Aktuell: Die Wahlergebnisse der CDU-Vorsitzenden von 1950 bis 2018 und wer eignet sich zum Kanzler? | Statista | #Newsroom #Timeline | #Neidsteuer #Politik #CDU #Merz #Laschet #Röttgen

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Man kann über die CDU denken, was man will, auch das Schlechteste. Das Schlechteste sollte zwar die AfD abbekommen, aber wer weiß, vielleicht hat die CDU sie erst ermöglicht? Morgen wird sich entscheiden, wie es in der größten und wählerstärksten Partei Deutschlands weitergeht. Zur Wahl stellen sich, nach Promi-Faktor geordnet: Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. Gewinnt #Neidsteuer-Merz doch noch den Vorsitz, den er vor zwei Jahren knapp gegen Annegret Kramp-Karrenbauer verloren hat? Oder wird es der Chef der NRW-CDU, der nur Ministerpräsident wurde, weil seine Vorgängerin Hannelore Kraft das klassische SPD-Land kraftlos preisgegeben hat? Oder der General-Transatlantiker Norbert Röttgen, der schon lange kein wichtiges Amt mehr innehatte?

Für die meisten unserer Leser*innen, die #NieMehrCDU von sich behaupten können oder noch nie die CDU gewählt haben, klingt es vielleicht auf den ersten Blick nicht so spannend, welche mittelmäßige oder eigentlich unmögliche Kandidat nun diese Partei führen wird. Aber sie wird aller Voraussicht nach auch nach der nächsten Wahl wieder die Kanzlerpartei sein und der Vorsitzende hat in der CDU in der Regel auch das Recht auf den ersten Zugriff bezüglich der Kandidatur. Es sei denn, die CSU schickt jemanden ins Rennen. Zweimal hat sie das bisher getan, 1980 mit Franz-Josef Strauß und 2002 mit Edmund Stoiber. Die Ergebnisse sind bekannt, Bayern funktionieren nicht als bundesweite Sympathieträger oder wenigstens als akzeptierte Machtpolitiker an der Spitze des nächstgrößeren Ganzen. Wäre das jetzt mit Markus Söder, dem aktuellen bayerischen Ministerpräsidenten, anders? Im Sommer sah es noch so aus, aber wenn das Corona-Management in Bayern weiterhin so zwischen Bräsigkeit und übertriebener Zurschaustellung läuft, könnte sich das ändern. Noch hat es sich nicht geändert, wie im Handelsblatt nachzulesen ist:

Von den drei Bewerbern für den CDU-Parteivorsitz hat laut einer Umfrage keiner das Zeug zum Bundeskanzler. Laut ZDF-Politbarometer halten nur jeweils 29 Prozent der Befragten Norbert Röttgen und Friedrich Merz für das Amt geeignet, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kommt auf 28 Prozent Zustimmung. Selbst die Anhänger von CDU und CSU sprächen Merz, Laschet und Röttgen mehrheitlich die Kanzlerfähigkeit ab.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist der Einzige, dem eine Mehrheit der Befragten eine Kanzlerschaft zutraut (54 Prozent). Auf der Beliebtheitsskala rangiert der CSU-Chef zwar hinter Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU). Söder liegt aber deutlich vor Laschet und Merz. Röttgen schafft es laut Umfrage nicht unter die Top-Ten der beliebtesten Politiker in Deutschland.

Die Opposition würde sich vermutlich die besten Chancen für die Wahl 2021 ausrechnen, wenn der rechtsneoliberale Spalter Friedrich Merz für die CDU ins Rennen ginge. Sollte es noch christliche und „arbeitnehmende“ Wähler*innen geben, die sich für diese Partei interessieren bzw. für die CDU/CSU, können sie unmöglich diesen Vertreter der Superreichen, der für etwa ein Prozent der Wahlbevölkerung spricht, ins Amt heben. Würden sie SPD wählen, bekämen sie allerdings dieselbe Person vorgesetzt. Also würde Friedrich Merz vermutlich den Grünen und auch der Linken helfen, die AfD hingegen eher kleinhalten, denn es gibt im sehr rechten Spektrum nun einmal viele Merz-Fans.

