Duell im Atlantik (The Enemy Below, USA 1957) #Filmfest 430

Filmfest 430 Cinema

Duell im Atlantik (Originaltitel: The Enemy Below) ist ein US-amerikanischer Kriegsfilm von Dick Powell aus dem Jahr 1957, die auf einem 1956 veröffentlichten Roman von D. A. Rayner beruht. Geschildert wird das Aufeinandertreffen des  Kapitäns eines amerikanischen Zerstörers, gespielt von Robert Mitchum, und eines deutschen U-Boot-Kommandanten, dargestellt von Curd Jürgens, im Zweiten Weltkrieg. (1)

Mit einer Durchschnittsbewertung von 7,5/10 seitens der Nutzer*innen der Internet Movie Database ist „Duell im Atlantik“ ein ziemlich angesehener Kriegsfilm aus einer Zeit, als man versucht hat, Episoden im Zweiten Weltkrieg  einigermaßen realistisch darzustellen – anders als bereits in den 1960ern, als man immer mehr in hanebüchene Übertreibungen abglitt. Aber ist „Duell im Atlantik“ ein Antikriegsfilm oder ein guter Kriegsfilm? Darüber denken wir ein wenig nach in der -> Rezension.

Handlung (1)

Die Geschichte entwickelt sich um das zufällige Zusammentreffen des Geleitzerstörers USS Haynes (DE-181) der Cannon-Klasse und eines nicht weiter bezeichneten deutschen U-Bootes im südatlantischen Ozean.

Der Film endet im Desaster. Der durch Torpedos schwer getroffene Zerstörer rammt das U-Boot, als es für den „Fangschuss“ auftaucht. Dem Kapitän des U-Bootes, Stolberg, bleibt nicht anderes übrig, als zu kapitulieren, und er verbleibt am sinkenden Schiff, bis der letzte seiner Seeleute von den amerikanischen Streitkräften gerettet ist.

Im Gegensatz zum Buch endet der Film sehr versöhnlich, indem Captain Murrell den Kommandanten von Stolberg unter Einsatz seines eigenen Lebens von dem sinkenden Havaristen rettet, indem er ihm ein Seil zuwirft und ihn an Bord des Zerstörers zieht.

Produktion, Hintergrund (1)

Der 20th Century Fox-Produktion stand ein geschätztes Budget von $ 1.910.000 zur Verfügung. Die Verantwortung für das Music-Departement lag bei Charles Henderson.

Man kann davon ausgehen, dass es sich bei dem deutschen U-Boot um ein Langstreckenboot des Typs IX handelt. Zum einen wäre der Standardtyp VII nicht bis in den Südatlantik gekommen (zu geringe Reichweite), zum anderen feuert das Boot beim ersten Angriff einen Doppelfächer Torpedos aus dem Heck auf den Zerstörer, und nur Boote vom Typ IX verfügten damals über zwei Torpedorohre im Heck.

Der Geleitzerstörer USS Haynes (DE-181) wurde durch die USS Whitehurst (DE-634) dargestellt. Die Außenaufnahmen wurden im Pazifik in der Nähe von Oʻahu (Hawaii) gemacht. Viele Besatzungsmitglieder der Whitehurst spielen im Film mit, wie die Bediener der Geschütze und Wasserbombenwerfer und die Seeleute, die das sinkende Schiff verlassen. Der Kommandant der Whitehurst, LtCdr Walter Smith, spielte den Maschinenoffizier.

Szenen aus dem Film wurden in der Episode Killers of the deep (deutscher Titel Auf Gefechtsstation) der Serie Die Seaview – In geheimer Mission verwendet. Der Schauspieler David Hedison wirkte sowohl im Film als auch in der Serie mit.

Eine Science-Fiction-Version des Buches fand in der Episode Spock unter Verdacht der Fernsehserie Raumschiff Enterprise statt, in welcher die Enterprise gegen ein romulanisches Schiff kämpfen musste, das durch seine Tarnvorrichtung quasi „untergetaucht“ war.

