Die Spieler – Tatort 585 #Crimetime 960 #Tatort #Konstanz #Bodensee #Blum #Perlmann #SWR #Spieler

Crimetime 960 - Titelfoto © SWR, Stefanie Schweigert

Das Leben ist doch kein Spiel!

Ist es nicht, wenn am Ende doch die Person tot ist, von der man bereits annehmen darf, dass es für sie böse enden wird, als sie zum Hörer greift und den Notar anruft. Es gibt wenige Verdächtige, aber viel zu sehen, in „Die Spieler“, in der -> Rezension steht ein wenig mehr dazu.

Handlung (Wikipedia)

Die Rückkehr der erfolgreichen Golfspieler am herrschaftlichen Anwesen wird nicht nur von der Haushälterin mit Argwohn betrachtet. Der Hausherr beteuert der Golfspielerin Elisabeth Sobeke beim Weg ins Haus seine Liebe und erntet eine Ohrfeige. Im Hintergrund maskiert sich ein Unbekannter und entsichert seine Waffe. Unterdessen spricht Elisabeth Sobeke dem Amtsnotar Kirchbaum auf die Mailbox bezüglich einer Testamentsänderung. Sie hört Geräusche in ihrem Haus und sieht ihren Mann das Haus verlassen. Der spielt beim Gerichtspräsidenten mit großer Intensität Backgammon.

An einem Wehr fällt eine weibliche Person ins Wasser. Charlotte Mayer verfolgt dies und wirft einen Rettungsring ins Wasser – leider vergeblich, die Leiche treibt weg. Rechtsanwalt Dr. Louis Sobeke gibt gegenüber Kriminalhauptkommissarin Klara Blum und ihrem Kollegen Kai Perlmann eine Vermisstenanzeige seiner Frau Elisabeth auf und weist auf ein angebliches Verhältnis zum Industriellen Volker Weyrauch hin. Anscheinend wollte sie die Beziehung beenden. Die Besichtigung ihres persönlichen Umfelds zeigt keine Auffälligkeiten.

Dann wird am Ufer des Bodensees eine weibliche Blondine gefunden, die vermutlich in eine Schiffsschraube geriet. Volker Weyrauch, der Freund von Louis Sobeke und Golfpartner von Elisabeth, hatte am Sonntagabend einen Termin mit Steuerberater Bechtle. Er streitet das Verhältnis zu „Lissy“ ab und hat es eilig, zu einem Termin des Kunstvereins zu kommen, da eine Vernissage anstehe. Blum bestellt Weyrauch und Sobeke ins Atelier von Charlotte Mayer, die dort aneinandergeraten. Beide sollen im Anschluss in der Gerichtsmedizin die Tote identifizieren. Volker Weyrauch weigert sich und Dr. Louis Sobeke kann die Leiche nicht als seine Frau erkennen. Blum vermutet, dass einer von beiden mit seinem Sportboot mehrmals über das Opfer gefahren ist. Die Indizien weisen auf Weyrauchs Boot hin, allerdings wird sein Alibi von seinem Steuerberater bestätigt.

Charlotte Mayer beschreibt ihre Sicht des Geschehens, in dem ein Mann die Frau ins Wasser gedrückt habe. Ihre Bemühungen zur Rettung waren umsonst. Sie kann nicht bestätigen, dass es sich um Elisabeth Sobeke handelte, aber dass der Mann Dr. Sobeke war. Ihre Aussage wirkt sehr wankelmütig, das wird auch durch den Vor-Ort-Termin immer klarer. Plötzlich scheint die Haushälterin beim abendlichen Spaziergang Frau Sobeke erkannt zu haben, die kehrt allerdings nach Ansprache auf dem Absatz um. Die Fahndung bleibt erfolglos. Endlich liefert die DNA-Analyse die Bestätigung, dass es sich bei der Toten tatsächlich um Elisabeth Sobeke handelt.

Der Zocker Sobeke feiert mit Mayer, dass die Kommissarin ihm nichts nachweisen könne. Dann überwiegen wieder die Selbstzweifel – aber, das ist nur Teil seiner Schau. Er gibt seine Rechtsanwaltskanzlei auf und hat First-Class-Flüge für sich und Mayer nach New York gebucht, aber den Platz von Mayer nachträglich storniert. Die gibt ihr Verhältnis zu Sobeke gegenüber der Polizei zu. Nur ein simpler Trick kann Sobeke zum Geständnis bewegen.

