Elefantenpfad (Elephant Walk, USA 1954) #Filmfest 395

Filmfest 395 Cinema

Den Dschungel zurückgewinnen

Elefantenpfad ist ein US-amerikanischer Abenteuerfilm des Regisseurs William Dieterle aus dem Jahre 1954. Der Film basiert auf einem Roman von Robert Standish alias Digby George Gerahty.

Ein Film, in dem ein guter Kumpel von einem Amerikaner es nicht schafft, einem schnöseligen Briten eine Amerikanern wegzunehmen, zumal wenn es die damals noch mit einen zuckersüßen Image ausgestattete Liz Taylor ist, kann kein Kassenerfolg sein, Exotik und Dramatik hin oder her. Wir sind im  Zweifel, ob der Film wirklich in der „Jetztzeit“ spielt, denn nicht nur ist von rationierten Lebensmitteln in Großbritannien die Rede, es wirkt auch, als ob Ceylon, heute Sri Lanka, noch Bestandteil des britischen Empires sei. Besser würde es also passen, wenn die Handlung direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges angesiedelt wäre. Zwar gab es in Großbritannien bis 1953   Rationierungen, aber nur noch auf wenige Lebensmittel. Nicht mehr darüber, aber mehr zum Film verraten wir in der -> Rezension.

Handlung (1)

Handlungszeit ist die Gegenwart, der Ort zunächst England: Die junge Buchhändlerin Ruth hat John Wiley, den Erben einer Teeplantage auf Ceylon, erst vor zwei Wochen kennengelernt, ist aber schon mit ihm verlobt und entschlossen, ihm nach Asien zu folgen. Als das frisch verheiratete Paar auf der Plantage eintrifft, ist Ruth von dem Luxus, der sie dort erwartet, überwältigt. Schon bald entdeckt sie jedoch die dunklen Seiten: das prächtige, von Dienern bevölkerte riesige Haus wurde von Johns Vater Tom, der nicht mehr lebt und in einem pompösen Grab ruht, auf einem uralten Wanderpfad der heimischen Elefanten erbaut. Tom, der eine ehrgeizige Kämpfernatur war, hatte sein Haus aus Trotz gegen die Natur an dieser Stelle errichtet. Und so gibt es auch immer wieder gefährliche Vorkommnisse mit den Elefanten, die ihren Pfad zurück haben wollen und an der Grenze zur Plantage abgewehrt werden müssen. Johns Mutter hat es auf der Plantage offenbar nicht ausgehalten und liegt in England begraben.De

Ruth ist die einzige weiße Frau weit und breit und wäre für die zahlreichen Freunde ihres Mannes gern eine glanzvolle Gastgeberin. Diese Freunde erweisen sich dann aber als Trunkenbolde, die John schmeicheln, indem sie mit ihm immer wieder auf Toms Größe anstoßen, sich bei ihm letztlich aber nur durchschmarotzen. Dick, Johns amerikanischer Aufseher, klärt Ruth auf, dass Tom eher eitel als heldenhaft war, und rät ihr, seine geistige Erbschaft nicht zu ernst zu nehmen.

Da John emotional immer noch unter der Knute seines Vaters steht, an seinen Junggesellengewohnheiten festhält und Ruth auch keine Chance gibt, in die Rolle einer Hausherrin hineinzuwachsen – diese Position hält der Dieneraufseher Appuhamy –, kommt es zwischen dem Paar wiederholt zu offenen Konflikten. Ruth gelangt in Versuchung, der Liebeswerbung von Dick nachzugeben, widersteht ihm zunächst aber noch, da sie John letztlich doch mehr liebt.

2021-02-06 Filmfest Cinema 2021Rezension 

Eigentlich ist „Elephant Walk“ ein grandioser Film für Menschen, die sich für Tierrechte einsetzen, zumal, wenn sie hinter der Geschichte auch eine Erzählung über – ansatzweise – Dekolonisierung sehen möchten.

