FBI-Agent Jeff Gordon / Eddie wieder colt-richtig (Des frissons partout, FR / IT 1963) #Filmfest 280

Filmfest 280 A

Schüttelfrost beim Anschauen?

Im Original heißt der Film „Des frissons partout“ – „Schüttelfrost überall“. Das könnte entweder auf einen Film hindeuten, der das Blut gefrieren lässt oder darauf, dass man als Cineast oder als Mensch aus anderen Gründen Schüttelfrost bekommt. Es klärt sich auf in der -> Rezension.

Handlung (IMDb)

FBI-Agent Jeff Gordon sucht nach Grégori, einem Gauner, der bei einem spektakulären Juwelenraub verwundet wurde. Mit Unterstützung von Lisa Lambert, einer Privatdetektivin, checkt Jeff in einem Pflegeheim ein, von dem er glaubt, dass er dort Hinweise auf den Aufenthaltsort von Grégori finden kann. Diese Klinik wird von M. Mercier geführt, einem Arzt, der in einem geheimen Operationssaal plastische Operationen an Gangstern durchführt, die ihr Aussehen und ihre Fingerabdrücke verändern möchten. Jeff und Lisa müssen sich nicht nur mit Grégori und Mercier auseinandersetzen, sondern eine rivalisierende Bande versucht ebenfalls, die Edelsteine an sich zu bringen.

Rezension

Wer war Regisseur Raoul André, der den Film, dessen deutscher Verleihtitel „Eddie wieder colt-richtig“ ist, gedreht hat?

André, Sohn eines Kolonialbeamten im Protektorat Marokko, wuchs in Rabat auf. Er wandte sich dem Film zu, nachdem seine Versuche Jura bzw. Literatur zu studieren scheiterten. Er arbeitet als Maskenbildner, Kameramann und Regieassistent, bis er 1947 seinen ersten Spielfilm als Regisseur für den Film Le village de la colère realisierte. Er avancierte danach zum Spezialisten für günstige und seichte Actionfilme und Gaunerkomödien, darunter einige Filme mit Eddie Constantine.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ARTE einen Film mit Eddie Constantine zeigt. Genauer geschrieben,  „FBI-Agent Jeff Gordon“ ist der erste, den ich dort entdeckt habe. Wenn ARTE sowas macht, hofft man natürlich auf etwas Exemplarisches. Ganz sicher ist „Des frissons partout“ exemplarisch für die Streifen, in denen der amerikanische Schauspieler, der in Europa eine Art Kultstar wurde, was die Handlung und die vielen schönen Frauen angeht, die darin vorkommen. Aber er steht unter den Filmen, in denen Constantine mitgespielt hat, derzeit auf Rang 80 von 96 und selbst unter den Werken, in denen er unter der Leitung von Raoul André zu sehen war, auf dem letzten Platz. Die IMDb wertet den Film mit 4,9/10, das ist ziemlich schlecht, um es vorsichtig auszudrücken.

Es gibt auch Filme mit Constantine, die um 7/10 erhalten, etwa Jean-Luc Godards Hommage „Lemmy Caution gegen Alpha 60“, Constantines bester „normaler“ Film wird sogar noch etwas höher bewertet. Warum also ausgerechnet dieses mindere Werk, habe ich mich gefragt und keine Antwort gefunden. Im Grunde ist der Film eine Diskreditierung, weil wirklich seicht und rudimentär. Das kannst du besser!, würden wohl selbst Fans von Eddie Constantine ausrufen. Mein Problem ist nun, dass ich bisher nur diesen Film mit ihm kenne und daran gemessen, ihn weder für einen guten Schauspieler halte, noch seine Filme für mehr als billigen Bond-Abklatsch, in denen mehr eben nicht mehr ist, selbst wenn das Mehr aus einem Meer von hübschen Damen besteht. Vorteil ist: Es kann nur besser werden. Ich traue Institutionen wie dem Babylon in Berlin zu, dass sie mal eine Constantine-Retrospektive auflegen und man dort bessere Filme sehen kann als „FBI-Agent Jeff Gordon“.

Constantine hat viele harte Jungs gespielt, die meist amerikanische Namen tragen, die Muster der Filme liefen oft ähnlich ab:

Seinen ersten Filmauftritt absolvierte Constantine 1952 in Egypt by Three. Bereits ein Jahr später landete er mit der Rolle des FBI-Agenten Lemmy Caution in dem Film Im Banne des blonden Satans einen Hit. Durch diesen und die folgenden Filme, die eine eigenwillige Mischung aus Kriminal-, Agenten- und Abenteuerfilm mit Humor darstellten, wurde er Mitte der 1950er-Jahre einem breiten Kinopublikum besonders in Deutschland und Frankreich bekannt. Er spielte Agenten, Abenteurer und Draufgänger und mehrfach die Figur des Lemmy Caution, wobei er in diesen Rollen eher durch Charme als durch Brutalität glänzte. Höhepunkt war häufig eine Schlägerei, zelebriert in der ihm eigenen, eleganten Art: Mehrere Gegner stürmen auf Eddie ein und im letzten Moment tritt er locker einen Schritt zurück und die Gegner prallen mit voller Wucht aufeinander.

Finale

Für diese Standards ist diese leicht makabere und, wenn man das in einem so einfachen Film herausheben möchte, Behinderte ebenso wie Frauen diskriminierende Krimikomödie aus dem Jahr 1963 allerdings ein gutes Anschauungsbeispiel. Auch die Handlung ist eine Standardmischung aus Heist-Movie und Cop-Thriller. Ein bisschen witzig ist er stellenweise schon, aber nicht besonders spannend, weil dramaturgisch unterentwickelt, sowohl in einzelnen Szenen wie auch im Ganzen hapert es an Ausführungsqualität und Logik. Die Routine von Constantine verhindert das Allerschlimmste, aber sein breites Lachen, das eher ein grimmes Grinsen ist, weil die Oberlippe dabei komplett verschwindet, hat mich zumindest beim ersten Film nicht hingerissen und zu seinem Anhänger gemacht. Die Bewertung der IMDb-Nutzer spiegelt meine eigenen Beobachtungen.

50/100

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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