Ringo / Höllenfahrt nach Santa Fé (Stagecoach, USA 1939) | 5 Empfehlungen | #Filmfest 301 #Top250

Filmfest 301 B "Concept IMDb Top 250 of all Time" (33)

2020-10-08 Filmfest BDie berühmteste Postkutsche aller Zeiten ist verschwunden. Zumindest habe ich keine Rezension zu ihr gefunden.

Den Film oder auch „John Fords berühmtes Meisterwerk“ habe ich nicht nur einmal, sondern mehrmals gesehen,   auch im Original, was mich darüber philosophieren ließ, a.) wie man mit einer inadäquaten Musik die Wahrnehmung auf einem Film negativ beeinflussen kann und wie in derselben synchronisierten Fassung Originalaussagen abgeschwächt oder gar verfälscht werden.

Letzteres sind wir ja vom deutschen  Synchronwesen, an dem die Welt sicher nicht genesen wird, gewöhnt – aber der Austausch des smashigen Arrangements von Richard Hageman durch ein monotones Gitarrensolo hat mich geradezu konsterniert. Klar, die Spur der Originalmusik war irgendwie nicht zu haben, als der Film in Deutschland gerade synchronisiert werden wollte, aber das – nee, wirklich. Nicht. Auch einige der veränderten Dialoge habe ich herausgegriffen – dachte ich zumindest.

So muss es also darauf hinauslaufen, dass ich mir den FIlm noch einmal anschaue. Vorgemerkt habe ich ihn mir. Es ist kein sehr langer Film und er ist wirklich gut, also kein Problem. Nun aber zu den -> Empfehlungen, die wir statt einer eigenen Rezension vornehmen müssen, denn der Film war einmal in der Top-250-Liste der IMDb enthalten (von 1999 bis 2005). Gegenwärtig erreicht er eine Nutzerwertung in Höhe von 7,8/10 (0,3 Punkte entfernt vom Zugang zur Topliste) und einen Metascore von 93/100.

Notizen (1)

Ringo, im Original Stagecoach (Postkutsche), ist ein Western von John Ford. Der Film erzählt die Geschichte einer von neun Personen unternommenen Postkutschenfahrt von Tonto (Arizona) nach Lordsburg (New Mexico). Die Handlung spielt in den frühen 1880er Jahren.

Dem Drehbuch lag die im April 1937 in Collier’s Magazine publizierte Erzählung Stage to Lordsburg (dt. Postkutsche nach Lordsburg) von Ernest Haycox zu Grunde. Diese Geschichte war wiederum eine Adaption der 1880 veröffentlichten Novelle Fettklößchen (Boule de Suif) von Guy de Maupassant, deren Handlung in der Normandie zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges spielt.

Die zuerst in Deutschland vertriebene Fassung des Films bekam den Titel Höllenfahrt nach Santa Fe (dabei ging die „Höllenfahrt“ nach Lordsburg). Die 1963 neu herausgebrachte Originalfassung erhielt den Titel Ringo, benannt nach einer der Hauptpersonen.

Empfehlungen (1)

Es geht nichts über eine Postkutsche, die von einem Ford angetrieben wird. (aus der Uraufführungskritik der New York Times vom 3. März 1939, verfasst von Frank S. Nugent, hier zitiert nach Hembus)

Zur Musik in der deutschen Synchronfassung: Stagecoach lief 1963 (und seitdem nur noch in dieser Fassung) ohne Richard Hageman, sondern mit einem lächerlichen Kaffeehaus-Geklimper. (Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen. Lexikon der Synchronsprecher. Schüren, Marburg 2009, ISBN 978-3-89472-627-0, S. 39)

Dass Richard Hagemann für seine Musikbearbeitung (nicht für den besten Original-Score, den bekam Max Steiner für seine Musik zu „Vom Winde verweht“) den Oscar bekam, erwähne ich, um meine eingangs ausgedrückte Meinung zu bekräftigen.

Der Indianer war gut für den Konflikt im Hintergrund. Hätte man diesen Konflikt in den Vordergrund gebracht, wäre es notwendig geworden, glaubwürdige Charaktere zu zeigen. Solange sie aber im Hintergrund blieben, dienten sie zu weiter nichts als zur Bedrohung, als zum Konflikt. Das war auch in „Höllenfahrt nach Santa Fe“ so, wo nirgendwo die Indianer personifiziert wurden. Da gab es keinen persönlichen Konflikt. Die Indianer hatten weiter nichts zu tun, als anzugreifen. Folglich waren alle Personen in der Kutsche in Gefahr, in einer nebulösen Bedrohung. (David Humphreys Miller, hier zitiert nach Hanisch)

Dieser Kinoklassiker enthält alle Topoi des Genres […]. Das Meisterwerk von John Ford ist mehr als ein Western, die Fahrt der „Stagecoach“ steht als Metapher einer Lebensreise, sie bringt Geburt und Tod.“ (Höchstwertung: 4 Sterne = überragend) (Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 373)

Ich habe irgendwo gelesen, dass andere Leute den denkwürdigen Augenblicken ihres Lebens einen Altar bauen. Mein denkwürdigster Augenblick ist der Moment, wo John Wayne drei Männer mit einem Karabiner tötet, während er sich auf die staubige Straße wirft. Das ist in Stagecoach. (Walker Percy, hier zitiert nach Hembus)

TH

Regie John Ford
Drehbuch Dudley Nichols
Ben Hecht
Produktion Walter Wanger
John Ford
Musik Orig.mus.: Gérard Carbonara
Mus.dir: Boris Morros
Mus.adapt.: Richard Hageman
William Franke Harling
John Leipold
Leo Shuken
Louis Gruenberg
Kamera Bert Glennon
Schnitt Otho Lovering
Dorothy Spencer
Walter Reynolds
Besetzung

 

 

 

 

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