Er beinhaltet geradezu biblische Anklänge: Wer den Elefanten ihren Pfad wegnimmt und zudem ein ausschweifendes Leben führt, wie die Plantagenbesitzer, die in der Halle von John Wileys „Bungalow“ Fahrrad-Polo spielen, wird mit Plagen bedacht. Es kommen Dürre und Pest bzw. Cholera und die Tiere erobern sich ihr Reich zurück. Erst, als der Pflanzer beschließt, ein neues Haus mehr im Einklang mit der Natur und hoffentlich weniger pompös zu bauen, ist Erlösung in Sicht. Außerdem hat Liz Taylor einige gute Momente, in denen sie erahnen lässt, was sie kann: Besonders die Szene, in der sie die Clique ihres Mannes einfach aus dem Haus schmeißt, weil ihr deren Art missfällt, wirkt wie eine gewendete Version aus der Zusammenkunft der texanischen Farmer und Ölmillionäre aus „Giganten“, wo sie es ist, die den Raum verlassen muss und mit spitzer Zunge darauf reagiert.

Temperament und ein starkes Selbstbewusstsein schimmern hier schon durch, ein paar verschwitzte, dampfende Momente gibt es auch bereits – ohne dass der Film als Meilenstein in Taylors Karriere gilt. Trotzdem ist er in Bezug auf ihre Rolle interessant, weil sich die Vielschichtigkeit in späteren Produktionen bereits andeutet – mehr als noch in „A Place in the Sun“, in dem sie zwei Jahre zuvor mit Montgomery Clift zu sehen war und der als bester Film des Jahres ausgezeichnet wurde.

Ein wenig wirkt „Elephant Walk“, als ob Regisseur William Dieterle mit dem sperrigen Plot Probleme hatte und ihn zwar flüssig, aber nicht besonders inspiriert oder gar magisch inszenieren, nicht das Mythische oder Mystische aus ihm exzerpieren konnte, er hatte er seinen künstlerischen Zenit Mitte der 1950er bereits überschritten,  nach Werken, die ihm bis heute gültigen Ruhm einbrachten, wie die 1939er Verfilmung von „Der Glöckner von  Notre Dame“ mit Charles Laughton und Maureen O’Hara. Das Ende des Hauses auf dem Elefantenpfad ist spektakulär, aber als ein notwendiges Element der  Handlung. Was uns gestört hat, waren die vielen erkennbaren Rückprojektionen, die aber unter anderem daraus resultieren könnten, dass der Film ursprünglich mit Laurence Olivier und Vivian Leigh gedreht werden sollte. Während Olivier relativ frühzeitig wegen eines anderen Projekts von der Stange ging, wollte Leigh durchaus mitmachen, erkrankte aber während der Dreharbeiten und musste kurzfristig durch Elizabeth Taylor ersetzt werden.

In der Wikipedia steht zu lesen, dass in einigen längeren Einstellungen noch Leigh zu sehen sei, aber wo? Uns fiel ein solcher Moment nicht auf, denn sie müsste dann ja hinter Taylor irgendwo im Rückpro-Teil einer Szene auftauchen. Obwohl einige Momente sehr pittoresk gefilmt sind, wie etwa die Tanzdarbietung der Eingeborenen zugunsten des toten Tom Wiley, sitzen die Gäste nicht direkt vor der Szenerie, sondern sie wird eben nur als Projektion gezeigt. Das ist vermutlich der Tatsache zu verdanken, dass man nach der Umbesetzung der weiblichen Hauptrolle die aufwendigen Szenen mit vielen Statist_innen aus Kostengründen nicht noch einmal neu anfertigen wollte.

Finale

„Elefantenpfad“ ist als Sujet sicher nicht uninteressant: Wie eine überhebliche Kolonialistenkaste lernt, sich in das Land zu integrieren, in dem sie freilich weiterhin von der Arbeit einfacher Menschen vor Ort lebt, Teepflücker_innen und sehr viel Dienstpersonal. Sicher wird Ruth ihren Mann zu einem weniger ausschweifenden und inhaltsreicheren Leben bringen und es wird Friede herrschen zwischen den Elefanten und den Menschen. Ungemach wird auf Sri Lanka dann allerdings aus anderer Richtung zukommen, wie wir gerade wieder gesehen haben.

62/100

© 2021 (Entwurf 2019) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Wikipedia

Regie William Dieterle
Drehbuch John Lee Mahin, nach einem Roman von Robert Standish
Produktion Irving Asher für Paramount Pictures
Musik Franz Waxman
Kamera Loyal Griggs
Schnitt George Tomasini
Besetzung

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