Der Mann, der zuviel wusste (The Man Who Knew Too Much, USA 1956) #Filmfest 408

Filmfest 408 Cinema

2021-03-18 FF 0408 Der Mann, der zuviel wusste The Man Who Knew Too Much USA 1956

Der Mann, der zuviel wusste (frühere Schreibweise: Der Mann, der zuviel wußte) ist ein US-amerikanischer Thriller von Alfred Hitchcock aus dem Jahre 1956. Hitchcock hatte bereits 1934 in Großbritannien eine gleichnamige Verfilmung gedreht, für die Charles Bennett und D. B. Wyndham-Lewis die Handlung entwickelt hatten.

„Der Mann, der zuviel wusste“ ist das Remake von Hitchcock eigenem, in England 1934 entstandenen Film, den ich kürzlich ebenfalls angeschaut habe. Leider liegen die beiden Sichtungen etwas zu weit auseinander, als dass ich eine Vergleichsrezension hätte schreiben können, aber der Film von 1956 ist deutlich ausgereifter, das zumindest kann man festhalten. Er ist natürlich auch sehr amerikanisch. Ich erinnere mich gut daran, dass James Stewart in seiner Rolle so tut, als ob die Amerikaner einen besonderen Familiensinn hätten, der anderen Völkern abgeht. Von diesem Unsinn abgesehen, würde ich „Der Mann, der zuviel wusste“ heute eine ähnliche Bewertung zukommen lassen wie 1989. Auch dieses Werk zählt zu den Filmen, die Hitchcock in den 1950ern für die Paramount gedreht hat und die bis in die 1980er aus dem Verkehr gezogen worden waren, damit seine Erben von der „Re-Release“ profitieren konnten. Seitdem werden „Das Fenster zum Hof“, „Immer Ärger mit Harry“, „Der Mann, der zuviel wusste“ und „Vertigo“ häufiger gezeigt. Der beste dieser vier Filme ist für mich der letztgenannte, den ich für einen der drei besten Werke des Altmeisters halte (zusammen mit „Der unsichtbare Dritte“ und „Rebecca“).

Kritiken (1)

Bosley Crowther schrieb in der New York Times vom 17. Mai 1956, Hitchcocks Film habe Schlagkraft und die Handlung entwickele sich schnell. Der Plot des Films sei zwar „ziemlich absurd“, aber Glaubwürdigkeit sei nie Hitchcocks Sorge gewesen, da er sich immer auf „gewagte Täuschungen“ des Zuschauers verstehe. James Stewart spiele noch besser als in Das Fenster zum Hof und Doris Day sei „überraschend effektiv“ in der Rolle der verzweifelten Mutter. Crowther lobte auch die Darstellungen von Brenda de Banzie und Bernard Miles als verbrecherisches Ehepaar, Christopher Olson als Filmsohn und Reggie Nalder als Auftragskiller.[3]

Der Filmdienst urteilte, Der Mann, der zuviel wußte sei ein „mit Intelligenz und Raffinesse inszenierter, spannender Thriller.“ Hitchcock habe den Stoff seines Filmes von 1934 nochmal aufgegriffen und „zum Meisterwerk weiterentwickelt“.[4]

Hitchcocks Film erfährt bis heute überwiegend positive Kritiken, bei Rotten Tomatoes hat er nach 33 Kritiken eine Zustimmungsrate von 91 %.[5] Weniger überzeugt war der US-Filmkritiker Dave Kehr von Der Mann, der zuviel wußte: Der Film wirke „uncharakteristisch rigide und fromm“, als ob Hitchcock ihn weniger aus Überzeugung, sondern mehr aus Pflicht gedreht hätte. Trotz aufwendigerer Szenen sei die stille Sequenz, in der Stewart seiner Ehefrau Tabletten gibt und ihr mitteilt, dass ihr Sohn entführt worden sei, die stärkste Sequenz des Filmes. Hitchcock habe den Film so angelegt, dass die Entführung wie ein Akt Gottes wirke, um das gegensätzlich wirkende Paar und ihre Ehe zu testen.[6]

Letztere Meinung ist wirklich originell, aber eines stimmt auf jeden Fall: Der Film ist konservativer als viele andere Hitchcocks, die mit sexuellen Anspielungen und schrägen, moralisch durchaus diskutablen Handlungen auch seitens der positiven Figuren gespickt sind und, siehe oben, auch bürgerlicher als das „Original“.

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv Wikipedia bzw. zitiert nach Wikipedia

Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch John Michael Hayes
Produktion Herbert Coleman,
Alfred Hitchcock
für Paramount Pictures
Musik Ray Evans,
Bernard Herrmann,
Jay Livingston
Kamera Robert Burks
Schnitt George Tomasini
Besetzung

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