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Crimetime Vorschau - Titelfoto © BR

Zurück in die Vergangenheit

Wir sind wieder im Jahr 1992. Die Wende beschäftigt die Menschen und die Filmemacher erheblich. Ivo Batic und Franz Leitmayr sind seit einem Jahr im Dienst. Alles steht noch auf tönernen Füßen: Die Wiedervereinigung und auch das Standing der Münchner Kommissare. Das war vor ihrem vierten Fall noch nicht so klasse – und danach? Heute sind die beiden Bayerncops zu Tatort-Legenden geworden und „Kainsmale“ steht auf Platz 47 von 84 in der internen Fall-Liste der beiden (bis 2006 waren sie mit „Carlo“ zu dritt, dann zu  zweit, dann kam die Nachwuchshoffnung „Kalli“ hinzu).

Es gibt nur Vorschauen, wenn ich einen Tatort noch nicht kenne, also muss das bei „Kainsmale“ der Fall sein. Ich habe mal reingeschaut, was die Fundus-Nutzer*innen an Kurzkommentaren zu dem Film schreiben. Was von Beginn an positiv auffiel, ist ein wesentlicher Aspekt des Erfolgs der beiden: Sie passen gut zusammen. Sie sind insgesamt auf Augenhöhe, nicht nur optisch, mal wird der eine, mal der andere etwas mehr in den Vordergrund gerückt, diese Symmetrie finden die Zuschauer vor allem weniger anstrengend als Teams, die extrem gepolt sind. Es sei denn, es geht um Münster, aber dort sind sie einander im Grunde gar nicht so unähnlich. Außerdem muss man zwischen der Absicht der Gag-Gestaltung als Hintergrund für Kontroversen und künstlichen, zickigen Konflikten unterscheiden, und das tun die Zuschauer*innen in der Regel. Es gibt eine weitere Ausnahme, der man inzwischen das Dissonante nicht nur durchgehen lässt, sondern es auch als Bonus akzeptiert hat: Dortmund. Das liegt an den überzeugenden Darstellungen und Hintergründen, die bei aller Schrägheit eher interessant wirken als nervend.

Aber die Kommentare zeigen ebenfalls Schwächen der frühen Batic-Leitmayr-Tatorte auf: „Offensichtlich sollte der Stress von Leitmayr mit den Frauen ein Running Gag werden, davon hat man dann aber abgesehen“, lautet sinngemäß eine Anmerkung, ein Undercover-Einsatz wird mal als gut, mal als „Schnapsidee“ bewertet, was wiederum mit dem Kommissar zusammenhängt, der ihn ausführt: Franz Leitmayr. Ich bin bereits mehrfach darauf eingegangen, dass anfangs vor allem Udo Wachtveitl, der heute gerne gesellschaftlich und tatortmäßig Stellung bezieht, ein wenig zu kämpfen hatte.

Mittlerweile ist ein qualitativer Unterschied zwischen ihm und Miroslav Nemec, der damals für mich der stärkere Schauspieler war, kaum noch zu erkennen. Beide waren aber noch keine Giganten. Das fiel nicht so auf, weil zu der Zeit die sehr charakterstarke erste Generation schon abgetreten war, weil viel im Umbruch war, nicht nur politisch, weil nach meiner Ansicht auch andere, die heute zu den besonderen Ermittler*innen zählen, sich erst einmal einarbeiten mussten – z. B. Ulrike Folkerts als Lena Odenthal, die zwei Jahre vor den Bayern startete. Starschauspieler waren damals als Polizist*innen in Tatorten eher nicht anzutreffen, mit Ausnahme wohl von Günter Lamprecht als dem Kommissar, der dem Berliner Tatort endlich Gesicht und Profil gab.

Dies vorausgeschickt, haben wir bereits eine Aufzeichnung für „Kainsmale“ gebucht und werden demnächst über das Ergebnis unserer Sichtung schreiben.

Handlung

Der Mord an einem Bauarbeiter aus der ehemaligen DDR, der merkwürdigerweise auch Doktor der Philosophie ist, führt die beiden Hauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr auf eine Münchner Baustelle. Bernd Heise gehört zu einer Truppe von Leiharbeitern, die von einer dubiosen Potsdamer Firma namens „Zeit-Work“ in die alten Bundesländer vermittelt wird. Von den Löhnen, die die „Zeit-Work“ kassiert, wird nur ein geringer Prozentsatz an die Arbeiter, die alle im Zuge der Umstrukturierungen im Osten arbeitslos waren, weitergegeben.

Leitmayr macht bald die überraschende und bittere Entdeckung, daß ein anderer Arbeiter der „Zeit-Work“, Bulli Rülicke, der neue Geliebte seiner Freundin Susanne ist. Rülicke war auch noch der beste Freund des Ermordeten und weiß ganz offensichtlich mehr, als er der Polizei mitteilt. Rülicke verfällt dem tödlichen Irrtum, die Dinge selber regeln zu können.

Währenddessen hat Batic alle Mühe, der Wut und dem blinden Aktionismus seines enttäuschten und tief verletzten Kollegen entgegenzusteuern. Als die Kommissare feststellen, daß Verhöre alleine sie nicht mehr weiterbringen, beschließen sie, daß Leitmayr verdeckte Ermittlungen auf der Baustelle durchführen soll. Als sich dann auch noch Susanne in die Arbeit der Kriminalbeamten einmischt, wird die ausgeklügelte Falle, die Batic und Leitmayr dem Hauptverdächtigen stellen wollen, für beide zum lebensgefährlichen Unternehmen. 

Rolle Darsteller
Kriminalhauptkommissar Ivo Batic Miro Nemec
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr Udo Wachtveitl
Alois Kogl Thomas Fischer
Bulli Rülicke Michael von Au
Hannes Gilhoff Günter Schoss
Klaus Bräuninger Matthias Fuchs
Sawadzki Thorsten Münchow
Susanne Claudia Messner
Regie: Erwin Keusch
Buch: Wolfgang Hesse

 

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