Die schwarze Rose (The Black Rose, USA / GB 1950) #Filmfest 327

Filmfest 327 A

Abenteuer der Kindheit

Die schwarze Rose (Originaltitel: The Black Rose) ist ein US-amerikanischbritischer Abenteuerfilm von Regisseur Henry Hathaway für die Produktionsfirma 20th Century Fox aus dem Jahr 1950 mit Tyrone Power, Orson Welles, Cécile Aubry und Jack Hawkins in den Hauptrollen. Der Film basiert auf einem Roman von Thomas B. Costain. (1)

Was mit „Abenteuer der Kindheit“ gemeint ist und mehr zum Film besprechen wir in der -> Rezension.

Handlung (1)

Zur Zeit Eduard I. von England: Viele Angelsachsen leiden immer noch an dem Umstand, dass ihre Insel von den Normannen erobert und besetzt worden ist, und der damit einhergehenden gefühlten Unterdrückung und Knechtschaft. Auch der stolze Junker Walter von Gurnie leidet sehr unter dieser Schmach. Als unehelicher Spross einer Normannin und eines Angelsachsen erzürnt ihn diese tief empfundene tyrannische Herrschaft umso mehr, da ihm seine rachsüchtige Stiefmutter sogar das rechtmäßige Erbe seines Vaters vorenthält, nebst ein paar Stiefel. Das Testament seines Vaters sieht vor, dass er neben seinem Erbe auch in den Dienst des normannischen Königs treten soll, was Walter aber mit Abscheu ablehnt. Er wendet sich an seinen Großvater Alfgar um Beistand, dieser bewundert den Mut und die Haltung seines rebellischen Enkels, würde ihn aber lieber als jungen Gelehrten zurück bei seinen Studien in Oxford sehen.

Ein Ordensbruder, der gerade zu Besuch bei Alfgar weilt, beschwört Walter von Gurnie, den Kampf lieber durch Wissen aufzunehmen, statt mit dem Schwert, doch Walter ist unsicher und will erst eine Nacht darüber schlafen. Des Nachts erkennt er, durch Geräusche aus dem Schlaf aufgeschreckt, aus seiner Kammer vor der Burg seines Großvaters ein Dutzend Gestalten, die sich mit Waffen eindecken. Er stellt sie zur Rede und es stellt sich alsbald heraus, dass eine handvoll mutige aber unbesonnene Angelsachsen, frühere Gefährten von Walter von Gurnie, einige inhaftierte Landsleute aus der nahegelegenen normannischen Festung notfalls mit Waffengewalt befreien wollen. Unter der Schar Angelsachsen befindet sich auch Tristram Griffin, ein wagemutiger Bogenschütze, der das Denken und Führen aber lieber seinem adeligen Kameraden Walter überlässt. 

Kurzentschlossen führt Walter die Schar zur normannischen Festung, die Befreiung der Landsleute gelingt ohne Blutvergießen, allerdings sind die beiden angelsächsischen Rädelsführer nun gezwungen das Land zu verlassen. Walter von Gurnie fasst den tollkühnen Plan in die Ferne nach China zu reisen, wie es ihm der Geistliche riet, um dort nie gekannte Erfahrungen und Reichtümer zu sammeln, die es ihm erlauben würden, seine Besitztümer von den Normannen zurückzufordern. Griffin, der jedwedes Schicksal lieber in der Fremde akzeptieren möchte, als sich von den verhassten Normannen aufhängen zu lassen, folgt ihm als treuer Gefährte auf seinem beginnenden Abenteuer. (…) 

Besprechung von Anni und Tom

Tom: Ich hoffe, es war okay, dass ich dich gestern spät noch in den Film hineingezogen hab.

Anni: Wenn ich dafür nicht aufgeschlossen wäre, würden wir ja nicht fürs „Filmfest“ schreiben. Ein seltsames Werk von Routinier Henry Hathaway, aber man erkennt seinen Fähigkeit, Schauplätze und Situationen zu meistern. Die „Übers-Seil-gehen“-Szene ist gut gemacht – wenn auch nicht so dramatisch, wie man sie in heutigen Actionfilmen darstellen würde.

Tom: Der Grund, warum ich  uns gerade den Film ausgesucht hatte, war, dass er zu diesen in der Tat manchmal seltsamen Schätzen  meiner Kindheit gehört. Ich habe da eine Art Langzeitperspektive. Und man merkt, wie verzerrt das Filmangebot der Öffentlich-Rechtlichen damals war. Diese Film wurde beispielsweise sehr häufig gezeigt, dabei ist er weder heute besonders stark rezipiert, noch hat er in der IMDb eine besonders hohe Wertung. Aber mit 3 Millionen Dollar Budget war er für die Verhältnisse der Zeit recht teuer und sicher Teil eines Pakets von Prestigefilmen oder Großproduktionen der 20th Century Fox, das man eben erworben hatte.

