Eine Braut für sieben Brüder (Seven Brides for Seven Brothers, USA 1954) #Filmfest 399

Filmfest 399 Cinema

Mit Holzfällerhemden in Regenbogenfarben winkt das häusliche Glück

Eine Braut für sieben Brüder (Originaltitel: Seven Brides for Seven Brothers) ist eine US-amerikanische MusicalFilmkomödie des Regisseurs Stanley Donen aus dem Jahr 1954 nach der Kurzgeschichte The Sobbin’ Women von Stephen Vincent Benét, die auf der altrömischen Geschichte Der Raub der Sabinerinnen von Plutarch basiert. Die Filmmusik wurde von Gene De Paul (Musik) und Johnny Mercer (Liedtexte) verfasst. Die Choreografie stammt von Michael Kidd. (1)

Plot in einem Satz: Erst kommt ein Hinterwäldler in die Kleinstadt, um ein Kleinstadtmädchen in die Berge hinter dme Wald zu verschleppen, dann erzählt dieses Mädchen seinen sechs Brüdern etwas vom Raub der Sabinerinnen und sie stellen diesen Raub nach, indem sie sechs weitere Mädchen in die Berge verschleppen. und es wird gezeigt, dass während eines kalten Winters in Oregon Fünfmonats-Schwangerschaften möglich sind, ohne dass Anzeichen einer Frühgeburt zu erkennen sind.

Der deutsche Verleihtitel müsste eigentlich „Sieben Bräute für sieben Brüder“ lauten, gemäß dem Original „Seven Brides for Seven Brothers“. Hingegen klingt „Eine Braut für sieben Brüder“ ziemlich obszön, insbesondere in den konservativen 1950ern. Unsere Favoritin ist von Beginn an das sinnliche schwarzhaarige Mädchen gewesen, die als eines von sechs Entführungsopfern folgenden Satz spricht: „Ich wüsste schon gern, welchem von den sieben Brüdern das Bett gehört, in dem ich schlafe.“ (1) Wie es weitergeht, steht in der -> Rezension.

Handlung (1)

Nur wenige Stunden nach dem Kennenlernen heiratet Milly den Hinterwäldler Adam. In Adams Hütte in den Bergen angekommen, merkt Milly, dass Adam einer von sieben Brüdern ist, die als Holzfäller in der gleichen Hütte leben. Die Brüder haben alle rotes Haar und sind alle groß. Ihre Vornamen stammen aus der Bibel und sind alphabetisch geordnet: Adam, Benjamin, Caleb, Daniel, Ephraim, Franziskus (kurz genannt Frank) und Gideon.

Milly nimmt sich der rauen Brüder an und lehrt sie soziales Verhalten, Manieren und auch das Tanzen. Für die Brüder ist das natürlich schwer, aber sie erkennen, dass sie nur auf diesem Wege Frauen für sich finden können. Bei einem Richtfest können die Brüder ihre erlernten Kenntnisse testen. Sie treffen sechs Frauen, Dorcas, Ruth, Martha, Liza, Sarah und Alice. Die Frauen mögen die Brüder, doch sie alle haben Verehrer, die die Brüder in ihrer Eifersucht in einen Kampf verwickeln. Obwohl die Brüder den Streit nicht angefangen haben, werden sie aus der Stadt geworfen.

Der Winter kommt, die Brüder sehnen sich nach den Frauen. Adam liest ihnen eine Geschichte über den „Raub der Sabinerinnen“ vor und fordert seine Brüder auf, das Gleiche zu tun. Die Entführung gelingt, doch die entführten Frauen sind bestürzt und Milly ist wütend auf Adam. Als Milly den sechs Brüdern den Stall als Schlafstätte zuweist, zieht sich Adam in die Berge zurück.

Es wird Frühling, und mittlerweile haben sich die Frauen in die Brüder verliebt. Die Brüder machen ihnen den Hof und Milly bringt eine Tochter, die sie Hannah nennt, zur Welt. Gideon eilt zu Adam, um ihn von seiner Vaterschaft zu unterrichten und ihn nach Hause zurückzuholen. Doch Adam beschließt, erst zurückzukommen, wenn die Pässe geöffnet sind.

Als der Frühling endlich da ist, kommt Adam zurück. Er möchte wissen, wie die Leute in der Stadt über die Vorfälle denken. Er schlägt vor, dass seine Brüder die Frauen in ihre Häuser zurückbringen sollen, doch die Brüder verweigern sich. Die Frauen wollen ebenso nicht zurück. Als die Frauen einmal nicht im Haus sind, bringt Adam seine Brüder dazu, sie zu suchen und nach Hause zu bringen.

