Die drei Musketiere (The Three Musketeers, USA 1948) #Filmfest 284

Filmfest 284 A

2020-08-14 Filmfest AEiner für alle, alle für einen!

Vielleicht ist Alexandre Dumas‘ „Die vier Musketiere“ der beste Abenteuerroman aller Zeiten – jedenfalls kann er’s sein, wenn man ihn gut verfilmt. Da ist alles im Übermaß drin, was eine pralle Story ausmacht, was Action, Liebe und Gefahr bringt, Freundschaft, Spaß und auch Trauer – und die Gewänder des frühen 17. Jahrhunderts, als bereits der 30jährige Krieg tobte, lassen jede denkbare Pracht auf der Leinwand zu. Allerdings muss man ihn von seinen sprachlichen Umständlichkeiten befreien und welches Medium könnte das besser als der Film?

Das hat sich MGM zunutze gemacht, als es die turbulente 1948er Version filmte. In jenen Jahren gab es das schönste Technicolor aller Zeiten und das Genre des Mantel- und Degenfilms stand in voller Blüte. „Die drei Musketiere“ ist geradezu ein prototypischer Film dieses Genres. Dass ein Studio, das vor allem im Fach Musical große Werke hervorbrachte, dem Film durch seine Darsteller und seine Erzählweise auch eine beachtliche Musikalität und einen hervorragenden Rhythmus mitgeben konnte, zählt zu den Stärken dieser Verfilmung. Weitere oder gar Schwächen? Es steht alles in der -> Rezension?

Handlung

Der junge Gascogner D’Artagnan wird von seinem Vater nach Paris geschickt mit der Maßgabe, sich nichts gefallen zu lassen. Diese Haltung führt bereits auf dem Ritt dazu, dass er sich mit dem geheimnisvollen Begleiter einer ebensolchen Kutsche anlegt, in Paris schafft er es innerhalb weniger Minuten, drei Musketiere des Königs zum Duell zu fordern. Hinter dem Louvre, wo man sich trifft, treffen aber auch Mannschaften des Kardinals Richelieu ein, der Duelle verbieten ließ. Also tut sich D’Artagnan gegen mit den bunten Musketieren gegen die Rothemden zusammen und besiegt diese im Klingengefecht. So lernt D’Artagnan Athos, Portos und Aramis kennen.

Bald darauf wird D’Artagnan durch eine weitere neue Bekanntschaft in die Intrigen am Hof Ludwigs XIII. verwickelt: Die Tochter seines Hauswirtes, Constance Bonacieux. Sein Weg in ihren und der Königin Diensten führt ihn nach England zu Lord Buckingham, an den französischen Hof, er macht der gefährlichen Lady de Winter den Hof, die er schon einmal gesehen hat, denn sie war die Insassin in der Kutsche, die seinen Weg zu Beginn der Geschichte kreuzte – und gibt sich dabei als ein gewisser Graf de Ward aus. Das Schicksal wird ihn im weiteren Verlauf mit dieser Dame verbinden und die vier Freunde haben gefährliche Abenteuer zu bestehen und Schicksalsmomente zu überstehen. 

Rezension

Wir beginnen mit den Figuren und mit Lana Turner, welche die Lady de Winter verkörpert. Einfach deshalb, weil sie „first billed“ ist, also der Hauptstar in diesem Film, sie wird im Vorspann noch vor Gene Kelly genannt. Wenige Jahre später wär’s sicher anders herum gewesen, aber die Erfolge von „On the Town“ (gedreht im Folgejahr 1949 – Rezension), von „An American in Paris“ (1951 – Rezension) und von „Singin‘ in the Rain“ (1952 – Rezension) standen noch aus.

Lana Turner hingegen war, mehr als Kelly und andere männliche Darsteller, ein richtiges MGM-Studioprodukt. Ihre Karriere wurde richtiggehend geplant, ähnlich wie die von Elizabeth Taylor, die schon als Jugendliche große Erfolge feierte. Und 1948 war sie auf dem Gipfel einer großen, aber nicht von Schäden und Einbrüchen freien Karriere.

