Exil (BE / DE / RS [Kosovo]* 2020) | 6 Empfehlungen | #Filmfest 278

Filmfest 278 B

2020-10-08 Filmfest BExil ist ein Spielfilm von Visar Morina aus dem Jahr 2020. Das Drama handelt von einem aus dem Kosovo stammenden und in Deutschland lebenden Pharmaingenieur (dargestellt von Mišel Matičević), der sich von seinem Arbeitsumfeld gemobbt und schikaniert fühlt. Der scheinbar gut integrierte Familienvater sieht sich immer stärker aus der deutschen Gemeinschaft ausgestoßen.

Die europäische Koproduktion mit deutscher Beteiligung feierte am 27. Januar 2020 beim Sundance Film Festival ihre Weltpremiere. In Deutschland wurde der Film erstmals am 24. Februar 2020 im Rahmen der Filmfestspiele in Berlin in der Sektion Panorama vorgestellt. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 20. August 2020. Der Film wurde von Kosovo als Beitrag für die Oscarverleihung 2021 in der Kategorie Bester Internationaler Film eingereicht. (1)

Handlung: Wikipedia

Ich habe mir den Film vorgemerkt, aber bis zu einer Kritik wird es noch ein wenig dauern. Ich halte ihn, nach dem, was ich gelesen haben, aber für interessant – und darin spielen Sandra Hüller („Toni Erdmann“) und Mišel Matičević, einer der Stars aus „Babylon Berlin“.

Empfohlene Kritiken (1)

Allan Hunter von Screen International erkennt „Identität“ als ein zentrales Thema von Exil und vergleicht den Film des Regisseur Visar Morina mit einer langsam brennenden kafkaesken Geschichte, in der die Paranoia eines Mannes vielumfassende soziale Probleme widerspiegelt. Die Kombination aus Faszinierendem und Beunruhigendem sorge dafür, dass der Film unter die Haut geht. Besonders in Ländern, die sich mit Fragen der Integration und Akzeptanz ihrer Migrantengemeinschaften auseinandersetzen, sollte der Film Anklang finden.[18]

Michael Meyns von der Gilde deutscher Filmkunsttheater erklärt, fast wie in einem der klassischen Paranoia-Thriller aus den 1970er Jahren halte Morina die Frage offen, was Wirklichkeit und was Einbildung ist, ob Xhafer tatsächlich von jemandem in seiner Firma oder außerhalb gemobbt wird oder ob er doch nur Opfer seiner Einbildung ist. Die Antwort auf diese Frage sei am Ende egal, denn das Gefühl, trotz allem nicht ganz Teil der deutschen Gesellschaft zu sein, sei für allzu viele Migranten wohl real. Meyns resümiert: „Eine unangenehme Wahrheit zeigt Visar Morina in Exil, hält der Lüge vom ach so liberalen Deutschland den Spiegel vor, einer Gesellschaft, die sich gerne einbildet, offen zu sein, deren Vorurteile gegen das unbestimmte Fremde jedoch viel zu oft zum Vorschein kommen.“[19]

Guy Lodge schreibt in Variety, diese Charakterstudie schneide mit chirurgischer Finesse in die Psyche seines Protagonisten ein und löse einen subtilen, jedoch gefährlichen Balanceakt aus, wenn sie schmerzlich die leise Fremdenfeindlichkeit dramatisiert, die Xhafer täglich erlebt. Ohne seine politischen Spannungen zu trivialisieren, verortet Lodge die Zweideutigkeit in Exil in einem Bereich zwischen Michael Hanekes Studien über häuslichen Terror und Ruben Östlunds wilden Filmkomödien, über die Unsicherheit von Männern. Mišel Matičevićs bemerkenswerte Leistung sei es, dass er Xhafers Geisteszustand durch die stoische Miene hindurch zum Ausdruck bringe, während diese teilnahmslose Präsenz in krassem Kontrast zu Sandra Hüllers ausdrucksstärkerer Miene stehe.[6]

Auch Roger-Ebert-Kritiker Nick Allen beschreibt Exil als eine Art von Thriller, die Michael Haneke machen würde. Der Film fühle sich voll an, auch wenn es hauptsächlich darum gehe, Xhafers wachsende Paranoia zu zeigen, um ihm dann wieder ein wenig Realität zu geben, wenn er glaubt, es wird schlimmer. Von einer sorgfältig komponierten Szene gehe es zur nächsten, um uns mit dem internen Horror von Xhafer in Einklang zu halten.[20]

Keith Uhlich von The Hollywood Reporter schreibt, Exil erforsche ziemlich erschütternd und oft brillant den Raum zwischen psychologischen Extremen, und Morina und der Kameramann Mateo Cocco versetzten den Zuschauer voll und ganz in Xhafers paranoide Perspektive, indem sie in fast jeder Szene nahe bei ihm bleiben. Matičević sei als Hauptdarsteller sensationell und halte seine schroffe Mimik durchweg stoisch, was den verinnerlichten Terror von Xhafer unterstreiche. Die Szenen in dem unscheinbar wirkenden Unternehmen seien nicht weit vom Curb Your Enthusiasm entfernt, und die letzte Einstellung sei in ihrer Unschlüssigkeit unglaublich witzig, eine schwarz-komische Ellipse, die einen seelenzerstörenden menschlichen Zustand zusammenfasst, dessen Ende nicht abzusehen ist.[21]

Birgit Roschy schreibt in ihrer Kritik bei epd Film, Xhafers zunehmender Tunnelblick finde seine Entsprechung in labyrinthischen Bürofluren und Türen, an denen er vergeblich anklopft und in einer kafkaesken Atmosphäre, die sich bis in sein Wohnhaus fortsetzt. So souverän dieses Psychodrama in stilistischer Hinsicht sei, so wirkten doch manche Nebenfiguren zu plakativ, so Roschy. Dann wieder gelängen Morina Szenen, die einem mit ihrer Dichte und Treffsicherheit den Atem raubten, so in Szenen in denen Xhafer eine derart brutale Demütigung erfahre, dass man diese Szene nicht so leicht vergisst.[22]

Regie Visar Morina
Drehbuch Visar Morina
Produktion Maren Ade,
Jonas Dornbach,
Janine Jackowski
Musik Benedikt Schiefer
Kamera Matteo Cocco
Schnitt Laura Lauzemis,
Hansjörg Weißbrich,
Visar Morina
Besetzung

*Das Kosovo hat sich im Jahr 2009 als von der Republik Serbien unabhängig erklärt, jedoch bisher kein eigenes ISO-3166-2 Kürzel.

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