Im Film erwähnt Kapitän von Stolberg den Kreuzer M, der sich in der Aussprache wie Emden anhörte. In Wahrheit meint Stolberg einen der deutschen Überwasser-Raider, die sich als Handelsschiffe tarnten, aber mit getarnten 15-cm-Geschützen stark bewaffnet waren. Die Alliierten wussten von diesen Schiffen, kannten aber die Namen nicht, da die Kommandanten der deutschen Handelsstörer die Ehre hatten, ihren Schiffen einen eigenen Namen zu geben. Um die verschiedenen Schiffe zu unterscheiden, wurden von Seiten der Alliierten die deutschen Raider mit Buchstaben aus dem Alphabet versehen. Einen Raider mit der Bezeichnung M gab es allerdings nicht.

Abweichungen zum Buch (1)

Von Stolberg wird im Film anders als im Buch gezeichnet. Hervorzuheben ist eine Szene, in der ein Matrose nach einem Wasserbombenangriff in Panik gerät. Während der Mann im Roman vom Kommandanten wortlos erschossen wird, endet die Episode im Film damit, dass von Stolberg den in Panik geratenen mit den Worten: „Das Sterben gehört zu unserem Beruf, aber wir sind noch nicht dran“ wieder beruhigt.

Ebenso endet der Roman damit, dass sich die Überlebenden der Kollision noch gegenseitig im Wasser treibend totprügeln, während der Film in einem kameradschaftlichen Dialog der beiden verfeindeten Kommandanten endet.

Kritik

„Spannendes, gut gespieltes Drama, das das Kampfgeschehen jedoch auf unverantwortliche Weise verharmlost.“ – Lexikon des internationalen Films[1]

Rezension

Nach dem Lesen der obigen Anmerkungen zu den Unterschieden zwischen Buch und Film darf man darüber nachdenken, was noch abweichend dargestellt worden sein könnte – etwa die führerkritische Einstellung des U-Boot-Kommandanten von Stolberg? Vermutlich sind viele weitere sehr humanistische und die Besatzungen beider Schiffe als sehr menschlich darstellenden Details für den Film umgedichtet worden. Vielleicht fiel es der 20th Century Fox auch leichter als anderen Hollywoodstudios, eine solche Annäherung zu zeigen, wie sie letztlich das Geschehen dominiert und so viel Respekt voreinander, wie die beiden Seekriegskommandanten ihn hier zeigen. Wenn man das Spiel der beiden Hauptdarsteller vergleicht, ist Curd Jürgens sogar derjenige, der mehr Präsenz gewinnt dessen Figur vielschichtiger wirkt.

Dieses Duell in seiner Zähigkeit und schachspielartigen Ausprägung würde man heute nicht mehr so zeigen können. Die hippeligen Medienrezipienten unserer Tage würden auf den Kinosesseln rutschen, mit den Beinen wippen, Popcorn und sonstwas verschütten. Man muss sich vorstellen, dass fast bis zum Schluss keine Beschädigung beider Schiffe stattfindet und es zu keiner Explosion kommt, bis am Ende der US-Zerstörer tatsächlich von einem Torpedo getroffen wird. Man muss diesen Film nur mit „Das Boot“ vergleichen, dann weiß man, was ich meine. Immerhin, siehe oben, der Film wird immer noch geschätzt, obwohl er für einen Kriegsfilm eine ziemlich ruhige Kugel schiebt und die Action doch eher dezent eingesetzt wird. So wird es damals aber häufig gewesen sein, wenn U-Boote und Kriegsschiffe gegeneinander kämpften. Die einen horchen und versuchen, die anderen mit Wasserbomben zum Auftauchen zu bringen oder zu versenken, die anderen versuchen, Torpedos zu schicken und / oder sich wegzuschleichen. Und wenn ein Boot auf Grund liegt und keine Geräusche mehr von sich gibt, ist es mit damaligen Mitteln nicht festzustellen gewesen, wo es genau liegt.

