Die Tribute von Panem – The Hunger Games (The Hunger Games, USA 2012) | 6 Empfehlungen | #Filmfest 348

Filmfest 348 B

Die Tribute von Panem – The Hunger Games (Originaltitel: The Hunger Games) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2012, der auf dem Buch Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele von Suzanne Collins basiert. Es ist der erste von vier Filmen, die auf der dreiteiligen Die-Tribute-von-Panem-Romanreihe von Suzanne Collins beruhen. (1)

Erstmals stellen wir eine ganze Filmreihe als B-Rezension vor – eingedenk der Tatsache, dass das Universum immer mehr Fantasy-Franchises hervorbringt und ich wenigstens durch Mitlesen und hin und wieder durch das Vormerken von Filmen den Überblick gewinnen möchte, nachdem es mit unserem Hauptanliegen, dem historischen Film (Moviepilot-Jargon: „total klassisch“) mittlerweile sicher und kontinuierlich läuft. Von „Die Tribute von Panem“ habe ich zumindest schon einiges gehört und lege gleich los mit den empfohlenen Texten:

Brot und Spiele. Dass diese beiden Komponenten ausreichen, um ein Volk ruhigzustellen, wussten schon die alten Römer. Im Sci-Fi-Setting von „The Hunger Games“ ist dieses Prinzip auf die Spitze getrieben. In einer dystopischen Welt werden die zwölf Distrikte, die einmal die Vereinigten Staaten von Amerika waren, von einem faschistisch anmutenden Regime unter Kontrolle gehalten. Damit die armen Bürger, die nicht wissen, wie sie ihre Bäuche füllen sollen, nicht aufmucken, lässt Präsident Snow (Donald Sutherland) alljährliche „Hunger Games“ durchführen. Aus jedem Bezirk werden ein Mädchen und ein Junge ausgewählt, die sogenannten „Tribute“, die gegeneinander in einer weitläufigen Arena gegeneinander kämpfen müssen, bis nur noch eine Person übrig bleibt. (Der Filmkürbis)

Klingt ein wenig nach Berlin und seine zwölf Bezirken – weitergedacht. Wenn Corona die Wirtschaft, die ohnehin durch zunehmende Prekarisierung gekennzeichnet ist, weiter zerfrisst und die AfD und die Querdenker zusammen mit den allzeit bereiten Konservativ-Neoliberalen ein faschistisches Regime errichten, dann kehrt das Olympiastadium endgültig zu seinen Wurzeln zurück.

Gut, dass ich zu alt bin, um „erwählt“ zu werden, Pech, dass die Alten ohnehin auf der Abschussliste stehen. Eine Kritik, die ich gleich erwähnen werde, bezieht sich in der Tat auf „Logan’s Run“, einen SF mit dystopischem Einschlag aus dem Jahr 1973, um über „Die Tribute von Panem“ zu schreiben. In „Logan’s Run“ ist die Lebensuhr der Menschen, die sich nach dem großen Zivilisationscrash unter den begrenzten Möglichkeiten einer Glaskuppel zum Überleben zusammengefunden haben, mit etwa 30 Jahren abgelaufen, damit keine unbezahlbaren Rentenansprüche entstehen und es nicht zu voll wird unter der Kuppel.

Der Film erhielt größtenteils positive Kritiken. Die Kritikensammlung Rotten Tomatoes verzeichnet eine zu 84 Prozent positive Bewertung, auf der Grundlage von 281 professionellen Kritiken.[13]

Der Metascore fällt, wie gewöhnlich, dezenter aus und liegt bei 68/100, die IMDb-Nutzer kommen im Durchschnitt auf 7,2/10, ebenso diejenigen, die in „Moviepilot“ ihre Bewertungen abgeben, „Der Filmkürbis“ wertet mit 7/10. Es gibt aber auch dezidiert negative Stimmen:

Hans-Ulrich Pönack rezensierte den Film für Deutschlandradio Kultur und kam zum Schluss, er sei „zynischer, böser Unfug“, „krank“, „übel“, „geschmacklos“ und eine „dumpfe Verherrlichung von feinen Extrem-Brutalitäten unter Kindern“. Pönack sah eine fragwürdige „Themen-Grenzüberschreitung“ gekommen und warnte, der „unverschämte Blockbuster-Streifen“ füge „der allgemeinen Leinwand-Show eine neue üble Nuance hinzu“.[14]