Rezension

Die Fans, die sich auf der Plattform „Tatort-Fundus“ versammeln, mögen den Film nicht sehr. Zum Beispiel deswegen:

Die Zeugin sagt, es war Sobeke. Wozu dann die Gegenüberstellung? Klar, erkennt sie den Mann, den sie namentlich vorher benannt hat. Sie hat Angst, dass er weiß, dass sie ihn anschwärzt. Frau Blum sagt, „Er sieht Sie doch gar nicht“. Danach hat er dann aber das Recht sich zu verteidigen und dabei seine Anschwärzerin kennenzulernen. Und sie nimmt das einfach hin. So viel Unlogik in wenigen Sekunden habe ich noch nie erlebt. Eigentlich war es ja eine schöne Idee, dass ein Mörder nicht dafür sorgt, dass er ent-, sondern vielmehr belastet wird. Mit falscher Uhrzeit. Und danach sorgt er höchstrichterlich für ein bestmöglichstes Alibi. Chance vertan. Gute Idee hin.

So gut hätten wir es nicht erklären können. Wir hatten zwar anlässlich der Gegenüberstellung genau denselben Gedankengang, aber wir waren uns nicht sicher, ob dieses Handlungselement wirklich so furchtbar ist, oder ob wir etwas übersehen und dadurch den tieferen Sinn nicht verstanden haben. Der Fundus-Nutzer, der diese Kurzkritik geschrieben hat, hat den Film dann übrigens mit 3,0 bewertet. So schlimm wird es bei uns nicht kommen, vor allem, weil wir im Normalfall bei ca. 4 Punkten die Untergrenze ziehen, nach dem Motto: Es gibt nicht das total Schlechte im Guten, nämlich in der Reihe „Tatort“. Lediglich aus politischen Gründen sind wir auch schon einmal bei 3 Punkten  herausgekommen.

Es gibt aber auch vom Wertungsschema unabhängige Gründe, den Film nicht ganz so vernichtend zu beurteilen. Ja, die Handlung ist ein Witz, darüber braucht man kaum zu diskutieren, aber stellenweise wirkt es natürlich auch so, als sei das Absicht. Weil es mit dem wirklich witzigen Spiel der Darsteller*innen matcht. Michael Verhoeven hat diesen Film so reizend inszeniert, dass wir viel lachen mussten und mitgegangen sind bzw. die Prämisse für uns selbst so erstellt haben: Das ganze Leben ist ein Spiel und manchmal verliert man – aber soll man deshalb in Tristesse machen? Da sind ganz viele schöne Momente drin, kleine Ideen, Gesten, Blicke, gute Dialoge ebenfalls. Selten, dass ein Drehbuch handlungsseitig so schwach ist und doch die Figuren nette Dinge sprechen lässt. Meist ist, wenn der Plot nicht passt, auch die Sprache einfallslos, schlimmstenfalls grauenhaft.

Hier aber geht es auseinander. Wir sind davon überzeugt, dass eine sinnvolle, geschickt gestaltete Handlung den Spaß nicht unterläuft und absurdes Theater keine Voraussetzung für einen künstlerisch und kriminalistisch überzeugenden Tatort ist. Die besten Thiel-Boerne-Filme beweisen das Gegenteil und es ist schade, dass man sich hier mit brachial unglaubwürdigen Momenten wie dem oben geschilderten behelfen muss, um nicht mitten im Film stecken zu bleiben. Und ertrickste Geständnisse sind ziemlich das letzte drehbuchtechnische Aufgebot, abgesehen davon, dass sie nicht legal sind – wir hatten das kürzlich aber bei „Feuerkämpfer“ ausführlich besprochen, wir verweisen auf diese Rezension, was die seltsame Einstellung der Öffentlichrechtlichen zu einer gesetzeskonformen Polizeiarbeit angeht. Es ist in „Die Spieler“ nicht so zentral, nicht so auffällig und außerdem ermittelt Klara Blum. Bei ihr akzeptieren wir mehr, das war schon immer so. Und Eva Mattes darf dieses Mal als Blickschauspielerin agieren, das ist einfach schön. Sie darf etwas mehr zeigen oder will mehr zeigen als in einigen anderen Bodensee-Tatorten, in denen bei ihr das Bild vom – sic! – Spiel, die Grenze zwischen lässig, unaufgeregt und gelangweilt in den sanften Wellen des Bodensees verschwimmt.

