Verschwendete Welt – Lebensmittel für die Kippe | #Newsroom | Statista | #Umwelt #Klima #Lebensmittel #Verschwendung #Müll

Newsroom | Umwelt + Klima | Lebensmittelverschwendung

Wie viele Lebensmittel schmeißen Sie im Jahr weg, so in Kilo gerechnet? Zehn? 20? 30? Ganz falsch: Wenn Sie ein*e durchschnittliche Einwohner*in dieses Landes sind, wandern aus Ihren Einkaufstaschen nicht weniger als 75 Kilogramm brauchbare Lebensmittel direkt in den Mülleimer. Finden Sie das in Ordnung? Könnten Sie nicht ein bisschen nachhaltiger einkaufen? Nein, es ist nicht okay, weil es zum Teil in der Biotonne landet. Es sind nämlich Lebensmittel, die anderen nicht zur Verfügung stehen.

Es ist Ihnen schon klar, dass, wenn Sie und die anderen Bewohner*innen „entwickelter“ Länder nicht so viel wegschmeißen würden, es keinen Hunger auf der Welt gäbe? Zumindest ist das statistisch so. Von dem, was gar nicht erst in die Haushalte gelangt, sondern schon vorher als „Schwund“ gilt, gar nicht zu reden. Dafür haben wir eine Extra-Grafik, zunächst aber die zur Verschwendung ab dem Moment, in dem Lebensmittel die privaten Haushalte erreichen:

• Infografik: Das Ausmaß der weltweiten Lebensmittelverschwendung | Statista

Überangebot in den Regalen, das verstehe ich noch. Es wird eben zu viel produziert. Und Containern ist verboten, auch dazu komme ich noch. Okay, einiges wird an Tafeln und andere Einrichtungen abgegeben. Trotzdem wird auch im Handel und bis zum Handel viel zu viel entsorgt. Aber Überangebot zuhause? Augen größer als Magen, wieder mal? Das muss man doch irgendwann mal in den Griff kriegen, oder? Auch sehr gut: „Unkonformität“. Wieder mal was gekauft, was dann doch nicht optimal in der jeweiligen Situation schmeckt? Klar, es kann viele Jahrzehnte dauern, bis man seinem eigenen Gaumen und seinen eigenen Launen auf die Spur kommt. Manche schaffen es nie, die Hälfte fliegt in den Müll. Abgelaufenes MHD verstehe ich noch am besten, manche Menschen sind in der Hinsicht sehr pingelig, ohne zu kontrollieren, ob die betreffende Speise wirklich nicht mehr genießbar ist, denn ein MHD ist kein MHD. Mindestens haltbar bis meint eben etwas anderes als maximal haltbar. Selbst das maximale Haltbarkeitsdatum ist manchmal noch recht eng gefasst, damit auch ja nichts passieren kann. Prinzipiell ist das auch richtig, aber manchen Lebensmitteln sieht und riecht man an, ob sie noch gut sind. Es ist auch keine Entschuldigung, dass es Länder gibt, in denen noch mehr verschwendet wird, dafür kann es verschiedene Ursachen geben. Und wir orientieren uns in anderen Dingen, wie z. B. bei der Energiewende, ja auch nicht anderen, vor allem nicht an denen, die es besser machen sondern wählen immer diejenigen, die das Ganze innerhalb von 20 Jahren schon mindestens zweimal versemmelt haben.

