Krieg und Frieden (War and Peace, USA / IT 1956) #Filmfest 439

Filmfest 439 Cinema

Krieg und Frieden (Originaltitel: War and Peace) ist eine US-amerikanischitalienische Literaturverfilmung aus dem Jahr 1956. Der Film wurde unter der Regie von King Vidor nach dem Buch Krieg und Frieden von Leo Tolstoi gedreht, mit Henry Fonda, Mel Ferrer und Audrey Hepburn in den Hauptrollen. Er zählt zu den erfolgreichsten epischen Kinofilmen der 1950er Jahre.

Regisseur King Vidor hat mit „The Big Parade“, der auf Deutsch „Parade des Todes“ heißt, einen der bedeutsamsten Stummfilme über den Ersten Weltkrieg inszeniert (1925), der heute in der IMDb vo den Nutzern mit 8,2/10 bewertet wird. Würden mehr Nutzer eine Meinung abgeben, käme er mit dieser Punktzahl gut in die „IMDb Top 250“ der besten Filme aller bisherigen Zeiten und aller Länder.

Leider haben wir dieses Werk noch nicht gesehen, wohl aber den nahezu unglaublichen „Duel in the Sun“ (1946), der wohl mindestens so viel vom pompösen Stil des Produzenten David O. Selznick zeigt wie von King Vidors gerühmter Kunst, Massenszenen perfekt choreografieren zu können. Wir kennen auch „Hallelujah“ (1929), einen der ersten „afroamerikanischen“ Filme, aber gedreht aus weißer Sicht, und das merkt man auch. Trotzdem ist es ein guter Film geworden, für die Verhältnisse der Zeit. Von „Duel“ oder „Hallelujah“ kann man nicht behaupten, es gebe nicht Drama und es zeigten sich nicht Figuren, die richtig aus sich herausgehen können. Erwähnen müssen wir unbedingt auch „The Crowd“ aus dem Jahr 1928, den wir kürzlich angeschaut haben und der als einer der wichtigsten amerikanischen Stummfilme gilt.

Gerade, um einen epischen Film tragen zu können, ist es wichtig, dass die Figuren viel emotionales Potenzial haben und entwicklungsfähig wirken, denn die Zuschauer müssen drei Stunden überstehen. Sie mussten es in den 1950ern, ohne dass die CGI immer wieder für Reizüberflutung sorgen konnte. Bei der Verfilmung eines Sujets, das viel Historisches beinhaltet, konnte man zwar mit Massenszenen prunken, aber nicht damit, dass es sich um leichte Kost handelt, die sich flüssig und entspannt anschauen lässt. Ist der Mix bei „Krieg und Frieden“ so gut gelungen, wie es seine Stellung als „einer der erfolgreichsten epischen Filmde der 1950er“ vermuten lässt? Wir klären das in der -> Rezension.

Handlung (1)

Russland eingangs des 19. Jahrhunderts: Andrej Bolkonski und Pierre Bezukhov, beide Mitglieder der Moskauer Adelsschicht, sind Freunde. Pierre, der einzige, aber uneheliche Sohn eines russischen Grafen, kann den richtigen Weg seines Lebens nicht finden und ist dem Trunk und dem Glücksspiel verfallen. Aber auch Andrej ist nicht glücklich: Obwohl mit einer der begehrenswertesten Frauen Moskaus verheiratet, empfindet er ihre Anhänglichkeit und die ständigen gesellschaftlichen Verpflichtungen als lästig und fühlt sich in seinen Entwicklungsmöglichkeiten behindert. Darum ist für ihn der anstehende Krieg mit Napoléon Bonaparte die ersehnte Möglichkeit auszubrechen. Er zieht als Offizier mit der russischen Armee nach Österreich, Napoleon und seinen Truppen entgegen. In der Schlacht bei Austerlitz begegnet er dem berühmten Herrscher das erste Mal.