Dieser spielt als Gewässer des Schicksals auch dieses Mal wieder eine Rolle und was erinnert mehr an den Spieler Tom Ripley als eine Leiche, die – nun ja, nicht von einer Schiffsschraube erfasst wird, aber sich mit dem Seil, in das sie gefesselt ist, darin verfängt. So versiert sind die Spieler im Film nicht ganz, aber die Seitenhiebe auf den Kunstbetrieb sind ebenso gelungen wie die Darstellung der Milieus. Man merkt, dass diejenigen, die sich das ausgedacht haben, ein bisschen herumgekommen sind. Die vielen Bezüge zu Dekors, Mode und eben Kunst, wie Wirtschaft und Kultur interagieren, daran gibt es nichts auszusetzen, weil es hübsch pointiert ist: Muss so nicht, kann aber und wirkt auf eine mal mehr, mal weniger satirisch angehauchte Art authentisch. Obwohl Konstanz nicht New York ist. Auch Mörder haben Träume, das macht sie so menschlich. Und Geld allein … aber das wussten wir ja.

Zur Lösung des Falles trägt er nicht viel bei, auch das hätte man besser machen können – aber dass man den wunderbaren Otto Sander für diesen Tatort gewinnen konnte, bringt einen Extrapunkt. Es musste noch ein zusätzliches Milieu rein, und der Berber, der alles tut, um ins Gefängnis zu kommen, weil er sich dort besser aufgehoben fühlt als draußen, den bringt Sander schon aus optischen Gründen sehr gut rüber. Die Überraschungs-Geburtstagsparty für Klara hatte sich zwar abgezeichnet, wir waren nicht komplett überrascht, aber sie ist ein Highlight. Wie die Charaktere zueinander gestellt werden, besonderes Augenmerk bitte auf den Gerichtsmediziner!, da steckt viel Können und Liebe zum Detail drin. Alle agieren ein wenig außerhalb ihres üblichen Schemas oder können es besonders gut ausspielen.

Fazit

Das große Aber ist, dass wir trotzdem der Ansicht sind, die wunderbaren Einfälle und das gefällige Spiel hätten sich sehr wohl mit einer überzeugenden Handlung verbinden lassen. Hätte man hingegen eine Krimigroteske drehen wollen, hätte man das klarer herausstellen müssen. Mittlerweile gibt es ja solche Filme, manchmal sind sie auch als Experiment gelabelt, aber das hat man sich vor 15 Jahren noch nicht getraut und wir sind uns nicht sicher, ob man es gerne getan hätte, oder ob schlicht die Fähigkeit gefehlt hat, alles, was einen großen Tatort ausmachen kann, zusammenzuführen. Das ist schade, aber wir finden, man kann sich den Film trotzdem anschauen. Die Logik dessen, was sie tun, ist bei Spielertypen und Künstler*innen ohnehin so eine Sache: Einerseits sind sie wunderbare Blender und können selbst nicht unterscheiden zwischen dem, was andere sehen, zum Beispiel, wenn sie diesen Film anschauen, und dem, was sie in sich und die Welt hineininterpretieren. Es ist eben vieles Theater, Konstrukt, eitles Gehabe und Selbstüberschätzung, doch die kindischen Träume und Sehnsüchte, der Wunsch nach absoluter Freiheit, sich selbst immer wieder neu zu erfinden, als Mäzen oder als Armchair Millionaire in den Staaten, sind doch echt, und die Rücksichtslosigkeit, die dazu führt, dass Menschen einfach umgebracht werden aus Habgier, die ist auch echt.

7/10

© 2021 (Entwurf 2020) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Hauptkommissarin Klara Blum – Eva Mattes
Kai Perlmann – Sebastian Bezzel
Charlotte Mayer – Ingeborg Westphal
Otto Androsch – Otto Sander
Bernhard Kolotschetschik – Wolfgang Häntsch
Annika Beck – Justine Hauer
Volker Weyrauch – Andreas Seyferth
Louis Sobeke – Jan Niklas
u.a.
Drehbuch – Fred Breinersdorfer
Regie – Michael Verhoeven
Kamera – Immo Rentz
Szenenbild – Annette Ganders

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