Anni: Die Art, wie du jetzt darüber reflektierst, lässt vermuten, dass du den Film heute distanzierter siehst.

Tom: Ja, und zwar nicht nur ein bisschen distanzierter. Wir haben ja schon hin und wieder über die ersten Jahre meiner Begeisterung fürs Medium Film geschrieben, über den kleinen Schwarzweiß-Fernseher auf meinem Zimmer und so. Und trotz Flachbildschirm und HD oder vielleicht auch deswegen lässt sich die romantische Jugendverklärung mancher Dinge nicht ohne Weiteres aufrecht erhalten.

Anni: Woran macht sich das besonders fest?

Tom: Als ich den Film das erste oder zweite Mal gesehen habe, fand ich den kindlichen Charme der Hauptdarstellerin Cécile Aubry himmlisch, vermutlich hätte ich mir auch eine ähnliche Freundin gewünscht …

Anni: Aber der Frauentyp, mit dem du es dann zu tun bekommst,  ist ja immer total anders – bis heute.

Tom: Jetzt bin ich auch von mir selbst enttäuscht. Als ich den Film in diesem Fernsehstarter-Cocoon gesehen habe, war ich wohl viel vorurteilsfreier als jetzt. Damals fand ich nichts dabei, dass Cécile Aubry so unglaublich klein ist und kindlich wirkt. Jetzt hab ich die IMDb konsultiert und zu ihrer Körpergröße nichts gefunden, was ziemlich selten ist. Also habe ich bei Tyrone Power nachgeschaut, um einen Vergleich zu haben, und der ist kein Beinahe-Riese wie einige andere Stars seiner Zeit, sondern etwas kleiner als ich.

Anni: Die Rolle wurde ursprünlich dem Tanzstar Leslie Caron angeboten, die ein Jahr später an der Seite von Gene Kelly in „An American in Paris“ zu sehen war. Du bist irritiert davon, dass man eine offenbar Kleinwüchsige süß – oder eher angemessen und liebenswert oder auch sexy finden kann? Aubry hat übrigens später einen orientalischen Machthaber geheiratet oder dessen Sohn. Passt ja ganz gut zu ihrer Rolle in diesem Film. Okay, es war ein maghrebinischer Machthaber-Sohn. Du bist eben enger in deinen Vorstellungen geworden, in dieser Hinsicht, aber ich glaube, das ist normal. Mit der Zeit haben wir doch alle irgendwie gelernt, dass gleich und gleich besser funktionieren als die Gegensätze, die einander anziehen – aber auch wieder abstoßen. Aber das war es doch nicht allein, oder?

Tom: Nein, das gibt es noch eine ganze Reihe von Faktoren. Zum Beispiel die Ehtik des Films. Die hatte ich damals gar nicht auf dem Schirm, aber gestern ging mir dieses extreme Hypen englischer Ritterlichkeit, gepaart mit einem wissensdurstigen Realismus die Übergriffigkeit gegenüber orientalischen Völkern, doch etwas auf den Zeiger. Ich habe noch kaum einen Film gesehen, und es sind ja mittlerweile ein paar mehr, in denen gewisse Charaktereigenschaften und -gegensätze so betont und zugeordnet werden. Wenn man noch einmal etwas genauer hinschaut, ist es gar nicht so unausgeglichen, auch, weil Walter moralisch nicht so gesichert ist wie sein Freund Tris, dieser Parade-Angelsachse aus der Zeit, bevor die Normannen ihre präfranzösische Verschlagenheit auf die Insel brachten. Man verständigt sich irgendwann mit den Normannen und wird Engländer und am Ende wird ja auch die Figur Bayan, immerhin von Orson Welles dargestellt, recht differenziert gezeigt. Was mir jetzt auch aufgefallen ist: Das sehr lange Intro. Ich glaube, das haben sie aus den früheren Fernsehfassungen fast ganz rausgekürzt, denn diese Befreiungsaktion auf der Normannenburg und das alles ist mir nicht im Gedächtnis. Die deutsche Kinofassung war aber offensichtlich nicht gekürzt, denn die Synchronisierung ist komplett und einheitlich und erkennbar um 1950 entstanden, als der Film nach Deutschland kam.