Pierre, dessen Vater mittlerweile verstorben ist und ihm sein ganzes Vermögen hinterlassen hat, verbringt viel Zeit bei der lebensfrohen Moskauer Familie Rostow. Die jüngste Tochter, die jugendlich lebenslustige Natascha, hegt besondere Gefühle für Pierre, die sich zwar in Gegenseitigkeit, jedoch zunächst nur in Freundschaft ausdrücken. Pierre heiratet die junge, schöne Elena Kuragin. Doch diese Ehe erweist sich schon bald als schwerer Fehler, da sie ihn nur seines Geldes wegen gewählt hat und ihn mit dem leichtlebigen Dolochow betrügt. Nach einem Duell mit Dolochow trennt sich Pierre von Elena, allerdings wird die Ehe nicht geschieden. Auch Andrej ist wieder allein: Seine Frau ist bei der Geburt seines Sohnes verstorben. Während er als Gast auf dem Landsitz der Familie Rostow weilt, verliebt er sich in Natascha und sie sich in ihn. Doch nach dem Willen von Andrejs störrischem und griesgrämigem Vater dürfen sie erst nach einem Jahr heiraten, damit sie die Richtigkeit ihrer Verbindung noch einmal überdenken. Andrej reist mit der Friedenskommission nach Tilsit.

Derweil beginnt Natascha eine Affäre mit Elena Kuragins Bruder Anatol, der genauso wenig Charakter wie seine Schwester besitzt. Natascha, die dafür kein Einverständnis von ihrer Familie erhoffen kann, will heimlich mit ihm fliehen und ihn heiraten. Pierre kann die Aktion jedoch verhindern und veranlasst Anatol, aus Moskau zu verschwinden. Andrej erfährt von der Angelegenheit und löst enttäuscht seine Verlobung.

Bonaparte, der mittlerweile an der Grenze zu Russland steht, weist die Bitte des Zaren um Rückzug, die Andrej ihm als Gesandter überbringt, zurück, fällt in Russland ein und marschiert bis Moskau. Die Bewohner sind vorher geflohen, auch die Rostows. Um den Eroberern so wenig wie möglich zu lassen, wurde die Stadt in Brand gesteckt. Pierre will sich zu einer drastischen Tat durchringen und Napoleon aus einem Hinterhalt erschießen, zaudert aber in letzter Sekunde. Er wird verhaftet, als er einer wehrlosen Frau helfen will. Unter den Mitgefangenen befindet sich auch ein einfacher zwangsrekrutierter russischer Soldat, ein früherer Bauer namens Platon, der trotz seiner Schicksalsschläge den Glauben nicht verloren hat und dem Leben immer noch positive Seiten abgewinnen kann. Er kann Pierre neuen Lebensmut geben. Der russische Winter setzt den napoleonischen Truppen heftig zu. Bonaparte muss aufgeben und sich auf den Rückmarsch machen. Die Kriegsgefangenen, unter ihnen Pierre, werden auf dem beschwerlichen Marsch mitgeschleppt. Die russische Armee, die sich bisher aus taktischen Gründen nur zurückgezogen hat, greift jetzt das geschwächte napoleonische Heer ständig an. Bei einer solchen Aktion, unter dem Kommando von Dolochow, wird Pierre befreit. Er versöhnt sich mit Dolochow, der ihn um Vergebung bittet. Bei dieser Gelegenheit erfährt Pierre, dass Elena gestorben ist.

Natascha findet Andrej, den sie in einem Lazarett im Hinterland entdeckt, bei der Schlacht von Borodino schwer verwundet und im Sterben liegend vor. Vor seinem Ableben verzeiht er ihr. Die Rostows kehren in die Ruine ihres Hauses in Moskau zurück. Auch Pierre trifft dort ein. Er und Natascha, vom naiven Mädchen zur jungen Frau gereift, entdecken ihre Liebe zueinander und gehen gemeinsam in ein neues Leben.

Rezension

Hingegen wurde die Zeichnung der Charaktere in „Krieg und Frieden“, der ersten Verfilmung des „größten russischen Romans“ von Leo Tolstoi, zuweilen als unterentwickelt und wenig inspirierend kritisiert. Das tat schon Bosley Crowther in der New York Times, als der Film herauskam und was Crowther sagte, hatte damals ein Gewicht, das man sich heut bei einem einzelnen Filmkritiker kaum vorstellen kann. Es ist bekannt, dass er ein Fan des europäischen Films war und viele Hollywoodproduktionen als zu seicht empfand, darunter auch Filme, die mit Oscars prämiert wurden. 

