Fake-News-Präsident Trump und die Hoheit über die Wahrheit | #Timeline #Kommentar | Statista |

Newsroom Timeline Kommentar | USA Donald Trump | Fake News

30.573 falsche oder irreführende Aussagen hat Donald Trump laut Zählung der Washington Post im Verlauf seiner Amtszeit fabriziert. Zum Thema Einwanderung, Außenpolitik und Wahl waren es jeweils über 3.000. Zu Coronavirus, Außenhandel und Wirtschaft jeweils rund 2.500. So gesehen war Trump, der laut Twitter Trump Archive allein in fast 900 Tweets missliebige Medien – wie die Post oder CNN – als Fake News verunglimpft hat, in den letzten vier Jahren selbst ein eifriger Produzent von Botschaften mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt. Aktuell muss der Ex-Präsident indes kürzer treten, was die „Nachrichten“-Verbreitung angeht. Derzeit ist er bei allen großen Sozialen Netzwerken gesperrt. Sein liebster Kanal, Twitter, hat seinen Account gleich ganz gelöscht.

So lautet der Begleittext von Statista zu dieser Grafik, die wir im Anschluss kommentieren.

Hier geht’s zur obenstehenden Statista-Grafik

Mittlerweile scheint klar zu sein: Es ist langweiliger geworden. Nicht wenige Medienmacher*innen wünschen sich Donald Trump zurück, heißt es hier und da. Weil er so ergiebig war. Joe Biden ist ein Langweiler, nicht nur im Vergleich zu seinem Vorgänger. Atmet die Welt deshalb auf? Schwer zu sagen, denn Corona hält uns alle so auf Trab und demgemäß in Atem, dass es nicht leicht ist, sich den aktuellen Zustand der Welt ohne Corona zu denken und mit, sagen wir mal, den Jahren 2017 oder 2019 zu vergleichen, in denen es Trump gab, Corona aber noch nicht. Ich musste durchaus schmunzeln, als ich die obige Grafik gesehen habe.

Auf eines darf man sich verlassen: Dass die Washington Post sehr akribisch und gezählt hat und es war wohl kein Zufall, dass die Grafik erste nach Joe Bidens Amtsübernahme erschien. Wäre das noch während der Wahl passiert, wären nicht nur die Zahlen etwas geringer ausgefallen, zumindest im Bereich „Wahl“, sondern Trump hätte seine besonders aktivistischen Anhänger sicher motivieren können, das Redaktionsgebäude der „Washington Post“ zu stürmen. Dann wäre auch beim Sturm auf das Capitol niemand mehr überrascht gewesen. Eine verpasste Chance, die verhassten Medien so richtig einzuschüchtern? Dass die großen Zeitungen der Ostküste nicht gerade Freunde von Donald Trump sind, ist lange bekannt, ebenso gilt dies für viele Fernsehstationen.

Der Teufel liegt natürlich – nicht nur im Detail, sondern auch in der Interpretation. Auch in Deutschland ist die Diskussion darüber keineswegs überflüssig, was eigentlich Fake News sind und wer das zu bestimmen hat. Sind z. B. alle offiziellen Darstellungen automatisch war, weil Faktenchecker von der ARD oder von Correctiv sagen, es sei so? Ich meine, man sollte etwas vorsichtiger sein und ein scharfes Auge darauf haben, ob Journalisten sich zu Vertretern eines Wahrheitsministeriums aufschwingen wollen, von Dokumentaren, Berichterstattern, Rechercheuren zu Menschen, die eine Machtposition für sich beanspruchen. In unserer verwirrenden Medienwelt ist die Deutungshoheit über Fakten oder Fake News eine der größten Machtpositionen, die man sich erobern kann. Vor allem, wenn sie dazu führt, dass etwa soziale Netzwerke mit diesen neuen Mächtigen kooperieren und sich von ihnen sagen lassen, was weiter veröffentlicht werden kann und was zu streichen oder zu sperren ist.

