Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (Fantastic Beasts and Where to Find Them, USA / GB 2016) #Filmfest 350

Filmfest 350 A

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them) ist ein britischUS-amerikanischer Fantasyfilm von David Yates, der Elemente aus dem gleichnamigen Buch enthält, das von der Autorin der Harry-Potter-Romane, Joanne K. Rowling, als Begleitwerk zur Roman-Serie geschrieben wurde. Mit dem Film gab Rowling ihr Debüt als Drehbuchschreiberin. Die ursprünglich als fiktives Lehrbuch verfasste Vorlage diente somit der Inspiration eines ersten Ablegers der Harry-Potter-Filmreihe, der sich im selben Filmuniversum bewegt. Der Film ist der erste Teil einer geplanten fünfteiligen Filmreihe und kam am 16. November 2016 in die Kinos in Österreich, am Folgetag in der Schweiz und Deutschland sowie am 18. November in den USA.

Im Rahmen der Oscarverleihung 2017 erhielt Colleen Atwood eine Auszeichnung für die besten Kostüme. (1)

Was hatte ich ein Glück, dass ich den Namen „Hoghwards“ schon irgendwo gehört hatte und daher den Film dem „Rowling-Harry-Potter-Universum“ zuordnen konnte. Aber jetzt weiß ich Bescheid und Sie auch, zum Beispiel darüber, dass ein gerade erst gestartetes Franchise-Spinoff oder Spinoff-Franchise noch vier Fortsetzungen bekommen soll. Eine weitere gibt es schon, „Fantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“. Grindelwald taucht ja auch am Ende des ersten Teils auf bzw. eine Figur namens Percival Graves entpuppt sich als ebenjener Grindelwald, dessen Name unverkennbar an ein anderes Universum, das der Gebrüder Grimm, angelehnt ist.

Handlung (1)

Im Jahr 1926 erreicht der exzentrische Magizoologe Newt Scamander per Schiff die Stadt New York. Er kommt mit seinem abgenutzten Koffer nach Amerika, in den mehr hineinpasst, als man im ersten Moment vermuten möchte. So befindet sich darin eine ganze Sammlung seltener und als gefährlich angesehener magischer Kreaturen, die Newt auf seinen Reisen rund um den Globus finden konnte, darunter auch ein Niffler und seine Bowtruckles. Newt ist nach Amerika gekommen, um den Donnervogel Frank, den er in Ägypten aus den Fängen von Tierhändlern gerettet hat, zurück in dessen natürlichen Lebensraum nach Arizona zu bringen. Hiernach will er zurück nach England, um dort sein Buch Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind zu beenden, in dem er erläutert, warum solche Tierwesen geschützt werden sollten. Zunächst aber macht der Magizoologe mit der amerikanischen Zauberergesellschaft Bekanntschaft, die es vorzieht, sich vor Nicht-Zauberern zu verstecken. Zudem hinterlässt in New York seit einiger Zeit ein mysteriöses Wesen eine Spur der Verwüstung, und einige in der Bevölkerung machen die magische Gemeinschaft dafür verantwortlich. So versucht Mary Lou Barebone, die als fanatische Anführerin der Second Salemers das Vermächtnis der Hexenprozesse von Salem fortführt, die Stimmung gegen die New Yorker Zauberwelt anzuheizen. Der Zauberer Percival Graves steht mit ihrem Adoptivsohn Credence in Kontakt, einem jungen, verstörten Mann, den er für einen Squib hält und von dem er Hinweise auf eine sehr junge Hexe mit starken magischen Kräften zu erhalten hofft.