Ganz vorne auf der Besetzungsliste steht, wenig überraschend, Audrey Hepburn, die sich mit wenigen Filmen („Roman Holiday“ und „Sabrina“) in das Herz des amerikanischen Publikums gespielt hatte und so ganz anders war als die fülligen, überwiegend blonden Sexbomben jener Zeit. Sie war ein Gegenentwurf, der schon auf die 1960er deutete, Avantgarde im Mainstream, wenn man so will. Die Nummer Zwei des Casts ist Henry Fonda, der sich mit „Mister Roberts“ (1955) gerade von einer langen Karrierepause zurückgemeldet hatte. Die Rolle, in der man ihn heute vielleicht bei uns am besten kennt, die von Nr. 8 in „Die zwölf Geschworenen“ lag aber noch ein Jahr voraus, als „Krieg und Frieden“ gefilmt wurde. Der Dritte im Bunde ist Mel Ferrer, damals der Mann von Audrey Hepburn und die Besetzung des Prinzen Andrej durch seine Person war eine Bedingung dafür, dass Audrey Hepburn bei dem Film mitmachte und damit dafür sorgte, dass andere Studios, die ebenfalls an einem solchen Projekt arbeiteten, aufgaben.

Mit der Paramount hatte man ein in Großproduktionen erfahrenes Studio, das allerdings, anders als damals schon die meisten in Hollywood, nicht auf das wesentlich breitere Cinemascope setzte, sondern auf das hauseigende Format VistaVision, das etwa dem heutigen 16:9-Fernsehformat entspricht. Dadurch wirken Filme wesentlich intimer und Carlo Ponti, der italienische Co-Produzent, konnte sich mit diesem Werk international etablieren. Galt der überragend füllige Roman von Tolstoi zuvor als unverfilmbar, war die Zeit Mitte der 1950er reif. Im selben Jahr kamen mit „Giganten“ und „Die zehn Gebote“ zwei weitere in der Tat gigantische Filme heraus und Letzterer wurde von Cecil B. DeMille inszeniert, dem Regisseur, dem wir auch „Krieg und Frieden“ zu meistern ohne Weiteres zugetraut hätten, zumindest als Meister des Hollywood-Großkinos mit vielen Statisten.

Bezüglich der Statisterie und der Schlachtengemälde, die aus der Statisterie hervorgehen, hat aber auch King Vidor seine Sache gut gemacht und uns demonstriert, dass der moderne Bewegungskampf zur Zeit Napoleons noch kein Mittel der Wahl war, dabei liegt es so nah, Angreifern dadurch weniger Zielfläche zu bieten, dass man individuell ausschwärmt und bestmöglich Deckung sucht. Die Grandezza, die seit den römischen Legionen zum Militär gehört, die hat sich doch sehr, sehr lange erhalten bzw. erreiche damals sogar einen neuen Höhepunkt. Strategisch und taktisch aber liegt die Kozentration nicht auf der Ordnung der Schlacht, sondern darauf, wie man auf die überlegene Grande Armee Napoleons am besten reagiert. Mit Rückzug und ausbluten lassen. Seltsam und gespenstisch, dass man 130 Jahre später so gar nichts aus dieser Methode, das Land für sich arbeiten zu lassen, gelernt hatte, als man aus der Mitte Europas heraus noch einmal versuchte, die riesigen Weiten Russlands zu erobern. Die große Tragödie der napoleonischen Kriege kommt gar nicht schlecht rüber, in diesem Film, der gleichzeitig vorausweist und die Hollywoodgeschichte zitiert: Der lange Marsch der Gefangenen lässt schon Doktor Schiwagos Schnee-Elegie erahnen, die Szene, in welcher die Rostows in ihr Haus zurückkehren, wirkt beinahe wie eine exakte Kopie der Rückkehr von Scarlett O’Hara und Melanie Wilkes nach Twelve Oaks nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Auch die Räumung Moskaus hat etwas von Atlanta anno 1863.