Gar keine Frage, dass sie eine glänzende Besetzung für diese Figur ist und die Rolle für sie genau zum richtigen Zeitpunkt kam. Ein, zwei Jahre später, wer weiß, hätte man vielleicht der Versuchung nicht widerstanden, Ava Gardner für diese Rolle auszuwählen, die ein gänzlich anderer Typ, aber mit echten Starqualitäten ausgestattet war. Aber wenn man Lana Turner hier das blonde Gift mimen sieht, kann man nur sagen, sie ist diese Lady de Winter, ein wirklich böses Weib, so durchtrieben, dass jede Verführung tödlich sein kann. Wir wollen damit nicht andeuten, dass die Schauspielerin einen ähnlichen Charakter hatte, dass soll definitiv nicht der Fall gewesen sein. Und da gab es mit Bette Davis oder Joan Crawford Frauen, die weniger schauspielern mussten, um schwierige Charaktere glaubhaft zu machen.

In der Szene im Halbdunkel, mit dem roten, tief ausgeschnittenen Kleid, in der sie den Grafen de Ward endlich zum Liebhaber machen will und stattdessen D’Atargnan sich bei ihr einfindet, ist sie die perfekte Sirene. Auch die Szenen, in denen sie sich krank stellt oder mit einem ganz subtilen Lächeln mit dem Henker von Lille hinaus in den Tod geht, sind sehr schön. Womit man vielleicht etwas übertrieben hat, sind die Kotüme, die sie die meiste Zeit trägt. Offenbar hat man so etwas wie die böse Hexe von Oz in jünger und vollbusig, daher mit tiefen Ausschnitten, kreieren wollen, aber gerade ihre Kostüme sind schon sehr ahistorisch, wenn man sie zum Beispiel mit denen der Königin oder Constances einfacheren Gewändern vergleicht.

Vor allem das grüne Kleid mit dem flach auf dem Kopf sitzenden Hut, der aber nach oben in eine Art Stab übergeht, welcher mit einer Bommel oder Quaste abschließt, ist gefährlich nah an der unfreiwilligen Komik, und Lacher an der falschen Stelle wären schade, wo es doch so viel wirklich witzige Szenen gibt. In diesem prunkvollen Film sticht die eine oder andere Geschmacksverirrung aber nicht so heraus, dass man die leicht fantasy-mäßigen Ansätze von de Winters Kleidungsstücken als komplett deplatziert empfinden würde. Schließlich sind auch die Herren sehr herausgeputzt und vor allem etwas farbiger angezogen, als es in der Realität wohl der Fall war. Wie auch immer, die Besprechung der Kostüme gehört in einem Kostümfilm dazu. Am eindrucksvollsten fanden wir Lana Turner in den dunklen Szenen, besonders der am Film noir und dem klassischen Period-Drama Hollywoods à la „Wuthering Heights“ (1939) orientierten Schlussszene des Lebens ihrer Figur.

An zweiter Stelle der Besetzungsliste steht also Gene Kelly als D’Artagnan. Wenn Lana Turner Mylady kongenial verkörpert, so gilt das mindestens so sehr für Gene Kelly in seiner Darstellung, die bereits zu einem frühen Zeitpunkt seiner Karriere belegt, dass er mehr kann als tanzen und ein wenig singen. Er ist ein wirklich guter Schauspieler und darin seinem Kollegen und Dauerrivalen Fred Astaire wohl auch überlegen. Er kann ein Tollpatsch sein, ein anmaßender Geck, er kann andere Figuren wie den schnöselhaften de Ward köstlich imitieren, er ist aber auch forsch und mutig und hat ein großes Herz. Ein etwas sehr großes, denn beinahe würde er Constance vergessen wegen Mylady, obwohl er diese doch aufsucht, um mehr über den Verbleib seiner entführten Geliebten zu erfahren, die er dann auch heiratet.