 

Kurz nach seiner Ankunft entwischt Newts Niffler aus seinem Koffer und begibt sich in der Steen National Bank auf Diebestour. Er trifft dort auf den No-Maj Jacob Kowalski, der Scamanders silbernes Ei eines Occamys in die Hände bekommt. Der Magizoologe holt sich das Ei zurück und fängt seinen Niffler wieder ein. Als er Jacob, der durch Scamanders Handeln von diesen Tierwesen und der Existenz von Magie erfahren hat, mit einem Vergessenszauber belegen will, schlägt der No-Maj ihn mit dem Koffer nieder und verschwindet. Hierbei verwechselt er seinen Koffer mit dem Scamanders, welcher ihm ähnelt. Newt wird bei all dem von Porpentina Goldstein, genannt Tina, beobachtet, die für den MACUSA arbeitet, den Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika. Dorthin bringt Tina Newt und muss während einer Durchsuchung feststellen, dass er den falschen Koffer mit sich führt, denn Jacobs Koffer enthält nur Gebäck. Seraphina Picquery, die Präsidentin des MACUSA, befürchtet, dass es zu einem Krieg mit den No-Majs kommen könnte, wenn es ihnen nicht gelingt, die Bedrohung durch die Wesen aufzuhalten, und sie vermutet, dass die Geschehnisse in der Stadt auch mit Gellert Grindelwalds Angriffen in Europa in Zusammenhang stehen. (…)

2020-08-14 Filmfest ARezension

So sicher ist man sich also, dass der Stoff für fünf Filme reicht, dass man sie vorher ankündigt. Das geht wohl nur, wenn man J. K. Rowling heißt und das Glück hat, dass ich ihre Harry-Potter-Romane noch nicht gelesen habe. Da wusste sie übrigens auch, als ihr auf einer Zugfahrt die Erleuchtung zur Erfindung der Figur kam: Es werden sieben Bücher werden! So steht es in der Wikipedia geschrieben, also muss es stimmen. Filmisch gesehen ist es sogar ein großer Vorteil, mit „Tierwesen“ einzusteigen, denn die Filme sind Prequels zu den Potter-Filmen, ähnlich ging man ja schon bei der Star-Wars-Saga vor, man machte nach drei Filmen sozusagen eine Rolle rückwärts. So weit, so gut.

In der IMDb erreicht der Film einen Nutzer-Score von 7,3/10, das ist ganz okay, wenn auch für einen Fantasyfilm unserer Tage nicht herausragend (Grindelwalds Verbrechen kommt nur auf 6,6/10, ich habe schon mal in die IMDb geluchst). Die durchschnittliche Punktzahl bei Tomatoes wird von der IMDb mit sehr guten 84/100 ausgewiesen, aber ich orientiere mich eher am Metascore: 66/100. Ja, das kann ich nachvollziehen und sogar dies:The problem with this spinoff is, like homework, you’d rather be doing something else with your time. (2) Wirklich einschätzen können diese Akklamation nur die wenigen Menschen, die mein Verhältnis zur Hausarbeit kennen.

Wie soll ich also anfangen? Damit, dass mich dieser überbordende CGI-Einsatz mittlerweile nur noch nervt? Dass er das eigentlich immer schon getan hat? Dass ich Menschen gruselig finde, die immer neue Varianten davon für eine Erleuchtung halten? Alles, wirklich alles, was wir in den Film sehen, gab es schon einmal, und das behaupte ich, obwohl ich viele Fantasy-Filme noch gar nicht kenne und diesbezüglich wohl nie komplett werde, denn sie erscheinen in einer Zahl, die kein normaler Mensch konsumieren kann, vor allem, wenn er zusätzlich 700 Netflix-, Prime Video-, Dings- und Gedöns-Streamdingdienste-Serien, die nach der Ansicht eilfertiger Kritiker*innen der profesionellen, semiprofessionellen und der Amateurfraktion alle der Hammer sind, ganz anders als klassische Kinofilme, im Blick behalten muss. Kein Wunder, dass viele Filmfans seit Jahren nicht mehr auf der Straße gesehen wurden. Mit etwas Glück kriegen sie gar nicht mit, dass der beste Stoff von allem, ein Dingensvirus namens Covid19, direkt vor ihrer Haustür auf sie wartet, um sie zu verzaubern. So hat alles sein Gutes.

