Die Ferien des Monsieur Murot – Tatort 1145 #Crimetime Vorschau 22.11.2020 Das Erste 20:15 Uhr #Tatort #LKA #Hessen #Murot #HR #Ferien #Hulot

Crimetime Vorschau - Titelfoto © HR, Bettina Müller

Kehrt Jacques Tati wieder?

Wer kennt ihn nicht, „Die Ferien des M. Hulot“, Jacques Tatis zweiten Spielfilm nach „Jour de Fête“? Der Ferienfilm des groß gewachsenen und weder pantomimisch noch wortreich agierenden Komikers sorgte 1953 für Entzücken beim Publikum und bei den Kritikern. Eine Rezension zu dem Werk habe  ich im Jahr 2016 geschrieben und werde sie auf dem Filmfest vorstellen, wenn wir uns wieder verstärkt dem französischen Film zuwenden. Bei Felix Murot hat die Hinwendung zum Kino Frankreichs bereits Tradition. Besonders deutlich wurde das, als „Im Schmerz geboren“ deutliche stilistische Anklänge bei Francois Truffauts „Jules et Jim“ nahm. Dadurch entstand ein Film mit Narration durch einen neutral wirkenden Erzähler – während Monsieur Hulot in seinem Ferienfilm nur ein einziges Wort sagt: „Hulot“ – wenn er sich vorstellt.

So entspannt wird es im Ferienfilm von M. Murot nicht zugehen, zumal „Les Vacances de M. Hulot“ kein Krimi ist, aber das Grundrauschen einer fehlerlastigen Zivilisation in dem wir alle gefangen sind,, man könnte auch von zunehmendem Knirschen in allen Fugen und einem unüberhörbaren Quietschen schlecht gewarteter Scharniere sprechen, lässt ein derart kontemplatives Filmen, das Tati in seinen folgenden Werken (herausragend: der oscarprämierte „Mon Oncle“ aus dem Jahr 1958) fortgesetzt hat nicht mehr zu.

Trotzdem bin ich gespannt, wie die Anklänge an den Film, der das Titelvorbild ist, gestaltet wurden. Offensichtlich spielt Ulrich Tukur aber zwei Rollen: Eine, die mehr derjenigen des M. Hulot entspricht und eine zweite, die an die hektischen Urlauber im Originalfilm angelehnt ist, deren Betriebsamkeit Hulot immer wieder durch sein unabsichtliches und tollpatschiges Eingreifen hinterfragt.

„Nach neun anstrengenden Fällen, die den üblichen (filmischen) Rahmen teils sprangen, hat sich Inspektor Felix Murot, gespielt von Ulrich Tukur, seinen Sommerurlaub mehr als verdient: Die Reise geht in den wunderschönen Taunus. Doch die „Ferien des Monsieur Murot“ verlaufen – wen wundert’s? – alles andere als erholsam und friedlich. Erst begegnet der verblüffte Ermittler seinem Doppelgänger, und nach einer gemeinsam durchzechten Nacht wird ausgerechnet der ermordet. Welche Geschichte sich im 1145. Tatort daraus entwickelt?“, erklären die beiden Tatort Fans. Schon in „Wer bin ich“ wurde mit einer Doppelidentität Murots gespielt. Vermutlich ist die Doppelrolle in „Die Ferien“ etwas profaner angelegt, außerdem liest sich die Beschreibung, als könne sich Ulrich Tukur im Verlauf der Handlung tatsächlich etwas erholen, weil er nur noch Murot spielen muss.

Die Redaktion von Tatort Fans bewertet den Film zurückhaltend, vor allem wird die Handlung nicht gerade als Knaller angesehen. Nun ja, es ist ein Ferienfilm, oder? Auch Tatort-Enthusiasten müssen sich einmal etwas entspannen dürfen – zumal in diesem Zeiten. Richtig ist auf jeden Fall: Wenn die Atmosphäre tatsächlich der im Vorbild angenähert wurde, darf der Film nicht zu krawallig sein. Es fehlt im Taunus bereits das Meer, das im „Original“ eine wichtige Rolle spielt.

„Die Ferien des Monsieur Murot“ (Hessischer Rundfunk) ist kein gewöhnlicher und vor allem kein realistisch anmutender Ermittlungskrimi, sondern ein existentielles Gedankenspiel mit Mord, etwas Romantik und einem Murot-Doppelgänger. Ohne Vorwarnung wird aus dem überzeugten Junggesellen ein Ehemann, der sich ohne jede Übung in einer Beziehung wiederfindet, die die Hölle ist. Die Hölle ist aber auch das gutbürgerliche Umfeld, in dem der LKA-Mann undercover ermittelt. Der neue Murot-„Tatort“ besticht durch seine nuancierten Tonlagenwechsel.“, schreibt Rainer Tittelbach in Tittelbach-TV und vergibt 5 von 6 Sternen und erwähnt, dass Ulrich Tukur den Murot (und seinen bürgerlichen Doppelgänger) wieder einmal charismatisch spielt. Darüber wird vermutlich auch bei allen Kritiker*innen Einigkeit herrschen.