Aber – er ist jung und ungestüm und man kann diese Anwandlung des schwärmerisch Veranlagten gut nachvollziehen. Kelly macht sie recht glaubhaft, obwohl dieser Umschwung zu den schwächeren Momenten des Films gehört und bekommt gerade noch die Kurve, damit es zu dieser herzzerreißenden Szene in England kommen kann. Diese enthält gegenüber den meisten Abenteuerfilmen eine entscheidende Abweichung: D’Artagnan verliert wirklich seine Geliebte, weil er einen Moment zu spät dran ist. Er kann sie nicht retten vor den Fängen der ruchlosen Lady, die Constance eigenhändig umbringt. Das hebt den Film und damit seinen Helden über die typischen Happy-End-Storys hinaus und entspricht natürlich der Buchvorlage. Dass man bei so viel Handlung nicht die Zeit hatte, die Doppelwandlung des Gascogners in Sachen Frauen so richtig auzuwalzen und ob man an dieser Stelle etwas weniger verdichtend hätte arbeiten müssen, ist sicher diskussionswürdig, aber es schadet der Artagnan-Figur wenig, weil eben Gene Kelly sie mit so viel Verve und Energie spielt. Auch, dass er am Ende mit den Freunden von dannen geht, fröhlich gestimmt, obwohl er gerade die große Liebe zu Grabe tragen musste, kann man kritisch sehen, aber so ist die Welt, wenn man jung und draufgängerisch ist. Es geht weiter und außerdem bleiben ja diese Männerfreundschaften bestehen, die ein weiteres Riesenplus des Romans wie des Films sind.

D’Artagnan und die Musketiere. Wenn Aramis auf seine etwas blasierte Art sagt: „Köstlich, köstlich“, dann ist das an den Zuschauer adressiert. Denn genau das ist es. Ein köstlicher Spaß, den vier Typen zuzusehen, wie sie ein Gespann voller Elan und Kampfesfreude, aber vor allem voller Lebenslust bilden, ohne flach zu wirken.

Gene Kelly, und bei ihm haben wir uns das Beste bis hierher aufgehoben, wirkt auch deswegen so überaus geeignet für die Rolle, weil er ungeheuer gut auf den Füßen ist. Die Fechtszenen sind erkennbar ohne Doubles gedreht worden, und sie gehören zu den besten, die man in der langen Geschichte des Films bewundern darf. Vor allem die grandios choreografierte erste Fechtsequenz im Jardin du Luxembourg oder hinter dem Louvre (vielleicht ist das auch derselbe Ort) kann man nur spielen, wenn man ein Top-Tänzer, ein Athlet ist wie Kelly. Der Schwung und der Witz dieser Szene ist bis heute unerreicht. Zwar unterstützen die drei anderen Musketiere D’Artagnan mehr oder weniger bloß, lassen ihn sogar zeitweise alleine mit der Übermacht der Kardinals-Soldaten fechten, weil sie seine Kunst genießen wollen, aber die Treue dieser Männer zueinander wirkt schon deshalb echt, weil jeder von ihnen eine Persönlichkeit hat.

Auch für Charakterstudien war wenig Zeit in diesem Aktionsfilm, daher hat man sich klug an die Prioritäten gehalten und den düsteren Trinker Athos in den Vordergrund gestellt, den ein Geheimnis mit der Lady de Winter verbindet. Er wird von Van Heflin gut porträtiert, der es wegen der Momente, in denen er devastiert wirkt, auch über sich ergehen lassen muss, nicht mit jenem Weichzeichner gefilmt zu werden, der vor allem bei Gene Kelly auffällt, weil er ihn im Alter von etwa 30 Jahren wohl kaum nötig hatte. Athos bekommt am Ende seine Baronie zurück und ist befreit von dem Alpdruck einer gescheiterten, aber unvergessenen Liebe, die sogar noch einmal aufflammt, als er seine Exfrau in den Tod schickt.

Unser Favorit unter den drei länger gedienten Musketieren ist Aramis, gespielt von Alan Hale, dessen Mischung aus vordergründig mönchischem Streben und dem Frauenverstand und seiner blasierten Art wirklich so köstlich ist, wie er manche Dinge findet – er hat neben D’Artagnan die besten Sprüche im Film und trägt unbedingt zur lockeren Atmosphäre bei, die das Männerquartett trotz des vom Schicksal belasteten Athos ausstrahlt. Lediglich Portos ist weniger scharf gezeichnet, der Gutmütigste und Gemütlichste von allen, der wahre Sidekick, der anfangs glaubt, D’Artagnan trotz einer Verletzung, also einarmig, im Fechtkampf besiegen zu können.