Klar ist es ein Horror, dass in einem Land wie China, das fälschlicherweise immer noch als Schwellenland klassifiziert wird, im Jahr fast 100 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet werden und dass man sich dabei so schnell dem westlichen Niveau angepasst hat (fast). Aber es könnte z. B. auch sein, dass der Hang zum Fast Food bei den Amerikanern dafür sorgt, dass weniger Frischlebensmittel verderben werden als in Deutschland oder Frankreich. Nur so als Beispiel, es gibt viele Einflussfaktoren. Fest steht, dass dieses Konsumverhalten ein Desaster darstellt, und es entspricht dem Hang zu immer schneller und immer billiger bei anderen Artikeln, etwa bei Kleidungsstücken. So werden 19 Prozent aller gekauften Kleidungsstücke laut Greenpeace niemals getragen, bevor sie in den Müll wandern. Sind Sie eine höher gebildete weiße Frau im Westen? Dann zählen Sie zur Gruppe der größten Klamottenverschwenderinnen auf diesem Planeten. Sagen wir mal, zu den exzessivsten Klamottensammlerinnen, und wer 200 Klamottenteile oder mehr kauft (ohne Unterwäsche und Strümpfe!) und sich aufgerufen fühlt, jeden Tag im Jahr etwas anderes zu tragen, der schmeißt in der Regel auch viel weg, weil – die Kollektion! Und erzählen Sie bitte nicht, dadurch haben die armen Menschen an den asiatischen Werkbänken doch mehr Arbeit. Es ist eine mies bezahlte Scheißarbeit. Weniger und nachhaltiger produzieren zu guten Standards würde ihnen mehr helfen. Das ist aber auch durch Fair Trade nicht gewährleistet, machen Sie sie nichts vor, Fair Trade rechtfertigt keine Verschwendung. Denn es geht auch um die Ressourcen, die unnütz vergeudet werden und sogar um die Fragwürdigkeit manches Biolabels. Zurück zu den Lebensmitteln, aber da sind wir eigentlich schon, denn das oben Geschriebene gilt auch für diese.

Aber was Sie wegwerfen, wenn Sie Verbraucher*in sind, ist ja nicht alles. Wenn Sie mit der Produktion, dem Transport und der Lagerung von Lebensmitteln befasst sind, müssen Sie sich ebenfalls Fragen stellen lassen:

• Infografik: 14% der Lebensmittel erreichen den Handel nicht | Statista

Ich lese die vorausgehende Grafik so, dass dieser Schwund noch zu dem hinzuaddiert, was in den Haushalten sinnlos weggeworfen wird. Man kann Prozente nicht zu Kilos addieren, aber Sie wissen, was ich meine. Es wirkt, als ob etwa die Hälfte aller Lebensmittel einfach nicht verwendet werden, in den Industriestaaten und rechne die absichtlich vernichtete Überproduktion in diese Hälfte hinein. Insgesamt lande in Deutschland ca. 12 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll, das sind fast doppelt so viele, wie oben beim unnötigen Abfall aus privaten Haushalten ausgewiesen sind. Wir haben noch eine Grafik gefunden, die etwas über die Anteile Lebensmittelkategorien aussagt, die verschwendet werden:

• Infografik: Lebensmittelverschwendung in Deutschland | Statista

Ursprünglich hatte den Satz mit dem Containern so gelesen: „Soll Containern strafbar sein?“ und angesichts der Prozentzahlen das endgültige Fazit ziehen wollen, die Leute hier sind nicht bei Trost. Zum Glück wollen die allermeisten Menschen wenigstens das Sammeln von weggeworfenen Lebensmitteln des Handels aus dessen Hofcontainern erlaubt wissen, zumindest laut einer Umfrage, auf der auch die ausgewiesenen Anteile an weggeworfenen noch verzehrbaren Lebensmitteln beruhen.

Es ist ohnehin klar, dass wir diesen Planeten und uns selbst ruinieren werden, wenn wir nicht noch eine kulturelle Evolution, vielleicht besser eine kulturelle Revolution hinbekommen. Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr, aber man könnte doch wenigstens mal bei einer ordentlichen im Sinne von etwas mehr nachhaltigen Haushaltsführung anfangen. Finden Sie nicht? Oder zählen Sie auch zu den Grünwählern, die SUVs fahren? Und die sind es nicht alleine, die etwas falsch machen. Ach ja: In meinem Haushalt liegt der Wert bei einem Fünftel dessen, was oben angegeben ist, mir ist das aber immer noch zu viel und es geht darum, den unnötigen Abfall auf nahe null zu reduzieren. Das geht, ganz sicher. Und es macht Spaß, nachhaltiger zu essen, ich schwör’s.
Das gute Gewissen würzt ungemein.
Und es spart Treibhausgase ein.

TH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s