Fantomas bedroht die Welt (Fantômas contre Scotland Yard, FR / IT 1967) #Filfmfest 321 #Fantomas

Filmfest 321 A "Mini-Special Fantomas-Filme der 1960er" (3/3)

Der Fuchs, der ein Hund war

Im dritten Fantomas-Film bekommen sogar die Tiere eine Tarnung verpasst, das Verwirrspiel um Masken und die Menschen dahinter nimmt immer größere Dimensionen an. Behält der Film dieses Verwirrspiel selbst noch im Griff oder ist alles, wie so oft bei Fortsetzungen und Fortsetzungen von Fortsetzungen, nicht mehr das Gelbe vom Ei, welches erst zu den Fortsetzungen geführt hat? Dies und mehr, zum Beispiel, ob Fantomas endlich von Kommissar Juve und Reporter Fandor zur Strecke gebracht wird, klären wir in der -> Rezension.

Fantomas bedroht die Welt (alternativ Fantomas gegen Scotland Yard) ist eine französische Kriminalkomödie aus dem Jahr 1967 und der dritte Teil der gleichnamigen Trilogie um den genialen Verbrecher Fantômas.  (1)

Handlung (1)

Fantômas will den wohlhabenden schottischen Lord McRashley erpressen. Er hat sich ein Steuersystem, auch für andere Superreiche, ausgedacht: Nach einer bestimmten Frist muss ein bestimmter Betrag gezahlt werden, sonst erfolgt eine „Vollstreckung“ – der „Steuerhinterzieher“ wird ermordet.

Der Lord bittet Kommissar Juve um Hilfe, der bereits Erfahrungen mit dem listigen Gauner hat. Juve reist unverzüglich mit seinem einfältigen Gehilfen Bertrand, dem Reporter Fandor und dessen Verlobter Hélène nach Schottland auf die Burg des Lords. Dort passieren seltsame Dinge: Die Herrin versucht, per Trance Kontakt zu einem toten Opfer Fantomas’ aufzunehmen, und Juve sieht jeden Abend einen „Gehängten“ an seiner Zimmerdecke. Auf dem Gehängten klebt immer ein rosa Zettel (wie von der Steuer), auf dem steht: „Letzte Warnung vor der Vollstreckung.“

Auf der alljährlichen Fuchsjagd, bei der jeder mitreitet, beobachtet Fandors Verlobte Hélène, wie der angebliche Lord McRashley im Kampf mit seinem Sekretär, der in die Frau des Lords verliebt ist, seine Maske verliert. Daraufhin soll Hélène beseitigt werden, damit die Tarnung bestehen bleibt. Fandor verhindert dies. Gemeinsam stellen die beiden Fantomas eine Falle. Doch der Plan misslingt, weil Kommissar Juve dem falschen Lord zur Hilfe eilt. Mit Diamanten im Wert von einer Million Pfund Sterling, die er als Steuern für das Recht, zu leben, erpresst hat, gelingt Fantomas auch diesmal die Flucht.

2020-08-14 Filmfest ARezension

Der Film wurde vor allem dafür gelobt, dass die Verwirrung um Fantômas’ Masken überzeugend gespielt ist und man nicht immer erkennen kann, ob man das „Original“ oder Fantômas sieht. Trotzdem kann der Zuschauer die Handlung einwandfrei nachvollziehen. Der Film bleibt inhaltlich und qualitativ nicht hinter den anderen zurück. Fantômas bedroht die Welt wurde auf den Moskauer Filmfestspielen 1967 gezeigt. (1)

„Phantastisches Abenteuer ohne große Spannung und Tiefgang, aber wiederum mit einem sehr lustigen Louis de Funes.“ – Lexikon des Internationalen Films[3]

„Die Einfälle dieser Kriminalgroteske beginnen sichtlich zu versiegen, deshalb vermag auch der an sich urkomische Louis de Funès hier nur mäßig zu unterhalten.“ – Evangelischer Film-Beobachter, Kritik Nr. 249/1967

Der kursive Text oberhalb der beiden zitierten Quellen ist leider nicht mit einem Verweis auf seine Herkunft versehen, also offenbar eine Zusammenfassung der Eindrücke von Autor*innen der Wikipedia. Aber ich bin geneigt, dem Inhalt eher zuzustimmen als den beiden „amtlichen“ Kritiken, die dann folgen. Ich empfand den letzten der drei Fantomas-Filme sogar als den angenehmsten, weil er einen guten, wenn auch nicht ganz so rasanten Rhythmus hat wie die Vorgänger und in der Tat deswegen, weil man nicht versucht hat, sich selbst zu übertreffen und immer mehr Absurdes darin unterzubringen.