Wir kehren zurück zum Kopf der Besetzungsliste und zu D’Artagnans Love Interest Constance Bonacieux, die von June Allyson dargestellt wird. Als wir „Die drei Musketiere“ zum ersten Mal sahen, da wussten wir mit den Darstellern kaum etwas anzufangen und hatten trotz zu der Zeit laufender Ausbildung an einem klassischen Musikinstrument auch nicht auf dem Schirm, dass die Musik der Constance-Szenen nicht für den Film komponiert worden war, sondern aus „Romeo und Julia“ von Peter Tschaikowski stammt. Aber diese Melodie kann man wirklich jedem romantischen Moment unterlegen.  

Wie Kelly war auch June Allyson in erster Linie ein Musicalstar und sie war beim Publikum überaus beliebt. Vielleicht wegen ihrer patent-mütterlichen Ausstrahlung, die nach dem  Zweiten Weltkrieg, wieder sehr en Vogue war. Sie war ein absoluter Typ der frühen 1950er, optisch und mit dem, was sie verkörperte und sie war sicher sehr liebenswert. Heute würden wir sagen, es hätte gerade für die Constance bessere Besetzungen gegeben – doch in den besten Momenten funktioniert das Teaming mit Gene Kelly für uns auch heute noch, nach mehreren Entwicklungsstufen vom jugendlichen Filmschwärmer zum Kritiker. Da ist etwas, das natürlich auch mit der Art zu tun hat, wie Allyson gefilmt wird. Sehr geschickt ausgeleuchtet und musikalisch begleitet, zudem wirkt sie warm und herzlich, wie eben ein gutes Mädel eines wilden, aber ebenfalls gutherzigen Burschen. Dass sich D’Artagnan ungeheuer spontan in sie verliebt, als er sie zum ersten Mal sieht, ist tricky gemacht, und es wirkt.

Man sieht sie nämlich zunächst von oben, mit seinen Augen, durch die berühmteste Deckenklappe der Filmgeschichte. Keine Ahnung, warum es eine solche an der Stelle gibt, aber es gibt sie, und so begleiten wird den jungen Gascogner, wie er Constance zunächst in der Position eines Topshots sieht, also wenig vom Gesicht, aber viel von anderen Dingen, nachdem sie ihren Kapuzenmantel abgelegt und das hübsche Nachtkleid angezogen hat. Und da er ein leicht entflammbarer Typ ist und eine hässliche Nudel erwartet hat, gmäß dem Aussehen ihres Vaters, ist er ganz verzückt und braucht wirklich nicht lange, bis er ihr seine Liebe erklären kann. Sie mag ihn auch, aber, und jetzt aufgepasst, Männer: Sie fährt erst richtig auf ihn ab, nicht, nachdem er sie vor der Entführung bewahrt hat, die ihr just, als er durch die Klappe zu ihr niederblickt, erstmalig in diesem Film widerfahren sollte, sondern als sie erfährt, wer er ist: „D’Artagnan! Der märchenhafte Fechter!“. In dem Moment ist ihr sofort klar, wie sie ihn einspannen kann, um ihrer Königin zu helfen. Liebe und praktische Erwägungen müssen einander keineswegs ausschließen und Eindruck schinden funktioniert eben – ob die meisten Frauen es blicken oder zugeben wollen oder nicht. Ein Niemand mit denselben vielen guten Eigenschaften wie ein Jemand hat’s immer schwerer als der Jemand, den D’Artagnan in diesem Moment schon darstellt, da sich seine ersten aufälligen Taten in Windeseile in Paris herumgesprochen haben.

In weiteren Rollen sehen wir eine junge Angela Lansbury, die als Königin Anna von Frankreich eine ganz andere Rolle spielt als  zum Beispiel in „Gaslight“ (1944) als ziemlich charakterloses Dienstmädchen und wir dürfen Vincent Price als Kardinal Richelieu nicht vergessen. Nicht nur seine hohe Statur lässt ihn machtvoll wirken, seine Mimik und Sprache sind erstklassig für die Figur des ziemlich weltlich wirkenden Kardinals geeignet. Das Kräftemessen mit Lady de Winter ist vielleicht der beste Teil an seiner Rolle. Zwei gleichgesinnte Gauner nutzen es wie Schachspieler aus, wenn sie gerade einen Vorteil gegenüber dem anderen haben. So bezeichnet er sich und sie ja auch als Wesen einer neuen, will sagen, hinterlistigeren Welt, in der einfache, ehrliche Menschen wie der König, die Musketiere und ihre Getreuen nicht mehr viel werden können. In gewisser Weise hat das aber schon immer gestimmt und es wirkt aus seinem Mund glaubwürdig. Dass er beinahe immer in Uniform ist, verwundert allerdings, in einer Kadinalsrobe sieht man ihn entweder gar nicht oder beinahe gar nicht, da sind wir uns nicht ganz sicher. Vielleicht war das Absicht.

