Grün-Alarm: Schädlinge, Dürre, Verwirtschaftung, Abholzung – zum Zustand des Waldes weltweit | #Newsroom | Statista | #Umwelt #Klima #ClimateChange #Klimawandel #Pollution

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Liebe Leser*innen,
es bleibt uns nicht erspart, Ihnen neben dem Corona-Ärger dies mitzuteilen:

„Die Dichte der Baumkrone deutscher Wälder ist seit einigen Jahren rückläufig. Nur noch etwa 21 Prozent der gesamten Waldfläche weist ein gesundes Blätterdach auf, wie die erste Grafik zeigt.“ So lautete der Eingangstext der Grafik, die wir gestern von Statista erhielten und die wir hier abgebildet haben:

Die Dichte der Baumkrone deutscher Wälder ist seit einigen Jahren rückläufig. Nur noch etwa 21 Prozent der gesamten Waldfläche weist ein gesundes Blätterdach auf, wie die erste Grafik zeigt.“

Weiter heißt es im Begleittext:

„Rund 37 Prozent der gesamten Waldfläche Deutschlands weisen im Jahr 2020 deutliche Verlichtung auf. Bei weiteren 42 Prozent ist ein Rückgang der Baumkrone bereits erkennbar und nur bei etwa 21 Prozent stehen die Bäume in gesunder Fülle. Das ist das Ergebnis der Waldzustandserhebung 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Wie die Statista-Grafik zeigt, hat sich der Kronenzustand bei vielen Bäumen innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich verschlechtert. Im Jahr 2010 lag der Anteil der verlichteten Waldfläche noch bei unter einem Viertel. Hinzukommt eine stark angestiegene Absterberate, die vor allem ältere Wälder über 60 Jahre betrifft, aber auch die Gesundheit vieler junge Bäume zeigt einen Abwärsttrend. Insgesamt gehören die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen.“

Zum einen wird der Schädlingsbefall verantwortlich, zum anderen zeigt sich nach unserer Meinung in der Grafik noch etwas: Der Sommer 2017 war von viel Regen, teilweise von Wolkenbrüchen gekennzeichnet, besonders haben wir das im Juni erlebt. Diesem Sommer aber folgten die beiden Dürrejahr 2018 und 2019. In diesen Jahren verschlechterte sich der Zustand des Waldes so schnell wie nie zuvor und hat sich 2020 nicht erholt. Die starke Sonneneinstrahlung bei gleichzeitig trockenen Böden macht einigen Baumarten bereits zu schaffen und auch der Schädlingsbefall dürfte sich zuletzt verstärkt haben.

Die Zeit“ hat im letzten Sommer einen Artikel veröffentlicht, in dem die Probleme nach Baumarten getrennt aufgeführt und der Klimawandel, einhergehend mit Trockensommern, als entscheidender Faktor identifiziert wird. Besonders traurig für uns persönlich: Wir sehen seit vielen Jahren zu, wie unsere Hofkastanie gegen Ungeziefer kämpft, in den Jahren 2018 und 2019 (oder 2020) hat sie die Waffen beinahe ganz gestreckt und zählte zu den ersten Bäumen, die wegen der Trockenheit ihre ohnehin durch den Schädlingsbefall bräunlichen Blätter einrollte. In Berlin hat es große Relevanz, wenn im Zeit-Artikel steht, dass die Rosskastanienbäume bald aus dem Stadtbild verschwinden werden, denn sie sind hier immer noch sehr zahlreich. Unsere im Hinterhof hat sicher mehr als 60 Jahre allem getrotzt, was kam, aber wenn so weitergeht, wird wohl auch für sie bald Schluss sein.

Natürlich haben wir, wie immer, ein wenig mehr recherchiert und sind auf anhaltende globale Probleme gestoßen. Ein besonders trauriges Kapitel ist das Schicksal des gewaltigen Amazonas-Regenwaldes von Brasilien. • Infografik: Rodung im Amazonasbecken nimmt wieder zu | Statista. Seit 1990 wurde eine Waldfläche abgeholzt, die größer ist als Deutschland. Unter dem rechten, umweltfeindlichen Präsidenten Jair Bolsonaro und angesichts vielfältiger wirtschaftlicher Probleme nehmen die Rodungen wieder zu. Der Mensch killt hier die Bäume nicht indirekt, indem er das Klima verändert, sondern holzt sie ab, als gäbe es kein Morgen. Ein Übermorgen wird es unter diesen Umständen für viele Menschen tatsächlich nicht mehr geben.

Eine weitere Grafik, die wir im Zusammenhang mit den beiden obenstehenden gefunden haben, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Sie betrifft die weltweite Entwaldung.

Infografik: Ausmaß der Entwaldung nimmt weltweit ab | Statista

Diese hat zwar im abgelaufenen Jahrzehnt gegenüber den 2000er Jahren etwas abgenommen, aber dies als signifikante Verbesserung darstellen zu wollen, ist Augenwischerei, zumal die Grafik auch zeigt, dass Aufforstungsprogramme in Asien zurückgefahren wurden, ebenso in Europa. Außerdem nimmt jetzt auch in Südamerika das Abholzen wieder zu, wie wir oben gezeigt haben. Eine Vielfalt von Problemen trifft in Afrika zusammen: Desertation und damit der Verlust an fruchtbarem Boden sowie ein starkes Bevölkerungswachstum, das zu mehr Ackerflächen, Weideflächen und erhöhtem Flächenbedarf für Siedlungen führt. Europa wird sich darauf einstellen müssen, dass mehr Menschen hierher flüchten, vor den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels, den vor allem die Industrieländer zu verantworten haben.

Die entwaldeten Flächen müssen mal zehn genommen werden, wenn man die Entwaldung innerhalb eines Jahrzehnts verdeutlichen will: In den 2010ern waren es 47 Millionen Hektar weltweit, bei einem Bestand von ca. 3,5 bis 3,9 Milliarden Hektar. In den 2000er und 2010er Jahren verschwanden also mehr als 3 Prozent des Weltwaldbestandes, unabhängig von der Qualität der Waldflächen. Bezüglich ihrer Qualität besonders hervorzuheben sind die tropischen Regenwälder. Als CO²-Absorptionsregionen und wegen ihres immensen Genpools sind sie unerlässlich – und besonders gefährdet, denn die Bevölkerung nimmt vor allem dort zu, wo sie wachsen und mit ihr die wirtschaftliche Verwertung ehemaliger Naturwaldflächen.

Um den Raubbau am brasilianischen Regenwald noch einmal zu verdeutlichen, stellen wir zum Schluss diese • Infografik: Raubbau am Regenwald | Statista vor, die den Waldbestand im Jahr 1970 im Vergleich zu 2018 wiedergibt:

In Berlin wird bekanntlich um jeden Straßenbaum gekämpft, der gefällt werden soll und um jeden Busch an einem Kanal. Das ist alles löblich, aber sinnlos, wenn wir nicht globale Dimension des Waldsterbens endlich wieder in den Blick nehmen und uns vehement für die Erhaltung der Wälder und für Aufforstungsprojekte einsetzen. Die Corona-Pandemie hat leider viele Themen auf besorgniserregende Weise in den Hintergrund treten lassen, die uns nicht nur bleiben, sondern sich unter dem Deckmantel der aktuellen Krise weiter verschärfen werden. Auch unser Umweltverhalten trägt dazu bei, dass wir solche Krisen künftig häufiger erleben werden.

TH

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