Blinder Glaube – Tatort 703 #Crimetime Vorschau #Tatort #Berlin #Ritter #Stark #RBB #Glaube #blind

Crimetime Vorschau - Titelfoto © RBB, Hardy Spitz

Manchmal geht’s vielleicht nicht anders

Wenn man von einer Sache einfach keine Ahnung haben kann, ist man blind. Es fehlt schlicht die Kompetenz, damit man sich als sehend bezeichnen könnte. So geht es derzeit ganz vielen von uns. Wir wissen fast nichts und müssen in der Pandemie blind vertrauen und daran glauben, dass die Fachleute das Beste für uns wollen – oder wir glauben das genaue Gegenteil, das sieht man auch immer wieder. Nur Wissen ist Macht, aber Glaube kann trotzdem eine Stärke sein und manchmal ist er stärker als Wissen.

Wenn ich mir die Handlungsbeschreibung dieses Films durchlese, glaube ich, ihn doch zu kennen, obwohl es keine Rezension dazu gibt. Ich weiß es aber nicht genau, denn in Berlin wurde mehr als ein Film gedreht, der im Milieu der forschenden Mediziner*innen angesiedelt ist. Außerdem ist das übliche Spiel von Geld und Macht Politik und Wirtschaft immer ähnlich vom Verlauf. Ob es für von Lobbyismus und Korruption abgenervte heutige Zuschauer interessant ist, hängt vor allem davon ab, wie es dargestellt wird.

Da ich keine Rezension posten kann, gibt es also eine Vorschau und einen Vermerk für den 22.02.2021, 22:15 Uhr, dann wird er nämlich im RBB wiederholt und über kurz oder lang, jedenfalls nach diesem Abend, kommt wirklich eine Kritik von mir zu diesem 19. von 31 Fällen des Berliner Teams Ritter und Stark. Die Nutzer*innen des Tatort-Funds zählen ihn eher zu den schwächeren Werken dieser Ära, er steht aktuell auf Platz 22. Auch wenn ich das nicht immer so präsent habe: Ritter und Stark zählen zu den überdurchschnittlichen Ermittlern, denn dieser Platz 22 bedeutet gleichzeitig Rang 580 in der Gesamtwertung aller bisherigen Tatorte, also fast exakt durchschnittlich (1169 gelistete Fälle, davon 13 „außer Konkurrenz“). Vor allem gegen Ende der gemeinsamen Arbeit haben sie mit Filmen wie „Gegen den Kopf“ brilliert, der aktuell als zweitbester Tatort aller Zeiten gilt (ebenfalls nach Ansicht der Nutzer*innen der Plattform Tatort-Fundus).

Bei denjenigen, die eine Meinung beigefügt haben, kann man nachlesen, was ich schon oft an Tatorten jener Epoche bemängelt habe: Zu viel Oberflächenglanz des neuen Berlin und daher zu oberflächlich, von zu „durchdesigned“ ist z. B. die Rede. Durchgestylt waren sie ja wirklich, die Tatorte jener Jahre und dann immer die präsenten Amouren von Ritter. Die sollen dieses Mal aber nicht so ausgeprägt sein, wie man es in einigen Filmen zuvor beobachten konnte. Überhaupt hat man sich diesbezüglich zum Ende der Ära hin etwas mehr zurückgenommen und nicht nur in einer Stadt, in der eine gewisse Sensibilität gegenüber Themen wie Sexismus herrscht, war es eine gute Entwicklung, dem Ritter peu à peu etwas von seinem Old-School-Machismo zu nehmen. Auch der Präsenz seines Partners Stark hat das gutgetan.