Das über viele Jahre bereits erfolgreiche James-Band-Franchise lebt zum Beispiel auch davon, dass man immer mal wieder ein wenig das Konzept verändert und erkannt hat, dass immer mehr Unmögliches einen Film nicht unbedingt fantasievoller oder cooler wirken lässt. Fantomas war mit seinem fliegenden Citroen DS aus „Fantomas gegen Interpol“ an der Grenze dessen angelangt, was man noch als halbwegs witzig oder aberwitzig ansehen kann, ohne dass es aufgrund der etwas puppenkistenhaften Ausführung in den Verdacht gerät, allzu billig zu wirken.

Die einzige technische Innovation in „Fantomas bedroht die Welt“ ist – ein Laptop. Verbunden mit einem Samsonite-Aktenkoffer, weil man damals wohl nicht davon ausging, dass man die Akkus jeweils würde in ein so flaches Gerät würde integrieren können. Aber Filme kann der Flachbildschirm abspielen und wirkt richtiggehend vertraut.

Selbstverständlich habe ich nicht die Spielzeit der beiden Hauptdarsteller Louis de Funès und Jean Marais gemessen, aber es scheint mir recht eindeutig zu sein, dass der dritte Teil der Trilogie noch mehr ein De-Funès-Film ist als die beiden ersten. Damit Jean Marais überhaupt zur Geltung kommt, schenkt man ihm in Anlehnung an und als Anspielung auf seine Paraderollen in Kostümfilmen einen Austritt mit Verfolgungsjagd, ausgeführt roten Reiterkostüm. Warum man einen Hund als Fuchs tarnt, erschließt sich noch einigermaßen, die Füchse wachsen zum richtigen  Zeitpunkt nicht auf den Bäumen und mit der Zeit hat sich unter ihnen herumgesprochen, dass die Menschen mit ihren Jagdhunden üble Zeitgenossen sind, aber wer gerade wo reitet, ist etwas unübersichtlich – anders als die Handlung bis zu diesem Zeitpunkt, die sich weitgehend im Schloss des Lords abspielt. Immer dann, wenn Louis de Funès auftritt, funktioniert der Film, also meistens.

Dass neben dem Geldadel auch noch eine Gaunerbande erpresst wird, rückt den Film philosophisch ein wenig in die Richtung, die er schon bei den Steuern einschlägt: Nur ein funktionierendes Steuersystem sichert eine zivilisierte Gesellschaft. Das ist erstaunlich konsequent dargestellt, bis hin zu den roten Formularen „von der Steuer“ und dialogtechnisch sehr gut ausgearbeitet. Wahr ist es außerdem und Fantomas kann man ein gewisses Maß an Sympathie schenken, wenn er den Reichen Lebensversicherungen verkauft, die man von der Mafia kennt: Angebote, die man nicht ablehnen sollte. Tut man dies jedoch, wird man alsbald das Zeitliche segnen.

Auch dieser Part ist also gar nicht so realitätsfern, inklusive des Rabatts für Beitragszahlungen, die auf längere Zeiträume gehen. Was mich interessieren würde: Ob Superreiche tatsächlich auf diese Weise erpresst werden, das aber unter dem Tisch gehalten wird, oder ob es doch technisch nicht funktioniert und die Polizei etwas versierter ist als in Filmen wie „Fantomas“. Ich glaube, es ist eher der Mittelstand in bestimmten Branchen, der sich nicht so gut schützen kann, der Probleme mit Schutzgelderpressung hat. Mithin ist der Film aber nicht purer Klamauk, sondern hat durchaus einen Aspekt, der mehr an die Vorbilder der 1910er Jahre erinnert. Die Ursprungsserie von Louis Feuillade war nicht komödiantisch ausgelegt.

Finale

Zu den Merkmalen der drei Filme, ihren Vorbildern und den Ähnlichkeiten sowie dem Zeitgeist, den sie verkörpern, habe ich mich in den Rezensionen zu  „Fantomas“ und „Fantomas gegen Interpol“ geäußert, aber der jüngste der drei Filme ist für mich am meisten von ihnen allen eine Empfehlung, weil man den Fokus auf das Ausspielen der Gags mit Louis de Funès gelegt und die Handlung einigermaßen stringent gestaltet hat – und wenn man will, kann man ein wenig über Aussagen wie die zum Steuersystem und darüber, wie es heute mit der Fairness aussieht, nachdenken.

73/100

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie André Hunebelle
Drehbuch Pierre Souvestre,
Marcel Allain
Produktion Paul Cadéac,
Alain Poiré
Musik Michel Magne
Kamera Marcel Grignon
Schnitt Pierre Gillette
Besetzung

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