Auch die Figurenaufstellung ist ähnlich der von „Vom Winde verweht“. Zwar ist Natascha nicht so kantig und selbstsüchtig oder selbstbestimmt wie Scarlett, aber sie kann steht im Mittelpunkt eines Beziehungsgeflechts, in dem Prinz Andrey etwa die Rolle von Ashley Wilkes hat und die Familie Rostow ein bisschen wie eine Mischung aus den Wilkes und den O’Haras wirkt. Wenn man es so sieht, ist Pierre, der Pazifist nicht aus Leidenschaft, sondern aus Unentschlossenheit, das Problem.

Henry Fonda spielt ihn so grüblerisch und statuarisch, dass man sich dabei kaum einen Russen jener Jahre vorzustellen vermag. Im Lauf des Films, nachdem Pierre keine Partys mehr feiert, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Oft ist er der einzige Zivilist im Bild und sein Wandern ein einer militarisierten Gesellschaft hat sicher  etwas Metaphorisches, aber seine geradezu eklektisch wirkende Außenseiterposition macht die Identifikation mit ihm schwierig. Aus seiner Sicht wird der Film nun einmal überwiegend erzählt. Der Vergleich mit „Gone With the Wind“ zeigt auch den Krieg, ist trotzdem etwas schief, aber wichtig. Und da ist noch etwas, was erklären kann, warum die Figuren von zeitgenössischen und teilweise auch heutigen Kritikern als etwas blutleer empfunden wurden. Man kann die wilden Typen in „Duel in the Sun“ als Vergleich heranziehen, also Vidors Werk, man kann „Mit stahlharter Faust“ nehmen, den letzten Film, den er vor „Krieg und Frieden“ mit Kirk Douglas gemacht hat und der uns sehr gut gefallen hat, wegen seiner straffen Inszenierung und eben wegen des kraftvollen Spiels von Kirk Douglas. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass der US-Film damals von Method Actors wie Marlon Brando als der Wilde und James Dean als der Weinerliche dominiert wurde. Das war State oft he Art, das Kino wurde um jene Zeit sehr theaterhaft und gerade so sind die Figuren in „Krieg und Frieden“ nicht aufgestellt worden, sondern viel zurückhaltender.

Mit Henry Fonda hatten wir trotzdem etwas Mühe, Audrey Hepburn ist für uns immer Audrey Hepburn, egal, welche Rolle sie spielt, aber Mel Ferrer als Prinz Andrey wirkte auf uns nicht hölzern, sondern ernsthaft und kompakt, wie wir ihn auch in „Scaramouche“ (1952) sahen und kennenlernten, als kapabler Gegenspieler von Stewart Granger in einem der schönsten Mantel- und Degenfilme überhaupt. Seine Darstellung wirkt auf uns am meisten zeitlos, wenn man die wichtigsten Figuren betrachtet. Dass der großartige Schauspieler Herbert Lom so klein von Statur ist, war uns bisher nicht klar, aber dass muss er wohl sein, oder man hat einen Trick angewendet, als man ihn Napoleon interpretieren ließ. Oskar Homolka als trickreicher und überhaupt nicht rumsüchtiger russischer Oberbefehlshaber Krutin gibt eine der besten Vorstellungen von allen in diesem Film. Wenn man sich anschaut, wie leblos und in der Suppe internationaler Großproduktionen verkocht und jeder auf nationalen Eigenheiten fußenden Individualität bar Darsteller in heutigen Historienfilmen wirken, kann man aber nicht sagen, in „Krieg und Frieden“ wird zu kühl agiert. Im Umfeld der Hochphase des Melodrams, in den 1950ern, sieht das allerdings ein wenig anders aus, da wünschten sich die Kritiker mehr Expressivität. Da man genau diese den Russen ohnehin  zurechnet, hätte man sich nicht so landesfremd gefühlt, mit dem Parade-Ostküstenamerikaner Henry Fonda und anderen, die nicht so recht ins Zeitbild und ins ethnische Bild passen wollen. Wie das anders geht, hat Richard Brooks zwei Jahre später mit „Die Brüder Karamasow“ gezeigt, aber Dostojewski ist nicht Tolstoi und die Karamasow-Adaption gilt heute, möglicherweise zu Unrecht, nicht als Meilenstein der Russland-Interpretation durch Hollywood.