Die Städter, die die Brüder für die Entführung zur Verantwortung ziehen wollen, kommen an der Hütte an. Sie finden die Brüder, die damit beschäftigt sind, die Frauen zurück in die Stadt zu bringen. Die Väter verstehen die Situation falsch und versuchen, ihre Töchter zu retten. Alice‘ Vater, ein Prediger, hört Babygeschrei und nimmt an, dass es das Baby eines der Frauen ist. Mittlerweile sind die Brüder von den Vätern umstellt, die die Absicht haben, diese zu hängen. Als der Prediger fragt, wessen Baby da schreit, erklären sich alle Frauen zur Mutter des Babys. Da sie das Rätsel nicht lösen können, lassen die Stadtleute die Pärchen heiraten.

Rezension

Woraufhin sich ein Handgemenge zwischen Mädchen mit leicht unterschiedlich strengem Weltbild entwickelt. Ein solcher Satz wie der oben zitierte mag weniger in der Pionierzeit des 19. Jahrhunderts, wohl aber in den USA des Jahres 1954 frivol geklungen haben. Es gab jedoch keine Probleme mit der Zensur. Während der Zeit, in denen die Mädchen sich noch als geraubt betrachten müssen, haben die Brüder selbstverständlich Quartier in der Scheune bezogen, damit kein falscher Eindruck entsteht. Einer ist sogar in eine ganz hoch gelegene Jagdhütte abgewandert. Das ist Adam, der älteste der Brüder, der den jüngeren den Floh mit dem Raub der Stadtschönheiten ins Ohr gesetzt hat und der einzige, der eine bereits legal angetraute Frau hat. Diese ist allerdings schwanger, und so ist die Zeit nicht vertan.

In einer bemerkenswerten Szene kurz vor dem Ende des Films behaupten die sechs anderen Frauen aber auch, das Baby, das gerade zur Welt gekommen ist, sei ihres. So können die endlich nach wieder geöffnetem Pass (die Brüder hatten nach ihrem Frauen-Raubzug eine Lawine ausgelöst, sodass die Städter nicht zu ihnen vordringen konnten) herbeigeeilten Retter nichts weiter tun, als den Segen für sechs Hochzeiten zu geben. Nach dem möglichen Sündenfall, wohlgemerkt.

In der Tat geht der musicaltypisch recht lineare Plot charmant mit den Moralvorstellungen der Zeit um, sie werden eher augenzwinkernd kommentiert als ernst genommen. Das geziemt einem Regisseur, der mit „Singin‘ in the Rain“ („Du sollst mein Glücksstern sein“) zwei Jahre zuvor das vielleicht beste Hollywood-Musical aller Zeiten inszeniert hatte. Außerdem waren erste Lockerungserscheinungen erkennbar, die sich in den späten 1950ern und frühen 1960ern schon deutlich verstärken sollten.

MGM-Musicals sind immer eine gute Show, das trifft in „SBfSB“ vor allem auf die Tanznummern zu, die wunderbar choreografiert sind. Beinahe wäre aufgrund des Erfolges des Films in der Spätphase des klassischen Filmmusical ein Subgenre des Western-Musicals entstanden, denn es kam ja gleich darauf noch „Oklahoma!“ (ein Broadway-Stück allerdings, verfilmt 1955), das sogar mit ähnlichen Liedern dealt, die aber eher zu Hits geworden sind.

Ein Schwachpunkt ist der Score des Films, gerade bei einem Musical ist das keine Empfehlung, weil man Filme dieses Genres auch nach den Evergreens bewertet, die in ihnen gesungen worden sind. Selten allerdings sind diese Stücke speziell für eine Produktion geschrieben worden. „Singin‘ in the Rain“ hat kein einziges Musikstück, das „original“ ist, alle Songs sind älteren Datums, was ja auch zu einem Film passt, der um 1930 spielt. Allerdings haben sie in diesem grandiosen Werk ihren gültigen Ausdruck gefunden. Das gilt besonders für „Singin‘ in the Rain“ selbst, der durch Gene Kellys Straßentanz bei Wolkenbruch unsterblich wurde.