Berührt hat der Film einige Menschen wohl nicht, zumindest haben sie es so aufgeschrieben – aber das hat in der Tat mit dem Styling der Ritter-Stark-Filme zu tun und natürlich mit den Milieus, in denen sie angesiedelt sind. Es war sicher auch so gedacht, dass eine gewisse kühle Aura entstehen sollte – die allerdings speziell auf einen Bezirk rekurriert, nämlich Berlin-Mitte und dort wiederum nur auf die tatsächliche neue Stadtmitte – die Gegend, in der einst die Mauer stand, nicht auf weitere Stadtteile wie den Wedding, die ebenfalls zu diesem Bezirk zählen. Dadurch sind 90 Prozent von Berlin mehr oder weniger vernachlässigt worden, alles um des Außenbildes der Stadt wegen. Aber eine Zeit, in der Berlin wirklich als Panorama gezeigt wurde, gab es bisher im Tatort nicht. Teilweise lag das auch an der ruckigen Geschichte der Reihe in dieser Stadt, in der viele Jahre lang kein richtiges Konzept möglich zu sein schien. Das wurde spätestens mit Ritter und Stark, schon zuvor für ein paar Jahre mit Markowitz, anders, aber beide Epochen waren eben sehr speziell ausgestaltet und vermitteln einen beinahe gegensätzlichen Eindruck von der Stadt. 

Handlung

Katja Manteuffel, Chefärztin der Berliner Uni-Augenklinik, wird ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen führen Ritter und Stark zur Cornea AG, einer Firma, die im Rahmen des streng geheimen Projektes „Phydra“ einen revolutionären Netzhaut-Chip entwickelt hat. Dieser Chip wurde kurz nach Katja Manteuffels Ermordung einer blinden Patientin implantiert. Schon bald rückt die Augenchirurgin Mareike Andresen ins Visier der Kommissare. Aufgrund der Ermordung von Katja Manteuffel hat sie die aufsehenerregende Operation durchgeführt. Eine einmalige Chance für die Karriere der jungen Ärztin. Aber hat sie dafür gemordet?

Als Ritter und Stark herausfinden, dass die Ermordete eine heimliche Liebesbeziehung mit Tim Nicolai, dem Verlobten von Mareike Andresen und Leiter von „Phydra“, hatte, gerät auch dieser unter Verdacht. Drohte Katja Manteuffel gegenüber Tim Nicolai damit, seiner Verlobten von dem Verhältnis zu erzählen? Es hätte Nicolais Entlassung aus der Firma bedeutet, denn der Vorstandsvorsitzende der Cornea AG ist Mareikes Vater Manfred Andresen.

Doch damit nicht genug: Von der attraktiven wissenschaftlichen Mitarbeiterin Judith Wenger erfährt Ritter, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung „Phydra“ maßgeblich finanziert. Immer klarer wird, dass der Schlüssel zur Aufklärung im Beziehungsdickicht von Forschung und Wirtschaft verborgen liegt, in dem Profitdenken und knallharte Konkurrenz herrschen. Ritter und Stark müssen ein Geflecht aus Lügen entwirren und stehen am Ende vor einer verblüffenden Lösung.

Besetzung und Stab

Felix Stark – Boris Aljinovic
Till Ritter – Dominic Raacke
Manfred Andresen – Jörg Gudzuhn
Dr. Tim Nicolai – Justus von Dohnányi
Weber – Ernst-Georg Schwill
Judith Wenger – Gesine Cukrowski
Dr. Mareike Andresen – Judith Engel
Wiegand – Veit Stübner
Monika Himmelrath – Franziska Troegner
Prof. Dr. Lutz Manteuffel – Dietrich Mattausch
Patientin Kerstin Vonk – Anne Kanis

Kamera – Wolf Siegelmann
Regie – Jürgen Bretzinger
Musik – Curt Cress
Buch – Andreas Pflüger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Felix Stark – Boris Aljinovic
Till Ritter – Dominic Raacke
Manfred Andresen – Jörg Gudzuhn
Dr. Tim Nicolai – Justus von Dohnányi
Weber – Ernst-Georg Schwill
Judith Wenger – Gesine Cukrowski
Dr. Mareike Andresen – Judith Engel
Wiegand – Veit Stübner
Monika Himmelrath – Franziska Troegner
Prof. Dr. Lutz Manteuffel – Dietrich Mattausch
Patientin Kerstin Vonk – Anne Kanis

Kamera – Wolf Siegelmann
Regie – Jürgen Bretzinger
Kostüm – Daniela Thomas
Szenenbild – Ralf Küfner
Musik – Curt Cress
Schnitt – Claudia Fröhlich
Produzent – Mario Melzer
Produktionsleitung – Andreas Berndt
Buch – Andreas Pflüger

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