„Instinctive Socialist“ / „John Lennon and the Politics of the New Left“ | Jacobin | #Mediaset R #Timeline #Socialism #JohnLennon #Leftist #Nixon #USA

Am 8. Dezember 1980 wurde John Lennon von einem Mann namens David Chapman erschossen. Er wurde 40 Jahre alt. Anlässlich seines 40. Todestages wurde viel geschrieben, selbstverständlich. Einen besonders interessanten Blick wirft das US-amerikanische Politmagazin „Jacbin“ auf den Beatle und späteren Solo-Musiker: John Lennon and the Politics of the New Left (jacobinmag.com) Er war ein politisch bewusster Mensch und einige seiner Lieder spiegelten große politische Ereignisse oder trugen sogar dazu bei, dass Menschen sich inspiriert fühlten.

Ich nenne hier nur die zwei wohl bekanntesten davon: „Give Please A Chance“ (1969) und „Imagine“, das zwei Jahre später entstand.

„Give Peace A Chance“ ist als reines Chorstück ohne Instrumentierung etwas sehr Besonderes, war angeblich eine spontane Einspielung Lennons mit Freunden – und „Imagine“ habe ich unzählige Male während der „Space Nights“ gehört, die mich einmal sehr fasziniert hatten. Leider ist diese Imagination einer Welt ohne, in einem Begriff zusammengefasst, ohne künstliche Grenzen, von John Lennon ferner denn je. Ob er heute wirklich Trump hassen würde, wie im Artikel steht, oder ob er längst resigniert hätte, ist schwer einzuschätzen. Er musste die deutliche Wiederwahl Richard Nixons im Jahr 1972 verkraften, der ihn aus den USA beinahe hätte ausweisen lassen, aber er hat die Reagans, George W. Bushs und Trumps und die aktuellen Neorechten, welche die Welt mit ihren Hasstiraden zu einem unfriedlichen Ort machen, nicht mehr bei der Arbeit sehen müssen.

John Lennon war kein Freund von „-ismen“ und politischen Grabenkämpfen innerhalb der Linken, den Begriff „Sozialist“ verstand er sicher nicht dogmatisch. Wenn ich mir heute den Zustand des linken Spektrums anschaue: Er hat geahnt, wie kläglich die Linke sich entwickeln und sich selbst all ihrer Kraft berauben würde. Ob er auch ahnte, wie sehr sogenannte linke Parteien die Arbeiterklasse verraten würden, welcher er selbst entstammte? Das war in den frühen 1970ern, den Heydays der Protestbewegungen und der vom Protest bewegten Musiker*innen, vielleicht noch nicht so deutlich absehbar, wie es heute als Tatsache feststeht. Da kommt wirklich Wehmut auf, obwohl es zu lange her ist, als dass ich mich an die politische Stimmung dieser Zeit erinnern könnte. Ich denke mir oft: Die späten 1960er und frühen 1970er nicht erlebt haben zu dürfen, dafür entschädigt nicht, etwas jünger zu sein. Damals nicht an einer Uni gewesen sein zu können, ist ein Makel der späten Geburt. Die heutige Politik kann jene Zeiten weder ins Gedächtnis rufen, noch kann sie für eine Wiedergeburt des magischen Moments sorgen, in dem die Grabenkämpfe für kurze zeit eingestellt wurden und Millionen den Weg zum politischen Protest fanden.

Jacobin hat anhand einiger Lieder von John Lennon, darunter den oben genannten, wichtige politische Momente nachempfunden und sich gegen den Vietnamkrieg ausgesprochen, als nur zehn Prozent der Amerikaner seiner Meinung waren, er wollte Teil einer Bewegung sein, die neue, integrative Protestformen ausprobiert, als er von den üblichen Verdächtigen, die hinter der amerikanischen Politik stehen, gestoppt wurde. Er war kein Ideologie, zumindest geht das aus diesem Artikel nicht hervor, sondern hatte die gewisse Grundnaivität, die nötig ist, um „Imagine“ schreiben zu können und daran zu glauben, es könnte einmal so sein. Er hatte eben eine künstlerische, kreative Herangehensweise, keine, welche alles im Klein-Klein versinken lässt, wie ich es jeden Tag leider erlebe. Das macht insbesondere performende Künstler so anziehend: Dass sie vielleicht nicht so ideologisch geschult sind wie Literaten oder Profis, aber wegen ihres intensiven Zugangs zu Menschen viel mehr von jenen verstehen und wie man es besser machen könnte als Ideologen. Tragisch, dass sie letztlich doch nicht die Macht dazu haben.

Manche haben sich in den Dienst der Politik gestellt oder tun es immer noch, doch mich beschleicht das Gefühl, dass sie dabei die Gebenden sind und die Politik auf der Nehmerseite steht. Sie bekommen keine humanere Gesellschaft zurück, für ihr Engagement. Keine Inspiration, keine bessere Welt. Das ist das verdammt einseitige Geschäft, das der Kapitalismus für die meisten Menschen bereithält: Wir nehmen alles, die Kultur, das Vertrauen, den guten Willen vieler, und zwar sehr gerne, aber wir geben nichts. Wenn wir, die leider so verpeilte Mehrheit, es uns nicht nehmen, wird sich nie etwas ändern und die Ungerechtigkeiten werden weiter zunehmen. Die neue Musik, die uns beim Empowerment helfen könnte, gibt es sowieso nicht mehr, die müssen wir aus der Vergangenheit ziehen. Vielleicht hätte John Lennon auch eine andere Richtung eingeschlagen und wäre zynischer oder radikaler geworden. Ein Protestsong von jemanden, der noch miterlebt hat, was es heißt, Politik und Demokratie nicht zu studieren, sondern ernst zu nehmen, wäre jetzt genau richtig.

TH

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