Hollywood-Musicals haben profitieren also in der Regel und besonders, wenn sie von MGM sind, von einem großen Fundus an Musik, der dem Studio im Lauf seiner lange Zeit führenden Rolle in diesem Genre rechteweise zugewachsen sind. Für beide großen Musicals aus 1954 galt das allerdings nicht. Sowohl „Brigadoon“ (Rezension beim Wahlberliner) als auch „SBfSB“ haben Originalmusik bekommen – und das hat bei Brigadoon nach unserer Ansicht etwas besser funktioniert als bei dem Western-Winter-Musical. Wir können schon einen Tag nach dem Anschauen keines der Lieder mehr nachpfeifen, während uns das bei Brigadoons „Go Home with Bonnie Jean“ nach Monaten noch gelingt und nach Jahren gelingen wird.

Wir waren etwas erstaunt, als wir festgestellt hatten, das „SBfSB“ für mehrere Oscars nominiert war – nicht nur wegen der Musik, sondern sogar als bester Film des Jahres. Und dass „Rear Window“ („Das Fenster zum Hof“) von Hitchcock nicht für den besten Film nominiert war. Hitch ist oscarseitig klar unterbewertet, aber 1955 hat man sogar ein Rührstück wie „Three Coins in the Fountain“ in dieser wichtigen Kategorie ins Rennen geschickt, und dieser hatte allenfalls einen schönen Titelsong (der dann auch den Oscar für das beste Lied gewann). Den Oscar für den besten Film, das wollen wir nicht verschweigen, gewann „Die Faust im Nacken“ („On the Waterfront“). Das ist der vielleicht beste Marlon Brando-Film – vielleicht neben „Der Pate“ – und ein anderes Kaliber als „SBfSB“.

Zeitgenössische Richter über den Wert eines Werkes können irren, das war zu allen Zeiten und bei allen Kunstformen so. So hat „SBfSB“ tatsächlich den Oscar für die beste Musik (den Score, nicht ein einzelnes Stück oder Lied) gewonnen. Was mal ein Evergreen wird, lässt sich wohl nicht immer voraussagen und vielleicht wollte man auch würdigen, dass sich MGM so weit vorgewagt hatte, eine komplett neue Musik zu schreiben, anstatt das bisher so erfolgreiche Recycling weiter zu betreiben. Ursprünglich sollte vorhandene Folk-Musik verwendet werden, aber die Verantwortlichen fanden nichts Passendes und so entstand die Original-Filmmusik. Da hat das einst stolzeste Studio der großen Filmstadt viel investiert, auch in die unvermeidliche Maßnahme, bis auf die beiden Hauptdarsteller den gesamten Gesang im Film doubeln zu lassen, da die übrigen männlichen und weiblichen Schauspieler zwar tanzen, aber nicht singen konnten.

Vier weitere Oscar-Nominierungen gab es: Für die beste Farbfotografie, was bei der von uns gesehenen Kopie nicht ganz nachvollziehbar ist, die erkennbar aber keine Aufbereitung erfahren hat; weiterhin die erwähnte Nominierung für den besten Film sowie für den besten Schnitt und fürs beste Drehbuch. Für ein Drehbuch wohlgemerkt, das es zulässt, das Kleinstädter als so dämlich hinstellt, dass sie glauben, Frauen könnten tatsächlich innerhalb fünf Monaten ein Baby austragen. Auch sonst ist der Plot nicht glaubwürdig, der Winter in Oregon ist nicht so lang wie im Film – man mag das allerdings dem übermütigen, gewollt nicht sehr realistischen Filmstil dieser Musicalkomödie gutschreiben und das alles nicht zu ernst nehmen. Warum auch ausgerechnet hier, wenn man das bei anderen Musicals in Kenntnis der Genre-Spezifika nicht tut?

Denn Spaß macht der Film sehr wohl, auch wenn die Schauspielkünste bescheiden und der Gesang gut ist, aber die Stücke nicht sehr nachwirken. Das Tanzen hingegen ist das Benefit des Werkes, da wurde noch einmal der ganze Schwung mitgenommen, den MGM in den Musicals der Vorjahre erzeugt hat. Der Film lebt von diesem Momentum und den choreografischen Künsten, die sich dort über Jahre aufgebaut hatten. Die Präzision, das Timing der Szenen sind so erstklassig, wie man es von Ausführenden dieses Studios erwarten darf.

„SBfSB“ war das letzte erfolgreiche MGM-Tanzmusical, das im Jahr darauf folgende, viel anspruchsvollere „Vorwiegend heiter“ („It’s Always Fair Weather“), immerhin mit Gene Kelly und Frank Sinatra, schlug nicht ein. Wenn man so will, hat der Erfolg von „SBfSB“ verdeckt, dass Filme dieser Art nach dem Höhepunkt von „Singin‘ in the Rain“ auf einem bereits recht morschen Ast am großen Baum der Hollywood-Filmgenres angesiedelt war.

