Parasomnia – Tatort 1144 #Crimetime Vorschau 15.11.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Dresden #Gorniak #Winkler #MDR #Parasomnia

Crimetime Vorschau - Titelfoto MDR, Made For, Daniela Incoronato

Schnarchen, Schlafwandeln – geht beides zusammen?

Der Begriff „Parasomnia“ beschreibt auffällige Verhaltensweisen während des Schlafs. Zu den Phänomenen zählen das Sprechen im Schlummerzustand, Schnarchen oder Muskelzuckungen im Einschlafprozess, aber auch beeinträchtigendere Symptome wie Schlafwandeln, Angstträume, Herzrhythmusstörungen oder der plötzliche (Kinds)Tod, schreibt die Redaktion von Tatort-Fans und findet den Film überwiegend gut (4 und 3 von fünf Sterne).

Man lernt hinzu, wenn man regelmäßig Tatorte anschaut. Wenn mir gewisse Menschen künftig sagen: „Ey, du hast heut Nacht wieder nen janzen Wald abjesägt“, werde ich antworten: „Entschuldigung, aber ich leide an Parasomnia normalis und verbitte mir jede Diskriminierung meiner Person und jede Verharmlosung meiner Beeinträchtigung.“ Das war natürlich ein fiktives Beispiel. Aber wer zuckt nicht ab und zu beim Einschlafen, weil er gerade wieder daran denkt, dass er es nicht mehr schafft, noch alle Corona-Regeln auswendig zu behalten und einzuhalten? Und erst das mulmige Gefühl, auf Schritt und Tritt Superspreadern zu begegnen, die keinen Mindestabstand einhalten, in einem überfüllten BVG-Vehikel. Jeder Tag eine nie vollständig bewältigte Herausforderung. Die Alpträume, das Sprechen, das Wandeln in der Wohnung, wo es noch erlaubt ist, folgen dann sozusagen im wörtlichen Sinn auf dem Fuße. Und wo das hinführen kann – zum Beispiel zu einer Regelverletzung. Nun ist „Parasomnia“ aber noch kein Corona-Tatort, wir wollen also nicht übertreiben. Ich gehe jedoch davon aus, dass demnächst auch Filme gezeigt werden, in denen das neue Thema Nr. 1 bereits eine Rolle spielt. Und was sagen die anderen zu einem Film, der noch aus einem anderen Zeitalter stammt?

Ich stehe normalerweise nicht so auf Horror- und Gruselfilme, aber Parasomnia ist, finde ich, wirklich gut gemacht. Wer etwas schreckhaft oder empfindlich ist, setzt sich am besten jemanden mit auf die Couch, hält Händchen und schaut vorher, ob alle Fenster und Türen zu sind. Nicht, dass es euch geht wie Talia, die immer wieder ängstlich in die Dunkelheit fragen muss: „Hallo, ist da jemand?“, meint Brigitte Egelhaaf im SWR3-Tatortcheck. Bisher waren Gruseltatorte keine Publikumsrenner (vielleicht vom letzten, „Limbus“, abgesehen, aber die Münsteraner haben auch eine riesige Fangemeinde und sind daher geeignet, neue Genre-Crossovers zu etablieren, was andere Sender und Teams in der Folge nutzen können). Jedenfalls gibt es vier von fünf Elchen. Der Wald wird nicht nur gefegt.

In Tittelbach-TV textet dieses Mal der Chef und frühere Grimme-Preis-Juror persönlich: Der Zuschauer weiß mehr über die Erscheinungen und die Ängste des Mädchens als die Kommissarinnen. Und er weiß: Es gibt keine Gespenster, im „Tatort“ schon gar nicht – und doch zuckt man immer wieder zusammen. Auf der Zielgeraden gesellt sich dann noch klassischer Krimi-Suspense zum Grusel-Feeling. Und dies – wie so Vieles in diesem Film – in wirkungsvoller Parallelschaltung (…). Am Ende kommt es zu fünf von sechs Sternen.

Die Geister, die ich lieb. Horror Ost: Im Dresden-„Tatort“ wird ein Mädchen von grausamen Visionen heimgesucht – und hilft den Ermittlerinnen so bei ungelösten Verbrechen aus DDR-Zeiten auf die Sprünge. Christian Buß versucht sich im Spiegel also wieder einmal an einem Weltklasse-Titel, vergibt am Ende 7/10, damit ein Unterschied zum Münster-Tatort der vergangenen Woche festzustellen ist (8/10), aber wie kommt er darauf, den Horror im Osten zu verorten? Da gibt es mehrere Möglichkeiten, der Autor meint es so: (…) Die Seelen, die darin spuken, um endlich gehört zu werden, könnten zu Verstorbenen gehören, deren Schicksal in der DDR verleugnet wurde: Nach Hinweisen von Talia auf Gewaltverbrechen, die sich vor vielen Jahrzehnten in dem Haus zugetragen haben, suchen die Ermittlerinnen ergebnislos in alten Aktenschränken – bis Revierleiter und Ost-Urgestein Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) sich erinnert: „Im Sozialismus gab es keine Serienmörder, keine Psychopathen, keine Kapitalverbrecher.“ Also müssen die Ermittler tief ins archivierte Stasi-Archiv hinabsteigen, wo die Akten zu Fällen gelagert werden, die einst nicht zu der Partei-Wahrheit des Arbeiter- und Bauernstaates passten.