Interessant aber, dass wir dennoch mitgehen konnten und manche berührende Szene fanden. Vielleicht war es das Schicksal selbst, das uns so nahe kam, das konnten wir vielleicht ein wenig abstrahieren. Krieg, Tod, Vernichtung. Die Figuren, die am wichtigsten sind, überleben ohnehin und finden sich sogar und weil wir vorher schon wussten, dass es so sein wird, machten wir uns keine übertriebenen Sorgen um sie. Wir haben den Film zwar jetzt erstmalig angeschaut, aber dass Pierre und Natascha überleben, war uns bereits bekannt. Ein Problem hatten wir mit Natascha, für das Audrey Hepburn nichts kann. Das ist, wie dieses Mädchen, das den im Krieg befindlichen Andrey so liebt, ganz  leicht von ihm abzubringen ist durch einen Typ – also wirklich. Nichts gegen Vittorio Gassmann in italienischen Filmen und dass er hier mitmacht, verdankt er der Tatsache, dass er damals einer der wichtigsten Stars in Italien war und dass der Film vom Italiener Carlo Ponti coproduziert wurde – aber wie schäbig sein Charakter ausgelegt ist, das wirkt zu grob und Nataschas wilde Schwärmerei für ihn komplett aufgesetzt. In einem Film, auch wenn er drei Stunden lang ist, sollten Figuren sich einigermaßen glaubwürdig entwickeln, wenn sie sich schon entwickeln, aber nicht einen Schritt vor und dann drei zurück. Leider hat dieses seltsame Verhalten der jungen Comtesse Rostowa auch das Ende beeinflusst. Kaum ist Andrej tot, entdeckt sie, dass sie Pierre schon immer geliebt hat. Das hätten wir als Jugendliche noch irgendwie gekauft, weil wir da von Audrej Hepburn mehr bezaubert und von der Erfahrung mit Menschen weniger geplagt gewesen wären, weil wir Pierre einfach schick gefunden hätten. Dies wiederum, weil er von diesem Fonda gespielt wird und wir unbedingt von Beginn an gewollt hätten, dass die Sache sich für die beiden richtet. Aber einige Jahrhunderte später? Das ging uns alles dann zu schnell, zu glatt, als hätte man gegenüber dem Roman an der falschen Stelle Zeit eingespart. So viel zur linearen Entwicklung, aber dass das Ende überhastet kommt, steht nicht dem entgegen, was wir zuvor geschrieben hatten.

Finale

Es ist verständlich, dass man später an „Krieg und Frieden“ in der Form von Mehrteilern heranging, um mehr Zeit für die Figuren und deren Tiefenausleuchtung zu haben. Das sollte man bei einem Roman aus Russland, in dem es üblicherweise von Figuren wimmelt, die etwas hergeben, auch tun. Es versteht sich, dass keine Verfilmung den Roman mit seinen philsophischen Aspekte ausleuchten kann. Anders als Ende der 1960er, als die zweite, sowjetische Verfilmung des Stoffes oscarprämiert wurde, muss man heute geradezu  hoffen, dass nicht aus Putins Russland etwas Neues zur Sache „Krieg und Frieden“ kommt. Denn so gut kleinere russische Filme sein mögen, dieses Werk wäre nur mit massiver Staatsunterstützung in großem Rahmen zu filmen und würde daher ein pompöses, patriotisches Stück werden, auf das putin-nahe Chargen Einfluss nehmen würden. Es ist durchaus ein wichtiges Pfund der ersten US-Verfilmung, dass sie dem Krieg insgesamt kritisch distanziert gegenübersteht, auch wenn der Repräsentant der kriegsfernen Haltung kein Pazifist aus Überzeugung ist. Es ist vor allem die Art, wie die russische Armee taktiert, die keine Heldengesänge erlaubt. Das ist nicht zu vergleichen mit der Situation von 1941 bis 1945, die wir oben angedeutet haben, weil das Muster der Eroberung und des Scheiterns grundsätzlich ähnlich wirken.

73/100

© 2021 (Entwurf 2019) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie King Vidor
Drehbuch Bridget Boland
Robert Westerby
King Vidor
Mario Camerini
Ennio De Concini
Ivo Perilli
Gian Gaspare Napolitano
Mario Soldati
Produktion Dino De Laurentiis/Paramount
Musik Nino Rota
Kamera Jack Cardiff
Schnitt Leo Cattozzo
Besetzung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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