Heute ist zu bemerken, dass dies ein absoluter Frauenfilm ist. Das hat uns etwas gewundert, aber folgt man den Wertungen in der IMDb, das sind gegenwärtig (Stand 20.08.2013) beinahe 12.000 Stimmen, dann mögen Frauen den Film über alle Altersklassen hinweg deutlich lieber als Männer. Das trifft auch auf unsere Empathie-Referenzgruppe, die Frauen ab 45 Jahren, zu. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Frauen hier entführt und gegen ihren Willen an einem wenig zivilisierten Ort festgehalten werden – monatelang.

Dieses Phänomen weiblicher Zuneigung haben wir bei anderen Filmen, die vordergründig ein sehr traditionelles Weltbild vermitteln, beobachten können und wir vermuten, dass tiefe Sehnsüchte am Wirken sind, die moderne Rollenbilder überdauert haben. Diese sieben rauen Kerle aus den Bergen mit ihrer Energie, ihrer Frechheit und ihrem urwüchsigen Charme haben es Frauen schlicht angetan.

Männer hingegen werden sich eher in den Städtern wiederfinden, die lange darauf hingearbeitet haben, diese Mädchen einst zu ehelichen und sie dann quasi an einem einzigen Nachmittag bei einem Dorffest emotional und kurz darauf in einem nächtlichen Raubzug, der höchstens eine halbe Stunde dauert, faktisch verlieren. Die meisten von uns sind nicht wie die Jungs aus den Bergen. Diese jedoch sind wieder zu wenig individuell ausgestaltet, als dass man sich mit einem einzelnen von ihnen so sehr identifizieren könnte, dass er als Projektionsfläche taugt. Am meisten wird das wohl noch auf Adam, den Chef der Sippe, zutreffen.

Dass dabei auch ein umgekehrter Pygmalion-Effekt wirkt, macht die Sache für Männer, die über Jahre gut erzogen und nett waren, nicht besser. Millie, die erste Frau im Blockhaus der Pontipee-Brüder, macht mit den sechs jüngeren einen Crashkurs in Sachen Benehmen und sogar ansatzweise in Bildung, und schwups, schon sind die physisch ohnehin überlegenen Bergler auch diesbezüglich den Städtern voraus.

Und welche Frau fände es nicht schick, die Vorzüge des Landlebens mit einem Anstrich von Zivilisation und emotionaler Dezenz zu verbinden? Wir haben den leisen Verdacht, dass es eher Frauen aus den Städten sind, die sich das Landleben so denken oder als Möglichkeit ausmalen als solche, die wirklich mit männlichen Landeiern in häuslicher Gemeinschaft leben. Das war ein Schienbeintritt. Wir Städter wissen gut, was wir mittlerweile alles an Ursprünglichkeit und Virilität verloren haben, da hilft auch kein Fitnessstudio. Manchmal, das sollte uns der Film bewusst machen, ist die Axt im Wald doch die bessere Wahl gegenüber der Feder oder der Tastatur. Der Herzschlag der Welt ist dem Rhythmus, mit dem Holz gespalten wird, eben doch näher als dem Klicken einer Tastatur.

Fakten (1)