Der nächste CDU-Vorsitzende sollte nach einer alten Regel, die bisher einigermaßen eingehalten wurde, wieder einer werden, der länger durchhält. Die nebenstehende Grafik von Statista zeigt, wie es bisher gelaufen ist. Auf einen der „großen“ Vorsitzenden und eine große Vorsitzende folgten oft Übergangs-Chefs und eine Übergangs-Chefin, die noch amtierende Annegret Kramp-Karrenbauer.

Nicht weniger als 25 Jahre war Helmut Kohl CDU-Vorsitzender, es folgen Angela Merkel mit 18 und Konrad Adenauer mit 16 Jahren. Nur ein bis zwei Jahre waren bzw. werden im Amt sein: Ludwig Erhard, Rainer Barzel, Wolfgang Schäuble und Annegret Kramp-Karrenbauer. Einen Sonderfall stellt Kurt-Georg Kiesinger dar, der die Partei vier Jahre lang führte. Rechnet man ihn zu den Übergangsvorsitzenden, dann hätte es deren zwei hintereinander gegeben, auch dies einmalig in der bisherigen Geschichte der Bundes-CDU. Soll ich eine Prognose wagen?

Etwas sagt mir, dass Armin Laschet sich 2018 aus guten Gründen schnell zurückgezogen hat. Nämlich, um sich nicht durch eine verlorene Wahl zu beschädigen und um 2021 als Vereinigungs- und Kompromisskandidat auftreten zu können. Trotz seiner Popularität im rechten Lager wäre Friedrich Merz ein Problem. Zum Beispiel, wenn es nach der Wahl zu einer Jamaika-Koalition kommen könnte. Natürlich hätte die FDP mit ihm keine Sorgen, aber wenn die Grünen mit ihm als Kanzler an den Start gingen, hätten sie wieder einmal ein erhebliches Glaubwürdigkeitsdefizit, wie schon im Boot mit Kanzler Gerhard Schröder von 1998 bis 2005. Und vielleicht wird der Kanzlerkandidat ohnehin derjenigen, mit dem die Grünen schon in Bayern regiert hätten, hätte Söder sich nicht anders entschieden. Mich erstaunt nicht mehr, dass Grundsätze über Bord geworfen werden, wenn es um die Macht geht, daher ist das nur eine Spekulation, sicher kann man sich nie sein. Auch nicht, was die Akzeptanz von Friedrich Merz von grüner Seite angeht.

Wir werden sehen, was morgen geschieht und besonders am Wahltag im Herbst 2021. Die CDU segelt auf einer Zustimmungswelle dahin, die angesichts der Tatsache, dass sich das hauptsächlich von der Union zu verantwortende Corona-Management als eines der schlechtesten weltweit entpuppt, mehr als erstaunlich ist.

Menschen denken oft nicht rational. Sie handeln nicht in ihrem eigenen, wohlverstandenen Interesse und auch nicht solidarisch, sonst wären nicht aktuell ca. 25 Prozent strikt gegen die Einführung der #Neidsteuer (1), also für die Wiederhebung der Vermögensteuer für nur ca. 1,5 Prozent der Bevölkerung. Wer so gegen sich selbst aufgestellt ist, dass er die Superreichen promotet, obwohl er nie dazugehören wird, der kann auch Friedrich Merz wählen. Immerhin weiß man in der CDU einigermaßen, mit wem man es zu tun hat und sie tauscht auch den oder die Vorsitzende*n nicht jedes Mal aus, wenn irgendwas nicht so läuft. Vielleicht läuft es deswegen für die Union auch nicht so schlecht wie für die SPD.

TH

(1) Laufende Civey-Umfrage. Der Begriff #Neidsteuer hat gestern auf Twitter getrendet, weil das „Team Merz“ diesen Kampfbegriff in die Welt gesetzt hat, um Menschen mit Gerechtigkeitsgefühl zu diskreditieren, ganz in schlechter alter FDP-Tradition. Wir wollten ohnehin etwas zur Vermögensteuer bringen, auch um Argumente für sie zu liefern, jetzt haben wir wenigstens das ultimative Hashtag für den Titel.

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