eher einer Dusche bei Heizungsausfall – stimulierend, aber eher unbehaglich. Wird er es verzeihen? Oder die Macher (Buch: Magnus Vattrod, Regie: Max Zähle) auf direktem Weg zum Teufel wünschen? Zu bedenken allerdings ist: Ein letztes Wiedersehen mit der im Neujahrs-Impro-„Tatort“ gemeuchelten Kommissarin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) wäre auf dem festen Boden des ‚Tatort‘-Realismus wohl kaum möglich gewesen.“ Eine Bewertung vergibt das Filmmagazin nicht, wir sind nach dem Ende der vorab geschriebenen Kritiken für Tatorte auf „Filmstarts“ auf der Suche nach einer vierten Stamm-Quelle, die wir gerne als besonders kritische Stimme herausstellen würden. Bei „Filmstarts“ ist mir mittlerweile allerdings aufgefallen, dass diese sehr kritische Haltung vor allem deutschen Fernsehfilmen gegenüber gilt oder galt, nicht so sehr bei Hollywood-Mainstream-Produktionen.

Wir werden heute Abend sehen, wie es ist, im KF im Limbus festzustecken. Vermutlich werde wir dieses Mal, anders als bei den vorangegangenen Tatort-Premieren, relativ schnell zur eigenen Rezension schreiten.

TH

Handlung

Nach einem Abendessen mit seinen engsten Kollegen erleidet Professor Karl-Friedrich Boerne auf seinem Weg in den Urlaub einen katastrophalen Autounfall. Schwer verletzt wird er ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte auf der Intensivstation um sein Leben ringen.

Hauptkommissar Frank Thiel kommt die Sache direkt verdächtig vor – sein Bauchgefühl sagt ihm, dass mit Boernes Unfall etwas nicht stimmt. War es in Wahrheit ein Mordversuch?

Staatsanwältin Wilhelmine Klemm verweist auf die Kollegen, die den Unfall untersuchen und verbietet Thiel eigene Ermittlungen, was ihn naturgemäß nicht davon abhält, auf eigene Faust zu recherchieren. Währenddessen taucht in der Rechtsmedizin Boernes Urlaubsvertretung auf – Dr. Jens Jacoby, ein junger, charismatischer Kollege, der gerade frisch aus Brasilien zurückgekehrt ist. Schnell gewinnt er Silke „Alberich“ Hallers Sympathie, und gemeinsam suchen die beiden an Thiels Seite nach der Wahrheit.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Frank Thiel – Axel Prahl
Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne – Jan Josef Liefers
Rechtsmedizinerin Silke „Alberich“ Haller – ChrisTine Urspruch
Staatsanwältin Wilhelmine Klemm – Mechthild Großmann
Taxifahrer Herbert „Vaddern“ Thiel – Claus D. Clausnitzer
Kriminalassistent Mirko Schrader – Björn Meyer
Kommissarin Nadeshda Krusenstern – Friederike Kempter
Dr. Jens Jacoby – Hans Löw
Dr. Gärtner, Ärztin auf der Intensivstation – Sonja Baum
Internist Dr. Martin Lauer, ehemaliger Kommilitone von Jacoby – Sascha Nathan
Polizist Weber – Guido Renner
u.a.

Drehbuch – Magnus Vattrodt
Regie – Max Zähle
Kamera – Frank Küpper
Szenenbild – Michaela Schumann
Schnitt – Thomas Stange
Ton – Matthias Haeb
Musik – Daniel Hoffknecht

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