Anni: Apropos Bayan. Man hätte Orson Welles wohl nur in ganz wenigen Filmen gesehen, wenn er nicht zwischendurch immer wieder Geld für seine eigenen Projekte hätte auftreiben müssen – mit der Rolle in „The Black Rose“ hat er versucht, „Othello“ zu finanzieren. Ich fand den Film vor allem während der ersten halben Stunde sehr langatmig. Erst der Aufbruch gen Osten hat dann wirklich so ein Abenteuergefühl hervorgerufen – trotzdem sind dieses leicht Überdehnte und die für einen Abenteuerfilm zu große Dialoglastigkeit nicht gerade spannungsfördernd. Dass die Orientalen wie Bayan so grausam sind, führt hingegen eher zu interessanten Momenten. Bei Wettbewerben geht es immer auf Leben und Tod, damit die Soldaten schön auf Adrenalin bleiben, während der Schlachtpausen. Aber dass Walther den Bayan ziemlich zum Ende hin als ritterlich bezeichnet, obwohl der eine chinesische Stadt nach der anderen niederbrennen, Frau und Kinder töten und köpfen lässt, bei aller Differenzierung des Charakteres ist mir das zu krass.

Tom: Im heutigen Heldenkino wäre eine solche Figur natürlich komplett zweidimensional dargestellt, und ist das besser?

Anni: Endlich gehst du in Verteidigungshaltung für diesen Schatz deiner Jugend. Natürlich ist es nicht besser, aber es evoziert keine Sympathie für einen grausamen Kriegsherrn. Ich hab sowieso den Eindruck, dass der Film noch sehr die Zeit des Zweiten Weltkrieges spiegelt, als ein Leben nicht viel gezählt hat. Ein Nachhall, wenn man so will.

Tom: Dann wäre Bayan ja eine Projektion – naja, von wem eigentlich? Er führt doch Krieg um des Krieges willen, das kommt deutlich zum Ausdruck. Er besetzt nicht und baut nicht auf. Es wirkt beinahe wie eine nachträgliche Empfehlung an Hitler, dass es besser gewesen wäre, Russland nicht besetzen zu wollen, sondern es einfach beim großen Morden zu belassen und das Land zu plündern.

Anni: Da siehst du, was für ein dünnes Eis hier vorherrscht. Die Situationen sind überhaupt nicht vergleichbar, die Typen auch nicht. Aber dass einer der Kämpfer Bayans einen Kreuzritter-Wimpel erobert hat, darüber regt sich Tris mächtig auf. Und überhaupt ist der Film sowas von unhistorisch. Eigentlich schießen sich die Engländer mit einigen Darstellungen ganz schön ins Knie. Walther bringt aus China so viel Wissen mit, aber führen die Engländer in Europa umgehen das Schießpulver ein? Oder gar die Buchdruckkunst? Nein, du weißt ja, wer den Buchdruck erfunden hat. Ich hätte gedacht, Walther verzichtet auf die Mitnahme von wissenschafrts- und erkenntnisfördernden Objekten, weil er Tris‘ romantischer Vorstellung folgt, dass die Dinge besser sind, wie sie sind, anstatt dass Feuerwaffen und dergleichen erfunden werden. Tut er aber nicht.

Tom: Also werden die Charaktere doch recht komplex gezeichnet, zumindest Walther und Bayan. Ich finde den Film auch heute nicht uninteressant, aber dieser Zauber ist leider weg. Aber auch das ist ja wohl ein logischer Prozess, dass man einige Filme heute noch besser findet, die man vor langer Zeit erstmals gesehen hat. Was mich daran stört ist, dass es meist in die Richtung geht, die auch in der IMDb-Wertungsschau zum Ausdruck kommt. Man fühlt sich so im Mainstream. Aber für 7/10 reicht es bei mir immer noch.

Anni: Ich bin da vergleichsweise emotionslos und kann mich mit 6,5/10 begnügen. Da sind wir doch recht dicht beisammen. Ich finde die Figuren vor allem interessant, nicht die Logik oder die Ethik von „Die schwarze Rose“ – und ich hätte kein Problem mit dir, auch wenn ich nur eine Körpergröße von 1,50 oder 1,45 Meter hätte. Daran kannst du sehen, wie tolerant ich grundsätzlich bin. Und ich hab sehr wohl bemerkt, dass Maryam in einer Szene unter ihrem dünnen Oberteil nichts trug. Und das in einem britisch-amerikanischen Film von 1950. Der aber günstigerweise in einer anderen Zeit und in einer exotischen Gegend angesiedelt ist.

68/100

© 2020, 2017 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Henry Hathaway
Drehbuch Talbot Jennings
Thomas B. Costain (Roman)
Produktion Louis D. Lighton
Musik Richard Addinsell
Kamera Jack Cardiff
Schnitt Manuel del Campo
Besetzung

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