Digital überholt Print | #Newsroom | Statista | #Media #Leserzahlen #DerWahlberliner #Alternativmedien #Digital #Print

Es war abzusehen und es wird sich fortsetzen: Digitales Lesen nimmt zu, „haptisches“ ab. Nicht nur die Buchverlagsbranche bekommt das zu spüren, sondern auch die Hersteller von Printerzeugnissen der Tages- und Magazinpresse.

Wir waren also auf dem richtigen Dampfer, als wir 2011, dann 2017 und wieder 2018 ausschließlich digital gestartet sind. Kleiner Scherz, muss in schrecklichen Zeiten auch sein. Zudem gibt es in der Statistik eine weitere Auffälligkeit, die wehmütig stimmt und die wohl nicht der Corona-Krise zuzuschreiben ist.

Im Erklärungstext zu dieser • Infografik: Digital überholt 2021 Print | Statista heißt es:

2021 werden laut einer Schätzung des Statista Advertising & Media Outlook erstmal mehr Menschen in Deutschland Zeitungen und Magazine digital lesen als in gedruckter Form. Damit sind die Deutschen relativ spät dran. In Großbritannien hat Digital bereits 2018 Print überholt, in den USA war es 2019 so weit. Die Prognose zeigt außerdem, dass die Reichweite von Druckerzeugnissen weiter sinken wird. Lesen aktuell noch rund 33 Millionen die haptische Variante von Zeitungen und Magazinen, werden es 2025 nur noch etwas mehr als 25 Millionen sein.

Man muss anderen nicht alles möglichst schnell nachmachen, schon gar nicht Ländern, in denen der Kulturverlust auch im Wahlverhalten deutlich wird, aber was mich vor allem schockiert hat, war der Verlust von 10 Millionen Leser*innen insgesamt in dem kurzen Zeitraum von 2017 bis 2021 – die also keine Printerzeugnisse mehr lesen, aber auch nicht auf Digitales umgestiegen sind. 77 Millionen Leser*innen vor vier Jahren stehen nun 67 Millionen gegenüber. Bis 2025 soll die Zahl weiter sinken, wenn auch nicht mehr so drastisch: auf 65 Millionen täglich.

Was ist bloß in diesen wenigen Jahren geschehen und wo informieren die Menschen sich jetzt? Mir stellt sich dabei z. B. die Frage, wie z. B. Video- und Audiopodcasts in diese Berechnung einbezogen werden, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass innerhalb von vier Jahren das Gesamtlesevolumen um ca. 13 Prozent zurückgegangen ist.

Eine (weitere) Erklärung: Sogenannte neue Alternativmedien werden nicht hinreichend berücksichtigt. Dies nicht zu tun, ist ein fataler Fehler. Denn aus diesen Medien beziehen gerade Vertreter*innen extremer Ansichten viele ihrer mehr oder weniger angeschärften Weisheiten. Analyst*innen, welche künftig die politischen Trends und die Medienentwicklung verfolgen wollen, sollten sich darüber klar sein, dass die größeren unter den „Alternativen“ zusammen bereits einige Millionen Leser*innen täglich erreichen dürften und sollten diese Medien und deren Wirksamkeit einer aufmerksamen Betrachtung unterziehen. Der Maßstab kann dabei nicht sein, ob diese Magazine mit Paywalls arbeiten oder nur auf Spendenbasis oder (noch) komplett unkommerziell sind, sondern ob sie Inhalte anbieten, an denen sich Menschen orientieren.

Auf dem Nachrichtenportal „Newstral“ zu Beispiel erreichen Klicks für die „Nachdenkseiten“, die eines der profiliertesten und ältesten unter den „Alternativmedien“ darstellen, bereits ca. 70 bis 80 Prozent dessen, was die „Taz“ generieren kann.

U. a. durch Portale wie „Newstral“ schaffen sich die etwas professionelleren Leser*innen einen Überblick und vor allem jene, die sich nicht nur von Journalismus aus einer (politischen) Richtung bedienen lassen, sondern mit wenigen Blicken ein breites Meinungsspektrum zu einem Thema erfassen wollen. Im Rahmen der administrativen Umstrukturierung, die seit mehreren Monaten im Gange ist, haben wir uns nun auch dazu entschlossen, mehrere dieser Portale zu sichten. Zeitlich ist das recht tricky, denn wir haben schon bisher viele Feeds aller Art abonniert – gerade deshalb müssen wir mehr auf eine höhere Ebene gehen, um den Überblick zu behalten.

Außerdem: Wir wollen im Jahr 2025 nicht weniger, sondern mehr lesen als jetzt. Um das zu schaffen, müssen wir weiter an der Effizienz unserer Auswertungsmethodik arbeiten.

TH

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