Kritisiert wurde der Film von Sabine Horst in der Zeitschrift epd Film, in der sie schreibt, der Film könne „seinen Thrill, seine Schauwerte bloß aus dem beziehen, was er nominell verwirft: faschistische Aufmärsche in der Hauptstadt, die tollen Klamotten, in die Katniss bei öffentlichen Auftritten von ihrem Stylisten gehüllt wird, in Bourne-Manier geschnittene, für einen ab 12 freigegebenen Film sensationell gemeine Kampfszenen und schließlich lange, auf eigene Art voyeuristische Nahaufnahmen vom gequälten Gesicht der aus Winter’s Bone bekannten Jennifer Lawrence. Am Ende weiß die Inszenierung – und das scheint kein bewusst herbeigeführter Effekt zu sein, sondern schieres Unvermögen – sich selbst nicht mehr vom Blick der Überwachungskameras im Wald abzugrenzen. Es ist, als wolle man Hitler mit Leni Riefenstahl austreiben.“[21]

Dass Heldenfilme, besonders Superheldenfilme heutiger Prägung, faschistische Tendenzen haben, auch dann, wenn sie vorgeblich Unterdrückungsregimes geißeln, ist nicht neu. Allein die Konstellation, dass die Probleme der Welt nicht demokratisch, sondern von Übermensch*innen gelöst werden, ist bezüglich der Auswirkungen auf das Publikum gar nicht zu überschätzen und stört mich persönlich mittlerweile mehr als die Gewaltorgien, an die wir uns alle längst gewöhnt haben – die allerdings diese faschistoide Filmemacherei bestens ergänzen oder unterstreichen. Im amerikanischen Film ist Gewalt aber schon lange in besonderem Maße konstitutiv und nun darf man darüber nachdenken, warum es so natürlich und gar nicht überraschend wirkt, dass auch die Politik des Landes immer offener aggressiv auftritt, anstatt ihre imperialistischen Ansprüche hinter ethischen Konzepten zu verstecken, die sie selbst längst ad absurdum geführt hat. Selbstverständlich gibt es auch positive Meinungen zu „Die Tribute von Panem“:

Lisa Schwarzbaum vergleicht in Entertainment Weekly die Verfilmung mit dem Buch und attestiert ersterer, sie sei „eine muskelbepackte, ehrenvolle, unerschrockene Übertragung von Collins’ Vision“. Die Protagonistin Katniss sei „Herz und Seele der Geschichte“ und werde von Jennifer Lawrence „so beeindruckend“ dargestellt „wie man es sich nur vorstellen kann“, in „ihrer Schwere, ihrer Gefühlstiefe und ihrer ungekünstelten Schönheit“. (…)

Das ist eigentlich immer das Beste und darauf kann man sich verlassen. Schlecht gespielt sind US-Blockbuster selten, aber selbstverständlich kann man mehr entdecken, wenn man einen grundsätzlich positiven Blick auf das Geschehen wirft:

„farbloser“ und „unengagierter“ Darstellung. Das Drehbuch bleibe „dem Ausgangsmaterial pflichtbewusst nahe“.[23]

Für Todd McCarthy vom Hollywood Reporter ist The Hunger Games eine „getreue und passable Filmadaption des massiven Bestsellers“. Die Filmemacher hätten „die faschistisch-politische Seite der Geschichte“ hervorgehoben, „indem sie die minutiösen Manipulationen des Publikums und der Spiele selbst unterstreichen“. (…)

Mehr als fünf Rezension haben wir bisher nicht anzitiert, deswegen schließe ich an dieser Stelle. Zweimal konnten wir bisher B-Rezensionen durch Kritiken des Features „Filmfest A“ ersetzen, möglicherweise wird es auch bei „Die Tribute von Panem“ so kommen. Allerdings müssen wir uns dafür nicht weniger als vier Kinostücke aus den Jahren 2012 bis 2015 ansehen. Immerhin spielen darin auch einige Größen früherer Kinoepochen mit, die gewiss daran zu erkennen sind, dass man sie entweder vergessen hat auszuradieren oder dass sie die Macht in den gichtigen Händen halten.

(1) oder kursiv und ohne Nummerierung: Wikipedia

Regie Gary Ross
Drehbuch Gary Ross
Suzanne Collins
Billy Ray
Produktion Nina Jacobson
Jon Kilik
Musik T-Bone Burnett
James Newton Howard
Kamera Tom Stern
Schnitt Stephen Mirrione
Juliette Welfling
Jennifer Vecchiarello
Besetzung

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