Dass die Technik schon fast zu gut für einen ehrenhaften Kampf war, anders als im Ersten Weltkrieg, als noch mehr oder weniger blind aufeinander geschossen wurde, ist für mich eine der problematischeren Stellen des Films, denn das Tückische am U-Boot-Krieg ist kaum zu übersehen, auch wenn es die Reaktion auf eine Seeblockade und damit ein ebenso radikales Mittel war, den Gegner zu schädigen – im Ersten Weltkrieg, wohlgemerkt. Der Erste Weltkrieg war auch ein Vorläufer der Hunger Games, zumindest in Deutschland. Ein solches Aushungern der Bevölkerung zumindest konnte man bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges vermeiden. Es kam dann im Winter 1946/47.

Wie es sich auf einem U-Boot lebt, ist schwer nachzuvollziehen für jemanden, der nie so lange eingesperrt war und doch habe ich eine gewisse Vorstellung. Ich prüfe aufgrund mindestens eines Vorkommnisses in meiner Kindheit die meisten Türen und Räume darauf, ob man aus ihnen entkommen kann, wenn eine gesperrte Tür sich nicht mehr öffnen lassen sollte oder dergleichen. Die U-Boote im Zweiten Weltkrieg waren schon recht zuverlässig, aber der Kampf wurde nach der Einführung des Radars und der Echolot-Ortung sehr gefährlich, und das wird im Film auch gezeigt. Technische Neuerungen waren also tatsächlich mit entscheidend für den Verlauf von Kampfhandlungen und Neuerungen kamen damals in sehr kurzer Folge.

Finale

Der Tenor des Films, obwohl die Sicht amerikanisch ist, entspricht auf erstaunliche Weise dem, der auch in deutschen Filmen über den Zweiten Weltkrieg zu bemerken ist, die in jener Zeit entstanden. Es begann mit eher kritischen Werken wie „Des Teufels General“ (ebenfalls mit Curd Jürgens in der Titelrolle) oder der „08/15“-Reihe, die aber trotzdem den „einfachen Soldaten, der nur seine Pflicht tat“, mehr oder weniger entschuldigten, auch wenn der einfache Soldat in Wirklichkeit ein Offizier war, der sehr wohl um die Konsequenzen dessen wissen konnte, was er tat, wenn er diesem III. Reich diente. Sodann verstärkte sich der exkulpierende Eindruck in Filmen wie „Haie und kleine Fische“ und „Stern von Afrika“ und erst „Die Brücke“ von Bernhard Wicki, gedreht im Jahr 1959, fand einen Ton, den man auch heute noch als auf angemessene Weise gegen den Krieg und das NS-Regime gerichtet ansehen kann.

In „Duell im Atlantik“ kommt quasi nur ein einziger fanatischer Nazi vor, ein junger Offizier, der direkt von einer Kaderschule auf das U-Boot verlegt wurde, das wir hier im Einsatz sehen. Sicher ist dieser Hinweis auf das Problem der „verführten Generation“ nicht verfehlt, aber dass die meisten jungen Soldaten so drauf waren, merkt man der Besatzung des Bootes nicht an. Sicher ein sehr honorabler Film den Deutschen gegenüber, die sich gerade wiederbewaffnet hatten und fest in die westliche Gemeinschaft eingebunden werden sollten, aber er verklärt deren Verhalten sogar mehr als das der Amerikaner und jenseits der Form, wie jeder heutzutage seine Form der Aufarbeitung betreibt, ist das in der Tat bedenklich. Deshalb gebe ich dem Filmlexikon in diesem Fall bezüglich der ethischen Bedenken recht. Gefilmt ist „Duell im Atlantik“ für die Verhältnisse der Zeit gut, wie alles, was damals von der 20th Century Fox kam, die sich frühzeitig entschieden hatte, keine B-Filme mehr, sondern nur noch Produktionen mit den höchstmöglichen technischen Standards zu machen.

70/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Wikipedia

Regie Dick Powell
Drehbuch Wendell Mayes
Produktion Dick Powell für
20th Century Fox
Musik Leigh Harline
Kamera Harold Rosson
Schnitt Stuart Gilmore
Besetzung

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