Dass Trump gelogen hat, dass sich die Balken biegen, daran besteht kein Zweifel, das kann sogar ich vielfach anhand von Statistiken belegen, besonders anhand von solchen aus dem Bereich Wirtschaft. Dass die Zeitungen allen Grund haben, gegen ihn zu schießen, ist ebenfalls unstreitig, denn niemals hat jemand die Pressefreiheit in den USA zuvor so angegriffen, indem er den Journalistenstand diskreditiert hat und die Presse damit auf eine Weise herausgefordert wie Donald Trump. Ein klein wenig erinnert mich das an das miserable Verhältnis von Helmut Kohl zu vielen Journalisten, aber seine Reaktionen waren viel defensiver. Die USA zählen mittlerweile im Bereich Pressefreiheit und Demokratie im Allgemeinen nach Donald Trump nicht mehr zu den Spitzenreitern, das sehen auch Organisationen wie „Reporter ohne Grenzen“ so, die von den USA unterstützt werden. Der Flurschaden, den Donald Trump bezüglich des demokratischen Verständnisses der Amerikaner angerichtet hat, ist evident. Die Spuren davon werden noch lange sichtbar bleiben, und weil die Gesellschaft immer mehr auseinanderdriftet, wird auch Joe Biden diese Tendenz, sich einzukapseln und die Realität zu leugnen, nicht einfach umkehren können. Es sei denn, er würde Grundpfeiler der US-Politik überdenken, und danach sieht es eher nicht aus. Er wird seine Aufgabe wohl eher darin sehen, den Status des Landes zu sichern und die gesellschaftliche Aufgeregtheit einigermaßen zu beruhigen. Das ist aber zu wenig, um einen neuen Aufbruch auslösen zu können. Faktischer zu sein als Donald Trump, ist wichtig, aber reicht nicht aus.

In dem Zusammenhang könnte es wichtig werden, wie die Presse agiert. Ob sie die Pluralität fördert, die sich während der Ära Trump eingefordert hat, oder ob sie mehr oder weniger Hofberichterstattung für Biden macht. Letzteres wäre fatal für die Pressefreiheit selbst. Nur, weil die Politik nicht mehr so schießt, ihr nur noch zu huldigen, wie es auch viele Medien in Deutschland tun, deren Kritik im Vergleich zu früheren Zeiten wirklich sehr moderat ausfällt, würde den Faktenchecker-Status jedenfalls in Frage stellen. Und Faktenchecker, die sich parteiisch verhalten, sind schwieriger Partner bei der Wahrheitsfindung. Können Medien aber unparteiisch sein? Ich meine, das können sie nicht, und deshalb eignen sie sich auch nicht Außenstellen eines Wahrheitsministeriums. Das wäre nur so, wenn es die Pressefreiheit nicht mehr gäbe.

Selbstverständlich lassen sich manche Fakten eindeutig recherchieren, aber was zum Beispiel meint die „Washington Post“ mit „irreführend“? Wer wird durch was irregeführt? Welcher Empfänger einer Botschaft wird als Maßstab angenommen. Jene, die leicht irrezuführen sind und alles wörtlich nehmen oder jene, die sich als eigenständige Beobachter erwiesen haben und News filtern können, je nachdem, von wem sie kommen, stärker oder weniger stark – die mal mehr, mal weniger vertrauen, wenn sie Informationen erhalten, je nachdem, von wem diese stammen. Beim Vertrauen und Misstrauen kann man falsch liegen, aber das heißt noch lange nicht, dass es einen objektivierbaren Maßstab dafür gibt, was nun irreführend ist und was nicht. Selbst Fakten sind aber etwas, was Menschen zusammengetragen haben. Niemand kann ernsthaft alles selbst überprüfen, was veröffentlicht wird. Manchmal hilft die Logik und eine gute Kombinationsgabe, hilft Erfahrung, Menschenkenntnis und Fachkenntnis. Aber bei weitem nicht immer und vor allem dann niemals, wenn man keinen Einblick in die Bereiche hat, aus denen Informationen zusammengetragen werden, die uns präsentiert werden. Es ist schon auffällig, wie unterschiedlich Statistiken ausfallen, je nachdem, welche Quelle man befragt und das hat u. a. mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden zu tun, damit, dass Fakten bereits bei der Erhebung einer Interpretation unterliegen.