Der Filmdienst, dessen Newsletter ich mittlerweile wegen der fortschreitenden Gestaltung der Rubrik „Filmfest“ abonniert habe, äußert sich so: Schon bei seinem letzten „Tatort“-Einsatz als hessischer Hauptkommissar Felix Murot wandelte Ulrich Tukur auf den Spuren eines Komödienklassikers, und zwar des 1980er-Hits „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (in „Murot und das Murmeltier“). Damit waren die Macher offensichtlich zufrieden und schlagen nun beim neuen Fall in eine ähnliche Kerbe (…).

Stimmt, den Murmeltierfilm von 1993 als Vorbild für einen Murot-Tatort hatte ich vergessen, aber es ist auch kein französischer. Erstaunlicherweise habe ich keine Kritik vom Spiegel und von SWR 3 gefunden, die ich normalerweise in der Vorschau berücksichtige – vielleicht sind wir heute auch etwas früh dran, normalerweise wird diese Vorschau auf den Sonntagskrimi erst samstags oder sogar am Tag der Premiere erstellt. Suche ich nun angestrengt nach Ersatzmeinungen? Ich will mir auch nichts kaputt schreiben lassen, weil ich Murot klasse finde und den Film sehr mag, an den der Titel angelehnt ist. Für mich darf es als auch mal etwas ruhiger zugehen, sofern es gut gespielt ist und die Anspielungen auf Jacques Tatis Werk so gestaltet sind, dass ich sie auch mehrere Jahre nach der Sichtung von „Die Ferien des Monsieur Hulot“ noch erkenne. Die Murots sind ohnehin etwas für Filmfans, weil in vielen der Episoden mit dem hessischen LKA-Ermittler Bezug auf bekannte Kinostück genommen wird (ein weiteres Beispiel: „Angriff auf Wache 08„, dem  der Thriller „Assault“ als Vorbild zugeschrieben wird).

TH

Handlung

2020-11-20 Tatort 1145 Die Ferien des Monsieur Murot Ulrich Tukur Felix Murot HR LKA Hessen Bild alt
Et alors, Monsieur M.?

Kaum ist Felix Murot in den Ferien angekommen und lässt es sich mit einem Glas Wein im Garten des örtlichen Restaurants gut gehen, da knallt ihm die gereizte Bedienung eine Haxe auf den Tisch, die er nicht bestellt hat.

Sie verwechselt ihn mit Walter Boenfeld, ein verheirateter Gebrauchtwagenhändler, der am anderen Ende des Restaurantgartens sitzt und vergeblich auf sein Essen wartet. Murot macht sich auf die Suche nach dem eigentlichen Besitzer der Haxe und lernt so Walter kennen, der ihm wie ein Ei dem anderen gleicht. Beseelt von diesem kuriosen Aufeinandertreffen verbringen die beiden unterschiedlichen Herren den Abend miteinander, trinken zu viel und reden bei einem Saunagang über das Leben. Als Murot am nächsten Tag verkatert auf Walters Hollywoodschaukel – und dank einer trunkenen Tauschaktion in der Kleidung seines Doppelgängers – aufwacht, muss der Kommissar feststellen, dass Walter noch in der Nacht auf der Landstraße totgefahren wurde. War es seine Frau Monika, von der Walter letzte Nacht noch behauptet hatte, sie wolle ihn umbringen?

So entscheidet Murot, seinen Alltag als Kommissar vorübergehend zurückzulassen, in das Leben seines Zwillings einzutauchen und undercover zu ermitteln. Dabei verliebt Murot sich zunehmend mehr in den Gedanken, sein altes Leben zurückzulassen. Aber so leicht lässt Magda Wächter ihren Chef nicht davonkommen.

Musik, Besetzung, Stab

József Reményi – Franz Schubert, 3 Klavierstücke D-946, No. 1 in Es-Moll
Jacob Höhler – Frederic Chopin, „Regentropfen“
Raymond Arvay – „Jeffy The Good Man“
Raymond Arvay – „Les Roses de Broceliande“
Bertram Denzel – „Tati“

Hauptkommissar Felix Murot / Autoverkäufer Walter Boenfeld – Ulrich Tukur
Assistentin Magda Wächter – Barbara Philipp
Monika Boenfeld, Frau von Walter – Anne Ratte-Polle
der Nachbar Peter Lessing – Thorsten Merten
seine Ehefrau Birgit Lessing – Carina Wiese
Robert Blaske, Mitarbeiter bei „Walters Top Cars“ – Moritz Führmann
Nachbar Georg Heiss – Michael Hanemann
Susa Kowaltschek – Lena Kalisch
ältere Kundin im Autohaus – Ruth Rupp
u.a.

Drehbuch – Grzegorz Muskala, Ben Braeunlich
Regie – Grzegorz Muskala
Kamera – Carol Burandt von Kameke
Szenenbild – Manfred Döring
Schnitt – Stefan Blau
Ton – Sascha Mattlehner
Musik – Bertram Denzel

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