Sicher, die Figuren sind ganz nett, aber das trifft auf unzählige weitere Filme zu, ebenso, dass die CGI-Charaktere anziehend wirken und auch ein wenig witzig, einige jedenfalls, der Kampf der guten magischen Krumen dieser Erde gegen die Bösen aus den eigenen Reihen, ja, wer kennt das nicht, der je sein Brot im Bette aß? Mir graust gerade vor sieben ausstehenden Harry-Potter-Filmen und möge jenes erwähnte Covid 19 dafür sorgen, dass der dritte Tierwesen-Film noch ein wenig auf sich warten lassen wird. Aber was soll ich machen, ich kann ja nicht immer schreiben, neuere Filme sind überbewertet, ohne neuere Filme anzuschauen, oder? Das wäre ähnlich wie andersrum. Also wie bei denen, die aktuelles Blockbusterkino hypen, aber die Grundlagen des Kinos gar nicht kennen und daher nicht wissen, wie Old School manches schon ist, wenn man von der Technik absieht, die aber auch langsam an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stößt.

Die beinahe epische Distanz zu den Tierwesen und jenen, die sie besitzen, die man aus meinem Text möglicherweise herauslesen kann, hat auch damit zu tun, dass ich eh eine ganze Woche nach dem Anschauen erst die Kritik schreiben. Das ist sehr selten und im Grunde verbitte ich mir das auch, weil ich dann schon einige Details nicht mehr weiß, über die ich eigentlich schreiben wollte und was passiert? Ich muss auf eine Meta-Ebene ausweichen. Quod erat demonstrantum.

Wirklich, es gibt an dem Film nichts Dramatisches auszusetzen. Die Figuren, siehe oben, die Geschwindigkeit, die technischen Fertigkeiten, die Ethik, stimmt doch alles einigermaßen und ist doch so, so auf Ziel inszeniert. Meine Befürchtung wächst schon beim Verfassen dieser kurzen Kritik, dass J. K. Rowling tatsächlich von Beginn an gewusst hat, was sie tat. Beinahe wäre sie darüber gestolpert, dass kein großer Verlag Harry Potter ins Programm aufnehmen wollte, aber wo ein Wille, da ein kleineres Haus und heute natürlich das Selfpublishing mit E-Books. Habe ich schon erzählt, dass 13 von zwölf Freund*innen von mir längst Romane im Internet veröffentlicht haben? Einige davon bringen jeden Monat ein neues blutrünstiges Werk heraus. Ich bin das letzte diskrete Einhorn. Til Schweiger würde sagen: das letzte dumme Keinhorn.

Finale

Wenn Sie Harry Potter und seine Gefährt*innen mögen, dann schauen Sie sich aber „Tierwesen“, Teil 1 von 5, gerne an. Ob sie ein Defizit verspüren oder denken, wow, da ist ja ein Newbie dabei, der heißt Jacob Kowalski und findet alles ganz neu und faszinierend, was wir längst kennen und wenn wir uns nur ein bisschen mit ihm identifizieren, dann haben wir ganz schnell vergessen, dass man uns Ähnliches, nicht nur aus dem Rowling-Universum, schon unzählige Male vorgesetzt hat. Wir werden nur noch im Wow-Modus sein. Und das ist ja schließlich der Zweck, vor allem, wenn man in 3D guckt und sich das, was wichtig ist, nicht so flach ausnimmt wie auf einem platten Bildschirm ohne die Fähigkeit, aus sich herauszugehen und uns sozusagen direkt vor den Kopf zu stoßen. Ich glaube wirklich, wenn man mehr als eine durchschnittliche Bewertung vergeben will, ist man bei diesem Film auf die dreidimensionale Anschauung angewiesen, die ein zwei- oder gar eindimensionales Mindset im Alltag bestens ersetzen kann.

60/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv ohne Nummerierung: Wikipedia
(2) The Globe and Mail, Mark Medley.

Regie David Yates
Drehbuch J. K. Rowling
Produktion J. K. Rowling,
David Heyman,
Steve Kloves,
Lionel Wigram
Musik James Newton Howard
Kamera Philippe Rousselot
Schnitt Mark Day
Besetzung

Regie David Yates
Drehbuch J. K. Rowling
Produktion J. K. Rowling,
David Heyman,
Steve Kloves,
Lionel Wigram
Musik James Newton Howard
Kamera Philippe Rousselot
Schnitt Mark Day
Besetzung

 

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