Ein Beispiel aus unseren wilden Tagen, die wir derzeit durchleben müssen: Deutschland hat im Vergleich zu vergleichbaren europäischen Ländern immer noch eine recht geringe Fallzahl an Corona-Infektionen, wenn man die Fallzahl in Relation zur Bevölkerungsgröße setzt. Aber die Todesfallzahlen sind in letzter Zeit so rapide angestiegen, dass von einem wesentlich besseren Corona-Management keine Rede mehr sein kann. Gehen wir davon aus, dass die Todesfallzahlen stimmen und mit der Erhebungsweise in vergleichbaren Ländern tatsächlich vergleichbar sind. Dann ergibt sich, dass Deutschland eine viel höhere Letalitätsrate bei Corona hat als jene vergleichbaren Länder. Liegt es daran, dass es hierzulande besonders viele alte und daher anfällige Menschen gibt? Ein wenig, vielleicht. Trotzdem dürfte die Letalitätsrate bei ähnlichen medizinischen Standards nicht um ein Drittel höher liegen als z. B. in Nachbarländern, sie liegt aber in Deutschland bei ca. 3 Prozent, bei den meisten Nachbarn bei ca. 2 Prozent. Die Lösung findet man nur, wenn man sich eine weitere Zahl anschaut: Die Zahl der Tests. Bei der Durchtestung der Bevölkerung fällt Deutschland immer weiter hinter andere Länder zurück. Das führt unter anderem dazu, dass weniger Infektionsfälle entdeckt werden, während die Todesfallzahlen (hoffentlich) korrekt registriert werden. Viele, die infiziert sind, aber nicht so erkranken, dass sie behandelt werden müssen, laufen durch die zu geringe Testrate unter dem Radar durch und können andere weiter anstecken. Man muss hier also mehrere Zahlen zusammen betrachten, um zu verstehen, warum die Fakten zwar an sich stimmen, aber trotzdem ein großes Problem aufdecken, das man ihnen nicht ansieht, wenn man sie einzeln betrachtet. Dieser Kausalzusammenhang ist noch relativ einfach, es gibt wesentlich schwieriger nachzuvollziehende Abhängigkeiten und Gleichungen mit mehreren Variablen.

Faktenchecker können mir nun entgegenhalten, dass ich Fake News produziere, weil ich den dargestellten Zusammenhang dieser Zahlen nicht beweisen kann. Ich kann wiederum darauf verweisen, dass sich mittlerweile einige Medien über diesen Zusammenhang Gedanken gemacht haben und zum Beispiel die höhere Inzidenz in anderen Ländern auch auf deren konsequentere Erfassung von Infektionsfällen zurückgeführt haben. Ein Beweis ist das aber nicht. Was nicht entdeckt wird, lässt sich nun einmal nicht beweisen, man kann nur Auffälligkeiten beschreiben. Warum sollten wir aber in Deutschland nur halb so viele Fälle haben wie in umliegenden Ländern, und das bei einer so hohen Anzahl von Covidioten? Aus dem dargelegten Grund, und das ist nur einer von mehreren, ist de Beschränkung auf die vorhandenen Fakten, wenn sie nicht mehr interpretiert werden dürfen, eine sehr tückische Form von Einschränkung der Meinungsfreiheit. Ich streite mich lieber mit jemandem, der das oben Dargestellte anders sieht, auch wenn ich bei den meisten Positionen, Corona betreffend, eher zum „Mainstream“ rechne, auch wenn ich finde, dass manche wirklich spinnen, als dass ich es richtig fände, wenn man sie mundtot macht. Wir müssen es mal aushalten, dass Menschen Blödsinn erzählen. Wir sind alle nicht unerfahren, die Medienrezeption betreffend. Im Notfall müssen wir uns selbst schlau machen und den journalistischen Gegencheck machen wir beim Wahlberliner sowieso. Das gehört zum erwachsen sein. Zur Mündigkeit, die man der Wirtschaft mit ihren großen Freiheiten ja auch unterstellt.

Corona ist leider ein super Einfallstor für die „Koordinierung“ der Wahrheit beim Staat und seinen Sprachrohren, weil man auf die Gefährdung hinweisen kann, die Fake News auszulösen in der Lage ist. Wie zum Beispiel, wenn ein Impfstoff durch Teilnehmer an der Meinungsbildung in den sozialen Medien verunglimpft wird und sich dann weniger Menschen, als es notwendig wäre, um die Impfquoten zu steigern, damit behandeln lassen möchten. So läuft es derzeit mit dem Vakzim von AstraZeneca. Komischerweise haben nun aber gerade mehrere Länder die Impfung damit ausgesetzt, die sich bisher eher als fit in Sachen Corona-Management erwiesen haben. To be continued, wir werden sehen, wie es weitergeht – aber so ist es derzeit und ist alles, was dort zu mehr Vorsicht geführt hat, auf Fake News aufgebaut? Kann man den Vertretern des deutschen Staates mehr trauen, die sich in der Corona-Krise als Chaoten erwiesen haben und außerdem zum Teil von Lobbys, nicht vom Idealismus getrieben und gesteuert werden?