Die 1940er waren auch die Zeit der großen Kirchenmänner-Filme, nie waren so viele Priester und Kirchenfiguren in Hauptrollen zu sehen wie, sagen wir, von den späten 1930ern bis in die frühen 1950er. Das Verständnis Hollywoods vom Beruf des christlichen Priesters war komplett affirmativ (wir haben mit John Fords „Befehl des Gewissens“ gerade einen besonderen aus der Reihe dieser Filme aufgezeichnet und werden ihn demnächst rezensieren).

Gut möglich, dass man Richelieu zwar immer mal wieder als Kardinal bezeichnet, ihn aber nie praktizieren und klerikale Gewänder tragen sieht, um ihn eben zu verweltlichen, ihn eher als trickreichen Ränkeschmied und Diplomaten zu zeigen und seine Funktion als kirchlicher Würdenträger schon optisch in den Hintergrund treten zu lassen. Ein so ruchloser Kirchenfürst wie Richelieu ihn in diesem Film darstellt, passte nicht so recht ins damalige Hollywood-Schema.

Viele Figuren haben historische Vorbilder, besonders natürlich König Louis XIII, seine Frau und Richelieu. Auch D’Artagnan und die übrigen Musketiere sind realen Menschen nachgebildet.

Finale

Keine Nachbildung, sondern echte Regiekunst ist hingegen das, was George Sidney in diesem prächtigen Abenteuer zeigt: Die richtige Mischung, die wir eingangs angesprochen haben.

Dies ist kein Zufall. Schon drei Jahre zuvor hat Sidney mit Gene Kelly in einem von dessen ersten Filmen („Anchors Aweigh“) zusammengearbeitet und einige der schönsten MGM-Musicals inszeniert. „Annie Get Your Gun“ (1950), „Showboat“ (1951), „Kiss me Kate“ (1954). Wir stellen ihn als Musicalregisseur auf eine Stufe mit Vincente Minelli und Stanley Donen – und wie diese beiden konnte Sidney auch aus dem Genre heraus, wenn man ihm auch immer in stärkerem Maß als Minelli und Donen das Herkommen aus der wunderbaren Welt der Musikfilme anmerkte.

Vor allem der Vergleich mit „Scaramouche“ (1952, Rezension noch nicht auf dem Filmfest gezeigt) zeigt die Handschrift. Die exzellente Mischung aller wichtigen Elemente eines großen Spektakels, das nie banal und nie zu kitschig wirkt, weil viel Humor drin ist, die gibt es dort auch. Die Freundschaft zwischen Männern, dieses Mal in den Wirren der französischen Revolution, das fantastische Timing der Szenen, Humor und ein wenig Frivolität, und natürlich eine Lovestory, die immer dann ernst wird, wenn wir das Gefühl haben, jetzt könnte es ruhig ein wenig ernster werden. Dieser vier Jahre jüngere Film hat übrigens auch die Schauspielerin, die für uns die optimale Besetzung für Constance gewesen wäre: Janet Leigh.

Historisch betrachtet, kommt nur eine weitere Adaption dieses dicken Romans von Alexandre Dumas der von 1948 gleich: Die zweiteilige Verfilmung von Richard Lester mit Michael York in der Rolle des D’Artagnan und Faye Dunaway als Lady de Winter. Diese Verfilmung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie das Groteske an der Situation und der höfischen Welt hervorhebt – gemäß der Haltung, die ein Film in den Jahren 1973, 1974 einzunehmen hatte, wenn seine Interpretation als zeitgemäß gelten wollte. Auch diese zwei Filme sind aber vor allem ein großer Spaß und eine Art Nachbrenner des British New Cinema der 1960er.

82/100

© 2020 (Entwurf 2014) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie George Sidney
Drehbuch Robert Ardrey
Produktion Pandro S. Berman
für Metro-Goldwyn-Mayer
Musik Herbert Stothart
Kamera Robert H. Planck
Schnitt George Boemler
Besetzung

 

 

 

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