Ich darf an dieser Stelle einwenden, dass man sich zwar damit schwer tat, Kapitalverbrechen als strukturell und systembedingt darzustellen, wie man das in den Tatorten durchaus hin und wieder gezeigt hat, bevor der Eiserne Vorhang sich hob, aber z. B. in den DDR-Polizeirufen, von der Zensur gebilligt, wenn auch vermutlich nicht geliebt wie die Geister in „Parasomnia“, kam es sehr wohl zu Mord und Totschlag, in erster Linie zu Körperverletzungen mit ungewollter Todesfolge als Ergebnis des Abirrens eines Plans, der einem Vermögensdelikt galt. Und irgendwann auch zu Serienmördern, denn man erkannte und wollte es wohl auch nicht verschweigen: Der Femizid ist überall und systemübergreifend.

Die „vierte Stimme“ ist derzeit bei uns nicht fest vergeben, heute empfehle ich, in die Frankfurter Rundschau – genau – hineinzuschauen, deren Autorin Sylvia Staude eher abwinkt und hinter dem Exzeptionellen des Films altgewohnte Muster erkennen möchte. Wenigstens eine wirklich kritische Stimme sollte schon sein. Die Schauspielleistungen werden aber auch von dieser Stimme positiv bewertet.

Dass eine 14-Jährige von einer (optisch) noch etwas kindlich wirkenden jungen Frau gespielt wird (wie hier die Talia von TV-Debütantin Hannah Schiller), die sechs Jahre älter ist, kann bei Jugendlichen-Rollen an eher als Normalfall denn als Ausnahme bezeichnen. Mega-Talente, die Figuren tatsächlich in diesem alter schon durchdenken und noch erfühlen können, gibt es zu selten, um mit ihnen den Bedarf des vielkanaligen und multistreamigen Fernsehens von heute decken zu können.

TH

Handlung

Die 14-jährige Talia hat in ihrem Haus einen Mörder kurz nach seiner Tat überrascht und wird damit zur wichtigsten Zeugin für das Ermittlerteam Gorniak, Winkler und Schnabel aus Dresden.

Doch der Teenager erinnert sich an nichts mehr, denn Talia hat seit dem Unfalltod ihrer Mutter vor einigen Jahren einen psychologischen Selbstschutz entwickelt: Sieht sie etwas, das sie emotional überfordert, verdrängt ihr Bewusstsein das Gesehene und verändert es in eine fiktionale Wirklichkeit, die ihr weniger schrecklich erscheint. Seitdem neigt sie auch zur Parasomnie – mit Schlafwandeln und heftigem Aufschrecken aus dem Schlaf …

Gorniak und Schnabel gehen in der Nachbarschaft weiteren Spuren und treffen auf die Steinmanns und Thomas Blau, die sich gegenseitig verdächtigen. Talia fasst Vertrauen zu Winkler und führt die Ermittlerin in „ihre Welt“. Gemeinsam mit der Kommissarin gelingt es dem Mädchen, die eigenen Ängste zu besiegen und ihr Trauma zu überwinden. Talia kann nun den entscheidenden Hinweis geben, der die Ermittlerinnen auf die Spur eines Serienmörders bringt, der in dem Haus, in dem Talia und ihr Vater Ben seit kurzem leben, vor vielen Jahren mehrere Frauen getötet hatte.

Diese Sendung ist nach der Ausstrahlung sechs Monate lang in der ARD Mediathek verfügbar (Stand: 6. Oktober 2020).

Besetzung und Stab

Oberkommissarin Karin Gorniak – Karin Hanczewski
Oberkommissarin Leonie „Leo“ Winkler – Cornelia Gröschel
Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel – Martin Brambach
das Mädchen Talia Schröder – Hannah Schiller
ihr Vater Ben Schröder – Wanja Mues
Nachbarn Felix Steinmann – Rainer Reiners
seine Ehefrau Marion Steinmann – Anne-Kathrin Gummich
Nachbar Thomas Blau – Jonas Fürstenau
Marie Kunz – Franziska Junge
Mutter von Marie Kunz – Yvonne Gallo
Kommissar a.D. Werner Grass – Hans Klima
Bernd Poller – Jürgen A. Verch
sein Sohn Jörg Poller – Ygal Gleim-Sroussi
Archivar Reuer – Thomas Dehler
Frau Dr. Werner, Psychologin – Anne Cathrin Buhtz
Kunstlehrerin von Talia – Corinna Breite
Mitschüler Jonas – Ruben Meiller
Talias Mutter – Christina Elisabeth Arends
Talia mit 3 Jahren – Carla Demmin
u.a.

Drehbuch – Erol Yesilkaya
Regie – Sebastian Marka
Kamera – Willy Dettmeyer
Szenenbild – Dorothee von Bodelschwingh
Schnitt – Stefan Blau
Ton – Erich Lutz, André Petkus
Musik – Thomas Mehlhorn

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