  • Der Film wurde in Cinemascope gefilmt (2,20:1 Bildverhältnis), das erst im Vorjahr eingeführt worden war. Weil noch nicht alle Kinos diese neue Technik wiedergeben konnten, wurde eine weitere komplette Version im Normalformat gedreht – ein Zurechtschneiden war offenbar nicht möglich bzw. das Ausnutzen des Breitwandformats hätte zu den üblichen Problemen mit den vertikalen Bildrändern geführt, die wir insbesondere aus der Zeit des alten 4:3-Fernsehens kennen – entweder ist das Bild nur ein schmaler Streifen, oder es fehlt rechts und links so viel, dass Menschen nur halb im Bild sind und im Extremfall gar nicht und deren Stimme aus dem Off kommt.
  • Auffällig ist, dass der Film deutlich sichtbar gemalte Hintergründe hat, was die Künstlichkeit des Plots sehr unterstreicht, auch die Rückprojektionen sind nicht sehr realistisch. Erstaunlicherweise kommt dies daher, dass MGM den Film als B-Picture hinter der anderen großen Produktion des Jahres, „Brigadoon“ zurückstehen ließ, der allerdings auch ganz deutlich im Studio gefilmt ist und nicht „on Location“, was sich für beide Filme unbedingt angeboten hätte, weil sie beinahe vollständig in der freien Natur ablaufen.
  • Der zwar nicht ewigkeitstaugliche, aber witzige Song „Lonesome Polecat“ beinhaltet die Klage der Brüder „A man can’t slep when he sleeps with sheep“ – der Satz war uns beim Anschauen schon aufgefallen und, richtig, die Zensur hat über ihn nachgedacht. Da aber in der Szene keine Schafe anwesend waren, ging die Sache gut aus. Man muss sich immer vorstellen, wir sind in einer Zeit, in welcher der Production Code trotz der oben erwähnten Tendenz zu mehr Freiheit noch wirksam war.
  • Die Proben für die Scheunenfest-Szene dauerten drei Wochen. Darin wird die Scheune in alter Siedler-Manier vom ganzen Dorf aufgebaut, wie wir es aus anderen Pionierfilmen kennen – und dann von den Brüdern wieder eingerissen, als sie dich gegen die Dörfler wehren, was zu den schönsten Tanzeinlagen im Film führt.
  • Für die in der Tat teilweise sehr hübschen Kostüme der Frauen ging der berühmt Designer Walter Plunkett zur Heilsarmee und stöberte dort alte Quilts auf, die er zu Kleidern umarbeiten ließ.
  • Der Barriton Howard Keel, der die Hauptrolle des Adam Pontipee spielt, war der wohl beste Sänger im US-Musical der 50er Jahre, der gleichzeitig als „Leading Man“ taugte und dessen enorme Statur (1,93 Meter waren für die Verhältnisse der Zeit turmhoch) dafür sorgte, dass seine meist viel kleineren Partnerinnen auf einem Sockel stehen mussten, um bei Kussszenen im selben Bildausschnitt zu erscheinen wie er. Jane Powell, seine Milly in „SBfSB“ misst nur 1,54 Meter. Sie stammt tatsächlich aus Oregon, dem Bundesstaat, in dem der Film spielt. Ursprünglich war Keel auch für die Hauptrolle in „Singin‘ in the Rain“ vorgesehen, was angesichts seiner Statur und seines Aussehens nicht verwundert. Doch der Film ist heute untrennbar mit Gene Kelly als Stummfilmstar Don Lockwood verbunden, der dem Business eine persiflierende Seite abgewinnt und der bessere Tänzer (wenn auch nicht der bessere Sänger) ist, sodass man sich gar niemand anderen als Star des schönsten Filmmusicals aller Zeiten vorstellen kann.

Finale

Zweifelsohne hat „Eine Braut für sieben Brüder“ nostalgischen Charme und wir zählen uns zu denjenigen, die gerne schön choreografierte Tanzszenen bewundern, weil sie Musikalität und Ästhetik sowie artistisches Können miteinander verknüpfen. In diesem Sinn gehört „SBfSB“ zu den großen Musicals und es gibt darin Szenen, die romantische Gefühle wecken, ohne dass die Figuren dies zu sehr herausfordern. Es ist aber schön archaisch und ganz gewiss auch beabsichtigt, dass auf Unterströmungen im Bewusstsein gezielt wird, die älter sind als unsere heutigen Bilder von der Welt und von den Rollen, die wir darin einnehmen.

Trotzdem ist es kein großer Film, die Schauspielerei ist limitiert und man merkt an verschiedenen Stellen, dass auf eine für MGM geradezu unwürdige Weise an der Ausstattung gespart wurde, was im Zusammenhang mit der teuren Cinemascope-Technik einigermaßen verwunderlich wirkt – und belegt, dass das Studio Mitte der 50er Probleme hatte, einen klaren Kurs zu fahren. Finanziell erwartete man auch von „Brigadoon“ und „Rose Marie“, den anderen Musicals des Jahres, mehr – und es kam sowohl an der Kinokasse als auch bezüglich der Kritiken und Auszeichnungen umgekehrt.

69/100

(1)    Auch das haben wir erst nachträglich ermittelt: Der Film sollte auch im Original „Eine Braut für sieben Brüder“ heißen, aber aus dem Grund, den wir oben nannten und weil sie darüber Probleme mit der Zensur befürchteten, vollzogen die MGM-Oberen die Umbenennung, die man in Deutschland nicht nachbilden wollte.

© 2021 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Wikipedia

Regie Stanley Donen
Drehbuch Dorothy Kingsley,
Frances Goodrich,
Albert Hackett
Produktion Jack Cummings/MGM
Musik Gene De Paul
Kamera George J. Folsey
Schnitt Ralph E. Winters
Besetzung

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