Oder versucht man bei uns, weil das Impfen eh schon viel zu langsam läuft, so zu tun, als gebe es keine Gefahren und nebenbei kostet der AstraZeneca-Impfstoff nur 15 Prozent dessen pro Dosis, was BionTech-Pfizer nimmt und nur zwölf Prozent einer Dosis von Moderna. Hoffentlich waren das jetzt keine Fake News. Es ist wichtig, alles, was uns angeboten und verkauft wird, weiter hinterfragen zu dürfen. Die unter Druck stehenden traditionellen Medien, die fast alle sukzessive an Zuspruch, vulgo: an Auflage, verlieren, sollten nicht der Versuchung erliegen, ihre einstige Position dadurch wiederzuerlangen, dass sie dafür sorgen, dass die neueren Mitspieler bis zum Meinungsäußerungsverbot herunterreguliert werden. Es reicht schon, dass diese durch die DSGVO und das neue Urheberrecht gezielt behindert werden. Letztlich wird dies aber auch das Ende der Traditionsmedien sein, weil ihnen niemand mehr vertraut. Wer behauptet, die absolute Wahrheit für sich zu haben, anstatt zuzugeben, dass er einer von mehreren Interpreten ist und sich genauso auf Quellen verlassen muss, die er nicht gänzlich durchleuchten kann, wie andere es tun, die zu anderen Schlüssen aufgrund derselben Faktenlage kommen, der setzt sich freiwillig in ein Boot mit denen, die Fakten manipulieren können, ohne dass ihnen so leicht jemand draufkommt (es sei denn, ein*e Whistleblower*in tritt hervor oder es wird wirklich tiefgründig recherchiert, inklusive Ausnutzung aller Möglichkeiten der Informationsfreiheit und auch der Investigation dort, wo es um „Geheimnisse“ geht).

Ganz sicher haben Trumps hetzerische Fake News viel Schaden angerichtet und es war richtig, ihm gegenüber Widerstand zu leisten, aber dass überhaupt ein solcher Typ Präsident der USA werden konnte, ist nur möglich gewesen in einem entsprechenden Klima der Aggression, der Spaltung, der Ungleichheit und der Gewaltbereitschaft. Man darf die Medien nicht dafür bashen, dass sie diese schlechten Nachrichten überbringen, deren Boten sind. Sie sollten sich aber auch nicht dazu aufschwingen, die Wahrheit selbst generieren zu wollen und dabei die alleinige Deutungshoheit gleich mit für sich in Anspruch zu nehmen. Sie sollten überlegen, warum sie nicht genug gegen die gesellschaftlichen Zustände gekämpft haben, die Trump ins Amt gehoben haben. Das ist die Reaktion, die ich empfehlen würde, gepaart mit höchstmöglicher Seriosität.

Etwas mehr Bescheidenheit könnte auch nicht schaden. Journalisten tendieren zur Arroganz, doch dazu gibt es angesichts der mangelhaften Qualität vieler ihrer Erzeugnisse überhaupt keinen Grund. Erst recht gibt es keinen Grund, sie als Verbreiter der absoluten Wahrheit zu akzeptieren und damit ihre Stellung als Zensoren gegenüber der Zivilgesellschaft und deren Meinungsäußerungen. Auch frühere Präsidenten der USA haben übrigens gelogen, und zwar in wichtigen Angelegenheiten, die Krieg und Frieden betreffen, wie etwa George W. Bush. Die Medien waren damals bass erstaunt, wie sowas passieren kann, als das eine oder andere durchsickerte und sich zu einer Wahrheit über Lug und Trug verdichtete, die von den Faktenfindern zum relevanten Zeitpunkt, nämlich, als politische Entscheidungen davon abhingen, gar nicht in Betracht gezogen worden war. Die Geheimdienste waren teilweise besser informiert, aber die Medien konnten das eben nicht auschecken.

Politiker*innen, Medien die ihnen sehr nahestehen und was diese gemeinsam an Zahlen und Aussagen produzieren, blind zu vertrauen, wäre fahrlässig, gerade das sollte uns das Beispiel Donald Trump lehren, und nicht, uns das eigene Nachdenken abnehmen zu lassen.

Es obliegt uns allen, wachsam zu sein und kritisch. Medien oder einzelne Kollektive sollten nicht zu sehr darauf bestehen, uns das abnehmen zu wollen. Sie und ihre Arbeit sind wichtig, damit wir ein Gesamtbild erhalten, aber sie sind nur Teilnehmer an der Meinungsbildung und sollten sich nicht dazu versteigen, diese dirigieren zu wollen. Meinungsvielfalt ist zumeist keine Sinfonie, an deren Wohlklang man sich ergötzen kann, sondern kakophonisch. Es tut manchmal weh, zuzuhören, wenn die Influencer-Schreihälse krakeelen, aber das ist ihr Recht, solange Demokratie herrscht, und nur im Wettstreit mit ihnen kann das Vernünftige und Bessere erkämpft werden und steht dann auf dem sicheren Fundament der Akzeptanz seitens der Mehrheit.

TH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s